Rechenzentren essen Erde auf
Der unersättliche Hunger des digitalen Kosmos und seine Expansion in Berlin-Brandenburg
Als vor einigen Jahren die Klimabewegung noch wöchentlich auf die Straße ging, haben Gefährt:innen wiederholt die Erfahrung gemacht, dafür kritisiert zu werden, dass sie Flayer auf bedrucktem Papier verteilen. Klar, wir wissen alle Bescheid über die rücksichtlose Abholzung der Wälder und die schädlichen Machenschaften der Papierindustrie. Daher ist dieser Einwand sicher nicht ganz falsch. Doch die Geschichte hat einen Haken. Während die vehementen Kritiker:innen des Papierdrucks ihre Position kundtaten, wischten sie bedenkenlos auf ihren Smartphones umher und noch viel tragischer, machten sich stark dafür, dass auch wir unsere Inhalte zukünftig im Namen des Umweltschutzes in die digitale Spähre verbannen sollen.
Diese Anekdote ist sehr bemerkenswert und aufschlussreich. Nicht weil es besonders hilfreich ist, die Klimaaktist:innen von damals als naiv oder doof abzutun, sondern weil es verdeutlicht, wie sehr es Industrie und Politik gelungen ist, eine Erzählung zu kreieren, wonach die Digitalisierung per se nachhaltig wäre und fern ab einer materiellen Seite existieren würde. Abgesehen davon, dass auch der überwiegende Fokus auf individuelles Konsumverhalten der damaligen Umweltbewegung ein Trick der Industrie zur Ablenkung von systemischen Ursachen war, dem sie in großen Teilen aufgesessen sind, blieb solch ein Urteil und ihre Schlussfolgerungen daraus, alles andere als folgenlos. Während die Wirtschaft im Rahmen von weitreichenden Umstrukturierungsmaßnahmen die Gunst der Stunde zu nutzen wusste und zu groß angelegten grünen Imagekampagnen ausholte, um neue Absatzmärkte zu erschließen, konnten sich die Partei, die Grünen, unter Verweis auf die Appelle der Straße für eine klimafreundlichere Politk, einen Platz in der Regierung sichern. Gleichzeitig hat sich die Digitalisierung in alle möglichen Lebensbereiche ausgebreitet. Wobei die Covid-Pandemie bei der Umsetzung dieser Digitalisierungsoffensive den Herrschenden als willkommener Booster diente, was von den meisten widerspruchsfrei akzeptiert oder sogar aktiv begrüßt und gefördert wurde. Auch weil viele, vor allem Linke und Ökos, darin ein Heilsversprechen, sowohl im Umgang mit Krankheit und Pandemie, als auch zur Rettung des Planeten sehen wollten.
Die mitunter von solche Annahmen und Überzeugungen getragene Digitalisierung und der rasant wachsene Markt für entsprechende Anwendungen, hat in der Zwischenzeit dazu geführt, dass fast eine ganze Generation aufgrund der Verlockungen durch die virtuelle Welt an den Bildschirmen klebt. Zugleich hat die sogenannte „grüne“ Transformation, bei dieser die Digitalisierung eine zentrale Rolle einnimmt, unzählige tiefe Wunden in die Erde gerissen, massenhaft Rohstoffe verschlungen, Energie verbraten und Berge an toxischem Abfällen ausgespuckt. Denn all das ist bei weitem nicht so körperlos wie uns gerne vorgegaukelt wird. Im Gegenteil. Die physische Architektur des digitalen Kosmos entstammt einer höchst extraktiven Industrie und besteht aus sehr konkreten Dingen wie Mikrochips, Prozessoren, Speichergeräten, Serven, Rechenzentren, Glasfaserkabel, Funkantennen uvm., welche in großem Umfang erforderlich sind um ihr vermeintlich „nachhaltiges“ Projekt der Digitalisierung umzusetzen. Wobei der Energie- und Ressourcenverbrauch zur Herstellung all dessen immens ist.
Spätestens seit dem von ChatGPT und ähnlichen generativen Sprach- und Bildverarbeitungsmodellen ausgelösten Hype um KI, sowie der Ankündigung verschiedener Tech-Giganten, den dadurch exorbitant steigende Energiehunger ihrer Rechenzentren mittels eigenen AKW`s stillen zu wollen, ist dieser Zusammenhang aber auch zunehmend im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Wobei die Tatsache, dass die Unternehmen dabei ausgerechnet auf den alten Hut Atomstrom setzen, das Märchen der digitalen Nachhaltigkeit für viele entzaubert haben dürfte. Schließlich ist radioaktiver Müll, und das bis heute ungeklärte Problem seiner Entsorgung, trotz der gesellschaftlichen Fälligkeit zur Ignoranz und Verdrängung, für viele der Inbegriff der Schädlichkeit zivilisatorischer Errungenschaften und ihres verhängnisvollen Erbes. Über diese Tatsache kann auch kein Öko-Label hinwegtäuschen, das die EU-Kommission unter Leitung von Ursula von der Leyen der Atomenergie 2022 verpasst hatte. Das einzig Nachhaltige daran ist wohl seine Strahlung, von dieser mit Bestimmtheit auch unsere Nachfahren in mehreren hunderttausenden Jahren (insofern unsere Spezies dann noch existiert) was haben werden.
