Mit Zuversicht in die kommenden Kämpfe
20 Mai 2026 — Von Direkt Aktion Anarchosyndikalistische Zeitun
Die Klimabewegung scheint an ihrer Staatsgläubigkeit vorerst gescheitert, relevante Teile der gesellschaftlichen Linken verabschieden sich in den staatstragenden Reformismus der Linkspartei oder direkt in’s dystopische Preppen. Aber nicht alle haben die Hoffnung in kollektive systemtransformierende Kämpfe aufgegeben. Wie diese gestaltet werden können skizziert die Dokumentarfilmerin und labournet-Aktvisitin Johanna Schellhagen in ihrem aktuellen ‚Handbuch für Unerschrockene‘. Es trägt den Titel: „Wie wir uns eine Zukunft auf diesem Planeten erkämpfen können“. Der Autorin gelingt auf knappen 150 Seiten sowohl eine fundierte Kritik bisheriger linker Versuche gesellschaftlicher Veränderung, als auch ein Aufschlag zu einer alternativen Strategie, gepaart mit einem konkreten Übergangsszenario und einer Skizze zukünftiger Vergesellschaftung.
Der Text ist eingänglich, praxisnah und sehr niedrigschwellig geschrieben sowie mit zahlreichen weiterführenden Informationen und Hinweisen in Form von QR-Codes versehen und somit gut als Diskussionsgrundlage und Argumentationshilfe in der politischen Auseinandersetzung geeignet.
Nachdem die Autorin aufgezeigt hat, warum radikale Gesellschaftsveränderung nur gegen den Staat und seine politischen Spielregeln erreicht werden könne, erinnert sie daran, dass es insbesondere die Lohnarbeitenden sind, die durch ihre Masse und ihre Stellung im Produktionsprozess dazu in der Lage seien, gesellschaftlichen Wandel durchzusetzen. Diese Kämpfe könnten allerdings nicht in Form einer Partei, die wieder in der politischen Sphäre und damit außerhalb der Produktionssphäre wirken würde, stattfinden. Stattdessen bräuchte es organisierte Belegschaften und Stadtteile, die unterstützt von kämpferischen Gewerkschaften und mit Hilfe des Streiks ihre Ziele durchsetzen. Dies gelänge nur gegen die ökonomisch und politisch Herrschenden, die Produktionsmittelbesitzenden und die bürgerliche Öffentlichkeit. Deshalb schlägt sie (orientierungslosen) jungen Linken vor, strategisch Arbeiten zu gehen. Sie sollen sich in den Betrieben politisch selbst- und gleichzeitig die Belegschaft organisieren. Damit sollen sie für sich selbst kämpfen, anstatt immer nur von außen die Kämpfe der anderen zu organisieren. Gleichzeitig sei es wichtig die eigene reproduktive Sphäre, die Stadtteile und damit solidarische Nachbar*innenschaften zu organisieren und mit einem ‚revolutionärem Mapping‘ zu beginnen, also der konkreten Vorbereitung auf eine potentielle revolutionäre Situation.
Diese Revolution muss dabei das Ziel haben, die kapitalistische Produktionsweise zu ersetzen, die sich im Kern dadurch auszeichnet, dass wir in Form des Geldes dazu gezwungen werden, uns getrennt voneinander (Privateigentum) und in Konkurrenz zu einander (Markt) unbewusst und damit unvernünftig zu vergesellschaften. Deshalb muss eine tatsächliche Alternative die Trennung und Konkurrenz überwinden, sowie die tatsächliche Selbstbestimmung der Produzent*innen durch Räte und bewusste gesellschaftliche Planung garantieren.
Unterbelichtet bleibt bei Schellhagen leider die kritische Diskussion des Streiks, dient er im Kapitalismus doch vor allem dazu, systeminterne Interessen der Lohnabhängigen gegen das Kapital durchzusetzen, also bessere Arbeitsbedingung und höhere Löhne. Sein systemsprengendes Potential sollte kritisch hinterfragt werden, hat er doch seiner Form nach vor allem appellativen Charakter. Im Übergang zur Selbstverwaltung der Produktion und Verteilung geht es ja insbesondere darum, sich in den eigenen Tätigkeiten (ehemals: ‚Lohnarbeiten‘) neu und anders aufeinander zu beziehen und die Arbeit nicht einfach nur einzustellen. Ziel eines jeden revolutionären systemsprengenden Streiks kann also nur die Aneignung der Produktionsmittel und vernünftige Umgestaltung der Produktion in Selbstverwaltung sein. Dieses strategische Ziel sollte auch kämpferischen Gewerkschaften klar sein und bei allem Klein-Klein tagtäglicher Auseinandersetzungen im Betrieb nicht aus den Augen verloren, sondern im Gegenteil zur Richtschnur jeglicher revolutionärer Tätigkeit werden.
