Feine Risse oder nur den Kompass verlegt? Über die temporären Auswirkungen des medialen-repressiven Angriffs auf unsere Köpfe und Herzen
Dokumentation:
„Vulkangruppe : Den Herrschenden den Saft abdrehen“ 24. Juni 2026
Feine Risse oder nur den Kompass verlegt?
Über die temporären Auswirkungen des medialen-repressiven Angriffs auf unsere Köpfe und Herzen
Zum Blackout im Autonomen Blättchen#64
Wir veröffentlichen unseren kritischen Beitrag auf verschiedenen Plattformen, weil die Widersprüche innerhalb der Redaktion des Autonomen Blättchens exemplarisch für viele linke Gruppen stehen könnten. Wir haben ein Diskussionsbedürfnis über die Reichweite des Autonomen Blättchen hinaus.
Einleitung:
„Bei ehrlicher Betrachtung entlarvt sich das kapitalistische Paradigma des technologischen Fortschritts und des grenzenlosen Wachstums derweil als das, was es eigentlich schon immer war; das
Festklammern der Herrschenden an ihre Macht und ein System, das längst zum Scheitern verurteilt ist!“
macchie nr.2: Magazin gegen Ökozid und das Fortbestehen der techo-industriellen Zerstörung
„Der bizarre Punkt an dem wir uns heute befinden, ist jener, dass eine Unterbrechung dieses Netzes der Herrschaft weitläufig als etwas lebensgefährliches dargestellt wird. […] das Blackout wird zum Synonym für den Kollaps der heutigen Gesellschaftsordnung.“
antsistema
„Aber wenn für 60 Stunden [Anschlag 8.6.2025 Technologiepark Adlershof Berlin mit Auswirkung auf anfänglich 43.000 Haushalte] den Fortschrittfans und Waffenschmieden der Strom abgeklemmt wird, ist die Aufregung groß. […] Es aufzuzeigen und in Relation zu setzen, scheint trotzdem wichtig, weil viele ( auch vermeintlich Antiautoritäre) äußerst empfänglich für staatliche Propaganda zu sein scheinen. Dabei geht es nicht darum, das eine gegen das andere aufrechnen zu wollen, sondern zu verstehen, wie es zueinander im Verhältnis steht. Die Erkenntnis daraus ist so simpel wie aufschlussreich – der Wohlstand der einen erzeugt das Elend der anderen. Sowohl auf lokaler Ebene wie auch im globalen Umfang. Abgesehen davon braucht es in einer Welt, in der Geld mehr Wert ist als ein Menschenleben, keinen Blackout, um tragische Geschichte zu schreiben.“
macchie nr.2: Magazin gegen Ökozid und das Fortbestehen der Techno-industriellen Zerstörung
„Wenn du Verzweiflung empfindest, wenn du dich besiegt fühlst, wenn du dich dabei ertappst, dass du dich distanzierst oder dich darauf konzentrierst, was unsere Unterdrücker tun, anstatt darauf, was du selber tun könntest – dann ist das ein Gebiet in dir drin, das der Feind erobert hat.“
Crimethinc
Zu den deutschen Befindlichkeiten des Editorials im Autonomen Blättchen#64 März-Mai 26 haben wir einige Fragezeichen.
Geht es nur uns so, oder lesen auch andere Menschen euer Editorial als Distanzierung?
Wie ein toxischer Ölfilm legt sich ein Distanzierungsbedürfnis über einen Teil linker und radikaler Gruppen, die mit den Auswirkungen der Aktion am 3.1.2026 am Gaskraftwerk in Berlin Probleme hatten. Wir reden nicht einer unkritischen Haltung das Wort. Die Aktion hat Fragen aufgeworfen, die wir teilweise in unserer dritten Erklärung (unten!) aufgegriffen haben, die auch unsere Fragen sind. Aber wir lehnen eine Selbstgerechtigkeit ab, mit der das „Autonome Blättchen“ im Editorial einer Entsolidarisierung aus subjektivistischen Gründen die Tür öffnet. Dass wir euch schreiben, und in deutlichen Worten unsere Kritik an euch und eure Verantwortung als Redaktion adressieren, ist der Sympathie, Wertschätzung und Solidarität zu euch geschuldet.
Aber ihr macht euch mit der Form einer zu hinterfragenden Kritik, die zur Begründung einer Nichtveröffentlichung herhält, zum Werkzeug einer Propaganda, die auf Spaltung und Zerschlagung radikaler Ansätze zuläuft. Bevormundend entscheidet ihr darüber hinaus über die Leser:innen, die sich durch den Nichtabdruck keine eigene Meinung zu der zweiten politischen Erklärung bilden können. Und somit auch nicht über die von euch gemachten Vorwürfe. Weder können sie überprüfen, ob unser Text „überheblich“, „flapsig“ ist, noch wie die Aktion von uns inhaltlich diskutiert und politisch bewertet wird.
In der Vergangenheit habt ihr Aktionen von Vulkangruppen, auch in erkennbarer Solidarität, abgedruckt oder dokumentiert. Zum Beispiel zu dem Blackout von Tesla. Die Dokumentation militanter Aktionen, so sie denn nicht aus Platzgründen unmöglich ist, ist unserem Eindruck nach bisher der Mindeststandard im „Autonomen Blättchen“ gewesen. Eine Aktion zu dokumentieren, heißt nicht automatisch, sie (vollständig) gut zu heißen. Aber die Dokumentation ermöglicht, dass sich daran kritische Diskussionen entwickeln können, die auch für die Akteur:innen von Aktionen, wie uns oder andere Gruppen, bzw. Leser:innen, wichtig sind.
Wir nehmen euch in die Verantwortung, euch politisch mit den Widersprüchen der Aktion auseinanderzusetzen und nicht so zu tun, als hättet ihr politisch damit nichts zu tun. Wenn dem so wäre, wäre dies eine andere Zeitung.
Bewertet mit uns gemeinsam die Folgen dieser Aktion und verbindet zum Beispiel einen (auszugsweisen) Abdruck mit einer inhaltlichen Kritik. Ihr steht für uns in der Verantwortung. Aus der wollen wir euch nicht entlassen. So wie wir uns der Kritik stellen, erwarten wir das auch von euch.
Das betrifft vor allem die politische Einordnung der Schwierigkeiten und möglicher Folgen, die fundamentale Eingriffe in die kritisch Infrastruktur mit sich bringen! Und die aus unserer Sicht nicht widerspruchsfrei sein können. Uns diesen Widersprüchen zu stellen, ist mit euch zusammen unsere gemeinsame Aufgabe. Denn die Folgen militanter Interventionen diesen Ausmaßes und die politischen Auswirkungen tragen wir alle.
Wir stehen der Diskussion und kritischen Reflexion der Aktion im Rahmen unserer Möglichkeiten offen gegenüber. Wir wünschen sie. Wir fordern sie ein – auch von euch! Dazu gehörte aus unserer Sicht der Abdruck unsere zweiten Erklärung.
Dass wir aus unserer Haltung keinen Hehl machen, und die Aktion politisch verteidigen und richtig finden, haben wir in unserer dritten Erklärung noch einmal unterstrichen. Das Leute zum Teil existenziell davon betroffen waren, ist uns in keinster Weise egal.
Vulkan- Switchoff- und andere Gruppen agieren zum Teil mit Eingriffen in die Mobilität oder Strominfrastruktur in einem Feld, in dem sie sich auch bewusst sein müssen, dass Menschen nicht von A nach B kommen oder keinen Strom haben – mit all den Folgen. Unsere Prämisse ist und bleibt, es darf kein Menschenleben gefährdet werden. Unsere Auswertung hinsichtlich dieser Frage ist nicht abgeschlossen.
Eure Anmerkung: „Wenn so ein kolossaler Fehler [„unbeabsichtigter Stromausfall“] bei einer Aktion passiert, wünschen wir uns eine tiefgreifende und ehrliche Fehleranalyse und ein entsprechendes politisches Statement“, sehen wir aus einer anderen Perspektive (Nachzulesen in unserer dritten Erklärung unten). Wir fürchten, dass sich die gesellschaftlichen Koordinaten so sehr verschieben, dass Eingriffe in gesellschaftliche Abläufe, wie die unseren, nicht nur ein Vorschlag sind, sondern zwingend für die Zukunft werden könnten. Wir oder andere Gruppen werden uns zukünftig in ganz anderen Widersprüchen bewegen lernen müssen. Dafür brauchen wir andere Herangehensweisen als das Abwürgen politischer Diskussionen. In Hinblick auf diese Aussichten sollten die Auseinandersetzungen gestern, jetzt und morgen gewissenhaft, mit Ruhe, ehrlich und entschlossen geführt werden. Das Heute entscheidet auch über das Morgen mit.
Wollen wir eine militante Perspektive, die die Infrastruktur als Lebensader des technologischen Angriffs hier und in vielen anderen Ländern gezielt ausschaltet, um jenen zu stoppen und die dabei den höchstmöglichen Standard an den Respekt für das Leben anderer setzt? Wollen wir die fossile Energiewirtschaft und die „Energiewende“ sabotieren? Oder sind wir mit Aktionen zufrieden, die zwar richtig sind, deren Wirkungen aber nicht mehr im Verhältnis zur Realität stehen? Welche politischen Ziele haben wir? Regional. Überregional. International. Welche Widersprüche können wir uns oder anderen im Kampf befindlichen Gruppen und Bewegungen zumuten? Welche Widersprüche müssen wir uns allen zumuten? Welche Widersprüche müssen wir politisch beantworten? Wo setzen wir Grenzen? Wie kommunizieren wir Widersprüche, die wir einzugehen bereit sind, mit den Betroffenen von Aktionen, die nicht primäres Ziel der Aktionen sein sollen? Dies nicht zum Selbstzweck, nicht für das gute Gewissen oder andere Eitelkeiten, nicht wegen der Repression oder der Angst vor Ablehnung und Diffamierung, sondern weil die Menschen uns alles andere als egal sind. Weil wir die Menschen und eine befreite Gesellschaft als Maßstab anlegen.
Und weil wir oder die nachfolgenden Gruppen diesen Maßstab nicht aufgeben werden, müssen wir in die Auseinandersetzung kommen, die uns von reflexartigen Distanzierungen wegführt und befreit. Für uns geht es um den Kampf um die Köpfe und Herzen der Menschen in Beziehung zu einer wirkungsvolle Sabotage der Verhältnisse, die weder einen Event- noch einen Symbolcharakter hat, sondern eingreift. Und damit auch Neuland betritt und dadurch neue Risiken eingeht.
Smart City Berlin und EXPOlympia sind keine abstrakten Angriffsziele. Die Aktion gegen Tesla war kein Zufall, Adlershof keine Laune, Gaskraftwerk kein Fehler. Es waren drei Blackouts. Und sie waren alle drei erfolgreich. Tesla, der Industriepark und das Gaskraftwerk waren shut down. Bei allen drei Aktionen waren Privathaushalte betroffen. Die Aktionen sind die Konsequenz, die Verhältnisse einer mörderischen Gesellschaftsform zum Kippen zu bringen. Es ist kein Spiel. Wir kämpfen um das Leben über das unsere hinaus. Wir und andere riskieren sehr viel. Überall auf der Welt riskieren Menschen ihr Leben für eine andere Welt. Viele Kämpfe sind widersprüchlich und nicht mit dem moralischen Zeigefinger beizukommen. Um so wichtiger ist eine grundsolidarische Zeitung, die wertschätzend mit uns Widersprüche diskutiert. Und nicht abwürgt.
Wir bitten Gruppen um analogen Nachdruck und Verbreitung unserer zweiten und dritten Erklärung.
Unsere erste und zweite Erklärung findet ihr zum Beispiel hier
1 Erste Erklärung 4.1. https://knack.news/14715
2 Zweite Erklärung: https://knack.news/14834
3 Dritte Erklärung ist unten: Ein Leuchtfeuer! Den Herrschenden den Saft abdrehen! Über den Blackout.
Dies ist unsere vierte Erklärung.
Andere Erklärungen, die unter unserem Namen „Vulkangruppe : Den Herrschenden den Saft abdrehen“ veröffentlicht wurden sind Fakes.
Für zusätzliche Klarheit sorgte die „Vulkangruppe „Das Grollen des Eyajfjallajökull“ mit „Vulkane und Fakes und zum Anschlag am 3.1.“
auf https://de.indymedia.org/node/620231
Wir gehen von einem beispiellosen Angriff auf Kommunikationsstrukturen wie de.indymedia.org ab dem 3.1. aus. Die Fakekampagne ist nur ein Teil des Angriffs gewesen. Die Urheber des Angriffs sind im Umfeld der Ermittlungsbehörden oder eines Geheimdienstes zu suchen. Eine umfassende Auswertung des medialen, repressiven und geheimdienstlichen Angriffs und deren koordinierten Zusammenspiels steht aus.
Wir erklären unsere Solidarität mit allen verfolgten und gefangenen Antifas, Anarchist:innen, Klimaaktivist:innen und den vielen Widerspenstigen, die von keinen formalen Kategorien erfasst werden.
Liebe und Kraft für Dimitra & Marianna im Frauenknast in Griechenland.
Switch off the system of destruction.
Schafft eins, zwei, drei, viele Vulkane.
Disrupt EXPOlympia
Mit solidarischen Grüßen
„Vulkangruppe : Den Herrschenden den Saft abdrehen“
Unsere dritte Erklärung:
Ein Leuchtfeuer!
Den Herrschenden den Saft abdrehen!
Über den Blackout vom 3.1.2026:
Ein Leuchtfeuer erhellt eine Kabelbrücke, um ein fossiles Kraftwerk vom Stromnetz zu trennen. Mit beachtlicher Reichweite. Wirkungsvoll und polarisierend.
Als „Vulkangruppe : Den Herrschenden den Saft abdrehen“ wenden wir uns mit einer dritten Erklärung an euch. Wir wollen ein paar Dinge klarstellen. Wir äußern uns auch zu den bezüglich der Aktion aufgetretenen Widersprüchen.
Während die Brücke noch nicht erkaltet war, wurden von der EU bereits zwanzig neue Gaskraftwerke für Deutschland bewilligt.
Das ist der verheerende Normalzustand, der sich zum dauerhaften Ausnahmezustand entwickelt.
Wir können nicht warten. Bald könnte jeder Widerstand aussichtslos sein.
Wir handeln in Notwehr! Die Zerstörung der Erde mit ihrer Artenvielfalt muss gestoppt werden. Das Leiden ist jetzt schon unvorstellbar.
Wir handeln auch, weil Widerstand ein Lebenselixier ist, angesichts der aussichtslos erscheinenden globalen Katastrophen.
Die Aktion vom 3.1.2026 wird wahrscheinlich erst in ein paar Jahren in seiner politischen Bedeutung erkannt und ihren Platz im Repertoire notwendiger Interventionen finden. Noch herrscht einige Verunsicherung hinsichtlich der politischen Einordnung und der praktischen Schlussfolgerungen. Wir wünschen uns jetzt (!) eine Debatte dazu. Wir wünschen uns, dass eine traditionelle, auf den Erhalt des Status-Quo bedachte Linke, sich endlich den fundamentalen Problemen unserer Zeit stellt.
Ob von dieser noch eine Bedrohung für die Tech-Faschisten und deren autoritäre Träume ausgehen wird, halten wir für fraglich.
Viele Linke sind mittlerweile so stark in die hegemoniale imperiale Lebensweise eingewebt, dass weder politisch noch sozial der eigene Status erkannt und hinterfragt wird. Alternativen können so weder gedacht, vermittelt noch erkämpft werden.