Das hindert die beharrlichen Fortschrittsprediger:innen aber keineswegs daran, immer wieder neue Luftschlösser zu zeichnen. Mit dem ewig gleichen Argument, das der steigende Bedarf an Ressourcen bald durch effizientere Technologien eingedämmt werden soll. Gerade die Nutzung von KI wird in vielen Bereichen genau damit begründet und vorangetrieben. Dass diese technologische Fortschrittsnarrativ jedoch ein großer Schwindel ist, hat bereits die kohlebetriebene Dampfmaschine, sowie jede darauf folgende Technologie, die mit den selben Versprechen von geringem Verbrauch durch Effizienssteigerung angetreten ist, deutlich unter Beweis gestellt. Denn, der kapitalistischen Expansionslogik folgend, geht dies stets mit einer intensiveren Nutzung der entsprechenden Technologie einher, was wiederum zu einem höheren Ressourcenverbrauch führt. Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen in Bezug auf den massiven Ausbau digitaler Infrastruktur, vor allem in Form von gigantischen KI-Fabriken und Rechenzentren lässt der gegenwärtigen Gültigkeit dieses Sachverhalts keinen Zweifel.
KI- weder schlau noch nachhaltig
Eine der Hauptursachen für den aktuell sprunghaft ansteigenden Energie- und Ressourcenverbrauch durch die Digitalisierung ist die stark zunehmende Verbreitung und Nutzung von maschinellen Lernen, KI und Cloud Computing, bzw. der Betrieb der dafür nötigen Rechenzentren. Von Bedeutung für diese Entwicklung sind verschiedenste Anwendungsbereiche, die derzeit rasch anwachsen, darunter Sprach- und Bilderkennung, das Internet der Dinge (OoT), Smart-City, Fintech, Robotik und Automatisierung, Industrie 4.0, Telemedizin, Überwachung und Sicherheitstechnologie und immer häufiger KI-basierte Kriegsführung. Aktuell wird davon ausgegangen, dass der Bedarf an Rechenzentren zwischen 2023 und 2030 jährlich bis zu 22% steigen könnte. Besonders stark wird die Nachfrage nach KI-fähigen Rechenzentren wachsen. Voran getrieben werden diese Entwicklungen vor allem durch die großen Cloud Service-Provider wie Amazon Web Services, Google Cloud, Microsoft Azure und Baidu, um große KI-Modelle wie Googles Gemini oder OpenAI`s ChatGPT zu betreiben.
Besonderns die Trainingsphase von generativen KI-Modellen zur Bildanalyse und Sprachverarbeitung, welche die Grundlage für eine Vielzahl dieser Anwendungen bildet und während welcher Unmengen an Daten durchkämmt, analysiert und gewichtet werden, erfordern enorme Rechenleistungen und diese sind daher äußerst ressourcenintensiv. Zwar halten die Unternehmen ihre Zahlen weitestgehend bedeckt, jedoch haben verschiende Studien Einschätzungen über den Energie- und Wasserverbrauch von KI veröffentlicht. Demnach soll bereits das Training von ChatGPT-3 soviel Energie wie der Jahresverbrauch von 120 deutschen Durschnittshaushalten benötigt, und ca. 5,4 Millionen Liter Wasser verschlungen haben*¹. Wobei ungefähr ein Siebtel davon für die Kühlung der Rechenzentren verbraucht wurden, während der Rest auf die Stromerzeugung und Lieferketten zur Herstellung der Hardware zurückzuführen ist. Hier fällt vor allem die Halbleiterproduktion mit extrem hohem Wasserverbrauch ins Gewicht. Bei dem Folgeprodukt ChatGPT-4 soll es aufgrund der höheren Komplexität von alldem noch deutlich mehr sein. Ein Trend, der sich auch auf die meisten anderen KI-Modelle übertragen lässt und sich aufgrund von Rebound-Effekten trotz effizienter werdender Server mit jeder Weiterentwicklung forsetzen dürfte. Aktuell gilt die Faustregel, dass sich der Rechenaufwand für das Training von KI etwa alle fünf Monate verdoppelt.²
Generative KI wie sie unter anderem von ChatGPt angewandt wird, machen aber auch während der sogenannte Inferenzphase, in welcher die Modelle in der Praxis angewandt werden und auf neue Daten reagieren, um entsprechende Ergebnisse zu generieren, einen erheblichen Anteil am Gesamtenergieverbrauch von KI aus. Obwohl die einzelne Anwendung in dieser Phase zwar deutlich weniger Rechenleistung benötigt als beim Training, ist der Energieverbrauch hier aufgrund der hohen Nutzungshäufigkeit beträchlich. Manche Prognosen gehen davon aus, dass sich der Stromverbrauch durch die Rechenintensität von KI, der bereits heute schätzungsweise 5 % des gesamten globalen Stromverbrauchs darstellt, von 2023 bis 2030 von 50 Milliarden KWH vervielfachen könnte³. Das wäre mehr als der jährliche Stromverbrauch von ganz Deutschland im Jahr 2023 *4. Beim Wasserverbrauch verhält es sich ähnlich. Eine Schätzung aus dem selben Jahr prognostiziert, dass die weltweite Wassernutzung durch KI-Anwendungen bis 2027 auf 4,2 bis 6,6 Milliarden Kubikmeter ansteigen wird. Da entspricht mehr als den vier- bis sechsfachen des jährlichen Wasserverbrauchs von ganz Dänemark *5. Hinzu kommt, dass die Server durch die hohe Beanspruchung nur eine kurze Lebensdauer von durchschnittlich drei Jahren haben und die Entwicklung immer leistungsfähigerer KI-Chips zu sehr schnellen Innovationszyklen führt. Die Folge ist, das Hardware rasch veraltet und zu Elektroschrott wird. Der KI-Anteil am globalen Elektroschrottaufkommen könnte sich daher bis 2030 vertausendfachen und auf bis zu 8 % steigen. *6. Dies ist umso bedenklicher, da von den Rechenzentren ausschließlich Unternehmen aus dem globalen Norden und China profitieren, während die ausgedienten Bestandteile mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später als toxischer Müll auf einer der riesigen Elektroschrottmüllhalden Afrikas und Asiens landen werden. So sind Mensch und Natur im globalen Süden, vom Extraktivismus der Rohstoffe bis zur Entsorgung der Hardware, gleich mehrmals Zeug:innen des unbeirrbaren Zerstörungswillens der digitalen Gesellschaft. Und im Gegensatz zu den gebrauchsfertigen Geräten, ist das Elend und die Verwüstung, die diese dort verursachen, erschreckend beständig.