Diese Leerstelle ist schade, da Schellhagen dadurch einen diskussionswürdigen Punkt in der konkreten Übergangsgestaltung hin zu einer nichtkapitalistischen Gesellschaft übergeht. Für letztere wiederum macht sie einen konkreten Vorschlag, der sowohl die betriebliche Ebene der Produktion, als auch die des Konsums und der Reproduktion berücksichtigt.
Hierbei bezieht sie sich auf die ‚Grundprinzipien kommunistischer Produktion und Verteilung‘, wie sie durch Rätekommunisten in den 1930er Jahren, aus der Analyse des Scheiterns der Russischen Revolution, als rätedemokratische Alternative zur leninistischen Parteidiktatur formuliert worden sind. In diesem Ansatz, der aktuell von der Initiative Demokratische Arbeitszeitrechnung (IDA) aktualisiert und bekannt gemacht wird, werden Lohnarbeit und Geld überwunden und durch eine konkrete dezentrale Planung in Selbstverwaltung mit Hilfe von Arbeitszeitrechnung ersetzt.
Insgesamt ist das Buch eine gelungene und gut argumentierte Streitschrift für einen antiautoritären revolutionären Ansatz, der dadurch hoffentlich mehr Aufmerksamkeit erhält.
Warum Solidaritätsarbeit für Daniela Klette?
Freiheit für Daniela Klette 21. Mai 2026
Gedanken zum Verfahren vor dem Landgericht Verden
Der erste Strafprozess gegen Daniela Klette wird im Mai 2026 zu Ende gehen. Solidarische Genoss*innen, die seit den 1980/90er Jahren politisch aktiv sind, ziehen nachfolgend ein Resümee der bisherigen inhaltlichen und praktischen Solidaritätsarbeit.
Daniela Klette wurde Anfang 2024 festgenommen und steht seit über einem Jahr im niedersächsischen Verden an der Aller vor Gericht. Angeklagt ist sie wegen Geldenteignungen, wobei die Richter*innen den politischen Kontext zu leugnen versuchen. Zu diesem gehört die illegale Organisierung der Militanten aus der RAF, die den Geldbeschaffungsaktionen zugrunde liegt. Auch die eigenes für diesen Prozess für 3,6 Millionen Euro errichtete gigantische Prozesshalle sowie die Repressionen und Restriktionen gegen die Angeklagte, ihre Anwälte und Besucher*innen, spiegeln den politischen Zusammenhang des Verfahrens wider. Ein zweiter Prozess, den die Bundesanwaltschaft anstrengt, wird bald in Frankfurt am Main beginnen.
Knapp 30 Jahre sind seit der Selbstauflösung der RAF vergangen. Heute ist die deutsche Stadtguerilla Geschichte. Beides können Gründe für die schwächelnde Solidarität sein. Gut eine Hand voll solidarischer Prozessbesucher*innen kamen regelmäßig zu den Verhandlungsterminen, zu besonderen Anlässen waren es mehr. Zwei spärlich bestückte Webseiten informieren über das Verfahren und die Solidaritätsarbeit. Ab und zu erscheint ein Artikel zum Prozess in linken Zeitungen. Immerhin. Aber politisch-programmatische Texte zum Thema sind selten. Selbst in einschlägigen Medien der Antirepressionsarbeit gibt es bislang wenig Berichte, während es zeitgleich Vorladungen zum BKA von ehemaligen Gefangenen aus der RAF und von vermeintlichen Bekannten und Nachbar*innen der Illegalen – und teils auch Aussagen – gab und gibt. Weshalb mobilisiert ein Verfahren gegen eine ehemalige Militante heute anscheinend niemanden mehr?
Teil linker Geschichte
Da sitzt eine standhafte Linke vor Gericht, die klare Kriterien und ein klares Verhältnis zu Staat und Repression hat; die Aussagen vor der Justiz verweigert und andere nicht verrät, was alles nicht selbstverständlich ist. Und sie positioniert sich öffentlich: Danielas Herz schlägt für die Sache der Palästinenser*innen, in aktuellen Stellungnahmen stellt sie sich gegen Militarisierung und auf die Seite der Klimagerechtigkeitsbewegung. Die lange zurückliegenden Tatbestände, die in Verden juristisch verhandelt wurden, sehen eine Strafe von bis zu 15 Jahren Knast vor. In 15 Jahren ist Daniela über 80.
Aber es gibt weitere Gründe für Solidarität. Wir dürfen nicht nur im Jetzt denken. Die Repression hat etwas mit der Vergangenheit zu tun. Der Staat lässt nicht ab von der Verfolgung gegen Menschen, die einen konsequenten Weg gegangen sind und bewaffnet gekämpft haben. Mit diesen Genoss*innen haben wir uns immer verbunden gefühlt. Ihr Kampf gegen Imperialismus, gegen den US-amerikanischen Krieg in Vietnam und gegen die darauffolgenden Kriege in zahlreichen weiteren Ländern war und ist auch unserer Kampf.