Auch wir kennen keinen geraden Weg in eine von aller „Herr“schaft befreite Gesellschaft. Wir wissen aber, dass es einer mit vielen Abzweigungen, Irrtümern, Niederlagen und Schmerzen ist. Und vielleicht gibt es auch Momente des Glücks, der Hoffnung und der Zuversicht. Ganz sicher ist, wir wollen und können ihn nicht alleine beschreiten. Deshalb wenden wir uns an euch, die ihr die Offenheit und Bereitschaft nach grundsätzlicher Veränderung habt.
Widerstand bspw. der Vulkangruppen gegen totalitären Machtanspruch und den Umbruch von Herrschaftsformen hat immer wieder Neuland beschritten. Deshalb ist zum jetzigen Zeitpunkt eine abschließende Bewertung und Einordnung des Blackouts vom 3.1.2026 von unserer Seite nicht möglich. Wir lernen noch und immer wieder.
Wir wissen, viele haben nicht verstanden, warum wir einen solchen Angriff auf die Stromwirtschaft und die fossile Struktur gemacht haben. Viele verstehen nicht, was an einer smarten Stadt so schlimm sein soll. Und viele glauben, dass Technik das ökologische System retten wird. Viele glauben, man müsse nur die ideologischen Konzepte auswechseln oder die politischen Führer, dann könnte es vielleicht wieder gut werden; und dass der Fortschritt doch etwas Positives sei. Viele fragen, wie kann man nur so bescheuert sein, die Menschen vom Strom zu trennen – wo es doch als das Selbstverständlichste der Welt scheint, immer und überall Strom für die unsinnigsten Sachen zu haben.
Warum also eine Aktion gegen die fossile Engergiewirtschaft, die in der Folge zu einem großen Blackout vorwiegend in den Vierteln der Reichsten dieser Stadt führte?
Zwei Beispiele.
KI-Betrieb funktioniert nur durch ressourcenverschlingende Rechenzentren. Ki-Boom, neue Rechenzentren, explodierender Stromverbrauch bedingen einander. Der Energiehunger von Rechenzentren für KI-Anwendungen und andere Digitalisierungsprojekte wird sich in Europa bis zum Jahr 2030 fast verdreifachen. Wo die Unmenge des benötigten Stroms herkommen soll, wird für Tech-Konzerne und Gesellschaften zu einem zunehmenden Problem. Und weil das öffentliche Netz diesen Hunger nicht mehr befriedigen kann, werden in den USA gleich neben den Rechenzentren Gaskraftwerke gebaut. Schon heute gibt es Kriege um die Ressourcen zur Stromerzeugung. Die Erde wird ausgebeutet, vergewaltigt und verzehrt, um die Gier nach Energie bedienen zu können.
Diese Ausbeutung war schon immer kapitalistischer, patriarchaler und kolonialer Herrschaft immanent, sprengt aber jetzt mit der digitalen „Revolution“ jede Vorstellungskraft, was Dimension und Dynamik angeht.
Noch während des Blackouts im Berliner Südwesten winkt die EU zwanzig neue Gaskraftwerke allein für Deutschland durch. Der Hauptlieferant für das benötigte Fracking-Gas ist die USA.
Die Klimastabilität geht dabei drauf. Ist uns das erst egal, wenn aus dem Hahn kein Wasser kommt, wenn das Grundwasser versiegt, die Alten in den Heimen wie die Fliegen sterben, weil es zu heiß ist, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht oder wenn der Sturm unser Dach abgedeckt hat?
Und das alles für eine KI und ihre autoritären Herren, die uns in einer Weise bedrohen, wie die Welt es noch nicht gesehen hat.
Auch die Zusammenhänge zwischen der Aktion vom 3.1. und der allgegenwärtigen und rapide um sich greifende technologischen Überwachung und Beherrschung von Menschen sind nicht schwer zu verstehen.
Stromnetz Berlin artikuliert die Absicht, viel Strom für die Zukunft bereit zu stellen, weil Berlin eine Modellstadt einer smarten City werden soll. Woher kommt der Strom für die Smart-City-Scheiße? Hat uns wer um Zustimmung gefragt? Was hat das mit zerstörerischen Verhältnissen zu tun? Wer profitiert davon? Wofür brauchen wir noch mehr Strom? Was hat das mit Klimakatastrophe zu tun? Alles ist offensichtlich.
Es hilft kein Wegschauen. Es hilft auch nicht, diese Zustände und eine düstere Zukunft zu beklagen. Und keine noch so gute Analyse hilft uns, wenn wir nicht bereit sind zu handeln.
Was braucht es noch, um nachzuvollziehen, dass wir radikal an den Verhältnissen rütteln müssen? Die Abschaltung von Tesla war für uns und viele Anti-Faschist:innen und Klima-gerechtigkeitsaktivist:innen Mut-machend. Hier hatte eine Vulkangruppe tatsächlich in die Verhältnisse eingegriffen. Viele fanden das gut, obwohl auch Haushalte vom Stromnetz getrennt wurden. Der wirtschaftsschädigende Aspekt über mehrere hundert Millionen Euro wurde lachend begrüßt. Natürlich kann eine Aktion alleine den Wahn des technologischen Fortschritts und die ihm immanente Zerstörungskraft nicht stoppen. Aber sie kann eine notwendige radikale Infragestellung darstellen und gleichzeitig materiell substanziell eingreifen. Ist das angesichts des Zustands der Welt nicht notwendig?
Vielleicht ist diese letzte Frage ketzerisch: Ist eine traditionelle Linke dermaßen staatsgläubig geworden, dass sie herrschende Narrative nicht hinterfragt? Wie kann es sein, dass der medialen und staatlichen Reduzierung des vermögendsten Bezirks Berlins auf ein Altenheim und einen Wohnblock armer Leute, wider besseren Wissens, vorbehaltlos gefolgt wird?
Wir werden uns einige Hardfacts der Aktion heranholen und stellen damit den Reflex in Frage, der die Aktion als Eigentor beurteilt. Im Gegenteil: wir stellen fest, dass die Aktion ein Volltreffer war. Aus der Wirtschaft kam ein Aufschrei; der Anschlag träfe das Rückgrat der Wirtschaft und den Technologiestandort.
Die Widersprüche, die durch die Auswirkungen unserer Aktion entstanden sind, verleugnen wir nicht und setzen uns mit ihnen auseinander. Sie diskreditieren die Aktion aber nicht. Überhaupt nicht.
Inhalt:
1. Hardfacts
2. Eigentor – Echt jetzt?? Der Notstand ist jetzt – Noch zu warten wäre Wahnsinn!
3. Arbeiter, die Vulkane wollen euch eure Villen in Zehlendorf wegnehmen.
Völker, hört die Signale.
4. Eine Million Euro oder eine Millionen Gründe für Widerstand!
Grundsätzliches
Die Zukunft zwingt uns und alle, die nicht zynisch geworden sind, in allen gesellschaftlichen Sektoren, in allen Ländern dieser Erde und mit allen politisch und moralisch vertretbaren Möglichkeiten nach Wegen zu suchen, Herrschaft und der Zerstörung von Leben ein grundsätzliches Ende zu bereiten. Dies ist und bleibt Ausgangspunkt!
Unser Beitrag vom 3.1.2026 war ein Angriff auf die fossile Energiewirtschaft, eine Kampfansage an die „Smartifizierung“ der Städte und eine Sabotage des totalitären Angriffs auf unser aller Leben durch die neuen Technologien. Wir stehen zu den Auswirkungen des Feuers unter der Kabelbrücke.
Der totale Blackout in den reichsten Bezirken dieser Stadt war nicht unser Ziel. Aber bei näherer Betrachtung ein zu begrüßender Effekt, den wir in diesem Beitrag noch einmal politisch aufbereiten und ausdrücklich verteidigen! Wir können uns nicht nur die Reichen nicht mehr leisten, sondern wir sabotieren auch eine imperiale Lebensweise, die auf Kosten anderer organisiert ist und uns selbst auch zu (un-)gewollten Kompliz:innen macht. Während in anderen Regionen der Welt viele Menschen um ihr Überleben kämpfen, haben sich die Reichen im Berliner Südwesten auf ein weiteres Jahr gefreut, in dem sie von der weltweiten Verarmung und Ausbeutung profitieren.
Unser militanter Neujahrsgruß traf mehrheitlich nicht die Falschen.
Diese Aktion hat auch zu Widersprüchen geführt. Wir tragen die Verantwortung für die Auswirkungen auf das Leben von etwa 100.000 Menschen. Und übernehmen sie selbstbewusst.
Wir sind uns sicher, dass wir in wenigen Jahren anders auf die Aktion zurückschauen werden. Dann werden die Machbarkeit und die Notwendigkeit solcher Aktionen in den Vordergrund rücken, weil zunehmend offensichtlich werden wird, welche politische Perspektive in der Sabotage des zerstörerischen Fortschritts liegt. Gleichzeitig wird unsere Aktion mitsamt ihren Widersprüche in den Erfahrungsschatz der Sabotage von kritischer Infrastruktur eingehen. Alle, auch wir, lernen daraus. Zu der Aktion gegen die fossile Energiewirtschaft stehen wir nach wie vor. Und wir bleiben bei der Prämisse, dass kein Menschenleben durch unsere Aktionen gefährdet werden darf.
Über die Verunsicherung
Die Linke, im allgemeinen gesprochen, erschrickt immer, wenn es einen offensiven Schritt des Angriffes gibt, der sich nicht aus einem reaktiven Opferstatuts her legitimiert. Auf eine Ungerechtigkeit militant zu reagieren fällt Linken leichter, als selbstbestimmt Zeitpunkt und Form einer offensiven Handlung in die Tat umzusetzen. Auch halten bei Aktionen ähnlich der unseren viele Aktivist:innen die Luft an, weil sie nicht mit der Tragweite offensiver Aktionen umzugehen wissen. Zum Anderen sorgte die Medienhetze für große Verunsicherung. Wir hätten den Tod von Menschen bewusst im Kauf genommen – dabei lag das Versagen auf Seiten eines Stromanbieters. Die Menschen in den Heimen wurden von einer Regierung und einer Wirtschaftspolitik instrumentalisiert, die tagtäglich Menschenleben verhöhnt, verächtlich macht und gegen Arme hetzt. Eingeschüchtert von den Bildern frierender Menschen, die für propagandistische Zwecke ins Feld geführt wurden, verdrängten viele Linken, dass der Stromausfall eigentlich einen Standort mehrheitlich Superprivilegierter, Reicher und Mächtiger getroffen hatte.
Jene, die glauben wir hätten der Klimabewegung oder der Linken einen „Bärendienst“ erwiesen, überzeugen uns nicht. Denn einige jener, die diese Vorwürfe an uns richten, stehen nicht auf der gleichen Seite der Barrikade wie wir. Sie haben bezahlte Stellen in Parteiapparaten und NGOs oder agieren aus Gründen taktischer Machtpolitik. Wer von ihnen ist gewillt, grundsätzlich andere Verhältnisse herbeiführen?
Uns interessiert die Vielzahl der Menschen, die unsere Motivation und Argumentation verstehen wollen. Uns interessieren die Menschen, die an der Klimapolitik, an dem Rechtsruck, an der Ungerechtigkeit, die sie täglich identifizieren können, verzweifeln aber Fragezeichen zu gängigen Methoden von Demonstrationen, Petitionen, Wahlen etc. haben; die sich aber auch unsicher sind, ob Sabotage ein richtiges Mittel zur Veränderung ist. Uns interessieren die Menschen, die in Parteien, in NGOs abhängen, die aber berechtigte Zweifel an der Wirksamkeit ihrer Arbeit haben. Uns interessieren die Menschen, die sich gefreut haben, dass der Südwesten als eine „Bonzenhochburg“ mal sein Fett abbekam. Uns interessieren die Menschen, die sich mit uns gerne auf Augenhöhe streiten würden, ohne uns zu denunzieren und die unsere Beweggründe ernst nehmen. Uns interessieren andere militante Gruppen und was sie aus der Aktion für sich mitnehmen werden. Uns interessieren die Menschen, die den Blackout von Tesla begrüßten aber verunsichert sind, was die Aktion gegen das Gaskraftwerk am Teltowkanal betrifft.
Für uns endet eine Aktion nicht mit der Tat!
Da unsere Aktion zu Widersprüchen führte, und das tut eigentlich jede größere militante Intervention, übernehmen wir Verantwortung, um jene Herzen und Köpfe der Menschen zu erreichen, die uns wichtig sind. Auch im Nachgang. Doch in einem Land, in dem die Distanzierung von der militanten Aktion seit Jahrzehnten zum guten Ton vieler Linker gehört, müssen wir genauer hinschauen.
Widersprüche tauchen im Kontext von Widerstand ständig auf, denn es gibt immer Kräfte, die gegen die militanten Interventionen agieren, oder ein taktischen Verhältnis dazu haben. Und eine widerspruchsfreie Aktion, die im günstigsten Fall für sich selbst spricht, ist eher die Ausnahme und nicht sehr realistisch. Selbst die Aktion einer Vulkangruppe, die Tesla erfolgreich und mit sehr viel Zustimmung in der Bevölkerung in den Blackout schickte, war nicht widerspruchsfrei. Um die 5000 Haushalte waren kurzzeitig vom Netz getrennt und auch hier agierte der geübte Propagandaapparat in der gewohnten Weise und schrie „Terror“. Auch hier wurden Krankenhäuser und Pflegeheime gegen die Vulkanaktivitäten angeführt. Nur wurden die Widersprüche von der Öffentlichkeit und vieler Linker hier eher nachgeordnet betrachtet, weil die Freude über die tote Gigafactory überwog. Und eine soziale Bewegung rund um „Tesla den Hahn abdrehen“ war in großer Anzahl nicht bereit sich zu distanzieren. Auch bei der Aktion gegen Tesla in Grünheide traf es Leute, die nicht Ziel der Aktion waren. Viele aber reagierten sehr gelassen oder sogar zustimmend, obwohl ihr Eisfach tropfte.
In unserem Fall liegen einige Rahmenbedingungen schwieriger. Etwa 45.000 Haushalte wurden zu Eisfächern.
Fehlende oder faktische Zustimmung alleine sagt nichts darüber aus, ob die Aktion nun „richtig“ oder „falsch“ ist. Wahrscheinlich konnte die Vulkangruppe die Tesla abschaltete, auch die soziale Zustimmung oder Ablehnung zur Aktion nur bedingt kalkulieren. Auch sie griffen mit Statements in die Debatte ein, um Distanzierungen und den Vorwurf des Terrorismus politisch zu parieren. Wer jetzt die Aktion gegen Tesla (gut) gegen die Aktion gegen das Gaskraftwerk (schlecht) ausspielt, verbaut sich und der Bewegung einen geweiteten Horizont auf kontinuierliche, praktische und wirkungsvolle Interventionen und Sabotageformen.
Es geht nicht darum Robinhoodaktionen zu machen, die gefällig sind und der traditionellen Linken in den Kram passen, sondern den ganzen Laden der Ausbeutung, Zerstörung und der Kriege zum Erliegen zu bringen. Dazu braucht es natürlich eine Analyse, worauf die Ausbeutung, Zerstörung und die Kriege beruhen und wo die Hebel sind, Herrschaft ohne Hintertürchen aus den Angeln hebeln zu können. Das geht natürlich nicht allein durch Sabotage. Es braucht eine globale soziale Revolution und es braucht die Entschlossenheit zur Organisierung – aus der heraus die Kontinuität direkter Interventionen möglich ist.
Aus den Kämpfen und den daraus erwachsenen Widersprüchen sollte eine Bewegung grundsätzlich lernen. Und damit offensiv, solidarisch und ehrlich zugleich umgehen. Und nicht eingeschüchtert von der Propaganda zurückweichen. Als wir am 3.1. die Kabel unter der Kabelbrücke am Teltowkanal in Brand setzten, setzen wir mehr in Bewegung, als wir damals selber vermuteten. Jede Aktion ist aus unserer Sicht in ihrer Wirkung anders. Punkt.