Von natürlichen Grenzen und sauberer Atomkraft
Diese Tatsachen zeigen nicht nur wie absurd das Argument der Nachhaltigkeit bei der Anwendung von KI ist, sondern stellt auch die Unternehmen der Branche vor große Herausforderungen. Nicht etwa, weil sie sich um die Konsequenzen ihres Handelns scheren würden, sondern weil ihr Expansionswille an natürliche Grenzen stößt. Einerseits weil die Vielzahl an kritischen Rohstoffen und Seltenen Erden, die zum Aufbau der digitalen Infrastruktur benötigt werden, endlich sind. Andererseits, und das ist für die Betreiberfirmen von Rechnenzentren aktuell noch viel drängender, konkurrieren diese auf lokaler Ebene mit anderen Industrien und Privathaushalten um den Zugang zu den ohnehin oft knappen Wasserressourcen, sowie die begrenzt verfügbaren Lieferkapazitäten der bestehenden Stromnetze. Vor allem in den USA sind die Stromanbieter mancherorts schon jetzt am Limit. Das führt dazu, dass die Unternehmen die Energieversorgung ihrer riesigen Rechenzentren immer häufiger selbst in die Hand nehmen, um dem schnell wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Dabei scheint die Atomkraft für viele der Tech-Giganten das Mittel der Wahl zu sein. Nicht zuletzt, weil die meisten Unternehmen sich auf kurz oder lang der „Klimaneutralität“ verpflichtet haben und bestehende Gesetze ihnen diese Verarschung ermöglichen. Während Microsoft auf herkömmliche Atomkraft setzt und das bereits stillgelegte Atomkraftwerk Three Miles Island, wo sich 1979 die schwerste Nuklearkatastrophe in der Geschichte der USA ereignet hat, wieder ans Netz nehmen will, setzen Google, Amazon und Oracle auf kleine modulare Atomreaktoren, sogenannte SMRs (Small Modular Reactors) *7 . Die Idee solcher Mini-AKW`s reicht zwar bis in die 50iger Jahre zurück, es gibt aber kaum Praxiserfahrung damit und aufgrund dessen auch erhebliche Sicherheitsrisken (zusätzlich zu den bereits bekannten). Prototypen dieser Technologie laufen bisher nur in Russland und China. Für die Entwicklung solcher Reaktoren, die eine Leistung von bis zu 300 Megawatt (MW) erreichen sollen, haben die Tech-Konzerne Kooperationen mit verschiedenen Energieunternehmen geschlossen und planen 2030 – 2035 die Ersten in Betrieb zu nehmen. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die Entwicklung der Mini-AKW`s und entsprechender behördlicher Regelwerke wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte. *8. Hinzu kommt, dass die Kosten derart hoch sind, dass die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen beim jetzigen Entwicklungsstand äußerst fragwürdig erscheinen, und dies dem massenhaften Einsatz in der Praxis noch immer ein Strich durch die Rechnung machen könnte.
Vielleicht auch deshalb hat Elon Musk mit seinem KI Unternehmen xAI für sein Rechenzentrum „Colossus“ in Memphis, das nach eigenen Angaben der größte Supercomputer sein soll, einen anderen Weg eingeschlagen. Dieses betreibt der reichste Mann mit faschistischen Ambitionen durch 35 mit Methan betriebenen Gasturbinen. Diese 20 Jahre alten Turbinen, die zumindest anfänglich ohne Genehmigung liefen, stoßen laut Umweltorganisationen jährlich 1200 bis 2000 Tonnen Stickoxide aus*9. Mehr als das gasbefeuerte Kraftwerk in der Ortschaft ,oder die nahe gelegen Ölraffinerie. Während die Anwohner:innen in der ohnehin verarmten Gegenden über gesundheitliche Beschwerden, wie Asthma und andere Atemprobleme klagen, plant Musk den Umfang seiner bereits jetzt 13 Fußballfelder großen Anlage noch zu verdoppeln. Aber auch andernorts in den USA spüren Anwohner:innen die Folgen der Rechenzentren. Im US-Bundesstaat Georgia wo unter anderem Meta (Facebook) ein Rechenzentrum betreibt, versiegen in der direkten Nachbarschaft die Wasserquellen *10. Sie berichten, dass aufgrund des fehlenden Wasserdrucks Geschirrspüler, Waschmaschine und Toilette nicht mehr funktioneren und das bisschen Wasser, das ankommt, oft so schmutzig ist, dass sie sich nicht trauen davon zu trinken. Gleichzeitig sind die Wassertarife in der Gegend um 33% gestiegen und wenn es der lokalen Wasserbehörde nicht gelingt ihre Anlage zeitnah aufzurüsten, könnte die Bevölkerung bald gezwungen sein, ihr Wasser zu rationieren. Obwohl Meta täglich etwa zehn Prozent des gesamten Wasserverbrauchs des Bezirks benötigt, bestreitet das Unternehmen einen Zusammenhang und vermutet einen Zufall. Trotz allem haben sich für dieselbe Region neun weitere Unternehmen um den Bau von Rechenzentren beworben. Einige von ihnen würden wegen ihrer Größe ca. 22 Millionen Liter Wasser pro Tag benötigen *11. Das ist mehr als der aktuelle Tagesverbrauch des gesamten Bezirks. Dass diese Rechnung nicht aufgehen kann, versteht sich wohl von selbst.
