Selbstschutz und Massenorganisierung
In diesem Text möchten wir den Zusammenhang zwischen Massenorganiserung und einem schlagfertigen Selbstschutz aufzeigen. Wenn wir von Selbstschutz sprechen meinen wir nicht nur den Schutz unserer Räumlichkeiten, den Schutz unserer Strukturen oder offenen Treffen. Wenn wir als antifaschistische Bewegung von Selbstschutz sprechen, haben wir den Anspruch einen proletarischen Massenselbstschutzes aufzubauen, der im Sinne des Einheitsfrontgedankens rechte und faschistische Akteure sowie dessen Terror nachhaltig bekämpft. Im Zuge der Rechtsentwicklung beobachten wir seit über fünfzehn Jahren ein Erstarken rechter und faschistische Akteure. Im Parlament vor allem mit der AfD und CDU und auf der Straße mit den sogenannten rechten Jugendgruppen, den neu gegründeten Kameradschaften und den faschistischen Kaderstrukturen wie der dritte Weg oder die Atomwaffendivision. Bereits letztes Jahr haben wir als Antifa-Info-Redaktion über die Zunahme rechten Terrors und die Angriffe auf CSDs geschrieben1.
In den letzten Jahren sind Demos von Rechts zu einer „Begleiterscheinung“ von CSDs geworden. Als Antifaschist:innen, ist es unsere Aufgabe, diese zu bekämpfen.
In der Zwischenzeit haben sich die Angriffe auf linke und queere Personen, sowie Anschläge auf alternative Räumlichkeiten, vervielfacht. Denn rechte Gewalt trifft schon lange nicht nur Migrat:innen, queere oder linke Personen, sondern alle Personen die nicht in deren Weltbild passen. So gab es bei den vorletzten Wahlen auch gezielte Angriffe gegen bürgerliche Parteien wie die SPD. Die Angriffe der letzten Zeit machen vor allem eins deutlich, sie dienen nicht nur zur reinen Abschreckung, sondern viel mehr dazu Menschen massiv zu verletzten und auch Mord wird zunehmende in Kauf genommen.
Besonderes der Machetenangriff im März 2026, bei dem Faschist:innen eine Genossin schwer verletzt haben, zeigt die hemmungslose und skrupellose Art und Weise wie reche Akteure zur Zeit vorgehen. Dies dürfte jedoch nur ein Vorgeschmack auf das sein, was uns die nächste Jahre erwarten könnte. Daher ist es umso wesentlicher uns als linke und antifaschistische Bewegung darauf vorzubereiten. Um qualitativ und quantitativ den rechten Angriffen etwas entgegenzusetzen ist es unsere Aufgabe, die eigene Seite weiter auszubauen, um einen breiten und effektiven Selbstschutz zu gewährleisten. Dabei gilt einerseits die bestehenden Strukturen vor Ort zu unterstützen, Erfahrungen von Genoss:innen weiterzugeben und sich bei konkreten Anlässen zum Beispiel beim Schutz der CSDs vor rechten Jugendgruppen, zu unterstützen. Neben dem Unterstützen von bereits bestehenden Strukturen ist das Verankern eines antifaschistisches Bewusstsein in der Klasse für den Aufbau der eigenen Seite und ferner für das schaffen einer Massenbewegung zentral.
Ausschlaggebend für den Erfolg wird die Art und Weise sein, wie wir in Zukunft unsere Propaganda und Agitation ausrichten, um noch mehr Menschen zu erreichen, die sich mit unseren Inhalten identifizeren. Die bisherige Strategie der letzten Jahre, Personen niederschwellig mit dem Angebot der offenen antifaschistischen Treffen zu organisieren und in direkte Aktion zu bringen, ist ein guter Ansatz, jedoch wird nicht allein mit dem Konzept der OATs eine antifaschistische Massenorgansierung auf die Beine gebracht werden können. Die OATs sprechen eine spezifische Zielgruppe an, welche größtenteils über Social Media erreicht wird – sprich junge und motivierende, eher aktionsorientierte Personen, die sich meist über das Internet im Zuge der aktuellen Rechtsentwicklung politisierten. Jedoch spiegelt diese Zielgruppe nur einen kleinen Teil unserer Gesellschaft wieder.
Um eine wahrnehmbare Massenbewegung auf die Beine zu stellen braucht es eben andere, vielleicht auch neue Wege, um die restlichen Teile der Klasse effektiv zu erreichen. Gerade die Arbeit im Betrieb ist und bleibt einer der wichtigsten Anküpfungsgspunkte, um ein antifaschistisches Bewusstsein zu verankern. Besonderes die Arbeit gegen rechte Gewerkschaften wie „Zentrum Automobil“, das konsequente Vorgehen gegen rassistisiche und menschenfeindliche Äußerungen im Betrieb sind erste Möglichkeiten, Arbeiter:innen gegen rechte Hetze zu organisieren.
Wenn wir Menschen außerhalb unserer Filterblase erreichen wollen, müssen wir auch dort hingehen, wo diese Menschen sind, ihren Alltag und ihre Freizeit verbringen. Neben dem Arbeitplatz ist das zum Beispiel die Schule, die Uni, Sport – und Kulturangebote in der Stadt oder andere Orte im Stadtteil, an denen sich Menschen untereinder begegnen. Wenn wir diese Ort effektiv für uns nutzen möchten, müssen wir auch neue atttraktive Angebote schaffen, die über die üblichen Beteiligungsformen hinaus gehen, um die Menschen dort ab zu holen wo sie stehen. Das können zum Beispiel Film, Musik – oder Bildungsangebote sein oder Aktionen, die beispeilweise den Stadtteil oder das Viertel verschöneren.
Graffitis sind ein Weg, das Stadtbild zu prägen.
Die Möglichenkeiten ans Ziel zu kommen können verschiedene sein. Am Ende wird jedoch zählen, ob wir es geschafft haben, mehr Menschen aktiv in unserem Kampf gegen Rechts miteingebunden zu haben. Dies werden wir nicht von heute auf morgen schaffen. Dass dies kein Sprint sondern ein Marathon ist, sollte uns allen klar sein. Daher ist es umso wichtiger dran zu bleiben, die bisherigen Methoden zu überprüfen, anzupassen und auszubauen.
Nur wenn wir diese Schritte gehen wird es möglich sein, die eigene Seite weiter aufzubauen um sie zu einer großen Massenbewegung wachsen zu lassen! Denn erst wenn wir mehr Menschen in unserem Kampf vereinen können, wird es möglich sein, effektiver einen proletarischen Massenselbschutz auf die Beine zu stelllen, der die Arbeiter:innen vereint und anderes als bisher nicht nur reagiert, sondern aktiv im Voraus agiert!
Die Parole bleibt daher unervändert:
Lasst uns die antifaschistische Aktion aufbauen!
Rein in die Massenorganisation!