Die Hardfacts.
Pssst. Darüber besser schweigen. Still jetzt.
Es wurde über die frierenden Menschen in den Senior:innenresidenzen geredet, die Krankenwagen, die Betroffene verlegen mussten. Geredet wurde über zusammengebrochene, elektronisch gesteuerte Fernwärmesysteme, die von uns nicht angegriffen wurden. Warum haben die kein autarkes System? Geschrieben wurde über einen Anschlag, der Menschenleben angreift, anstatt zu fragen, warum das Stromnetz nicht redundant ausgelegt ist.
Schauen wir auf die verschwiegenen Fakten:
Um die 90 ausgeschaltete Handymasten auf einen Schlag. Kein Funk. Kein Internet.
Um die 2200 Gewerbe ohne Strom. In den reichen Vierteln zum Beispiel: Immobilenunternehmen, Rechtsanwaltskanzleien der Vermögenden, Delikatessenläden, Juweliere, Boutiquen reicher Damen, Cafes für die gehobene Schicht, Start ups, die sich die teuren Mieten leisten. Lebensmittelläden, deren Angebote und Preise sich vom Rest der Stadt abheben.
Ausgeschaltet auch die Auslandsvertretungen, Botschaften, Botschaftsresidenzen und Konsulate, als verlängerter Arm der Eliten ihres jeweiligen Landes.
Lahmgelegt die Rückzugsorte der Lobbyist:innen in der Hauptstadt. Ohne Empfang musste sich die Elite aus dem Südwesten verdrücken. Lasst euch das Bonbon mal auf der Zunge zergehen. Mehrere Zehntausende Superprivilegierte, Reiche und deren Personal, deren Leibwächter, Sekretär:innen, Nannis mussten das Weite suchen. Kein Friseur, kein Beautyshop. Kein Klavierunterricht für die Sprösslinge, die mal den Dreck erben werden, den Papa und Mama anhäufen. Ausgeschaltet jede Möglichkeit vom Homeoffice die Börsenkurse zu checken. Ausgeschaltet der Handel mit CO² Zertifikaten oder Aktien. Keine Rhein-Metall-Aktien zu kaufen. Kein Tictoc, mit dem die Kids auf den superteuren Smartphones rumspielen und ihre Lateinnachhilfe skippen können. Kein Tracking von gar nichts. Ausgeschaltet alle Elektroladestationen für E-Autos und ausgeschaltet jedes Bezahlsystem. Lahmgelegt das teure E-Bike. Ausgeschaltet die Möglichkeit das Handy aufzuladen, zu telefonieren. Ausgeschaltet die Tankstellen. Ausgeschaltet die S-Bahnen, deren Trafohäuser über das Kraftwerk versorgt wurden. Kein Flug, mal eben schnell zu buchen und gleich zu bezahlen. Ausgeschaltet Rathäuser und staatliche Verwaltungsstellen. Ausgeschaltet auch sämtliche Polizeistationen und deren digitales Funknetz. Nur die Notversorgung läuft noch, wenn überhaupt. Ausgeschaltet auch Sicherheitsfirmen, Bodyguards von Promis, Managern, Bankern, Politiker:innen. Ausgeschaltet die Institutionen zivil-militärischer Strukturen, die vor uns verborgen sind. Davon gibt es einige. Ausgeschaltet die Orte der Geheimdienste und militärischer Verbündeter, die wir hinter manchen Mauern nur erahnen können. Ausgeschaltet Straßenbeleuchtung und Ampeln. Keine einzige Kamera mehr auf Sendung. Auch keine Verkehrkamera.
Tausende Villen ausgeschaltet. Ausgeschaltet die privaten beheizten Swimmingpools und Tennishallen. Ausgeschaltet jegliches Sicherheitssystem und die Schießanlagen im Keller. Ausgeschaltet die Luxusrestaurants. Das elektrische Rolltor verschlossen. Der Wagen, der nicht aus der Tiefgarage kommt.
Angezählt ein Bürgermeister. Getroffen ein Gaskraftwerk mit einer Giffey, die Berlin als Modellprojekt einer smarten Stadt betreibt. Getroffen ist reibungslose Nutzung fossiler Energie. Getroffen eine „Energiewende“, die den CO² Ausstoß auch für die Zukunft in Kauf nimmt. Getroffen auch ein technologisches Sicherheitsversprechen, das nicht eingelöst werden kann. Angekratzt der Wachstumswahn und das Versprechen auf selbstverständlichen „Wohlstand“. Bloßgestellt sind die Menschenjäger im Bundesinnenministerium. Ins Schwimmen geraten: Stromnetz Berlin als lahme Ente auf dem Teltowkanal, weil es keine Resillienz vorweisen kann. Totalschaden für den Technologiestandort Berlin und für die Zukunftspläne. Kann die Stadt EXPO und Olympia? Volltreffer: Imageschaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Imageschaden für die EXPO und Olympiade in Berlin. Der Technologiestandort unattraktiv.
Ohne Zukunft: Der Fortschritt der Zerstörung und eine imperiale Lebensweise.
Pssst. Darüber besser schweigen. Still jetzt. Das könnte sonst die Fragen in die richtige Richtung lenken, ob wir den ganzen Scheiß nicht einfach ausschalten können. Und ausschalten sollten.
Eigentor – Echt jetzt??
Der Notstand ist jetzt – Noch zu warten wäre Wahnsinn!
„Wachstum, Wachstum, Wachstum. Das ist die Schicksalsfrage der Nation“, so der Rechtsextremist Jens Spahn am 16.1.2026. Das ist Parole und unhinterfragte Ideologie. Unverblümte Propaganda für die Zerstörung der Erde zum Wohl einer Nation. Das könnte auch China in anderen Worten, ebenso nationalistisch und ideologisch aufgeladen, so formulieren. Auch die USA mit ihrer „Make Amerika great again“ Ideologie nimmt sich da nichts.
Die Klimabewegung ist leider global gescheitert. Wie werden die Herrschenden jetzt gezwungen, den Kurs zu ändern? Jetzt ist der Zeitpunkt, auch mit den Mitteln der Sabotage, jedes fossile Kraftwerk vom Netz zu nehmen. Widerstand gegen die fossile Energiewirtschaft, gegen die Smartifizierung der Städte und des Landes ist richtig. Stromnetz Berlin artikulierte (siehe erste Erklärung 4.1. https://knack.news/14715 ) explizit den Anspruch auf ein smartes Berlin als Modellstadt. Wie soll ein Bruch mit dieser Entwicklung stattfinden? Das müsste diskutiert werden. Wie kann ein Bruch mit der imperialen Lebensweise stattfinden? Wie autoritäre Überwachung und Manipulation der Gesellschaft durch Tech-Konzerne, Tech-Faschisten und staatliche Akteure unterbinden? Wir reklamieren für uns das Recht und die Pflicht zu einem umfassenden Widerstand im Rahmen politisch vertretbarer moralischer Prinzipien, die die Achtung von Menschenleben unbedingt einschließen.
Dass der Ansatz der Sabotage ein radikaler ist, ist uns klar. Aber die Mittel der Sabotage, die seit Jahren gegen den technologischen Angriff politisch wirkungsvoll etabliert wurden, trennen uns nicht von anderen Initiativen. Wir sind nur einer der militanten Arme der verschiedenen Bewegungen.
Widerstand gegen den Ausbau der Stromnetze (hier unter dem Deckmantel der „Energiewende“) gibt es überall auf der Erde, weil die Ideologie des Fortschritts und die kapitalistischen Voraussetzungen weltweit wirken.
Nur mit „grenzenlos“ zur Verfügung stehender Energie kann der technologische Angriff durchgeführt werden. In diesem Wettstreit befinden sich die verschiedensten Herrschaftssysteme weltweit. Es ist ein Kampf um Vorherrschaft inmitten der laufenden Krisen und Zusammenbrüche, es ist ein Kampf um die Dominanz ideologisch unterschiedlicher Ansätze und Herrschaftsformen. Ein Herrschaftsmodell ökonomisch so folgenreich und zerstörerisch wie jedes andere auf der Erde. Denn allen ist gemein, Wachstum, Wachstum, Wachstum.
Deswegen kennt unser Kampf dagegen auch keine Grenzen. Er ist nicht nur regional. Wir reihen uns mit unserer Aktion in die vielen globalen Kämpfe ein und werden ein Teil von ihnen. Vielerorts gibt es Sabotage an Infrastruktur, die im Dienst herrschender Interessen steht, weil Menschen begriffen haben, dass diese ein Netz der Zerstörung darstellt.
Wir sind mit unserem Denken und Handeln nicht allein. An vielen Orten wird über die Richtigkeit und Wirksamkeit von Sabotage gestritten. Das ist gut und wichtig. Soziale Strukturen, die solche Erfahrungen diskutieren und hier und andernorts aufgreifen, weiterentwickeln und Echos geben, das braucht es. Die Vulkane sind nur ein Echo dieser Kämpfe unter vielen in vielen Teilen der Welt, die einem Geist des Widerstands entsprechen. Ökonomisches Wachstum zu sabotieren, liegt auf dem Weg, eine menschenwürdigere Welt zu erkämpfen. Wir sagen da nichts Neues.
Die Globalisierung neuer Kämpfe gegen Wachstum, imperiale Lebensweise und den technologischen Angriff läuft wirkungsvoll über viele Stränge. Die Sabotage der Vulkane gegen wichtige Infrastruktur ist nur ein Strang. Wir verstehen uns als Teil einer global existierenden Widerstandsbewegung. Sie mag schwach sein. Aber sie ist unsere einzige Hoffnung.
War unsere Aktion nun ein Eigentor? Anmaßend?
Wir entgegnen: Was bringt ein Vulkan in Bewegung und welche Bewegungen erzeugt er?
Wir sind weder politisch noch technisch gescheitert.
Politisch und „technisch“ betrachtet:
Gescheitert ist Stromnetz Berlin, das 45.000 Haushalte nicht mehr beliefern konnte. Gescheitert ist ein Senat, dessen Bürgermeister Tennis spielt, während andere in ihren Wohnungen sitzen und frieren. Blöd gelaufen für die Umfragewerte. Gescheitert sind Parteien wie die Linke (oder die Grünen), die vom Klimaschutz reden und sich von einer militanten Aktion distanzieren müssen, weil sie nur noch in der Logik zukünftiger parlamentarischer Regierungsmacht handeln können und ohne Antworten auf den kommenden Kollaps und die Verwerfungen sind. Gescheitert ist das Versprechen, dass „Wachstum, Wachstum, Wachstum“ ein guter Weg sei, während die Welt im Kampf um die Ressourcen und den Folgen des Klimakollaps im Chaos versinkt. Gescheitert ist eine Propaganda, die ernsthaft glaubt, Aktionen, wie die unsere verhindern zu können.
Gescheitert sind die Reichen in ihren Villenvierteln, weil sie glaubten, sie könnten ungeschoren so weitermachen wie bisher.
Technisch gescheitert wären wir, wenn es keine Folgen gegeben hätte. Wenn die Kabel durchgebrannt wären, das Kraftwerk aber weiter geliefert hätte. Es hat aber nicht geliefert.
Es hat zwar, entgegen unserer Annahme, mutmaßlich keinen Strom teuer zu den tagesüblichen Preisen an der Strombörse zugekauft, um den Südwesten nach einem Blackout zu beliefern (um nicht vertragsbrüchig zu werden). Doch deren Netz ist noch so aufgebaut wie vor dem Mauerfall. Es ist ein Relikt aus dem letzten Jahrtausend, wie die politische Klasse, die Stromnetz jetzt führt.
Es kam zum Blackout, aber auch zu einem hohen Schaden für die Energieindustrie. Über die gesamten Kosten wird auffallend geschwiegen. Der Schaden dürfte gewaltig gewesen sein und irgendwo zwischen einem zweistelligen hohen bis dreistelligen Millionenbetrag gelegen haben.
Doch die Medien wurden auffallend mit den Einzelschicksalen von Menschen gefüttert, so dass jede Aufmerksamkeit für die politische, strukturelle und finanzielle Wirkung überdeckt wurde. Einzig der Frage, warum ein Vulkan einen solchen strukturellen Schaden mit diesen Auswirkungen anrichten kann, wurde nachgegangen.
Für uns war immer klar, wir werden das Kraftwerk nicht direkt ausschalten. Es ging um das Kappen der Lieferung. Es ging immer darum, das Gaskraftwerk vom Stromnetz zu trennen.
Wir waren davon ausgegangen, dass der Strom in kurzer Zeit durch einen redundanten Netz-Strang (teurer Zukauf zum Nachteil von Stromnetz Berlin) wieder geliefert wird. Das war eine Fehleinschätzung. Die Fähigkeiten von Stromnetz, die auf Profit und nicht Energiesicherheit ausgerichtet sind, reichten dafür nicht aus.
Die Sommertage wären aus Rücksichtnahme auf einige mittellose Bevölkerungsgruppen und Senior:innenheime, aus heutiger Sicht der elegantere Weg zur Durchführung der Aktion gewesen. Mit den flächendeckenden Auswirkungen, die vor einem armen und einem reichen Haushalt nicht unterscheiden, kamen auch Menschen zu Schaden, denen wir Wärme, bezahlbare Lebensumstände und Respekt wünschen. Diese Menschen zu treffen, war nicht unser Ziel. Dahingehend haben wir uns entschuldigt, mehr konnten wir als klandestine Gruppe nicht tun. Zusätzlich haben wir uns bedankt bei den Menschen, die in Selbstorganisierung aktiv wurden und anderen Bedürftigen zur Seite standen.
Eine zweifache Absicherung bei Krankenhäusern, Pflegestationen und lebenswichtigen Einrichtungen ist Pflicht und zwingend vorgesehen. Ein funktionierendes autarkes System zur Stromerzeugung (z.B. Generatoren) für lebensnotwendige Versorgungseinrichtungen ist in Deutschland Vorschrift und wird regelmäßig überprüft. Es liegt in der Verantwortung der direkten Aktion, die Auswirkungen einschätzen zu können und dabei Abwägungen zu treffen. Das sollte nicht dazu verleiten, unnötig darauf zu spekulieren, denn eine jede Aktion dieser Größenordnung birgt immer auch ein Risiko, dass nicht alles bis ins letzte kalkulier- und planbar ist. Die auf Redundanz ausgerichteten Einrichtungen mit lebenswichtiger Versorgung waren für uns eine Voraussetzung, das Gaskraftwerk überhaupt vom Netz zu trennen.
Nachweislich waren die lebensnotwendigen Einrichtungen und Institutionen, wie zuvor recherchiert, stabil aufgestellt.
Das betraf darüber hinaus auch lebensnotwendiges Gerät im privaten Bereich, sodass dieses bei Stromausfall für mindestens sechs Stunden auf Batterieversorgung umgeschaltet wurde. Ohne diese Kenntnis wäre die Aktion von uns nicht verantwortet worden.
Es war für die Betroffenen, bzw. für das Pflegepersonal, ausreichend Zeit gegeben, für dieses Problem eine Lösung zu finden.
Heute können wir mit zeitlicher Distanz zurückblicken und die Instrumentalisierung z.B. vieler Heimbewohner:innen belegen. Dass den Regierenden die Menschen eigentlich egal sind, das hat der Tennisprofi Wegner als Bürgermeister der Stadt eindrucksvoll dokumentiert. Das ist kein Ausrutscher auf dem Tennisplatz, sondern der Arroganz der Macht geschuldet. Mit der gleichen Kaltschnäutzigkeit lassen deren Parteien Menschen nach Afghanistan abschieben oder nehmen die bedrohten in Pakistan festsitzenden Menschen nicht auf, deren Fähigkeiten sie zuvor im Krieg gegen die Taliban ausgebeutet haben. Die gleichen Parteien lassen Menschen an den Grenzen sterben, kürzen das Bürgergeld und unterstellen Arbeitslosen Faulheit, greifen die Gesundheitsvorsorge an und wollten die Leistungen für Zahnbehandlungen auf die arbeitende Bevölkerung abwälzen. Aus ihrem Mund kommen nur Lügen und Verachtung, verpackt in Worthülsen, strategische Sätze und offenkundige Hetze gegen jene, die dem Wachstumswahn im Wege stehen.
