Saboteure treffen sich in Tatortnähe, legen Erddepots an und flüchten mit dem Fahrrad
Welt (Axel Springer Schmutz) 13. Juni 2026 Presseartikel
Welt konnte interne Polizeieinschätzungen einsehen, die erstmals ein konkretes Täterprofil und mögliche Vorgehensweisen der linksextremen Berliner Stromsaboteure beschreiben.
Die Berliner Polizei nimmt neue Drohungen gegen das Stromnetz der Hauptstadt deutlich ernster als bislang öffentlich bekannt. Das geht aus internen Unterlagen hervor, die WELT exklusiv einsehen konnte. Darin wird ein entsprechender Aufruf aus der linksextremen Szene nicht nur als authentisch bewertet, sondern ausdrücklich als „sehr ernst“ eingestuft.
Auslöser ist ein Beitrag vom 8. Mai dieses Jahres auf der linksextremen Internetseite Indymedia mit dem Titel „Cut the Power, so we can see the stars“. Darin beziehen sich die anonymen Verfasser auf frühere Sabotageakte gegen die Energieversorgung in Berlin und stellen diese in einen politischen Zusammenhang aus Antimilitarismus, Staatskritik und Protest gegen polizeiliche Maßnahmen. Zudem zeigen sich die Verfasser solidarisch mit Betroffenen einer Polizei-Razzia gegen die linksextreme Sabotageszene Berlins. Der Beitrag verbinde anarchistische, „technikfeindliche, antimilitaristische und antistaatliche Inhalte“ mit einer positiven Darstellung von Sabotage und direkten Aktionen.
Am 9. Mai 2026 wurde der Beitrag zudem auf der englischsprachigen linksmilitanten Plattform „Act for Freedom Now!“ unter der Überschrift „Germany: Solidarity with the comrades hit by repression on 24.3.26“ erneut veröffentlicht. Beide Veröffentlichungen enthalten ein identisches Plakat: Zu sehen ist ein Sternenhimmel auf schwarzem Grund, darunter eine fahrradfahrende, dunkel gekleidete Figur in einem Wald, die ein Banner mit der Aufschrift „SA-BO-TAGE“ trägt. Besonders hervorgehoben wird ein Vers am Ende des Plakats, der ein nächtliches Stadtszenario beschreibt und von Ermittlern als unterschwellige Andeutung möglicher „direkter Aktionen“ im urbanen Raum interpretiert wird.
Öffentlich hatte die Polizei bislang zurückhaltend reagiert und lediglich von „möglichen, bislang unspezifischen Bedrohungsszenarien“ gesprochen. Intern fällt die Bewertung jedoch deutlich konkreter aus. In den Unterlagen heißt es, dass entsprechende Aktionen aus dem Spektrum der militanten linken Szene weiterhin „wahrscheinlich“ seien. Besonders im Fokus stehen demnach Ziele aus dem Bereich der kritischen Infrastruktur. Nach Informationen dieser Redaktion wurden im gesamten Stadtgebiet Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren, um kritische Infrastruktur zu sichern.
Neben Energieanlagen zählen dazu auch Einrichtungen von Sicherheitsbehörden, Justiz, Rüstungsunternehmen sowie Technologie- und Logistikfirmen. Explizit genannt werden unter anderem Strommasten, Verteilzentren oder Kraftwerke. Die Auswahl der Ziele erfolge laut den internen Papieren häufig kurzfristig und orientiere sich an Gelegenheiten sowie an aktuellen politischen Anlässen.
Erstmals beschreiben die Ermittler in den Unterlagen auch detailliert den mutmaßlichen Modus Operandi der Stromterroristen. Demnach gehen die Behörden davon aus, dass Angriffe überwiegend von kleinen, konspirativ agierenden Gruppen von drei bis acht Personen durchgeführt werden. Diese bewegten sich in der Regel in der Nacht, bevorzugt zwischen 1 und 5 Uhr. Die Saboteure würden gezielt auf unübersichtliche Tatorte setzen. Das war zuletzt auch bei der Attacke auf die Berliner Stromversorgung Anfang des Jahres im Südwesten der Stadt der Fall, wie interne Einsatzprotokolle zeigen, die diese Redaktion ebenfalls einsehen konnte.
Die Beteiligten treten demnach bevorzugt dunkel gekleidet und vermummt auf und bewegen sich auf Fahrrädern fort. Sie tragen Handschuhe, Mützen, Kapuzen und Mundschutz, häufig in einem sogenannten „Action-Outfit“. Auffällig sei auch der Einsatz von Wechselkleidung im Anschluss an die Tat, um Spuren zu verwischen. Als typische Ausrüstung nennen die Ermittler neben Fahrrädern zur unauffälligen Fortbewegung auch Rucksäcke, Taschen und Kommunikationsmittel. Darin befänden sich Funkgeräte, „Brandlegungsmittel“, Kabelbinder, Kleinpflastersteine oder ähnliche Wurfgeschosse, Feuerlöscher und Handys.