Trotzdem werden die Dimensionen geplanter Rechenzentren immer gigantischer. Meta hat mit dem Bau der KI-Rechenzentren „Hyperion“ und „Prometheus“ Vorhaben angekündigt, die nach Fertigstellung der Größe Salzburgs entsprechen sollen *12 . Dafür will das Unternehmen 100 Milliarden Dollar investieren. Mit der benötigten Energie von bis zu fünf Gigawatt eines dieser überdimensionierten Super-Rechenzentren könnte man Schätzungen zufolge mehr als vier Millionen durchnittliche US-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen, was etwa der Einwohner:innenzahl Berlins entspricht. Noch weit mehr Geld nimmt OpenAI (ChatGPT) in einer Kooperation mit Oracle, für das von Trump angestoßene KI-Rechenzentren-Projekt „Stargate“ in die Hand. Den Bau des KI-Supercomputers in Texas ist Teil eines größeren Investments von 500 Milliarden US-Dollar. In den nächsten vier Jahren sollen im Rahmen des Stargate-Projekts Rechenzentren mit insgesamt 10 Gigawatt Leistung entstehen. Hierbei soll ebenfalls ein Gaskraftwerk Abhilfe schaffen, um den riesigen Stromverbrauch zu decken *13.
Globales Kräftemessen um Machtansprüche und Vorherrschaft
Diese Zahlen zeigen eindrücklich, wie die Tech-Giganten in ihrem Bestreben den KI-Markt anführen und beherrschen wollen, längst jegliche Relation zur Wirklichkeit verloren haben. Solange die Maschine läuft, ist ihnen das aber auch völlig egal. Denn die größenwahnsinnigen Technokraten (ja, es sind durchweg Männer) denken in ganz anderen Dimensionen und für sie steht nichts Geringeres auf dem Spiel, als die Zukunft der Menschheit zu bestimmten. Notfalls auf dem Mars. Die einzigen Kriterien, die hierbei zählen, sind Profit und Macht.
Doch der Wettlauf um Marktanteile ist bei weitem nicht nur ein Unterfangen der Privatwirtschaft. Viel mehr führt die Wirkmächtigkeit, die KI zugeschrieben wird, dazu, dass Staaten auf unterschiedliche Weise im großen Stil mitmischen. Bisweilen vor allem China und die USA. Wobei die USA den Markt zur Zeit noch deutlich dominiert. Die Angst davor gewisse Entwicklungen zu verpassen und diese Dominanz an China zu verlieren, ist aber sehr real. Auch deswegen, weil KI im militärischen Bereich zunehmend an Bedeutung gewinnt, und die verfügbare Rechenleistung sowie der Zugang zu neusten KI-Modellen schon bald über Sieg und Niederlage auf dem Schlachtfeld entscheiden könnte. Dies trägt maßgeblich dazu bei, dass Unsummen in völlig aberwitzige KI-Infrastrukturprojekte gepumpt werden und diese fernab jeglicher Bedenken über die ökologischen Folgen sowie der Kontrollierbarkeit der Technologie, voran getrieben werden. Schließlich hat Trump das „Dekret zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz“ nicht umsonst abgeschafft. Ganz nach dem Motto „Was möglich ist, wird gemacht“. Aber auch in der EU wo 70 % aller KI-Modelle in den vergangenen acht Jahren aus den USA und 15 % aus China kamen, spielen solche ethischen Debatten und Kriterien immer weniger eine Rolle. Stattdessen ist man bemüht auch im globalem Kräftemessen um Machtansprüche und Vorherrschaft im Zusammenhang mit KI einen Platz an der Spitze zu ergattern und das erfordert ein hohes Maß an Ignoranz gegenüber der Schattenseiten dieser Technologie. Spätestens mit der zweiten Amtseinführung von Trump und seiner launischen Zoll- und Außenpolitik, sowie der unmissverständlichen Botschaft aus dem Silicon-Vally, sich loyal an seine Seite zu stellen, wurde der Ruf nach digitaler Souveränität in Europa immer lauter.