Warum hören wir ihnen noch zu und lassen uns von deren Geschrei beeindrucken, wenn ihr Klientel nicht mehr in die Villen kommt?
Die Notunterkünfte waren auffallend leer. Weil zum einen die Reichen in die Hotels umzogen und auf Diskretion, sprich Verheimlichung ihres Reichtums setzten, gab es keine Dokus über sie. Dokumentiert wurden das Leben jener, die geeigneter waren, Munition gegen die Aktion zu liefern. Das Jammern über die kalte Villa wäre überdies nicht gut angekommen.
Anderen Menschen zeigten angesichts des Stromausfalls Solidarität und Empathie. Die sozialen Netze in der Stadt funktionierten für viele Betroffene des Stromausfalls.
Lechts oder Rinks?
Die offensichtliche und beabsichtigte Instrumentalisierung frierender Menschen sollte den politischen Volltreffer verschleiern. Und sie wurde bereitwillig aufgegriffen. Das Narrativ der „armen Opfer“ im Südwesten wurde bewusst gesetzt und fand seine emotionale Zustimmung bei Lechts wie Rinks. Damit ließ sich alles machen. Reiche? Doch nicht im Südwesten. Die Bilder waren mächtig. Wer die Macht über die Bilder hat, bestimmt den Diskurs. Das war schon immer so.
Wir hatten dem in diesem Fall wenig entgegenzusetzen, zumal wir mit diesem Ausmaß des Blackouts nicht gerechnet hatten und uns selbst einen Überblick über die mediale Instrumentalisierung von Betroffenen und den realen Problemen, die durch den Blackout ausgelöst wurden, verschaffen mussten. Das kann man für naiv halten. Doch Aktionen mit einer großen öffentlichen Wirkung durchlaufen eigene Dynamiken und erfordern im Prozess schnelle Einschätzungen, die so schnell nicht immer zu haben sind. Die Wirkung bis ins Kleinste ist in der Regel nicht vorher absehbar, darum endet eine militante Intervention nicht mit der Sabotage als solche. Ihre Wirkung entsteht auch im folgenden Diskurs – und in der Inspiration, die sie im besten Fall bietet. Doch einmal mehr zeigte sich, wie unkritisch und erstaunlich schnell viele Linke sich vor den Karren spannen ließen. Darüber brauchen wir eine Auseinandersetzung..
Auch die Rhetorik vom Terrorismusvorwurf, die vielen Fakeschreiben auf Plattformen wie de.indymedia.org, vorgeblich in unserem Namen, die Lügen von der ersten Toten, die wir auf dem Gewissen hätten, die unterstellte Nähe zu russischen Geheimdiensten, sind das Repertoire aus dem Waffenschrank der psychologischen Kriegsführung, um die soziale Wirkung und konstruktive Auseinandersetzungen einzugrenzen, Desorientierung zu verbreiten, Diskussionen zu beeinflussen und Ansätze militanter Intervention gegen die Verursacher der laufenden Zerstörung grundsätzlich zu delegitimieren.
Und deshalb weisen wir immer wieder darauf hin – Im Südwesten Berlins leben überproportional viele Reiche. Reiche, die auf Kosten anderer Menschen leben. Ihnen gegenüber haben wir uns nicht zu verantworten. Im Gegenteil, hier traf es die Richtigen.
Im Bereich unserer Verantwortung lag, in der Erklärung nicht ausreichend auf den Blackout eingegangen zu sein und Vorschläge zum Umgang damit unterbreitet zu haben. Im Verantwortungsbereich öffentlicher Gruppen lag es, nicht sofort in die wenigen Wohnblocks zu fahren, wo gegen Ende des Monats kein Geld mehr da ist, und mit Essen oder warmen Getränken oder anderen Angeboten präsent zu sein. Das konnten wir angesichts des Repressionsdrucks nicht selber tun.
Für einen angemessen Umgang bedarf es einer organisierten Struktur und politischer Diskussionen im Vorfeld. Und dann müssen auch noch die Kapazitäten da sein und schnelle Kommunikationen funktionieren. Als politische Bewegung müssten wir Ressourcen schaffen, um eine solidarische Versorgung von Hilfsbedürftigen mit zu unterstützen, bzw. anzubieten. Das hätten wir vorher mitbedenken sollen.
Im gemeinsamen Bereich der Verantwortung öffentlicher und nichtöffentlicher Gruppen liegt es, in der Offensive zu bleiben, wenn die Aktion zu dynamischen Entwicklungen führt, die Fragen aufwirft. Wir beanspruchen als Vulkangruppe, in die Gesellschaft hinein zu wirken. Wir sagen nicht das dies einfach sei. In unserem Fall war es eine große Herausforderung mit den komplexen unterschiedlichen Ebenen und unerwarteten Umständen einen verantwortlichen Umgang zu finden. Als wir erkennen mussten, dass das Stromnetz entgegen unser Analyse keine Redundanz für den Berliner Südwesten vorsah, haben wir uns bekanntlich bei den pflegebedürftigen Personen und deren Angehörigen und den mittellosen Menschen entschuldigt, die wir nicht treffen wollten. Den Villenbesitzern gönnen wir weiterhin diesen militanten Neujahrsgruß. .
Aber wir konnten in der Erklärung ein Dilemma nicht auflösen. Dass ein gewaltiger medialer Apparat sofort in Bewegung kam und Bilder setzte, die die Realität verzerrten, ist nicht neu. Aber die Unverfrorenheit, den Südwesten (wir reden bei dem Bezirk Steglitz-Zehendorf insbesondere von den Vierteln Wannsee, Nikolassee und Zehlendorf), wie eingangs beschrieben, zu einem einzigen frierenden Pflegeheim zu machen, als gäbe es nichts anderes, verfehlte sein Wirkung nicht. Dass eine Traditionslinke bis hin zu radikalen Gruppen sich von diesem medialen Angriff beeindrucken und verunsichern ließ, machte es nicht einfacher.
Zu glauben, aufgrund dieses Dilemmas den Kampf auf Gesten und symbolische Aktionen runterzufahren und pressegefälligen Aktionismus zu simulieren, steht angesichts des beschriebenen Abgrunds, in den die Menschheit gerade blickt, nicht zur Diskussion. Zur Diskussion steht, wie wir wirkungsvoll intervenieren und die Härten, die wir dadurch anderen zumuten, kommunizieren und vermitteln wollen, und dafür grade zu stehen. Das wir nicht dafür umarmt werden, wenn wir diese Härten verteidigen, ist ein Umstand mit dem wir leben müssen und den wir zu akzeptieren haben. Denn Widerstand gegen die himmelschreienden globalen ungerechten Verhältnisse greift natürlich ein und an.
Und in diesem Fall haben wir es, ohne es darauf angelegt zu haben, überproportional vielen Reichen den Start ins neue Jahr versaut. In diesen lahmgelegten Viertel sitzen bis auf die Ausnahmen ein großer Teil derer, die mitverantwortlich sind, für die Misere, die sie tagtäglich produzieren. „Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten“ und das haben sie zu spüren bekommen. Genau genommen haben wir den militanten Ansatz der „Vulkangruppe Friede den Hütten…“ zum ersten Mai 2025 nochmal Ausdruck verliehen und eine ihrer Forderung: „Reiche enteignen – Besitz abschaffen“ für vier Tage eingelöst. Sie hatten in einem mehrheitlich von Reichen bewohnten Viertel ein Trafohaus angesteckt.
Völker, hört die Signale.
Arbeiter, die Vulkane wollen euch eure Villen in Zehlendorf wegnehmen.
Das Jahr fängt schlecht an in den Berliner Arbeiterbezirken.
Am 1.3. 2026 gehen in Zehlendorf und Wannsee die Lichter aus. Die Ärmsten der Armen müssen in ihren engen Behausungen zusammenrücken und frieren trotzdem. Sie können sich keine Hotels leisten und warten mehr als vier Tage auf Strom. Der Aldi hat geschlossen und auch der Späti hat zu. Nichts zu trinken und kein Handyempfang, um sich eine Pizza per App zu bestellen.
Währenddessen holen die Millionäre in den wohlhabenden Viertel in Neukölln, Marzahn, Lichtenberg und Wedding den Champagner aus dem wohltemperierten Keller und stoßen auf den Stromausfall im Berliner Südwesten an. Endlich mal die Richtigen, denkt sich der ein oder andere Villenbesitzer in Marzahn oder Neukölln. Die Dubaischokolade schmecken doppelt so gut, wenn man weiß, der Pöbel leidet in seiner engen Bude am Schlachtensee.
Das „Neues Deutschland“ (ND) kombiniert messerscharf; „Anschlag in Berlin: Nützliche Idioten der herrschenden Klasse“.
Und dann: „Geschulten Marxisten ist es ein Leichtes, diese Rabulistik als einen Wiedergänger einer historischen Irrlehre zu erkennen. Es handelt sich um eine besonders destruktive Variante des Anarchismus, die unserer Bewegung für die Befreiung des Menschen seit mehr als 150 Jahren wie ein Klotz am Bein hängt. Die Entwicklung der Produktivkräfte wird hier nicht als notwendige Dialektik erkannt, sondern als neue Form der Unterdrückung verteufelt. Statt die ungleiche Verteilung der Früchte dieser Produktion zu kritisieren und die Planwirtschaft als einzige Möglichkeit einer rationalen Allokation der bestehenden Ressourcen zu propagieren, um die Klimakatastrophe aufzuhalten, versteift man sich auf eine Grundkritik der Moderne und romantisiert geradezu esoterisch anmutend die Natur. Maskiert unter linker Rhetorik wird eine zutiefst konservative, ja reaktionäre Ideologie präsentiert, die die Menschheit zu ihren primitiven Wurzeln statt zum Fortschritt führen will.“
Und weiter heißt es:
„Während die Bonzen in Zehlendorf genügend Kleingeld übrig haben, um sich während des Stromausfalls in Hotels einzuquartieren, muss die Arbeiterklasse in bitterkalten Wohnungen ausharren. Was wir Kommunisten wollen, ist das Gegenteil von dem, was die Vulkangruppen in Wort und Tat umsetzen. Der Sozialismus wird Ordnung in die Verhältnisse bringen, kein Chaos.“
Keine noch so seelenlose KI hätte es besser ausdrücken können, als der „geschulte Marxist“ im Kommentar des „Neuen Deutschland“. Das es eher der kommunistische „Wiedergänger“ ist, der jeder Bewegung wie ein Klotz am Bein hängt, hat in dem Hirn des Parteisoldaten keinen Platz. Jede kommunistische Machteroberung führte in eine ordentlich geführte Diktatur mit den notwendigen Säuberungen und erfolgreicher Planwirtschaft. Die erfolgreichsten Planwirtschaftsmodelle waren unter Stalin die Zwangskollektivierung mit Millionen Toten und der große Sprung von Mao Zedung mit Millionen Opfern.
Aber die Konkurrenz schläft nicht. „Nützlicher Blackout“ titelt wiederum die „Junge Welt“: „Ob es die »Vulkangruppe« nun wirklich gibt, ob sie von einzelnen V-Leuten durchsetzt ist oder komplett von einem Dienst gesteuert wird, ist aber im Grunde nebensächlich.“
Glaubt der Schreiber den hirnverbrannten Blödsinn, fragen wir uns? Als wäre es nebensächlich, ob militante Gruppen durchsetzt sind von Geheimdiensten oder nicht. Der Schreiberling vermag sich nicht vorzustellen, dass autarke, militante Gruppen organisiert sind und Zeitpunkt, Inhalt und Ziel von politischen Aktionen ohne jede autoritäre Führung selbst bestimmen, sehr zum Ärgernis der Geheimdienste. Nachdem „die Vulkangruppe“ als politisch eigenständige Kraft inexistent gemacht wird, kommt man schnell zur Sache: „Der Anlass zum Angriff auf alles, was sich links nennt, ist da.“ Denn nur darum geht es, einen Anlass zu fingieren. Und der Grund ist auch schnell gefunden: „Der Verdacht liegt nahe, dass hier propagandistisch ein Großangriff auf Kriegsgegner vorbereitet wird. Wer Krieg gegen einen äußeren Feind führen will, muss zuerst die »Heimatfront« im Griff haben. Dass am 5. Dezember im ganzen Land 50.000 Jugendliche quasi unter kommunistischer Führung gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstrierten, dürfte die Herrschenden beunruhigt haben.“
Die Vulkangruppen sind für diesen Pseudokommunisten folglich nur eine Inszenierung mit der die „kommunistische Führung“ zur Strecke gebracht werden soll. In den Arbeiterbezirken im kalten Südwesten Berlins dürfte diese Information wahrscheinlich wie eine Bombe eingeschlagen haben. Wir hören deren Gelächter bis in unser Versteck.
Und was macht die parlamentarische Linke?
Die Partei „Die Linke“ distanziert sich von der Vulkangruppe und klärt die Bevölkerung auf: „Das sind keine Linken.“ Heidi Reichinnek findet zwar die Parole „Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten“ schick, und verteidigt die Parole im „Spiegel“, als hätte ihre Partei diese erfunden und nicht von der Bewegung geklaut. Reichinneks Meinung ist Parteimeinung: „Für mich ist der Anschlag nicht links. Linkssein heißt, sich für eine Gesellschaft einzusetzen, die für alle gerecht ist. Deswegen hat es nichts mit Linkssein zu tun, wenn man Menschen mitten im Winter den Strom abkappt.“ Damit wäre eigentlich alles gesagt. Mit solchen Aussagen könnte dann die Partei künftig auch die Innensenator:in stellen.
Vulkane passen nicht in die Welt staatsgläubiger Kommunist:innen oder linker Parlamentarier:innen – das ist auch gut so. Wir wollen nicht das Gleiche. Dem Fortschrittswahn entkommen auch sie nicht. Sie schlagen die Übernahme der Produktionsmittel durch die Ausgebeuteten vor, die als Horizont der Befreiung gilt. Die Feststellung, dass das Produktionssystem in der Logik der Verwertung, Ausbeutung, und dem Wachstumswahn angelegt ist und an sich der Freiheit ( und im weitesten Sinne dem Leben und der Natur) schadet, führt natürlich zu unbequemen und gefährlichen Fragestellungen: ein Abgrund dem sich viele nicht zu stellen bereit sind.
Und ob wir im Kampf gegen die (Tech-)Faschist:innen noch auf der gleichen Seite stehen, muss sich erweisen. Wir trauen den autoritären Konzepten und ihren Protagonist:innen nicht. Wir lernen aus der Geschichte und unseren Kämpfen.
Eine Million Euro oder eine Millionen Gründe für Widerstand!
Wer sind die Terrorist:innen. Jene die die Zerstörung der Lebensgrundlage und Ausbeutung von Mensch, Tier und Erde stoppen wollen, oder jene, die sich daran eine goldene Klobrille verdienen?
Wundert uns, warum der bekannte Rechtsextremist Dobrindt 1 Millionen Euro Kopfgeld ausgesetzt hat? Alleine, dass seit 15 Jahren keine Ermittlungserfolge gegen die Vulkane zu verzeichnen sind, ist schon Grund genug für die Behörden, Menschen für den Verrat zu kaufen.
Denn die Fähigkeit von Vulkanen und anderen Gruppen bisher unentdeckt zu bleiben, wird für weitere Organisierungsdebatten wichtiger, je mehr sich faschistische Verhältnisse verfestigen.