Die Vorbereitung erfolge konspirativ: Treffpunkte liegen häufig in Parks oder schwer einsehbaren Bereichen in Tatortnähe, von wo aus sich die Gruppen in Zugriffsteams, Aufklärer und Absicherungsteams aufteilen. Tatmittel würden zum Teil Wochen vorher in Erddepots vergraben. Auch die Flucht werde auf festen Routen vorab geplant und führe oft mit Fahrrädern gezielt über Grünanlagen, Baustellen oder andere schwer zugängliche Wege, um eine Verfolgung durch Einsatzwagen der Polizei zu erschweren. Nach Angaben aus Polizeikreisen würden die Täter bei der Flucht zum Teil erhebliche Wegstrecken zurücklegen.
Die Behörden sehen darin ein wiederkehrendes Muster. In der Vergangenheit hatte es bereits eine Reihe von Brandanschlägen und Sabotageakten gegeben, die sich gegen staatliche Einrichtungen, Unternehmen oder kritische Infrastruktur richteten.
Konkrete Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge liegen laut den Unterlagen derzeit zwar nicht vor. Dennoch gehen die Sicherheitsbehörden von einer fortbestehenden abstrakten Gefährdung aus. Gerade die wiederholte Bezugnahme auf kritische Infrastruktur, Technologieunternehmen und staatliche Einrichtungen in entsprechenden Veröffentlichungen wird als Indiz dafür gewertet, dass diese Bereiche weiterhin im Fokus stehen. So sei etwa von vereinzelten Brandstiftungen an Fahrzeugen und Objekten auszugehen.
Die Polizei hat ihre Maßnahmen auch mit Betreibern kritischer Infrastruktur abgestimmt. So würden etwa Einsatzkräfte sensibilisiert. Insbesondere im Umfeld relevanter Anlagen achten Beamte verstärkt auf verdächtige Personen oder Gruppen, die sich auffällig verhalten oder sich in der Nähe potenzieller Ziele aufhalten.
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Zwei Brandanschläge auf Stromversorgung
13 Juni 2026 — Von Switch Off (source)
Dieser Artikel wurde automatisch neu veröffentlicht.
Regensburg/Pentling 7. Juni 2026
Laut Medienberichten kam es in Regensburg und dem nahe gelegenen Pentling zu zwei versuchten Brandstiftungen. An einem Strommast wurden Brandvorrichtungen vorgefunden, die zwar zündeten, jedoch keinen signifikanten Brand verursachten. An anderer Stelle kam es hingegen zu einem Feuer, welches mehrere Kabel beschädigte. Es liegen jedoch keine Hinweise vor, dass es zu einem größeren Stromausfall gekommen ist. Wie bereits bei anderen Anschlägen auf die Energieinfrastruktur heißt es von der Generalstaatsanwaltschaft, dass aufgrund der „Tatobjekte und Tatmodalitäten” in beiden Fällen von einer extremistischen Tatmotivation auszugehen sei. Ein Blick auf die Karte gibt mögliche Hinweise darauf, warum es diese Annahme gibt. In Regensburg befindet sich ein Standort des Halbleiterherstellers Infineon. Angesichts einer ganzen Reihe anderer Angriffe auf Chip-Hersteller in den vergangenen Wochen ist ein Zusammenhang mit diesem Unternehmen durchaus denkbar. Infineon selbst schreibt über ihr Werk in Regensburg:
„Halbleiter sind in der heutigen Zeit unverzichtbar. Sie machen Autos umweltfreundlicher, sicherer und komfortabler. Sie speisen erneuerbare Energie aus Windrädern und Solarkraftwerken verlustarm in die Stromnetze ein. Sie machen Smartphones und Computer energieeffizienter. Chips verbessern die Datensicherheit in Kreditkarten und Personalausweisen. Produkte von Infineon sind intelligent und umweltfreundlich. Um das zu erreichen, müssen Entwicklung und Produktion perfekt aufeinander abgestimmt sein, wie in Regensburg.