Um das zu erreichen hat die EU-Kommission im April 2025 ein Papier mit dem bescheidenen Titel „Aktionsplan für den KI-Kontinent“ vorgelegt. Darin heißt es, dass die „KI-Innovationsfähigkeit der Europäischen Union durch Maßnahmen und Strategien in fünf Schlüsselbereichen gestärkt werden sollen“. Dies wird mit insgesamt 20 Milliarden Euro unterstützt. Eine der ersten Maßnahmen dafür, ist der Aufbau einer KI- und Supercomputing Infrastruktur, mit dem Ziel die Kapazität der Rechenzentren in der EU in den nächsten fünf bis sieben Jahren mindestens zu verdreifachen. 13 sogenannte KI-Fabriken, die dadurch gefördert werden, befinden sich in Planung oder bereits im Entstehen. Zwei davon in Deutschland, in Jülich (seit Herbst 2025 in Betrieb) und Stuttgart. Des weiteren unterstützt die EU den Aufbau von fünf noch viel größeren KI-Gigafabriken mit der Übernahme von 35 % der Kosten. Diese Super-Rechenzentren sollen mit KI-Chips der neuesten Generation ausgestattet werden, um die enorme Rechenleistung für das Training und den Betrieb großer, neuartige KI-Modelle bereitzustellen. Damit soll die strategische Autonomie der EU in kritischen Industriezweigen und in der Wissenschaft gewährleistet werden. Von verschiedenen EU-Migliedstaaten wurden 60 Standorte dafür vorgeschlagen und 76 Firmen und Konsortien, die insgesamt 230 Milliarden Euro investieren wollen, haben Interesse an dem Errichten von diesen KI-Gigafabriken in der EU bekundet. Die Mehrheit davon sollen europäische Unternehmen sein. Aus Deutschland befinden sich neben SAP, Ionos oder Siemens auch neue Player auf dem Feld, wie die Lidl-Eigentümergruppe Schwarz. Aber auch internationale Größen wie der Chiphersteller Nvidia, der mit der Telekom zusammen eine Gigafabrik in Deutschland bauen möchte, gehören dazu. Ohnehin hat der US-Konzern ambitionierte Projekte für Europa angekündigt, womöglich auch als Resultat der US-Beschränkungen, die Nvidia auf dem chinesischen Markt ausbremsen. Dazu gehören die Entstehung von Technologiezentren in sieben EU-Ländern, um europäischen Unternehmen Zugang zu ihren Produkten zu ermöglichen, genauso wie der Bau von 20 KI-Rechenzentren. Mit dieser Infrastruktur will der Konzern die KI-Rechenkapazität in Europa innerhalb von zwei Jahren noch weit mehr als die EU sich vorgenommen hat, um den Faktor 10 erhöhen. Außerdem plant Nvidia seine erste KI-Cloud-Plattform in Deutschland zu bauen. Diese soll für den Einsatz in der Industrie, KI mit Robotik kombinieren, wobei Automobilhersteller wie BMW und Mercedes-Benz künftig zu den Nutzern dieser Plattform gehören sollen.
Von Frankfurt am Main nach Berlin-Brandenburg
Es gibt viele verschiedene Faktoren, die bei der Standortauswahl für Rechenzentren von Bedeutung sind. Dazu gehören wirtschaftlichen Kriterien wie Strompreise oder Netzinfrastruktur genauso wie
politische Faktoren, aber auch Wasserverfügbarkeit, Flächenbedarf oder potenzielle lokale Nutzungskonflikte. Wobei die einzelnen Faktoren sehr unterschiedlich gewichtet werden. Obwohl der Standort eines Rechenzentrums aufgrund von äußeren Bedingungen wie z.B. kaltes oder warmes Klima, erheblich Einfluss auf den Ressourcenverbrauch hat und maßgeblich darüber entscheidet wie umweltschädlich es ist, spielen ökologische Faktoren dabei, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Dafür werden diese Aspekte mit umso mehr Pomp hervorgehoben, um die Branche als möglichst grün und nachhaltig zu präsentieren. Primär entscheiden sich Unternehmen aber zu Gunsten einer guten Anbindung an das Energienetz und der Nähe zu Internetknotenpunkten. So kommt es, dass es in Deutschland mit über 60 Rechenzentren im Großraum Frankfurt am Main, eine extreme Konzentration gibt. Denn dort befindet sich mit DE-CIX der größte Internetknotenpunkt weltweit. In keiner anderen Stadt Europas stehen so viele Rechenzentren und durch keinen anderen Internetknotenpunkt fließen so viele Daten. Die nach wie vor schnell steigende Anzahl an Rechenzentren erklärt sich auch hier durch den immer größer werdenden Bedarf durch Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft, Google und Oracle, die einen hohen Anteil der Rechenleistung vor Ort belegen. Ein weiterer Grund für die starke Nachfrage in Frankfurt ist aber auch die dort ansässige Finanzbranche. Eine hohe Bandbreite für schnellen Datentransfer und die Kontrolle über den Verlauf des Verkehrs sind für Institutionen wie die deutsche Börse oder die europäische Zentralbank, sowie andere Kreditinstitute elementar. Während die Stadt zwar wirtschaftlich davon profitiert, weil viele Unternehmen die Nähe zu Rechenzentren suchen, überbieten sich die großen Abieter wie Equinx, E-Shelter und Interxion gegenseitig in Größe und Anzahl ihrer Anlagen, was zunehmend ein Problem für die Stromnetze darstellt. Denn der Energiebedarf steigt genauso rasant und die Kapazitäten sind derzeit praktisch ausgeschöpft.*15. Deshalb wird zunehmend Strom von Überlandnetzbetreiber nnach Frankfurt geliefert und die Energie-Infrastruktur stark ausgebaut. Dazu werden rund tausend Kilometer Stromleitungen in der Stadt verlegt, zehn neue Umspannwerke gebaut und vierzig Bestehende erneuert. Das dauert aber. Die Folge davon ist, das Rechenzentren, unter anderem von Großanbietern wie Google, nun auch in Hanau, Mainz und Liederbach gebaut werden. Um dabei nichts vom Standortvorteil der Main-Metropole einzubüßen, werden diese allesamt nach „Frankfurt“ benannt.