Auch die politischen Impulse, die von den Aktionen gesetzt werden, machen den Regierenden zunehmend Sorge. Die Aktivitäten, die zum Teil eine (internationale) Zustimmung erfahren, entziehen sich ihrer Kontrolle und einer Berechenbarkeit. Die Aktion in Grünheide auf das Tesla-Werk und somit auch gegen den Tech-Faschisten, welche die größte E-Auto Fabrik eine Woche lang ins Blackout schickte, erfuhr einen großen Zuspruch. Und in zeitlicher Nähe zueinander wird plötzlich der riesige Technologiepark in Adlershof lahmgelegt. Das waren dort keine harmlosen Firmen, die plötzlich keine Saft mehr hatten.
Die Aktionen gegen Infrastruktur der Herrschenden transportieren mittlerweile auch die Kontur eines risikobeladenen Investitionsklimas in Deutschland in die Welt. Wer hier investieren will, will das ohne große Aufmerksamkeit. Und ohne finanzielles Risiko. Und ohne das Risiko angegriffen zu werden.
Die militanten Aktionen stören stärker, als sie eingestehen. Sie treffen finanziell und ramponieren das Image Berlins, Brandenburgs, Deutschlands wirkungsvoll. Es ist die Wirtschaft, die die Fäden zieht. Ob nun in einer Diktatur oder Demokratie investiert wird, ist dem Kapital und den Kapitalanlegern erstmal egal. Stimmen die wirtschaftlichen Voraussetzungen, zählt alleine der Gewinn. Es ist kein Problem, wenn eine Gesellschaft und fundamentale Widersprüche mundtod gemacht werden oder wenn sich eine Opposition in demokratischen Gremien verschleißt und ein bisschen rummeckert. Wenn aber Tesla, der Technologiepark Adlershof oder die Reichen im Südwesten nichts zu lachen haben, sieht das anders aus. Wenn die Stromversorgung nicht gewährleistet ist, der Zugang zu der Infrastruktur unsicher wird, wenn nichts stabil ist, sucht man sich vielleicht andere Investitionsorte. Wenn dann die Schäden in die viele Hundert Millionen Euro gehen, dann kann man schwarze Zahlen nicht garantieren. Und vor allem, kommt da noch mehr?
Unsere Aktion hat einen weiteren Widerspruch sichtbar gemacht, über den wenig geredet wird. Dem Tennisprofi Wegner nehmen die Reichen nicht übel, dass er Tennis spielt, sondern dass er sie nicht schützen konnte.
Dass er den Schaden für den Standort Deutschland nicht erkannt hat, spricht gegen ihn als verlässliche Marionette der Wirtschaft. Hier ist nicht nur Berlin oder Brandenburg in Verruf geraten. Sondern Deutschland als sicherer Technologie- und Wirtschaftsstandort, in dem sich planen und investieren lässt. Und weil es so schön war, noch einmal: Der Blackout hat in ein Wespennest gestochen. Die Aufregung ist groß. Überwiegend Promis, Reiche, Bankiers, Manager:innen, Industrielle, Botschafter:innen, Immohaie, Politiker:innen und andere hatten ein kurzes aber echtes Problem. In diesen Vierteln konzentriert sich Geld, Macht und Einfluss. Aus diesen Vierteln melden die Botschafter:innen in ihre Heimatländer den Totalausfall. Dieser Schaden ist mehr als nur ein Imageschaden. Er ist real, spürbar und greifbar und hat Teile der herrschenden Elite ins Mark getroffen. Da tobt der Berliner Bär. Jeder aus dem Haufen der Reichen kennt wen, der als Millionär ein Problem mit seiner verödeten Villa hatte.
Vordergründig hielten die Getroffenen auffallend das Maul, sieht man von ein paar Promis oder die „Frau von Lindner“ ab. Aber hinter den Kulissen brodelt es. Der Druck auf die Politik und die Ermittler ist riesig.
Die eigene Verletzlichkeit war es, die den Aufschrei (Terror, Menschenleben gefährden, keine Linken etc.) so laut machte, den wir im Nachgang gehört haben. Sie wussten, dieser Anschlag hat ihnen als herrschende Klasse gegolten. Sie, die Eliten haben geschwiegen und sich in die Hotels für über 200,- und mehr die Nacht zurückgezogen und sich Bad und Balkon dazu gemietet. Für sie ist Geld kein Problem im Gegensatz zu den Armen, die sie verhöhnen und täglich erniedrigen. Aber dass sie aus ihren Villen getrieben werden, dass sie nicht wissen, ob wer einbricht, dass andere plötzlich über ihr Leben mitentschieden haben, das sind sie nicht gewohnt. Ihre Villa war von einem Tag auf den anderen für sie „nutzlos“ geworden und versprach weder Rückzug, Reproduktion, Arbeitsatmosphäre noch Sicherheit. Sie besaßen zwar eine Villa, aber sie war ohne Sinn für vier lange Tage. Diese Lektion ist nicht zu unterschätzen. Einige haben sich in ihren Villen selbst eingebunkert, aus Angst vor dem Mob, der alles leerräumt. Welche:r Arbeiter:innen der Nacht haben nicht überlegt, wo hier die Chance zu ergreifen ist. In manch einer Villa war dann tatsächlich nicht mehr alles an seinem Platz. Deshalb patrouillierte die Bundespolizei. Plötzlich steht die Bundeswehr an der Kreuzung und verteilt Tee. Ein Alptraum für die Reichen, die gewohnt sind, sich immer rechtzeitig aus dem Staub zu machen, wenn es eng wird. Und plötzlich präsentiert ihnen jemand zu ihrer Überraschung schon mal eine kleine Rechnung für ihre mörderische Lebensweise. Das sind sie nicht gewohnt. Das ist ihnen unerträglich. Sie haben für ein paar Tage etwas Macht und Kontrolle verloren.
Wie ein Mafiaboss haut Dobrindt eine Million auf den Tisch und sagt leise: fangt sie mir, um jeden Preis. Eine Millionen ist auch eine Beruhigungspille an die, die man zu schützen versucht. Einerseits.
Andererseits: man kann heutzutage ja alles kaufen (Grönland im Sonderangebot). So hofft man nun darauf, einen Vulkan einfach und billig erstehen zu können.
Man setzt darauf, unsere Würde und Selbstachtung mit einer lächerlichen Million kaufen und korrumpieren zu können. Wir lehnen die Geldverhältnisse grundsätzlich ab. Eine Million bedeutet uns nichts. Uns bedeutet es, wem über die Runden zu helfen, wenn es an Geld mangelt. Oder uns helfen zu lassen, wenn wir knapp bei Kasse sind. Wir wollen eine andere Welt, in der niemand mehr in der Lage ist, wen anderes zu kaufen, zu schmieren, oder zu korrumpieren.
Sie können sich ihre Million sonst wo hinstecken. Wir vertrauen auf den Weg, den wir in Bezug auf eine andere Welt versuchen, zu gehen. Wir vertrauen auf ein Umfeld, das uns schützt.
Wir vertrauen den Menschen, die ahnen, was wir tun. Wir danken euch allen ohne Unterschied.
Wir können uns die Reichen nicht mehr leisten
Smart City Berlin sabotieren
Technologiestandorten weltweit den Saft abdrehen
Das Ende der imperialen Lebensweise einleiten
Für ein Recht auf ein analoges Leben – Sabotiert die Tech-Faschisten!
Fossile Kraftwerke abschalten ist Handarbeit
Den Raubbau an der Erde stoppen
Freiheit für alle Antifas, Klimaaktivist:innen und all die anderen Widerspenstigen
„Vulkangruppe : Den Herrschenden den Saft abdrehen“
Erste Erklärung 4.1. https://knack.news/14715
Zweite Erklärung: https://knack.news/14834
Feurige Abrüstungsmaßnahme bei der Telekom!
24 Juni 2026 — Von Anarchists4palestine (source)
Quelle: autor:in, kontrapolis.info, 17.06.2026
„Rüstung sei ein neues Geschäftsfeld, das die Telekom erschließen wolle, und er sehe darin hohes Wachstumspotenzial”
Was der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Tim Höttges, hier als Wachstumspotenzial bezeichnet, bedeutet nichts anderes als: Krieg ist ein lukratives Geschäft und der Konzern will ein Stück vom Kuchen.
Das halbstaatliche Unternehmen steht mit seinen IT-Diensten für Verteidigungs- und Sicherheitsbehörden zwar längst für die Verschränkung zivil-militärischer Technologien. Doch der aktuelle Vorstoß in Richtung Rüstungsmarkt weist eine deutlich neue Dimension auf und damit befindet sich die Telekom in bester Gesellschaft. Denn Schland will kriegstüchtig werden und seine angeschlagene Industrie wird im Zuge dessen auf Rüstung umgepolt. So sollen beispielsweise im VW-Werk Osnabrück und beim Zughersteller Alstom in Görlitz bald Panzer vom Band rollen, und im früheren Pierburg-Werk im Wedding will Rheinmetall ab Juli mit der Produktion der dazugehörigen Artilleriemunition loslegen. Die Telekom plant ihrerseits, gemeinsam mit Rheinmetall ein Drohnenabwehrschild zu entwickeln. Über ihren 2 Milliarden Euro schweren Tech-Fonds beteiligt sich das Unternehmen zudem an dem Defense-Tech-Start-up Quantum Systems, das autonome Kampf- und Überwachungsdrohnen baut.
All dies soll nicht unkommentiert bleiben: Deshalb haben wir den Fuhrpark der Deutschen Telekom in Berlin Alt-Hohenschönhausen in der vergangenen Nacht um sechs Fahrzeuge erleichtert. Sie haben ihre Rechnung ohne uns gemacht. Wir wollen weder unsere Nachbarschaften für ihre Waffenproduktion hergeben noch als Kanonenfutter der Herrschenden an der Front verrecken.
Soligrüße an die Ulm5 und alle anderen Antimilitarist:innen, denen die Bullen in jüngster Zeit auf die Pelle rücken!
Gegen jeden Krieg – Gegen jeden Genozid!
Fuck Wehrpflicht – Fuck Bundeswehr!
Militarisierung und KI-Überwachungsdystopie angreifen!
Und wie immer gilt: Rigaer94 verteidigen!
Ihr habt die Macht, uns gehört die Nacht!
—————————
Ergänzung zum Statement:
Die „Forschungs- und Entwicklungsabteilung” T-Labs, und die „Abteilung für strategische Investitionen” T-Capital von der Deutschen Telekom, arbeiten seit Anfang der 2000er eng mit den entsprechenden israelischen Kriegstechnologieabteilungen zusammen.
Timotheus Höttges (Telekom-Chef): „Was wir von Israels Innovationskultur lernen können”:
de.linkedin.com
Quelle: Anarchists4palestine.noblogs.org
[Italien] In Zeiten des Krieges – Über die antianarchistische Razzia vom 16. Juni 2026
anonym 22. Juni 202
IN ZEITEN DES KRIEGES
Über die antianarchistische Razzia vom 16. Juni
Am Dienstag, den 16. Juni, traf in Rom und anderswo eine weitere Razzia die anarchistische Bewegung: sieben Haftbefehle gegen ebenso viele Mitstreiter*innen, mehrere Beschuldigte auf freiem Fuß, Durchsuchungen in halb Italien und die Räumung des besetzten römischen Raums Bencivenga.
Die Hauptanklage ist die üblichen „Vereinigung mit dem Ziel des Terrorismus“ (§270‑bis).
Außerdem wurden zwei Mitstreiter*innen mit dem neuen Delikt des „Wortes‑Terrorismus“ (geändertes §270‑quinquies durch das vorletzte Sicherheits‑Paket) festgenommen, wegen des Besitzes einiger bei der Durchsuchung gefundener Flugblätter.
Während die aus den Medien durchsickernden Informationen spärlicher und lückenhafter sind als sonst, ist ziemlich klar, dass sich die Ermittlungen um einige Sabotagen an Eisenbahnstrecken drehen, insbesondere um jene vom 14. Februar auf der Strecke Rom–Florenz, gerichtet gegen die Kriegs‑Olympiade von Cortina 2026.
Dass die Medien die Anarchist*innen diffamieren, ist nicht neu; dennoch muss man über das diesmal erreichte Niveau der Regime‑Propaganda (insbesondere des unübersehbaren TG1) innehalten: „sie trafen sich in einem Landhaus wie die Mafia“, „sie planten die Strategie der Spannung“, „sie beabsichtigten Gewalttaten“, „anarchistischer Terrorismus“ …
Wenn es diesen Herren nützt, daran zu erinnern, dass die Mafia für Anarchist*innen ebenso ein Feind ist wie jede Autorität, und dass in diesem Land die „Strategie der Spannung“ vom Staat betrieben wurde, dann ist es nicht schwer, hinter diesen schmutzigen Worten eine klare Absicht zu erkennen: dieselbe, die 2015 zur Umwandlung der Direzione Nazionale Antimafia (DNA) in Direzione Nazionale Antimafia e Antiterrorismo (DNAA) führte.
Mit dem Ergebnis, dass nun denselben absoluten Stigmatisierungen und entsprechenden Maßnahmen, die bisher wahren oder angeblichen Mafiosi (und seit Jahrzehnten den revolutionären Kommunist*innen) vorbehalten waren, nun die Anarchist*innen unterworfen werden. Verschärfend für Revolutionär*innen kommt hinzu, dass sie Gewalt nicht aus Profit‑ oder Machtinteresse ausüben würden, sondern als eine Art Selbstzweck, aus purem Zerstörungsdrang oder welcher düsteren Todeslust auch immer.
Als wären die Hochgeschwindigkeitsbahnlinien nicht Teil der von der Europäischen Union ausgearbeiteten Pläne zur militärischen Mobilität (mit Unterstützung in Italien durch Leonardo S.p.A., das 2024 eine entsprechende Ad‑hoc‑Vereinbarung mit RFI unterzeichnet hat), um einen direkten Krieg mit Russland vorzubereiten.
Als hätten sich nicht Tausende aus völlig klaren Gründen gegen die Olympischen Winterspiele gestellt: wegen der Anwesenheit der (für die Gelegenheit uniformfreien) israelischen Mannschaftssoldat*innen, der Eskorte der mörderischen Banden der ICE, der Verwüstung der alpinen Umwelt im Namen des üblichen „großen Ereignisses“ …
Und als wären diese Motive nicht im nach dem Sabotageakt veröffentlichten Kommuniqué unmissverständlich vertreten worden.
Zur üblichen Anschuldigung des „Terrorismus“ meinen wir, Gaza habe die Sache hinreichend klargestellt — Zweifel, wer den Terror verbreitet, können kaum noch bestehen.
In Kriegszeiten, sagte ein alter Dichter, ist die erste Opfer die Wahrheit.
Während Alfredo Cospito als eine Art Sündenbock für die „Schuld“ der gesamten anarchistischen Bewegung im 41‑bis bleibt, kriminalisiert der Staat sogar die bloße Absicht, etwas zu tun, um ihn der Folter zu entziehen. Während wir noch Atem schöpfen müssen nach dem Tod von Sara und Sandro, versucht der Staat, ihn gegen uns zu verwenden.
Wir wissen nicht, ob die Festgenommenen und Beschuldigten die ihnen vorgeworfenen Taten begangen haben. Wir können nur wiederholen, was wir in ähnlichen Fällen oft geschrieben haben: Sind sie „unschuldig“, haben sie unsere volle Solidarität; sind sie „schuldig“, haben sie sie umso mehr.
Solidarität mit Nico, Bibi, Micol, Arnau, Stefano, Giulia, Luna, Pietro, Tony – mit allen Beschuldigten und Durchsuchten.
Raus mit Alfredo aus dem 41‑bis!