Die RAF war deshalb nicht isoliert, wie heute verschiedentlich kolportiert wird. Hunderte hatten Verfahren wegen §129a StGB (Mitgliedschaft und Unterstützung), Tausende waren für die RAF auf der Straße, Zehntausende wurden in Zeiten mancher Hungerstreiks mobilisiert.
Wir sind solidarisch, weil Daniela Teil dieser linken Geschichte ist, weil der staatliche Vorwurf bewaffneter Kampf lautet und sich dies im Prozess in der Hochsicherheitsreithalle von Verden-Eitze auch sichtbar manifestiert.
Kritik und Fehler
Natürlich war die RAF nicht frei von Fehlern. Und grundlegende gesellschaftliche Veränderungen haben weder die RAF noch andere militante Linke bewirkt. Aber hinterher deren Versuche als falsch abzutun, ist uns zu einfach, wenn dabei unergründet bleibt, warum Genoss*innen in der damaligen Situation so gehandelt haben; wenn also der Wille fehlt, diese Versuche in ihrer Zeit zu verstehen.
Wir erinnern auch an Fehler aus der Zeit nach 1998, die nach jahrzehntelanger Fahndung zur Festnahme von Daniela und zur Sicherstellung zahlreicher Beweismittel führten. Gemeint sind beispielsweise Film- und Fotoaufnahmen der Illegalen, die teilweise (auch von Dritten) im Internet veröffentlicht wurden. Dabei wissen wir, wie schwer es geworden ist, dem Fotografiert-Werden zu entgehen und sich Gruppenfotos zu verweigern. Dies gehört jedoch zum Aufwand, der nötig ist, um der Überwachung zu entgehen, die große Ausmaße angenommen hat. Ein anderes Beispiel sind Gegenstände, die in der eigenen Wohnung aufgehoben wurden statt sie für immer wegzuschaffen. Über viele Jahre ging das alles gut, deswegen haben sie sich womöglich sicher gefühlt und sind unvorsichtig geworden.
Andererseits war es der RAF wichtig, zum Angriff zu kommen und sie hat sich einst wenig darum geschert, juristischer Beweisführung zu entgehen. Erinnert sei an die Unterzeichnung einer Erklärung von Andreas Baader mit seinem Fingerabdruck. Diese Bekenntnisse (»Wir sind RAF!« statt zu sagen: »Führt Ihr erst mal den Beweis!«) haben damals politische Auseinandersetzung auch in der Solidaritätsarbeit möglich gemacht.
Der Staat zieht keinen Schlussstrich
Im April 1992 hat dann die RAF das Angebot unterbreitet, die Konfrontation zu beenden. Sie wandte sich in ihrem Schreiben »an alle, die auf der Suche nach Wegen sind, wie menschenwürdiges Leben hier und weltweit an ganz konkreten Fragen organisiert und durchgesetzt werden kann«. Viele waren in der Auseinandersetzung RAF vs. Staat umgekommen, viele hatten ihr halbes Leben im Knast verbringen müssen. Die einseitige Rücknahme der Eskalation war ein neuer Versuch, in der historischen Situation etwas aufzubrechen – und zu einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu kommen. Der Staat kam der RAF jedoch keinen Schritt entgegen, im Gegenteil, er reagierte mit verstärkter Verfolgung. Und das bis heute: Er jagt ehemalige Militante unnachgiebig weiter. Ein passender Umgang ist ihm – trotz Selbstbeendigung des Projekts RAF 1998 – bis heute nicht gelungen. Aufgrund dieses staatlichen Scheiterns wurde die Konfrontation nicht gelöst. Gesuchte konnten nicht zurück in die Gesellschaft und mussten weiterhin illegal leben, teils Jahrzehnte lang erfolgreich und bis heute.
Niemand hatte sich eine Illegalität über so eine lange Zeit vorgestellt. So standen die Untergetauchten vor dem Problem der Finanzierung ihres Alltags. Eine Lösung dafür war der praktizierte Geldraub, eine vermeintlich unpolitische Tat. Denn die Kohle wurde sich nicht mit der Motivation eines Robin Hoods oder der dänischen Blekingegade-Gruppe angeeignet und auch nicht, um den politischen Kampf selbst weiterzuführen. Zwar wissen wir nicht, ob ein Teil des Geldes auch an linke Strukturen geflossen ist, können aber ahnen, dass die Geldsummen hauptsächlich dazu dienten, das weitere Leben in der Illegalität zu ermöglichen – und damit ohne Aufzugeben als politische Subjekte zu überleben. Es geht dabei um Beträge, die belanglos erscheinen, wenn man sie mit den Kosten für Umbau und Miete der Verdener Prozesshalle oder gar mit dem bis heute betriebenen und auch juristisch nicht aufgearbeiteten milliardenschweren Cum-Ex-Steuerbetrug von Banker*innen und Investor*innen ins Verhältnis setzt.