Aber auch andernorts in Deutschland wir gebaut, Neben dem Raum Köln/Düsseldorf und dem rheinischen Revier drängt die Region Berlin/Brandenburg hier immer mehr auf die Karte und zeichnet sich zunehmend als neuer Hotspot der Rechenzentreninfrastruktur ab. Die Gründe dafür sind vielseitig. Zentral dabei ist aber ähnlich wie in Frankfurt, das Vorhandensein eines Internetknotenpunktes, auch wenn einiges kleiner. Dem Berlin Commerial Internet Exchange (BCIX). Aber auch die Nähe zu Regierung und Lobbyverbänden, sowie die Vermarktung Berlins als digitaler Wirtschaftsstandort, was von der Politik seit Jahren aktiv gefördert wurde, spielt dabei eine Rolle. Die bereits heute hohe Dichte von sowohl kleinen Start-Ups als auch großen Technologiekonzernen, kommt den Bemühungen, die Region als relevanten Akteur der IT-Infrastruktur stark zu machen, hierbei zu Gute. Weil Deutschland sich vereinbarten „Klimazielen“ verpflichtet sieht, ist aber auch die Verfügbarkeit von „grüner“ Energie ein Kriterium. Wobei die Wind- und Solarparks Brandenburgs genauso wie die vergleichsweise geringe Distanz Berlins zu den riesigen Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee ein Standortvorteil gegenüber Regionen z.B. in Süddeutschland sind. Genauso hat Berlin Brandenburg im Vergleich zu anderen Metropolregionen, zumindest bisher, mehr günstigere und geeignete Flächen mit Anschlussmöglichkeiten an leistungsfähige Strom- und Datennetze anzubieten. Der massive Run auf solche Gewerbeflächen hat zuletzt jedoch zu weitreichenden Spekulationen unter Grundstückseigentümer-Firmen geführt, die sich vorsorglich Netzanschlüsse im Kapazitätenbereich für große Rechenzentren sicherten. Heute versprechen ihnen diese Flächen weit höhere Renditen als solche für herkömmliche Büros oder Gewerbe.
Stillschweigen herscht bei dieser Entwicklung jedoch dazu, dass Berlin/Brandenburg laut Prognosen des Water Risk Atlas *16, wie viele andere Regionen, wo Rechenzentren gebaut werden, in den kommenden Jahren unter mittlerem bis hohem Wasserstress leiden wird. Obwohl der Branche die Problematik eigentlich bekannt sein sollte, schließlich hat Google beKontakt:reits 2021 Pläne für ein Rechenzentrum in Neuenhagen, aufgrund des Wassermangels wieder verworfen *17. Genauso ist dieser Interessenskonflikt seit der Ansiedlung der Tesla-Gigafactory in Grünheide ein fortwährender Streitpunkt, wobei Politik und Industrie konsequent über die Köpfe der Anwohner:innen hinweg, zu Gunsten von Wachstum und Profit handeln und dabei auch die lokalen Wasserbetriebe und Druck setzen. Noch zusätzlich verschärfen wird sich das Wasserproblem in der Region, in den kommenden Jahren, durch den bevorstehenden Ausstieg aus dem Braunkohlebergbau in der Lausitz. Denn um die Kohle abbauen zu können, wurden dort in den lezten hundert Jahren sagenhafte 58 Milliarden Kubikmeter Grundwasser abgepumpt, womit regulierend in die Wasserführung der Spree und damit auch in die Wasservorsorgung Berlins eingegriffen wurde. Dieser Wahnsinn hinterlässt nicht nur komplett ausgetrocknete Landstriche in dem sowieso schon trockenen Brandenburg, sondern wird durch das Abschalten der Pumpen im Tagebau auch unmittelbar Folgen für die Trinkwasserversorgung der Hauptstadt haben. Hinzu kommt, dass in Brandenburg weitere wasserintensive Industrien zur Umsetzung der „grünen“ Transformation entstehen, vor allem aus den Bereichen Lithiumaufbereitung und Batterieherstellung.
Abgesehen davon sind die Bestrebungen aus der Hauptstadtregion ein Hotspot für Rechenzentren zu machen, auch mit Blick auf die Stromversorgung problematisch. Denn der Energiehunger der Digitalwirtschaft wächst schneller als das Stromnetz. Aktuellen Daten zufolge sind in Berlin/ Brandenburg derzeit Rechenzentren mit einer IT-Leistung von 140 Megawatt in Betrieb, was bereits deutlich mehr als die gesamt Netzleistung der Stadt Potsdam ist. Zusätzliche 900 MW sind in Planung und es gibt viele weitere Anfragen. Allein im Jahr 2024 gab es in Brandenburg beim Anbieter E.dis 60 Anschlussanträge für Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von rund 9 GW *18. Zum Vergleich: Die derzeitige Jahrehöchstlast im gesamten Netzgebiet von E.dis liegt bei etwa 2,4 GW. Was die Stadt Berlin betrifft, sieht es nicht besser aus. Das obwohl das Stromnetz Berlin in den nächsten 5- 10 Jahren mit Investition in Höhe von 3 Milliarden Euro plant. *19. Was die Errichtung und Erneuerung von 13 Netzknoten und 29 Umspannwerken, sowie die Verlegung von 6000 Kilometern Kabel, einer Strecke, die der Distanz von Köln nach New York entspricht, beinhaltet. Die damit anvisierte Verdoppelung der Stromkapazität auf über vier Gigawatt bis 2035 wird aber nicht mal ausreichen, um alle Anträge die bisher gestellt wurden zu berücksichtigen. Wobei in den nächsten Jahren sicherlich mit weiteren zu rechnen ist. Hinzu kommt, dass die Elektrifizierung auch in anderen Bereichen der Industrie und Mobilität ein schnell wachsenden Bedarf an Energie mit sich bringt und in Kokurrenz dazu stehen.