Mit Sara und Sandro im Herzen.
Anarchistinnen und Anarchisten aus Trient und Rovereto
Ergänzend zu diesem Text aus dem Trentino, die vorläufigen Adressen der Inhaftierten:
Nico Aurigemma
Arnau Vallet Casadevall
Stefano Marri
Andrea Toniolo
Regina Coeli, via della Lungara 29, 00165, Roma
Micol Marino
C.C. Rebibbia femminile, via Bartolo Longo, 92 00156 Roma
Francesco Benedetti
C.C.Lorusso e Cotugno, via Maria Adelaide Aglietta 35, 10151, Torino
Pietro Rosetti
C.C.di Forlì, via della Rocca 4, 47121, Forlì
Für den Kontext dokumentieren wir hier die Erklärung zum Sabotageakt an der Hochgeschwindigkeitsstrecke Rom–Florenz vom 14. Februar, die unter anderem Gegenstand der Repression sein soll:
Feuer den Olympischen Spielen! Heute fährt nichts!
In der Nacht des 13. Februar haben wir an mehreren Bahnpunkten und -knoten Kabel entlang der Gleise in Brand gesetzt und beschädigt und damit faktisch mehrere Hochgeschwindigkeitsstrecken lahmgelegt.
Diese Aktionen sind unser Beitrag zum herzlichen Willkommen und Wunsch für diese Ausgabe der Olympischen Winterspiele.
Wir haben an massiven Straßen- und Hafenblockaden während der Monate der Mobilisierung für Palästina teilgenommen, wir haben Bahnhöfe besetzt und die Polizei angegriffen, wenn es möglich war. Aber heute haben wir uns entschieden, im Schutz des Mondlichts zu handeln, in einer kleinen Gruppe, die sich durch Affinität und den Willen, den in den vergangenen Monaten gerufenen Parolen Taten folgen zu lassen, zusammengefunden hat: Wir blockieren alles!
Denn wir denken, dass neben der Teilnahme an großen Mobilisierungen und den Konflikten, die sie erzeugen können, es notwendig ist, autonome Aktion zu verbreiten, damit diese nicht entschärft, vereinnahmt und von den Profis der „militanten“ Politik gelenkt werden.
Die Macht bereitet sich auf den Krieg vor und auch wir, Anarchist*innen, Revolutionär*innen, bewusste Individuen, möchten dasselbe tun. Die Bahninfrastruktur ist ein zentraler Knotenpunkt für die Mobilität von Kräften und Kriegsmaterial, und die Vereinbarung zwischen RFI und Leonardo, die darauf abzielt, die militärische Logistik auf der Halbinsel zu implementieren, ist das deutlichste Beispiel dafür. RFI anzugreifen ist also ein konkreter Akt des Antimilitarismus und ein Ausdruck der Solidarität mit all jenen, die heute die Grausamkeit von Krieg und Kolonialismus erleiden.
Die Olympischen Winterspiele von Mailand–Cortina bilden hier keine Ausnahme: Ströme von Geld nähren eine Bau-Spekulation, die nur zu gern Flüsse von Beton aufwühlt, um Wegwerf-Anlagen zu errichten und die „soziale Nutzungsbestimmung“ ganzer Arbeiterviertel zu verändern. Ein großes Geschäft, das hinter dem glänzenden und prestigeträchtigen Bild des großen Sportereignisses Hektarweise Lärchenwälder verbirgt, die gerodet wurden, um Platz für Skipisten zu schaffen, und unweigerlich entstellte Berge durch die dazugehörigen Lift-Anlagen.
Diese Aktion drückt schließlich auch unsere Wut über die Anwesenheit von ICE-Agenten bei den Spielen aus, den anti-immigrantischen Truppen, die inzwischen traurige Bekanntheit erlangt haben durch Morde, Razzien, Misshandlungen und Gewalt gegen Unerwünschte und inländische Gegner*innen in den Vereinigten Staaten; das erinnert uns daran, dass jede Polizei und jede faschistische Gruppierung dazu da ist, gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt zu werden, wenn es die „Staatsräson“ verlangt.
Gegen die Welt der Ausbeutung, Unterdrückung und Verwüstung braucht es nur wenige Zutaten: ein wenig Studium, Vorsicht und Entschlossenheit in gleichem Maße, ein paar Kompliz*innen, einige Liter Brennstoff … und alles ist möglich! Viel Glück!
Solidarität mit den anarchistischen Gefangenen weltweit
Solidarität mit Juan, Stecco, Anna, Alfredo, Tonio, Ghespe, Dayvid, mit den Mitstreiter*innen, die in der Operation „Ipogeo“ verfolgt werden, mit den palästinensischen Gefangenen
Für die Anarchie
Quelle: https://ilrovescio.info/2026/06/16/in-tempi-di-guerra-sulla-retata-anti-anarchica-del-16-giugno/
Anmerkungen zur Organisierung und Praxis für die kommenden Kampfzyklen
Veröffentlicht im chilenischen Original am 16. Mai 2026, ins Deutsche übersetzt von Bonustracks

Colapso y Desvío
„Den Blick auf das zu richten, was anderswo geschieht, kann uns eine Atempause verschaffen, die uns Kraft und Mut gibt, wenn unser ‚Zuhause‘ düster und unerträglich wird. Denn irgendwo auf dieser Erde wird es immer Menschen geben, die sich organisieren, die es versuchen, die nicht aufgeben.”
Manifiesto – Los Pueblos Quieren
1. Die Aufstand und seine Formen
Trotz des Fatalismus, den unsere Gegenwart natürlich hervorrufen mag, sind Völkermorde, Vertreibung und Umweltkatastrophen nicht die einzige Seite der Zeit, in der wir leben. Die Revolten, wenn auch punktuell und – wie könnte es anders sein – widersprüchlich, machen die Fragilität des gegenwärtigen Zustands deutlich und zeigen letztlich die Möglichkeiten des Lebens und der Selbstorganisation auf, die sich in den Lücken der Ordnung und den Zwischenräumen der kapitalistischen Logik finden. Im Laufe einiger Monate, während der vorangegangenen Aufstandswelle, sowohl in China als auch in Ecuador, Chile und den Vereinigten Staaten, erprobten die verschiedenen Aufstandsbewegungen fast zeitgleich neue (oder manchmal auch nicht ganz so neue) Formen, ihren Kampf zu organisieren, miteinander in Beziehung zu treten und den Raum, den sie durchlebten, zu nutzen. Aus diesen Erfahrungen ragen verschiedene Aktionen, Gesten, Affekte und praktisches Wissen hervor, die, soweit sie sich als wirksam erwiesen, auf die gesamte Aufstandsbewegung übertragen werden sollten und so den Verlauf des Kampfes in verschiedenen Gebieten beeinflussten. Die Verbreitung des Wissens über diese Kampferfahrungen aus anderen Gebieten und über die eigenen Erfahrungen aus der Vergangenheit ist ein grundlegender Moment in der Entwicklung jedes Aufstands.
Dies gilt beispielsweise – um nur einige zu nennen – für die Sabotage von Maschinen der Rohstoffindustrie, massive Plünderungen, Schwarzfahren in der U-Bahn, das Anzünden strategischer Infrastruktur sowie die Zerstörung symbolträchtiger Denkmäler der Geschichte der herrschenden Ordnung (die „Vandalismusakte“ an Statuen kolonialer Persönlichkeiten und das Anzünden der Kirche der Carabineros). Aber auch die Suppenküchen, die Barrikaden, Erste-Hilfe-Gruppen, selbstorganisierte Versammlungen und die praktische Solidarität mit politischen Gefangenen sowie andere Formen aktiver Solidarität, die darauf abzielen, uns im Alltag zu stützen. Jede Aktion, sei sie defensiv oder offensiv, wird im Arsenal proletarischer Strategien und Taktiken (im weitesten Sinne) verzeichnet. Der Übergang von einem Kampfzyklus zum nächsten ist meist dadurch gekennzeichnet, wie die verschiedenen praktischen und organisatorischen Formen, die die Aufstände der Vergangenheit prägten, aufgegeben und/oder an die Gegenwart angepasst werden. Der Erfolg dieser Anpassung zeigt sich in dem Maße, in dem die Revolte in der Lage ist, das Potenzial bestimmter Praktiken weiterzuentwickeln oder sie durch ihre Metamorphosen und Anpassungsprozesse aufrechtzuerhalten.Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung könnte der Übergang vom Niederbrennen der Polizeiwache in Minneapolis [1] (2020) zum Niederbrennen des Parlaments in Nepal (2025) sein. Wir möchten klarstellen, dass wir damit weder eine Verherrlichung der Pyromanie meinen, noch dass die Demonstranten, die im vergangenen Jahr das Parlament in Brand gesteckt haben, die Praktiken des schwarzen amerikanischen Proletariats studiert hätten, sondern dass ihr Motiv eine praktische Intuition war, die spontane Gewalt auf die Machtzentren lenkt. Eine spontane Form der „Organisation des Chaos jenseits jeglicher Kontrollmaßnahmen“ [2], so paradox das auch klingen mag. Wir wissen, dass es nicht ausreicht, ein paar Gebäude anzuzünden, um die Revolution zu machen; es geht darum, einen Zustand der Unregierbarkeit herbeizuführen, in dem die Ordnung nicht einfach wiederhergestellt werden kann, in dem die Institutionen überfordert sind und keine Antwort geben können und ihre Begrenzungen und Ineffizienz offenbaren. Gleichzeitig liefert die Eindämmung des Aufstands in Nepal einige wichtige Erkenntnisse darüber, wie Macht durch die Anpassung an digitale Technologien wiederhergestellt werden kann (wir beziehen uns auf die Wahl der ersten interimistischen Premierministerin über Discord im Oktober 2025).Andererseits zeigt dies auch, dass die Entwicklung des offensiven Kampfes nicht vom defensiven Kampf getrennt werden kann, nicht davon, den Raum zu beleben, in dem gekämpft wird, und nicht davon, Selbstversorgung und
Gegenlogistik ebenso zu berücksichtigen wie die Taktiken des Straßenkampfes. Seit einiger Zeit sind es die Aufstände, die Besetzungen von Plätzen und Universitäten und vor allem die ZAD (aus dem Französischen: zone à défendre) sowie der Kampf der indigenen Völker die Kontexte, in denen die notwendigen Infrastrukturen entstehen, um den Kampf langfristig aufrechtzuerhalten und alternative oder gegensätzliche Formen der Beziehung untereinander und zum Territorium zu entwickeln, die sich von den von der kapitalistischen Gesellschaft geförderten unterscheiden (Wettbewerb, Individualismus, Vertikalität, Geschwindigkeit und Fortschritt).Die bisher aufgeführten Formen der Praxis und Organisierung dürfen jedoch nicht so verstanden werden, als schließen sie sich gegenseitig aus. Auch nicht als unveränderliches Modell, das sich nicht an die vielfältigen und widersprüchlichen Kontexte anpasst, die den Ausbruch einer Revolte als Praxis der sozialen Selbsttransformation ermöglichen. Letztendlich geht es bei der Revolution nicht nur um die eingesetzten Mittel, sondern um ihren Inhalt. Nur durch den Kampf selbst werden sich vielmehr die für diese Kontexte geeigneten praktischen und organisatorischen Formen herauskristallisieren. Und es ist Aufgabe der Revolte, in der Lage zu sein, mögliche Handlungswege ausgehend von der gegenwärtigen Situation und den aus früheren Kampfzyklen gewonnenen Erkenntnissen zu identifizieren. Sei es in Situationen, die wir selbst herbeiführen können, vor allem aber in den Gelegenheiten, die sich unangekündigt ergeben. Anders ausgedrückt: Man muss sich politisch auf das Unvorhersehbare vorbereiten. Historisch gesehen fanden „revolutionäre Situationen“ in Kontexten statt, die sie unmöglich erscheinen ließen. Das Ende der kapitalistischen Normalität wird innerhalb ihrer eigenen Normalität immer unwahrscheinlich erscheinen, bis etwas in sie einbricht und die Revolution wieder zu einer materiellen Möglichkeit wird.Der Aufstand an sich ist in der Lage, Zukunftsvisionen (oder vielmehr die Möglichkeit einer Zukunft) zu entwerfen, die zuvor durch die sprachlose Gewalt und das existenzielle Elend, die die Normalität des Kapitalismus ausmachen, blockiert waren. Für diejenigen, die sie erleben, führt das Eintauchen in die Aufbruchstimmung der Revolte und insbesondere in die daraus entstehenden keimenden Formen postkapitalistischer Organisation zu einer Klarheit im Verständnis der Dinge, die außerhalb des Ereignisses, das der Aufstand darstellt, nicht erreicht werden kann. Es handelt sich nicht nur um eine Aussetzung der historischen Zeit im Sinne von Furio Jesi, sondern um einen ersten Moment einer Art „therapeutischen Prozesses“ [3] gegen den kapitalistischen Realismus, in dem sich die Vorstellungskraft und die Lust beginnen, sich von ihren Fesseln zu befreien. Die Revolte ermöglicht es uns, andere Formen des Miteinanders, der Fürsorge und des Wohnens zu denken und zu gestalten, als Versuche einer neuen Gemeinschaft; einer realen Gemeinschaft.Die verschiedenen Kampfzyklen dieses Jahrhunderts tendierten jedoch dazu, sich aufzulösen, noch bevor die von der Revolte projizierten Zukunftsvisionen verwirklicht werden konnten. Dies ist keine willkürliche Situation, sondern sie definiert die historischen Grenzen der zeitgenössischen Kampfformen. Diese Problematik lässt sich als Hindernis auf dem Weg zu einem Punkt verstehen, an dem es kein Zurück mehr gibt. Insofern der Aufstand nicht in der Lage ist, die Bedrohungen durch die Partei der Ordnung zu überwinden, vor allem aber auf die Existenzbedürfnisse der Bevölkerung einzugehen, wird seine Niederlage fatal sein. Diese Bedrohungen äußern sich nicht nur in direkter Konfrontation, sei es mit der Polizei und/oder der Armee, sondern zeigen sich gleichzeitig in der Abschwächung des Aufstands durch den linken Flügel der Bourgeoisie. Die Gefahr, die von der institutionellen Ablenkung der Revolte und den Zugeständnissen an die Regierungsparteien ausgeht, besteht darin, dass sie auch als Bedrohung aus dem Inneren der Revolte auftritt. Durch die reformistischen Sektoren wird die Bewegung von innen heraus ausgehöhlt; von ihnen ausgehend werden demokratische Auswege aus der Krise legitimiert. (Wie Mario Tronti zu Recht sagte: „Die Arbeiterklasse wurde nicht vom Kapitalismus besiegt, sondern von der Demokratie, vom Bürger.“)Die gezielte Etablierung der Verfassung als Ziel des chilenischen sozialen Aufstands und später einer Mitte-Links-Regierung erforderte beide Formen der Abschwächung: eine Intervention von außen und einen Verrat von innen. Die Aufrechterhaltung der demokratischen Ordnung hängt nicht nur mit der Stärke des Feindes zusammen, sondern auch mit einer mangelnden Reife der Revolte, die unfähig war, vollständig mit der Demokratie zu brechen, und sich von den Nebelkerzen und Fiktionen eines Progressivismus mitreißen ließ, der die Bewegung bereits an die Parteien des Monopols der kapitalistischen Ordnung verkauft hatte. Ausgehend von der Kriminalisierung der aufständischen Sektoren durch den linken Flügel der Partei der Ordnung und deren Verfolgung musste sich die Erzählung des konservativen Flügels (die im Übrigen die derzeit vorherrschende Erzählung ist) nur auf die gesamte Bewegung ausweiten (als „krimineller Ausbruch“), wobei der Begriff des Kriminellen über die Anarchisten und das Mapuche-Volk hinaus auf jeden auch nur minimal disruptiven linken Sektor ausgedehnt wurde [4]. Der Sieg über die Partei der Ordnung vollzieht sich jedoch nicht allein durch den Sturz des jeweiligen Regimes. Die Berichte aus Ägypten, Tunesien, dem Libanon und Sri Lanka von den Genoss*innen von „Los Pueblos Quieren“ machen dies deutlich: „Aufständische überall haben die Lektion gelernt, dass der Austausch einer Regierung oder einer Verfassung nicht gleichbedeutend ist mit einer Bedrohung der Macht. Die sozialen Aufstände haben es nicht geschafft, das System im Kern anzugreifen.“ Der wahre Punkt ohne „Rückkehr“ ist nicht der Sturz der Regierung, sondern die embryonale Erzeugung des Kommunismus durch die praktische Negation der sozialen Beziehungen, die das Kapital ausmachen. Andernfalls wird der Staat, den wir für abgeschafft hielten, dort wieder auftauchen, wo wir ihn verschwunden glaubten.