Mitleid mit den beraubten und gut versicherten Geldtransportunternehmen kommt bei uns nicht auf. Diese unterhalten quasi paramilitärische Einheiten, die das Kapital bewachen und schützen. Alle dort Beschäftigten wissen um ihr Berufsrisiko. Anlässlich der angeklagten Geldbeschaffungsaktionen war allerdings niemals ein Menschenleben gefährdet. Mancher Überfall wurde wegen dieser Gefahr abgebrochen. Nach Zeugenaussagen handelte es sich um freundliche Geldräuber. So freundlich, dass sie auch mal nicht ernst genommen wurden und ihrem Anliegen den nötigen Nachdruck verleihen mussten, indem sie eine Schusswaffe einsetzten.
Der zweite Prozess
Das nächste Gerichtsverfahren gegen Daniela Klette wird bald nach ihrer ersten Verurteilung beginnen. Auch die Bundesanwaltschaft kann nicht aufhören. In diesem zweiten Verfahren wird es konkret um drei Anschläge gehen, bei denen angeblich Spuren von Daniela gefunden wurden: Den versuchten Anschlag auf ein Rechenzentrum der Deutschen Bank in Eschborn 1990 von der »Kämpfenden Einheit Febe Elizabeth«, den Anschlag auf die US-Botschaft in Bonn 1991 und die Sprengung des Knastneubaus in Weiterstadt durch die RAF 1993.
Dieser Prozess verspricht größere Auseinandersetzungen und Kontroversen – nicht nur im Gerichtssaal. Weiterstadt, eine populäre Aktion, die von allen verstanden wurde und bis heute auf Begeisterung stößt, kann die Solidaritätsarbeit konkreter und ansprechender machen und damit – das wäre zu wünschen – auch auf eine breitere Basis stellen.
Widerstand und Angriff
Die Zeiten haben sich geändert und doch ist heute nicht alles anders. Die Aufrüstung in den 1980ern (Stichworte: NATO-Doppelbeschluss und SDI), die Einschätzungen über die Gefahr eines drohenden heißen Kriegs in Europa lässt Parallelen zur Gegenwart ziehen. Damals zielten Linke richtigerweise gegen das Imperium und sein Militärbündnis, das westliche Machtinteressen absicherte. Die strategischen Überlegungen und Anstrengungen dieser Zeit, die Stadtguerilla zu internationalisieren und die Kämpfe zu verbreitern, sind für eine radikale Linke noch heute von Bedeutung.
Welche Funktion der illegale bewaffnete Kampf hatte, wirft interessante strategische Fragen auf. Die RAF hat sich 1998 verabschiedet. Diese Form der Guerilla ist seitdem vorbei. Aber das heißt nicht, dass eine zeitgemäße militante Politik gegenwärtig weniger notwendig ist. Sie fehlt heute weitgehend im Spektrum der radikalen Linken, würde jedoch die Möglichkeiten linker Kämpfe erweitern und diese erfolgreicher machen, wie Andreas Malm in seinem Buch »Wie man eine Pipeline in die Luft jagt« erläutert: Bewegungen, die über eine radikale, militante Flanke verfügen, können Herrschaft aufbrechen oder gar beenden wie die Kämpfe gegen die Sklaverei, für das Frauenwahlrecht, für die rechtliche Gleichstellung der Afroamerikaner*innen oder gegen die Apartheid in Südafrika bis hin zu den militanten Kämpfen rund um den Tahrir-Platz 2011 gezeigt haben.
Daniela Klette steht auch für eine bestimmte organisatorische Etappe einer nicht gesetzeskonformen Politik. Für eine radikale Linke ist es wichtig, eine über die bestehenden Verhältnisse hinausweisende, also eine den Kapitalismus überwindenwollende Praxis und die Aufrechterhaltung einer solchen Praxis zu rezipieren. Der kommende, zweite Gerichtsprozess und die Solidaritätsarbeit für Daniela Klette bieten dazu Gelegenheit. Zusammen kämpfen!
Redebeitrag 1/2 der Erwerbsloseninitiative BASTA! zum Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen Es ist die Mitte der Gesellschaft, die gewalttätig und gleichgültig ist.
Bärbel Bas, SPD Frau an der Spitze des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, setzt sich für die Belange der Arbeitenden ein und engagiert sich für den Erhalt von Tarifverträgen.