Zu den bedeutendsten Rechenzentrenvorhaben der Stadt Berlin, die derzeit in Planung, im Bau oder bereits in Betrieb sind, gehören Bluestat der Prea Group in Lichtenberg mit einer IT-Leistung von 69,5 MG, ein Rechenzentren-Komplex von Virtus im Marienpark Campus in Tempelhof, mit einer Leistung von 56 MW und zwei NTT Data Centers in Spandau 17,1 MW und Mariendorf (24 MW). Weitere, etwas kleinere Rechenzentren in der Stadt, gibt es unter anderem von CarrierColo, Maincubes, Penta Infra und Speedbone. Wesentlich größere Anlagen sind in Brandenburg geplant. Dazu gehören ein speziell für KI- und Cloud-Cale-Anwendunge konzipierter Rechenzentrum-Campus von Maincubes in Nauen, mit einer IT-Leistung von 144 MW, ein Rechenzentren-Campus von NTT Data in Brieselang mit einer IT-Kapazität von 96 MW, jeweils ein Vantage Data-Center-Campus in Ludwigsfelde und in Mittenwalde mit einer Leistung von 56 und 32 MW, und die mit Abstand größten bisher bekannten Projekte, ein Rechenzentrum-Campus von VIRTUS in der Wustermark mit einer IT-Leistung von insgesamt 204 MW und einer der Schwarz-Gruppe auf einem ehemaligen Kraftwerksgelände bei Lübbenau mit 200 MW Leistung. Des weiteren machen zunehmend Tech-Größen mit Plänen von eigenen Rechenzentren in Brandenburg von sich reden. Während Google sein Vorhaben, diesmal in Mittenwalde, nach großspuriger Bekanntmachung erneut auf Eis gelegt hat, trumpft Amazon Web Services (AWS) umso größer auf, und kündigt an, langfristig 8 Milliarden Euro in den Aufbau von IT-Infrastruktur in Brandenburg investieren zu wollen. An welchen Standorten die Rechenzentren entstehen sollen ist noch nicht bekannt. Bei diesen Summen ist aber davon auszugehen, dass es gleich mehrere, große Anlagen sein werden.
One way ticket to hell...an back?
Zusammengenommen lassen diese Entwicklungen eigentlich nur einen Rückschluss zu. Die Digitalisierung und vor allem digitale Lösungen zur Eindämmung der Umweltzerstörung, sind nichts weiter als ein gigantisches Luftschloss, das geradewegs in eine Sackgasse steuert. Technologien, wie KI, führen aktuell dazu, dass der Kapitalismus in seinem Bestreben nach Ausbeutung und Wachstum noch deutlich verfeinert, ausgeweitet und beschleunigt wird und das erfordert IT-Infrastruktur in kaum vorstellbaren Dimensionen. Nur schon unter Berücksichtigung aller derzeit geplanten Rechenzentren wird klar, dass die riesigen Vorhaben den Verbrauch verfügbarer Ressourcen um Längen übertreffen. Ganz egal ob „grün“ oder nicht, die Folgen davon sind, mehr Extraktivismus, mehr Umweltzerstörung, mehr Wasser- und Energieverbrauch, mehr Elektroschrott usw. . Aber nicht nur das. Die Entwicklung solcher Technologien begünstigt auch eine nie dagewesene Machtkonzentration bei einigen wenigen Playern, die sich gegenseitig mit ihren entgrenzten Projekten überbieten und im Besitz von schier endlosen finanziellen Mitteln sind. Ihr Verlangen alles Lebendige in eine computerlesbare Gestalt zu bringen, hat Werkzeuge hervor gebracht, die sie dazu ermächtigen das Weltgeschehen im großen Stil zu beeinflussen. Wobei es keinen Zweifel daran gibt, welche Richtung sie dabei einschlagen werden. Während Bilder über unsere Bildschirme flimmern, wie Trumps Prügeltruppe ICE auf der Grundlage von Palantir-Daten Migrant:innen verschleppt und deportiert oder Israels KI-gesteuerten Drohnen im Verbund mit Google, Amazon und Microsoft, Gaza und seine Bevölkerung wegbombt, werden wir zu Zeug:innen davon, wie sich Faschismus und Tech-Elite zu verschmelzen beginnen. Weshalb solche Technologien für viele Menschen immer häufiger eine ernst zunehmende phsysische Bedrohung von Außen darstellen. Gleichzeitig hinterlassen diese aber auch mentale Schäden in all den entwurzelten Wesen die diese künstliche Welt bewohnen. Ob freiwillig oder nicht. Denn die digitale Sphäre kolonisiert nicht nur ein immer größer werdendes Terrain, um sich die natürlichen Ressourcen des Planeten einzuverleiben, sondern zieht uns mit jeder Mensch-Maschinen-Interaktionen auch ein Stück tiefer in den Abhängigkeitsstrudel virtueller Abgründe hinein.