Infineon Regensburg – Innovationsstandort und Hightech-Fabrik in einem. Hier konzipieren und bauen wir die Chip-Standards der Zukunft. Gemeinsam mit unseren mehr als 3.000 Mitarbeitern entwickeln wir Innovationen mit neuen Materialien und konzipieren neue Verpackungen, Fertigungsprozesse und neue Chip-Trennverfahren für unsere Leistungshalbleiter, Sensoren, Mikrocontroller und Hochfrequenzchips. Da sich die Entwicklungs- und Produktionsstätten auf einem Campus befinden, können die Menschen schnell kreative Ideen austauschen.“
Auf der Ursprungsseite weiterlesen…
Presse:
Unbekannte haben in der Nacht von Sonntag, 7. Juni, auf Montag, 8. Juni, versucht, einen Strommasten an der Gemeindegrenze Regensburg/Pentling und Kabel in einem Lüftungsschacht in Regensburg in Brand zu setzen. Wie das Bayerische Landeskriminalamt mitteilt, befindet sich der betroffene Mast in unmittelbarer Nähe der Autobahn A3 auf Höhe des Solarparks Pentling. Ein möglicher Zugangsweg zum Tatort besteht von der A3 aus Richtung Regensburg kommend.
Die Täter versuchten, mit einem selbstgebauten Brandsatz die Kabel des Strommastes zu beschädigen. Obwohl die Brandvorrichtung gezündet wurde, kam es aus bislang ungeklärter Ursache zu keinem Brandereignis.
Kabel bei zweitem Brandanschlag in Regensburg beschädigt
Der zweite Brandanschlag ereignete sich am 8. Juni gegen 4 Uhr in unmittelbarer Nähe zum Wasserkraftwerk Regensburg im Bereich Winzerweg / Sportbootschleuse. Der oder die Täter setzten mehrere Kabel in einem dort befindlichen Lüftungsschacht in Brand. Durch das Feuer entstand ein Sachschaden von etwa 30.000 Euro. Ein größerer Stromausfall entstand hierbei nicht.
Ermittlungen nach möglichen Brandanschlägen von Extremisten
Nach einem Feuer in Regensburg und einer mutmaßlich gescheiterten Brandstiftung in Pentling ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft. Möglicherweise handelt es sich um Sabotage durch Extremisten. Ziele waren die Stromversorgung und Infrastruktur.
Nach mutmaßlichen Brandanschlägen auf die Stromversorgung im Regensburger Westen sowie in der Stadtrandgemeinde Pentling ermittelt jetzt die Generalstaatsanwaltschaft in München. Beide Fälle werden von der Zentralstelle für die Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bearbeitet, wie die Behörde dem BR bestätigte. Zunächst hatte die Mediengruppe Bayern berichtet.
War Wasserkraftwerk im Visier?
Am Montag hatte es nach einem Kabelbrand an der Staustufe über die Donau im westlichen Regensburg eine starke Rauchentwicklung gegeben. Zeitweise war dadurch laut Polizei die Sicht auf der daneben verlaufenden A93 eingeschränkt.
Auf BR-Nachfrage teilt der Wasserkraftwerksbetreiber Uniper mit, dass die dort verlegten Kabel mit Anlageteilen des Wasserkraftwerks verbunden seien. Allerdings habe der Brand nur sehr geringe Auswirkungen auf den Betrieb der Anlage gehabt. Man wolle den Untersuchungen nicht noch mehr Publizität verleihen, so ein Uniper-Sprecher. Aber: „Für den Fall, dass es tatsächlich Brandstiftung war: Der Vorfall in Regensburg ist nicht der erste seiner Art.“
In einem ähnlichen Fall sollen Unbekannte in Pentling am Stadtrand von Regensburg erfolglos versucht haben, Strommasten anzuzünden. Wegen dieser „Tatobjekte und Tatmodalitäten“ sei in beiden Fällen von einer extremistischen Tatmotivation auszugehen. Das teilte Sebastian Murer, Sprecher bei der Generalstaatsanwaltschaft, dem BR auf Anfrage mit.
Behörde prüft möglichen Zusammenhang mit anderen Vorfällen
Die Behörde ermittelt laut Murer jetzt zusammen mit dem Bayerischen Landeskriminalamt wegen des Verdachts der Brandstiftung. Dabei geht es auch um einen möglichen Zusammenhang der Vorfälle im Regensburger Westen und in Pentling.
Gefragt, ob die Zentralstelle auch einen möglichen Zusammenhang zu Vorfällen in Baden-Württemberg sieht, sagte Murer, eine solche Verbindung werde ebenfalls überprüft.
In Reutlingen war nach einem Brand in einem Umspannwerk am Montag der Strom ausgefallen – 20.000 Haushalte waren in der Spitze betroffen.
Einen weiteren mutmaßlichen Anschlag auf die Stromversorgung hatte es Ende Mai in Garching bei München gegeben: Hier setzten Unbekannte zwei Strommasten in Brand. Auch in diesem Fall ermitteln die Behörden.
Quelle: Tagesschau
Quelle: Switchoff.noblogs.org