Für arbeitslose Arbeiter*innen, wie jenen Abertausenden aus Ost- und Südosteuropa, die auf dem Bau, in Schlachthöfen, als Reinigungskräfte oder Paketbot*innen für Subunternehmen von Onlineriesen schuften, scheint sie sich dagegen nicht engagieren zu wollen. Statt beispielsweise zu erklären, wie sie Migrant*innen dabei unterstützen will, ihnen vorenthaltenen Löhne zu erhalten, kündigte Bas – mit antiziganistischem Unterton – an, »mafiöse Strukturen« beim Bürgergeldbezug zerschlagen zu wollen. Dabei gäbe es tatsächlich »mafiöse Strukturen«, die es zu zerschlagen gälte: Berliner Baustellen zum Beispiel sind berühmt dafür, ihre (oft osteuropäischen) Arbeiter extrem auszubeuten. Opfer der mafiösen Baumafia besser vor kriminellen Unternehmen zu schützen, kann Bärbel Bas aber kaum im Sinn haben, wenn zugleich eine »Entlastung von Berichtspflichten« für Firmen verhandelt wird. Ein Blick zurück: Über die immense Bedeutung des Pogroms im Jahr 1992 von Rostock Lichtenhagen für den Rassismus des wiedervereinten Deutschlands sind wir uns hoffentlich einig. Das jene Ausschreitungen jedoch vor allem das Ergebnis der antiziganistischen Gerüchte und Ressentiments waren, mit denen Politik und Medien bereits 1990 gegen damals noch asylsuchenden Rumän*innen hetzten und die Debatte über den „Asylkompromiss“ befeuerten, wird oft übersehen.
Bärbel Bas knüpft heute an diese antiziganistischen Gerüchte an, ohne das es einen Aufschrei gäbe, auch nicht in der gesellschaftlichen Linken. Sie kann trotz einer geltenden EU-Freizügigkeit auch für Bulgaren und Rumäninnen über eine vermeintliche „Einwanderung in die Sozialsysteme“, von „bandenmässigem Betrug“ und von „Sozialschmarotzern“ schwadronieren, ohne das ihr widersprochen wird. Der Antiziganismus erklärt immigrierende Roma zur Gefahr für Sicherheit und Ordnung. Es wird laut überlegt Rücknahmeabkommen mit den osteuropäischen Herkunftsländern abzuschliessen. Das widerspricht zwar dem
Freizügigkeitsrecht Europas, aber egal. Deshalb kann die Arbeits- und Sozialministerkonferenz im November 2025 in München ohne Widerspruch überlegen, wie eine Abschiebung (sie nennen das zynisch „geordnete, freiwillige Rückkehr in Osteuropäische Herkunftsländer“) zu bewerkstelligen sei. Bis dahin werden von Jobcentern wohl bundesweit Arbeitsverträge von Personen aus Osteuropa ob ihres tatsächlichen Bestehens angezweifelt oder auch rechtswidrig behauptet aufstocken mit Grundsicherung ginge erst ab einem 20-stündigen Arbeitsvertrag, ein Beispiel dafür ist das JC Stuttgart. Bis Ende 2026 gibt es für alle Grundsicherungsbeziehenden keine Anpassung an die Lebenshaltungskosten, Inflation hin oder her. Eine 100 % Sanktion, also der Entzug der kompletten Lebensgrundlage ist seit April 2026 wieder möglich. Die Deckelung der Miethöhe wird wohl einige mehr in die Obdachlosigkeit zwingen. Schon vereinbart ist hingegen die Verlängerung der Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und Bundesagentur für Arbeit. Man will gemeinsam Jugendliche für den Beruf des Soldaten aktivieren. Unserer Einschätzung nach sollte es als Lehre aus der Geschichte weder Militär noch Rüstungsindustrie in der Bundesrepublik geben. Politiker*innen wie Bärbel Bas, Sahra Wagenknecht, Karsten Linnemann und Alice Weidel zeigen und befördern eine brutale Gleichgültigkeit gegenüber der Verelendung und Armut von Migrant*innen, alleinerziehenden Frauen, Kinder und Jugendlichen, sowie erkrankten Personen. Auch bei der Verächtlichmachung der Armen gehen bürgerliche Parteien sowie die SPD Hand in Hand mit der AFD, nicht nur beim Thema Migration. Es ist die Mitte der Gesellschaft, die gewalttätig und gleichgültig ist.
Drohnensymposium sabotiert
von: anonym am: 19.05.2026 Wien/Vienna
Die Messehalle für die Drone Vation and Defence in Wien wurde am 19. Mai entglast und mit Buttersäure verfeinert.
Alle Jahre wieder. Diesmal treffen sich am 21. und 22. Mai Vertreter*innen von Elbit Systems, Rheinmetall, Lockheed Martin, Stark, dem Bundesheer und anderen Institutionen, um ihre Tötungsmaschinen im Zuge eines sogenannten Drohnensymposiums vorzustellen.
Dazugelernt haben sie offensichtlich nichts. Schon wieder ist es ein paar Menschen gelungen, sich Zutritt zu der Verananstaltungshalle, den Wiener Werkshallen, zu verschaffen und schon wieder wurde der innere Eingangsbereich der Halle mit Buttersäure präpariert. Es wurden zusätzlich viele Fensterscheiben zerstört.
In der Hoffnung, dass die kalte Luft und der stimulierende Buttersäuregeruch euch helfen zu erkennen, wie viel Blut an euren Händen klebt, ihr neokolonialen, kapitalistischen Mörder. Eure Drohnen töten! Wir schauen nicht zu, wie ihr über Leben und Tod von Menschen entscheidet. Ihr seid angreifbar!