Glücklicherweise sind wir aber nicht dazu verdammt all das unkommentiert geschehen zu lassen. Immer häufiger regt sich Widerstand gegen die Ansiedlung der Rechenzentren und Big-Tech. Berichte davon gibt es aus Portugal, den Niederlanden, Irland, den USA und verschiedenen Ländern Lateinamerikas. In den meisten Fällen getragen durch betroffene Anwohner:innen und Umweltaktivist:innen entlang des Konflikts um die knappe Ressource Wasser. Vor allem in Lateinamerika, wo jüngst immer mehr Rechenzentren entstehen, während viele Regionen von Dürren heimgesucht werden, haben sich breite Protestbewegungen formiert, allen voran in Uruguay, In Deutschland hingegen, scheinen sich, abgesehen von wenigen Ausnahmen, viele der Problematik noch nicht bewusst zu sein. Was vielleicht der bescheidenen Öffentlichkeit der Thematik zu schulden ist. Dafür gibt es aber relativ kontinuierlich Interventionen gegen Tech-Unternehmen und IT-Infrastrukturen, die durch eine radikale Technologiekritik motiviert sind und vor allem in Form von direkten Aktionen ihren Ausdruck finden. Ein neues Pähnomen ist das gewiss nicht, aber vielleicht könnten sie aktuell Anstoß sein, den sozialen Frieden mit der virtuellen Welt aufzukündigen und eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Schädlichkeit des digitalen Kosmos zu provozieren, um entsprechende Kämpfe zu entfesseln.
Genau das hat sich bereits in den früheren 80er Jahren eine Gruppe names CLODO im Süden Frankreichs zu Aufgabe gemacht, indem sie Rechenzentren und IT-Firmen mit Bomben und Brandsätzen angegriffen hat. Ihr Motiv haben sie unter anderem damit begründet, das Daten das „Gedächtnis“ des Staates sind und die Computerisierung zwangsweise in eine totalitäre Kontrollgesellschaft führen wird. Abgesehen davon, dass der Staat heute um den Zusatz der Tech-Oligarchen erweitert werden müsste, lagen sie damit völlig richtig und ihre düsteren Prognosen sind längst Realität geworden. Während der Kniff der Kybernetik darin besteht, durch das Wissen der Erinnerung die Zukunft steuern und bestimmen zu können, ist es genau dieses Verlangen der Technokrat:innen, dass das Gedächtnis in Form von Daten so mächtig werden lässt. Was auch erklärt, warum Rechenzentren als Teil der kritischen Infrastruktur heute viel eher einem Hochsicherheitsgefängnis gleichen. Diese Tatsache macht es zwar deutlich schwieriger direkt im Herzen der Digitalisierung zuzuschlagen, und trotzdem haben viele das, was CLODO zu Beginn des Computerzeitalters mit außergewöhnlcihem Weitblick begonnen hat, fortgeführt. Unzählige Sabotagen gegen Funkantennen, Glasfaserkabel und Stromnetze, welche nunmehr auf die Unterbrechung der Energie- und Datenflüsse als auf das Zentrum abzielen, sind Beleg dafür, dass die Störung der staatlichen Ordnung und techno-kapitalistischen Routine möglich und manchmal auch sehr effektiv sein kann.
Hin und wieder soll es sogar vorkommen, dass von den wertvollen Daten der Cloud nur eine dunkle Rauchwolke übrig bleibt. So geschehen im März 2021, als am Rande Straßburgs ein fünfstöckiges Rechenzentrum des Cloud-Anbieters OHL lichterloh brennt und 1200 Server samt ihren Erinnerungen, aufgrund von fehlenden Back-Ups für immer das Zeitliche segnen. Von wegen das Internet vergisst nie! Genauso hat auch ein Brand im Mai 2025 in einem Rechenzentrum im Bundestaat Oregon, das von Elon Musk`s Plattform X genutzt wird, weltweit zu erheblichen Störungen dieser geführt und ein Feuer in der südkoreanischen Provinz Daejeon im September 2025, das in der Zentrale des National Information Resources Service der südkoreanischen Regierung ausgebrochen ist, hat 600 staatliche IT-Dienste zum Teil wochenlang lahmgelegt. Während die Ursachen solcher Brände meist unklar bleiben, wissen wir über die destruktiven Absichten hinter einem Feuer an Baufahrzeugen auf Baufahrzeugen auf einer Baustelle des Hypercampus für Rechnenzentren östlich von Atlanta (Georgie, USA). In einem Text dazu, der anonym veröffentlicht wurde, heißt es, „dies geschah, um sich gegen Datenzentren zu wehren, welche die begrenzten Wasservorräte in der Region erschöpfen“ und weiter „ es gibt viele Möglichkeiten aktiv zu werden. Einige Nachbarn in Atlanta waren mit traditionellen Organisationsansätzen erfolgreich. Wir hoffen jedoch, dass diese Aktion ihnen Alternativen aufzeigt, falls sie von den Politiker:innen unweigerlich verraten werden“. Es liegt an uns, diesen Vorschlag aufzugreifen und dafür zu sorgen, dass er überall dort wo sich Rechenzentren und ihre Lügen der Nachhaltigkeit breit machen, Früchte tragen kann.
Quellenhinweise:
1 https://arxiv.org/pdf/2304.03271
2 https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Report_KI_Deu.pdf
3 Ebenda
5 https://www.arxiv.org/pdf/2304.03271
7 https://www.deutschlandfunk.de/atomkraft-akw-ki-energie-100.html
8 Ebenda
10 https://www.derstandard.de/story3000000279557/metarechenzentrum-laesst-wasser-in-us-bezirk-versiegen
11 Ebenda
13 https:// www.datacenterdynamics.com/en/news/natural-gas-planned-for-stargate-ai-data-center-campus-report/
14 https://ec.europa.eu/commissionn/presscorner/api/files/document/print/de/ip_25:1013/IP_25_1013_DE.pdf