Krieg dem Krieg
Danke dem Verfassungsschutzbericht 2025 für die Inspiration
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Gegen die Polizei und die Welt, die sie braucht!
von: anonym
In der Nacht vom 17. auf den 18.05. haben wir bei der "IT-Kooperation der Polizei" in der Notke Straße 13-15 in Hamburg die Scheiben mit Hämmern eingeschlagen.
Die "IT-Kooperation der Polizei" ist ein Zusammenschluss von fünf Landespolizeien, die gemeinsam Software für die tägliche Polizeiarbeit entwickeln und Schnittstellen zu nationalen und europäischen Datenbanken zur Verfügung stellen.
Auch andere Landespolizeien, Bundespolizei und BKA nutzen die Software.
Es geht dabei um den digitalen, KI unterstützten Ausbau des polizeilichen Kontroll- und Überwachungssystems zur Durchsetzung der herrschenden Ordnung, in dessen Folge unter anderem Abschiebungen, Zwangsräumungen und Repression gewaltvoll durchgesetzt werden.
Verschwört euch für eine Welt in der alles anders und alles möglich ist!
Gegen die Polizei und ihre Gewalten!
Liebe und Kraft in Untergrund und Knast!
Müssen die Maschinen zerschlagen werden?
zeit 18. Mai 2026 Presseartikel
Ein Mann attackiert das Haus von Sam Altman, autonome Taxis gehen in Flammen auf. Der Anti-KI-Backlash wird gewaltsam – und verbindet Menschen, die sonst nichts teilen.
Was tun, wenn die Zukunft bedrohlich erscheint? Verzweifelt man, geht man in die Politik oder verschwindet gleich in die Wildnis? Ein junger Mann in den USA fand kürzlich eine andere Antwort: Alles anzünden. Letzten Freitag, in den frühen Morgenstunden, warf er zunächst einen Molotowcocktail auf das Haus von Sam Altman, floh dann zu Fuß und wurde wenige Stunden später mit einem Behälter voller Kerosin vor dem Hauptquartier von OpenAI festgenommen. Bei sich, so berichtet es das FBI, trug er ein Manifest, in dem er sich gegen künstliche Intelligenz (KI) richtet.
Der Mann ist Berichten zufolge 20 Jahre alt und heißt Daniel M. Rasch spürten Medien seinen digitalen Fußabdruck auf, fanden einen Instagram-Account und einen Substack-Newsletter, die mutmaßlich diesem mutmaßlichen Täter gehören und auf denen mehrere Beiträge über unsere technologische Gegenwart und Zukunft zu finden sind: Das existenzielle Risiko durch KI lautet der Titel eines langen Essays, in dem er vor der kommenden Superintelligenz warnt und das Buch If Anyone Builds it, Everyone Dies des KI-Untergangspropheten Eliezer Yudkowsky empfiehlt. Ein anderer ist betitelt als Eine Grabrede auf die Menschheit, wo er unterscheidet zwischen den Figuren des ehrenvollen »Märtyrers«, der für seine Ideale sterben würde, und des kampfbereiten »Kriegers«, der für sie zu töten bereit ist. Der Text schließt mit einer Positionierung: »We«, die Menschheit, »are worth fighting for.« Nun wird M. unter anderem des versuchten Mordes an Sam Altman angeklagt – und vermutlich viele Jahre im Gefängnis verbringen. Nur wenige Tage später feuerten zwei unbekannte Schüsse auf Altmans Haus ab. Motiv bislang unbekannt.
So verwerflich Gewalt wie die gegen Altman ist, scheint diese Attacke doch auch Symptome zu sein. Nicht nur in M. brodeln Wut und Angst vor einer KI-Zukunft, in der das Menschliche optional erscheint. Sie hat sich gesamtgesellschaftlich festgesetzt, global sogar: Man fürchtet, dass die Maschinen uns ersetzen oder wir, um mitzuhalten, zunehmend selbst wie Maschinen funktionieren müssen.
Dieser Druck entlädt sich nicht unbedingt gegen die Entwickler, das ist ein besonders extremer Fall, sondern oft gegen die Technologien selbst: In Großbritannien und den USA mehrten sich zuletzt Angriffe auf autonome Lieferroboter; sie wurden getreten, geschlagen und mit Graffiti beschmiert. In Kalifornien, Patient null für viele unserer Zukunftstechnologien, wurden selbstfahrende Taxis sabotiert oder sogar zerstört. In Indianapolis feuerte jemand mitten in der Nacht 13 Schüsse auf das Haus eines Stadtrats und hinterließ einen Zettel auf der Fußmatte mit der Aufschrift »NO DATA CENTRES!« Weniger militant, doch in überraschender Allianz ziehen im mittleren Westen der USA plötzlich Maga-Wähler mit Sozialisten wie dem US-Demokraten Bernie Sanders an einem Strang, um gegen den Bau energiehungriger KI-Rechenzentren durch große Tech-Unternehmen zu protestieren – und gewinnen: Rechenzentren im Gegenwert von 64 Milliarden Dollar wurden laut eines Berichts von Data Centre Watch durch Proteste entweder verhindert oder verzögert.
Angst vor Weltuntergang oder vor Ausbeutung?
Der Anti-KI-Backlash ist breit, womöglich sogar, wie das Magazin Fortune kürzlich schrieb, zunehmend »revolutionär«, im Sturm-auf-die-Bastille-Sinn. Doch die Beteiligten bilden keineswegs eine homogene Gruppe. Um besser zu verstehen, was sich darin vermischt, lohnt es sich, zunächst zwischen zwei Fraktionen zu unterscheiden: den Doomern und den Ludditen.
Glaubt man dem Substack unter seinem Namen, gehörte M. zu ersteren. Die KI-Doomer, vom englischen Wort doom für Untergang und mitunter durchaus als Selbstbeschreibung verwendet, blicken im größten nur denkbaren Maßstab auf künstliche Intelligenz. Ihre Sorgen sind apokalyptisch, zwar auf Software bezogen, doch quasi-religiös durchtränkt. Mit den größten Fans und Vertretern der Technologie teilen sie den Tech-Optimismus: Sie sind überzeugt, dass KI immer wirksamer und mächtiger werden wird – nur wollen sie diesen Umstand nicht befördern und beschleunigen, sondern sie fürchten ihn.
Der spezifische Moment, der sie ängstigt, ist jener, in dem eine hypothetische KI in der Lage ist, sich selbst umzuprogrammieren und zu verbessern. Das würde eine Intelligenzexplosion produzieren, in der die KI sich immer weiter verbessert, bis de facto Gott entsteht. Die Doomer nennen es nicht zwangsläufig so, sprechen von AGI (Artificial General Intelligence) oder Singularität, doch was sie in unserer Zukunft vermuten, ist so weit entrückt von allem Menschlichen, dass außer theologischem Vokabular nichts greift.
Tech-CEOs selbst bedienen sich häufig bei den Vorhersagen der Doomer, um damit in einer geschickten Rechts-Links-Kombination Marketing zu betreiben. Zunächst: »Was wir bauen, ist schrecklich gefährlich!« Und direkt hinterher: »Und nur wir können es kontrollieren!« Während sie gleichzeitig die KI-Entwicklung in immer rasanterem Tempo und mit immer weniger Sicherheitsvorkehrungen vorantreiben, haben sich desillusionierte Teile der Doomer in ihren Vorhersagen zunehmend radikalisiert: In M.s Substack steht, wir würden Tech-CEOs erlauben, »uns gen Auslöschung zu treiben.« In Eliezer Yudkowsky oben erwähntem Buch If Anyone Builds it, Everyone Dies ist der Titel Programm; und im Jahr 2025 prophezeite das einflussreiche Paper »AI 2027« die KI-Katastrophe schon für kommendes Jahr. In der einen Interpretation streiten hier einige ehrsame Recken für eine menschliche Zukunft, in der anderen handelt es sich um religiöse Fanatiker, die – wie so viele Sekten vor ihnen – Armageddon stets hinter der nächsten Ecke vermuten.
Der Blick der zweiten Anti-KI-Fraktion ist weniger kosmisch geprägt. Die Ludditen sind eigentlich eine historische Truppe von Arbeitern, benannt nach Ned Ludd, einem quasi-mythischen Webermeister, der der Legende zufolge im Jahr 1779 zwei mechanische Webstühle zerschlug. Als britische Weber sich 1810 gegen die beginnende Mechanisierung ihrer Arbeit erhoben, Fabriken stürmten und Maschinen zerschlugen, beanspruchten sie den legendären General Ludd als ihren Anführer. In Deutschland kennen wir diese webstuhlzerschlagenden Arbeiter unter einem anderen Namen: die Maschinenstürmer.
In den USA berufen sich mittlerweile immer mehr Linke wieder auf die Bewegung und nennen sich Neo-Ludditen. Denn historische Analysen zeigen, dass Ludditen nicht, wie heute gern erzählt wird, naive Fortschrittsfeinde waren. Sie waren hoch qualifizierte Handwerker, die direkt durchschauten, wie die Besitzer der neuen Maschinen aktiv darauf aus waren, ihr Handwerk durch Mechanisierung abzuwerten. Lange protestierten sie friedlich, erst als der Staat Repressionen einleitete und die Bosse Löhne immer weiter drückten, begannen die Weber, Maschinen zu zerschlagen – doch nur die jener Arbeitgeber, die vorher nicht hatten verhandeln wollen. Den Rest ließen sie unbehelligt stehen.
Sie scheiterten. Die britische Regierung schlug ihre Proteste bald mit der Armee nieder. Und doch sollten sie recht behalten: Laut des Wirtschaftshistorikers Carl Benedikt Frey und seinem Buch The Technology Trap sank der Lebensstandard der Arbeiter enorm, und es dauerte drei Generationen, bis die Reichtümer des neuen Kapitalismus bei den Arbeitern ankamen. Das Maschinenstürmen war kein Kampf gegen Technologie, sondern gegen ihre sozialen Folgen.
Von diesem Geist ist auch die heutige Koalition derer durchdrungen, die die sozialen Konsequenzen von KI mehr fürchten als ihr göttliches Zerstörungspotenzial: der erfolgreiche Streik der Hollywood-Gewerkschaften gegen KI-Nutzung bei der Filmproduktion im Jahr 2023. Proteste gegen selbstfahrende Taxis und autonome Lieferroboter, weil sie vermeintlich Jobs stehlen oder weil sie aufgrund ihrer vielen Kameras als Teile eines knospenden Überwachungsstaates verstanden werden. Demonstrationen gegen Rechenzentren, weil sie der greifbare Teil der abgelehnten KI-Revolution sind oder weil ihr Energie- und Wasserverbrauch mit dem von mittelgroßen Städten mithält oder einfach nur, weil sie die Gegend verschandeln.
Und doch schreiten der Ausbau und die Entwicklung künstlicher Intelligenz ungehemmt voran. Der Backlash, ob durch Ludditen oder durch Doomer, wird heftiger, und in ihrer Hilflosigkeit finden manche Menschen offenbar zunehmend auch Gewalt akzeptabel. Wer nach der Molotow-Attacke auf Altmans Haus unter Berichten darüber in die Facebook-, Instagram- oder TikTok-Kommentarspalten blickte, fand dort wenig Beileid, dafür oft Jubel und hämische Kommentare. Unmittelbar werden Erinnerungen wachgerufen an die Tötung des UnitedHealthcare-CEOs Brian Thompson im Dezember 2024 – die von den vielen US-Nutzern in den sozialen Medien überparteilich gefeiert wurde. Der Frust auf die US-Gesundheitsindustrie war unter ihnen so heftig, dass man sogar eine Tötung bejubelte. Der mutmaßliche Schütze, Luigi Mangione, ist seitdem ein Internetliebling.
Und nicht nur Mangione ist ein überraschender Punkt der Einigkeit in den gespaltenen USA: Ebenfalls fraktionsübergreifende Karriere hat in den letzten Jahren ausgerechnet Ted Kaczynski hingelegt, besser bekannt als der Unabomber, der zwischen 1978 und 1995 in den USA Paketbomben an Menschen verschickte, die seiner Meinung nach die Verbreitung moderner Technologien beförderten.
Die kuriose Querfront des Technik-Widerstands
Die Kampagne des Unabombers, der 2023 im Gefängnis starb, tötete damals drei Menschen und verletzte über zwanzig weitere. Und doch hat sein Manifest Industrial Society and Its Future, das gegen den technologischen »Fortschritt« wettert und mit dem Satz beginnt »Die industrielle Revolution und ihre Folgen waren eine Katastrophe für die Menschheit«, besonders in den letzten Jahren überparteilich Karriere gemacht: Es wurde öffentlich gelobt von Figuren wie Elon Musk, dem Maga-Propheten Tucker Carlson, linken Antikapitalisten und sogar Luigi Mangione, die alle wenig gemein haben außer, wie es scheint, der Überzeugung, dass mit unserer technologischen Gegenwart etwas schiefgelaufen ist.
Der Widerstand gegen Technologie, selbst der militante, schafft kuriose Querfronten – doch wieso? Eine Antwort findet sich womöglich in dem kürzlich veröffentlichten Buch Techno-Negative des Humangeografen Thomas Dekeyser. Darin beraubt er dem KI-Backlash der Gegenwart jeder Einzigartigkeit, indem er den Wunsch, Maschinen zu zerschlagen, bis in die Antike zurückverfolgt. Denn, so erarbeitet Dekeyser, jede neue Technologie deutet auch immer um, was es heißt, Mensch zu sein, da wir uns immer auch im Austausch und in der Abgrenzung zum Nicht-Menschlichen definieren.
Heute drohen und werben Entwickler von künstlicher Intelligenz offen damit, dass ihre Technologie einerseits den Menschen als Krone der Schöpfung ablösen wird und andererseits alle sinnstiftende und wertschaffende Arbeit auffrisst und den Menschen zu fleischlichem Ballast degradieren könnte: Im Widerstand gegen eine Technologie, die beansprucht, alles zu sein und alles zu können, können sich womöglich auch alle wiederfinden – selbst, wenn sie sonst wenig miteinander gemein haben und sich vielleicht auch in den Methoden ihrer zusammengezimmerten Allianz keineswegs einig sind. Auf Basis einer geteilten Erkenntnis können sie sich miteinander arrangieren: Manche Maschinen müssen zerschlagen werden.
zeit.de