2. Was nach dem Aufstand bleibtDie Unterbrechung der Kampfzyklen und die dadurch entstehenden unerfüllten Sehnsüchte ermöglichen eine reaktionäre Verzerrung der Motive und Merkmale der
Revolte, wodurch deren Verständnis so manipuliert werden kann, dass sie zu einem Ereignis wird, das sich völlig von dem unterscheidet, wie es damals erlebt wurde. Eine Art historischer Revisionismus der eigenen Erfahrung, der dazu führt, dass Menschen, die in gewissem Maße an der Revolte teilgenommen haben, diese letztendlich ablehnen. Der unerfüllte gesellschaftliche Wunsch, den das Ende der Revolte hinterlassen hat, kann perfekt als Treibstoff für reaktionäre Politik aller Art instrumentalisiert werden und so zu einer konservativen Umkehrung desselben führen. Vom sozialen Aufstand zum „kriminellen Aufstand“; das heißt, vom strukturellen Wandel zur Bekräftigung der Ordnung.Im Gegensatz zu der therapeutischen Erfahrung, die das Eintauchen in den Aufstand hervorrufen kann, wirkt dessen Scheitern und damit die Wiederherstellung der kapitalistischen Normalität deprimierend. Während in der Revolte ein Prozess der psychologischen Enthemmung entsteht, führt die Rückkehr zu den psychosozialen und physischen Leiden, deren Ursachen durch die Revolte durchbrochen worden waren, letztendlich dazu, dass das entfremdende Erleben des Leidens als „psychische und körperliche Reaktion auf die abstrakte Ausbeutung, der wir ausgesetzt sind“[5], noch verstärkt wird. Alles, was während der Unterbrechung des Status quo an Bedeutung verloren hatte – wie Arbeit, familiärer Druck und finanzielle Zwänge –, gewinnt wieder an Bedeutung. Und es kehrt zurück als traumatische Last, als Sackgasse, als Ernüchterung und Hoffnungslosigkeit gegenüber jenem anderen Leben, das für einen kurzen Moment möglich war.In diesem Zusammenhang erscheinen charismatische Persönlichkeiten, das Versprechen sozialer Rache, die Wiederbelebung des patriarchalischen Mythos des Nationalstaats und die Bekräftigung bürgerlicher Werte (Wettbewerb, Individualismus usw.) nicht nur als einfacher Ausweg aus der Depression, sondern auch als Mittel, um die einst erlebte gesellschaftliche Euphorie künstlich wiederherzustellen. Bifo Berardi beschreibt dies als „eine amphetaminartige Form der Therapie von Leid und Einsamkeit, die stets und systematisch zu einer Vervielfachung der Gewalt und zu suizidalen Dynamiken führt“ [6].In dem Maße, wie die Normalität wiederhergestellt wird, bleibt kein Raum für die aus dem Ereignis gewonnenen Erkenntnisse und die persönliche Wandlung, die gerade stattfand; sie wird durch die Wiederherstellung des Status quo negiert und entwertet. Dies wird durch die Auswirkungen des Sieges der Partei der Ordnung nur noch verschlimmert: Verfolgung, Exil und politische Kerkerhaft für einen selbst oder die Genoss*innen, mit denen man sich mit Leib und Seele dem Kampf und dem Aufbau neuer Beziehungsformen verschrieben hatte. In der chilenischen Erfahrung spiegelt sich dies in den Selbstmordfällen unter Opfern von Augenverletzungen und ehemaligen politischen Gefangenen wider, die sich nach dem Aufstand nicht in der Lage sahen, wieder in das Arbeits- und Familienleben zurückzufinden [7]. Wie Tiqqun treffend feststellt: „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“.3. Organisierung ohne Revolution„Keine Kraft wird es allein schaffen, einen gemeinsamen Plan zu entwerfen und ihn mit Leben zu erfüllen. Uns als Teil einer Bewegung zu verstehen, die über uns hinausgeht, und nicht als eine Organisation oder einen sektiererischen Block, der über alles verteidigt werden muss, bedeutet, komplementär und nicht konkurrierend zu handeln und zu denken. Die Kraft einer gemeinsamen Bewegung liegt darin, jene taktischen Kombinationen zu finden, die sich am besten an die verschiedenen gelebten Situationen anpassen.“Manifiesto – Los Pueblos QuierenDas abrupte Ende der Kampfzyklen – also das vorzeitige Scheitern der Aufstände – hinterlässt ein unerfülltes gesellschaftliches Verlangen, das von keinem organisatorischen Raum, der fortbesteht oder während der Rückzugsphase entstanden ist, vollständig erfasst werden kann. Unabhängig davon, ob militante Organisationen in der Lage sind, Repression und Demobilisierung zu überstehen, sind sie niemals aus eigener Kraft in der Lage, die Gesamtheit des allgemeinen Wunsches nach einer radikalen Neugestaltung der Welt zu repräsentieren, da sie weder die Revolte noch ihre aufständischen Momente vollständig repräsentieren, sondern nur einen Teil davon, der sich der Zerstreuung widersetzt. Die Kampfzyklen dieses Jahrhunderts werden nie von einer bestimmten Organisation verkörpert, sondern zeichnen sich durch eine unterschwellige, dezentrale und führerlose Spontaneität aus; durch ein äußerst vielfältiges organisatorisches Ökosystem, das im Verlauf des Aufstands bereichert wird. Auch wenn sich bestimmte Organisationen im Kampf aufgrund ihrer theoretischen Klarheit und/oder einer besseren taktischen Vorbereitung natürlich hervorheben, lassen sie sich nicht als klassische revolutionäre Avantgarde beschreiben. In den Aufständen in Chile, Kolumbien und Ecuador (um nur einige Beispiele zu nennen) führten die aus dem Kampf selbst resultierenden Notwendigkeiten zur Schaffung verschiedener, mehr oder weniger komplexer Organisationsformen und zur Erneuerung bereits bestehender Organisationen. Der Sieg der Konterrevolution (in diesen Fällen durch den Reformismus repräsentiert) und die daraus resultierende Wiederherstellung der Fragmentierung des Lebens haben jedoch stets die teilweise Zerstörung des sozialen Gefüges zur Folge, das die Entstehung dieser Organisationen ermöglicht hatte. Auf diese Weise werden sie auf einen Zustand des marginalen Überlebens reduziert, gleich archäologischen Überresten der revolutionären Situationen, die sie hervorgebracht haben. Diese überlebenden Organisationen können potenziell zu einem Zufluchtsort für Gruppen und Einzelpersonen werden, die sich nach der Niederschlagung der Aufstände der Repression widersetzen wollen. Vor allem aber dienen sie dem Fortbestand des revolutionären Projekts an sich – als Raum, in dem es gelingt, einige der wertvollen kollektiven Erfahrungen aus dem Kampfzyklus fragmentarisch und vorübergehend wiederzubeleben. Durch den Austausch von theoretischem und praktischem Wissen, Techniken der Selbstfürsorge und Erfahrungen aus dem Partisanenkampf, durch Solidarität mit politischen Gefangenen und mit Genoss*innen, die von der Repression verfolgt werden, durch die Analyse des Kampfzyklus und die taktische Vorbereitung sowohl auf die gegenrevolutionäre Situation als auch auf die folgenden Zyklen. Wahrscheinlich sind die gesammelten Erkenntnisse aus verschiedenen Aufständen und konjunkturellen Kämpfen erforderlich, damit die breite Masse der revolutionären Bewegung die notwendigen Voraussetzungen schafft, um nicht erneut besiegt zu werden. Die Umstände, die sich aus der gegenwärtigen Phase des Kapitalismus ergeben (Kriege, Zerstörung der Natur, Polykrisen usw.), lassen uns jedoch nicht genügend Zeit, um auf einen langen historischen Prozess des Lernens, der Anstrengungen und der Opfer zu warten. Ganz im Gegenteil, es ist keineswegs sicher, dass dieser Prozess linear verläuft. Daher besteht die Aufgabe dieser Organisationen nicht nur darin, eine Vorbereitung auf künftige Kampfzyklen zu leisten [8], sondern vor allem darin, das Eintreten dieser Zyklen durch proaktives Handeln unter ungünstigen historischen Bedingungen zu beschleunigen.Ihr Streben nach langfristigem Überleben und Relevanz kann sie jedoch dazu veranlassen, klassenübergreifende Praktiken anzunehmen, um die Folgen der Zersplitterung des Proletariats auszugleichen, während sich ihre marginale Stellung zu ihrer Identität wandelt. Unabhängig davon, ob sie in der Lage sind, große Mitgliederzahlen zu halten oder nicht, führt die durch die Niederlage hervorgerufene Verunsicherung, ja sogar der Verlust der Gewissheit der Revolution dazu, dass sich ihre Praxis ausschließlich auf Aktivismus beschränkt und sie sich mit rein performativen Aktionen begnügen, die sich wie ein Ritual wiederholen. Angesichts der konterrevolutionären Entwicklung der Organisationen selbst ist die Selbstauflösung eine der letzten Handlungen, die mit dem revolutionären Projekt im Einklang stehen. Das lehrt uns das Ende der Situationistischen Internationale im Jahr 1972 durch die Hand ihres Gründers und wichtigsten Referenzpunkts, Guy Debord. Ob die überlebenden Organisationen zu einem operativen Organ der Partei der Ordnung werden oder im Gegenteil zu einem Werkzeug, durch das „das Wesentliche des zentralen Erbes des kommunistischen Projekts bewahrt und an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird, wenn auch nur in abgeschwächter und verfälschter Form“ [9], hängt ganz davon ab, ob ihre Praxis unter ungünstigen historischen Bedingungen dem Geist des Kampfzyklus treu bleibt, der sie hervorgebracht hat [10]. Die Verwandlung bestimmter revolutionärer Organisationen in eine leere Hülle bedeutet nicht zwangsläufig das Verschwinden des Geflechts aus Techniken, Erfahrungen und theoretischem Wissen dieser Organisation. In den meisten Fällen wird dieses Geflecht in kleinen pro-revolutionären Strömungen erhalten bleiben, die innerhalb der Organisation fortbestehen, oder es wird aus dieser herauswandern, indem ihre klarsichtigsten Mitglieder zu anderen Gruppen überwechseln. Letzteres ist der Fall beim Anarchismus, der nach der Erfahrung der Pariser Kommune und dem Umschwung des offiziellen Marxismus hin zum Parlamentarismus und zur Sozialdemokratie teilweise das Überleben des revolutionären Projekts verkörperte. Wie Jean-Yves Bériou (ehemaliges Mitglied der Zeitschrift Négation) feststellt: „Der Anarchismus war in dieser konterrevolutionären Periode der Zufluchtsort für ‚kommunistische‘ Menschen und Ideen“ [11].Über das Racket und seine ÜberwindungDiese Situation, in der die konservative Konjunktur das revolutionäre Engagement der überlebenden Organisationen und Individuen auf die Probe stellt, begünstigt die Umwandlung der Organisation in ein Racket. Dieser Begriff stammt aus dem Englischen und wurde ursprünglich verwendet, um kriminelle Organisationen zu bezeichnen, die am Rande der Legalität existieren und sich der Erpressung und Nötigung bedienen, um Gewinne zu erzielen (das offensichtlichste Beispiel ist die Cosa Nostra). Für Jacques Camatte hingegen bezieht sich der Begriff des politischen Rackets auf instabile Organisationen, die aus Fanatikern bestehen, die ihre Individualität aufgeben, um Teil einer falschen Gemeinschaft zu werden, die die Organisation des Staates im Kleinen nachbildet. Wir können diese Organisationen in zwei typische Modelle unterscheiden, die trotz ihrer ästhetischen Unterschiede „denselben Prototyp der tatsächlichen und notwendigen Funktionsweise jeder ‚Organisation‘ im Rahmen der bestehenden Gesellschaft verkörpern” [12]. Erstens. Die formale Organisation, die um Machtanteile innerhalb der Institutionen ringt, was sich in der Regel in einer minoritären und instabilen Präsenz innerhalb oder im Umfeld der neuen Regierung – oder der Verfassungsgebenden Versammlung, sofern es eine solche gibt – niederschlägt. Sie fungiert als eine Art Interessengruppe, deren Ziel es ist, ein Mindestmaß an Verbesserungen für den sozialen Sektor, den sie vertritt, zu sichern. Das revolutionäre Projekt wird durch ein pazifistisches, schrittweises, demokratisches und reformistisches politisches Programm ersetzt.Zweitens. Informelle Gruppierungen, kleine Gruppen, die miteinander um Anhänger konkurrieren. Sie widmen sich der Konspiration und der Verbreitung der Ideen des jeweiligen Lagers, das sie vertreten (oder zu vertreten vorgeben). Sie sind nicht in die institutionellen Strukturen eingebunden und stehen diesen mehr oder weniger kritisch gegenüber. Je nach ihrer Praxis und ihrem Diskurs können sie ausdrücklich verboten sein oder auch nicht. Sie neigen dazu, die ideologische Reinheit ihrer Mitglieder zu verteidigen, was zu gewaltsamen Säuberungen und Spaltungen führt und dabei weitere Sekten hervorbringt. Die Unterdrückung innerer Minderheitenströmungen ist unerlässlich, um den ideologischen Purismus und die militante Disziplin der Sekte zu wahren [13].Beide sektiererischen Formen erfüllen – ob formell oder informell – Funktionen bei der sozialen und wirtschaftlichen Regulierung der kapitalistischen Gesellschaft. Angesichts des Ausbruchs neuer Aufstände spielen sie dieselbe reaktionäre Rolle als Bremse für diese.Die erste: Indem sie nun die Ordnung bekräftigt, um die im demokratischen Spiel erzielten minimalen Fortschritte zu schützen, wird sie den Aufstand als Bedrohung für ihre Interessen ansehen. Das Eingreifen dieser Organisationen in den Kampf beschränkt sich auf Versuche, ihn in Richtung Gesetzgebung und Wahlkampf zu lenken. Zu diesem Zweck werden sie versuchen, die Bewegung in friedliche Proteste und diejenigen, die den sozialen Frieden stören, zu spalten. Ihr Pazifismus und ihre moralische Kritik an den aufständischen Mitteln werden sich bald in eine mehr oder weniger aktive Zusammenarbeit mit den repressiven Staatsapparaten niederschlagen, sei es durch die Weitergabe persönlicher Daten der Demonstranten oder sogar durch eigenes Handeln als eine Art Schlägertruppe, die die bürgerliche Ordnung schützen will. Im zweiten Fall hingegen zerfällt sie in eine Vielzahl reaktionärer Splittergruppen, was durch die Zersplitterung des gesellschaftlichen Lebens vorangetrieben wird. Da sie nicht in der Lage sind, sich langfristig als „revolutionäre Organisation“ zu behaupten, übernehmen sie die kapitalistischen Verwaltungslogiken, die nun zu einer militanten Doktrin erhoben wurden. Je länger sie als marginale Einheit bestehen bleiben, desto weniger werden ihre revolutionären Methoden und ihre militanten Analysen, die im Allgemeinen unveränderlich sind, den Bedingungen der gegenwärtigen Kämpfe entsprechen. Die Potenziale der Revolte bleiben ihr verborgen, stattdessen behaupten sie statische Modelle und veraltete praktische Formen. Ihre Losgelöstheit von der aktuellen Lage führt dazu, dass sie sich während der Aufstände am Rande halten. Und sollten sie eingreifen, so werden sie versuchen, mittels ihrer politischen „Kader“ und professionellen Revolutionäre eine mechanistische Vorstellung davon durchzusetzen, wie die Revolution (oder der Aufstand, falls sie den ersten Begriff ablehnen) auszusehen hat.Die gravierendste Form dieser Art von Racket sind jedoch die bewaffneten Organisationen, die die Kampfzyklen überlebt haben. Da sie nicht in der Lage sind, sich wieder in den Alltag zu integrieren, verfällt ihr Handeln in eine nihilistische Spirale der Selbstzerstörung. Ihre Fortdauer birgt die Gefahr, neue Generationen in diese selbstzerstörerische Praxis ohne revolutionäres Projekt hineinzuziehen und offen reaktionäre Handlungen zu begehen, die sich gegen die breite Bevölkerung richten: Bombenanschläge auf öffentliche Verkehrsmittel, Schießereien oder der Einsatz des Drogenhandels zur Selbstfinanzierung. Die Loslösung vom historischen Moment, das Scheitern des Kampfzyklus und ihre Verehrung illegaler Kampfformen sind die perfekten Zutaten, um sie zu dem zu machen, was Ben Morea als „Pancho-Villa-Syndrom“ bezeichnet hat:
„Genossen, die zwar ‚bewaffnet und bereit zu sterben‘ sind, denen aber eine Perspektive für den Wandel fehlt, laufen Gefahr, sich in sich selbst zurückzuziehen: ‚besessen von ihrer eigenen Mythologie‘, unfähig, sich wieder in den Alltag zu integrieren, verbringen sie ihre Tage mit selbstzerstörerischen Ritualen aus Stolz und Wut, bis sie schließlich vergehen“ [14].Das Problem des „Rackets“ 15] ist vielleicht die wichtigste Herausforderung, vor der die Organisierung steht. Dies verschärft sich in Zeiten wie der unseren, in denen die Niederlage noch frisch in Erinnerung ist, bis zu dem Punkt, an dem das Fortbestehen der Organisationen kontraproduktiv erscheint. Die Organisierung kann nicht nur das revolutionäre Projekt an neue Generationen weitergeben, sondern auch die Form des Rackets fortsetzen, indem sie den Neuzugängen den ideologischen Purismus, den Sektierertum und die Laster früherer Generationen vererbt. Es sind jedoch genau diese ungünstigen Bedingungen, die die Notwendigkeit der Organisierung begründen, „Netzwerke zu schaffen, die zukünftige Aufstände mit einer angemessenen Logistik ausstatten, um Situationen der Repression und des Exils sowie der Eskalation der Kämpfe zu begegnen“ [16]. Der Ausbruch der Revolte wirkt sich in der Regel auf zwei verschiedene Arten auf die bereits bestehenden Organisationen aus. Einerseits als Erneuerung der Organisationen durch die Integration neuer, im Verlauf des Kampfzyklus politisierter Mitglieder und die Reaktivierung der Untergrundnetzwerke, die die verschiedenen Organisationsformen auf umfassendere und komplexere Weise miteinander verbinden (Phil. A. Neel nennt dies „Metaorganisation“). Andererseits hingegen in Form eines radikalen Bruchs mit den Organisationen, die historisch gesehen als Bremse für die Revolution gewirkt haben. Letzteres ist bei den Rackets der Fall. Die kommunistische Praxis muss die sektiererischen Organisationsformen begraben, um an ihrer Stelle Formen zu begründen, die den Bedingungen und Erfordernissen der praktischen Negation des Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Phase und der Vorwegnahme der kommunistischen Gesellschaft auf dieser Grundlage entsprechen. In diesem Zusammenhang werden Bündnisse zwischen den verschiedenen Sekten als eine von ihnen selbst (oder einem Teil von ihnen) entwickelte Lösung für dieses Problem erscheinen, doch diese „Einheitsfront“ beseitigt das Racket nicht an sich, sondern bindet es in einer vollendeteren Form ein. „Die wirkliche Neuformierung [der revolutionären Minderheiten] ist unerlässlich, darf aber keine bloße Verschmelzung der bestehenden Organisationen sein. Unter den neuen Bedingungen ist eine Überprüfung der Kampfformen notwendig“ [17]. Hinter Diskursen über abstrakte und klassenübergreifende Einheit (das Volk, die Massen, die Unterdrückten usw.) verbergen sich sowohl die Praxis des Rackets als auch dessen Übernahme der kapitalistischen Logik der Steuerung des Lebens. Es geht nicht nur darum, dass die revolutionären Minderheiten, aus denen sich der globale Aufstand zusammensetzt, sektiererische Praktiken ablehnen, sondern um einen Bruch mit deren Inhalt. Die Abschaffung des Rackets als Machtstruktur erfolgt durch die Umsetzung der revolutionären Organisierung im weitesten und reinsten Sinne; sie ist die Zerstörung der sozialen Determinanten, die das Racket als solches konstituieren und die Regeneration des kapitalistisch-patriarchalen Systems auf dessen Grundlage ermöglichen.Im Herbst 2026Anmerkungen[1] In Bezug auf den Brand der 3. Polizeistation von Minneapolis im Jahr 2020 hat Jasper Bernes diesen als „eine nachahmbare Aktion, sowohl als Schlachtruf als auch als Handlung an sich, als einen Akt, der zu weiteren Taten aufrief, zu seiner aufständischen Wiederholung“ bezeichnet. Was viel über den aufständischen Nutzen der Praxis der Brandstiftung im Kontext von Revoltenzyklen aussagt. – J. Bernes, Inquiry and Organization after the George Floyd Uprising, Ill Will, April 2025. [2] In: I. Robinson, Schriften aus dem Ödland, 2025.[3] Unter therapeutischem Prozess verstehen wir das von Josep Rafanell i Orra entwickelte Konzept: „Die therapeutische Behandlung ist die Fürsorge, die nicht Subjekten, sondern Beziehungen zuteilwird. Die Gemeinschaft ist eine unendliche therapeutische Behandlung. Die Therapie ist die Offenbarung von Fragmenten von Gemeinschaften, ihres neuen Zusammenwachsens.“ – J. Rafanell i Orra, Neue Figuren des Partisanen, Artillería Inmanente, Mai 2021.[4] Dies kam in dem Paket repressiver Gesetze der Regierung Boric zum Ausdruck, die genau darauf abzielten, soziale Mobilisierungen zu unterdrücken. Die wichtigsten davon sind das Gesetz gegen Besetzungen und das Naín-Retamal-Gesetz, das den repressiven Polizeiapparat schützt, indem es die Strafen für Straftaten gegen die Polizei verschärft und den Einsatz von Waffen im Dienst als „privilegierte Notwehr“ festlegt.[5] Zusammenbruch und Abkehr, Abhandlung für die aufständische Jugend – Hrsg. Sapos y Culebras, 2023. [6] Andrés Timón und Lucía Rosique, Bifo: „Die Menschheit hat verloren. Jetzt geht es darum, wie man aussteigt.“ Interview, Zona de Estrategia, Februar 2026.[7] Auch wenn es nicht der jüngste Fall ist, sticht der Fall von Jorge Salvo hervor, der sich im Juni 2023 das Leben nahm. Zuvor schilderte er sein Leben nach den sozialen Unruhen wie folgt: „Ich konnte nicht mehr arbeiten, verlor meine Mietwohnung und musste zurück zu meiner Mutter ziehen. Ich war das ganze Jahr über arbeitslos (…) Ich fand keine Arbeit, man sah mich ohne Auge, und wenn ich die Prothese aufsetzte, fragten sie mich auch danach, und wenn ich sagte: ‚Wissen Sie, ich sehe auf dieser Seite des Auges nichts‘, ließen sie mich einfach nicht gewähren.”[8] Ein Großteil dieser Vorbereitungen besteht darin, einfallsreiche und wirksame Formen des kollektiven Handelns zu entwickeln und zu erproben: Taktiken ernsthaft und unter ungünstigen Bedingungen zu durchdenken. Und auch Mittel zu schaffen, durch die verschiedene Organisationsformen und -ebenen miteinander verbunden werden können, ohne miteinander zu konkurrieren oder aneinandergeraten (d. h. Formen zu erproben, wie eine Organisierung im weitesten Sinne funktionieren würde).[9] J-Yves Bériou -Revolutionäre Theorie und historische Zyklen, Lazo Ediciones, S. 45[10] In Bezug auf diese Treue argumentiert Phil Neel, dass eine Beschränkung auf die unkritische Verteidigung tatsächlicher Errungenschaften für die Arbeiterklasse letztendlich dazu führt, dass die Organisationen ihre Treue zum kommunistischen Projekt verlieren. Denn diese Kämpfe um die materiellen Lebensbedingungen bergen Widersprüche, die, wenn sie nicht überwunden werden, zur Unterstützung reaktionärer Maßnahmen wie der Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen oder der rassistischen Ablehnung ausländischer Arbeitskräfte führen. „Der revolutionäre Elan jedes Kampfes verblutet durch die tausend kleinen Schnitte des Kompromisses.“ P. A. Neel, Theorie der Partei, Ill Will, September 2025. Deutsch auf Bonustracks:
https://bonustracks2.noblogs.org/post/2025/09/07/theorie-der-partei/[11] J-Yves Bériou, ebenda.[12] F. Corriente, Jacques Camatte und das fehlende Glied der zeitgenössischen Gesellschaftskritik, dndf, Mai 2014.[13] Ein Extremfall dieser Säuberungen war der Bruderkampf (Uchigeba) zwischen den sektiererischen Organisationen der japanischen Studentenbewegung, der zur Ermordung von mehr als 100 Mitgliedern führte. Eines der bekanntesten Ereignisse dieses Krieges ereignete sich 1971, als die ‘Vereinigte Rote Armee’ vierzehn ihrer Mitglieder während der militärischen Ausbildung im Rahmen eines disziplinarischen Verhörs ermordete. Siehe: H. Abe, Fragmentierung, Zentralisierung und Bürgerkrieg in der japanischen Ultra-Linken, Ill Will, Juni 2025.[14] B. Morea, Das Pancho-Villa-Syndrom, Ill Will, 2025.
[15] Für eine Analyse der typischen Organisationsformen der Linken empfehlen wir die Lektüre von: Grupo de Investigación Revolucionaria Intercomunalista, „Punta de lanza“, Radar journal, 2026. Auch wenn darin die Frage des Rackets nicht explizit erwähnt wird, trägt der Text doch zur Debatte bei, indem er die Grenzen und Widersprüche bestimmter historischer Organisationen aufzeigt, von den Black Panthers bis zur Focus-Guerilla.[16] Nueva Icaria, „Die globale Revolte und ihre historischen Sackgassen“, Colapso y Desvío, Oktober 2025.[17] P. Mattick, „Die Massen und die Avantgarde“, Living Marxism, Band 4, Nr. 4, August 1938.
HAMBI: GEGEN DIE ERKLÄRUNG ZUM NATURSCHUTZGEBIET / AGAINST THE NATURE RESERVE AND ITS WORLD [DEU/ENG]
anonym 22. Juni 2026 Global
GEGEN DIE ERKLÄRUNG ZUM NATURSCHUTZGEBIET
UND DIE WELT AUS DER SIE KOMMT
Kürzlich versammelten sich einige Bürokrat*innen, um zu versuchen über die Zukunft des Hambi zu entscheiden. Und sie reden davon, hier ein Naturschutzgebiet einzurichten! Offensichtlich haben diese Leute zu viel Zeit in ihren stickigen Büros verbracht und reden jetzt autoritär über Dinge, von denen sie nichts wissen. Habt ihr denn nicht gehört? Der Hambi ist SCHON LÄNGST ein Naturschutzgebiet! Im Jahr 2012 wurde er besetzt, um zu verhindern, dass er durch Europas größte Giftgrube zerstört wird. Die letzten 14 Jahren schützten wir diesen Ort: vor RWE, vor der Forstwirtschaft, vor Jägern – was immer kam. Aber wir sprechen nicht die Sprache des Staates und das wollen wir auch gar nicht. Deshalb tun die Bürokrat*innen gerne so, als wären wir überhaupt nicht da.
Hast du sie sagen hören, sie wollten den Hambi frei von menschlichen Eingriffen? Das ist der Klang von Lügen, die sie dir in dein Gesicht sagen. Macht euch nichts vor: Es geht nicht um die Wahl ob Menschen hier Einfluss haben oder nicht. Es geht nur darum WELCHE Menschen den Einfluss haben. Da könnt ihr entweder die Menschen haben, die hier Jahr und Tag leben, die diesen Ort lieben und respektieren und die weiterhin mit allem, was sie haben, dafür kämpfen ihn zu verteidigen. Oder ihr könnt da eine Gruppe von Bürokrat*innen und Beamt*innen haben, die wenig oder gar nichts über diesen Wald wissen, sondern nur ihre abstrakte Welt aus Statistiken und Lehrbüchern kennen.
Wir werden dem Staat niemals mit der Umsetzung dieses „Naturschutzgebiets“ vertrauen. Werden sie gesunde Bäume fällen, nur weil sie diese als nicht heimisch in dieser Region einstufen? Werden sie Rehe und Wildschweine ausrotten, die hier leben? Werden sie die Schotterwege entfernen, die RWE hier einplanierte und die der Wald bereits zurückerobert? Werden sie für ihren Radweg asphaltierte Straßen und Schneisen durch den Wald bauen? Die Besetzung aufzugeben hieße, uns machtlos zu machen in all diesen und weiteren Fragen.
Wenn der Staat hier den Begriff „Naturschutzgebiet“ verwendet, ist das in Wahrheit nur ein Codewort für zwei Dinge. Zum Einen die Fortführung der Ausbeutung dieses ohnehin schon verwüsteten Waldes. Ausgerechnet als Mittelpunkt eines Ecotourism-Resorts unter der Leitung der Neuland Hambach (die nichts als eine Marionette von RWE ist). Zum Anderen der Versuch, Legitimität für eine weitere Räumung der Waldschützer*innen zu konstruieren. Schließlich haben die Bürokraten GROSSE PLÄNE für diese Region. Rechenzentren, ein Solarpark und ein Yachthafen, ganz zu schweigen von einer Oase mit Seeblick für neokoloniale Tech-Firmen in Morschenich-Alt.
Die aktuellen Verlautbarungen sind eine reine Absichtserklärung (die wieder jede Gelegenheit nutzt die Vorherrschaft von RWE zu sichern), hier bis 2035 ein Naturschutzgebiet einzurichten. Aber welchen Wert hat eine solche Vereinbarung, die von der Institution stammt, die selbst die Gesetze erlässt? Dass Politiker*innen jetzt über die Wiedereinführung der Kernenergie diskutieren, beantwortet diese Frage. Ein Regierungswechsel, ein weiterer militärischer Konflikt oder eine Energiekrise würden schon reichen, damit der vermeintlich sichere Kohleausstieg erneut verschoben oder gänzlich aufgegeben wird. Über riesigen Vorkommen von fossilem Brennstoff gewachsen, wird der Hambi niemals sicher sein solange der Kapitalismus herrscht.
Wir kämpfen hier nicht nur gegen eine Kohlemine. Und auch nicht nur gegen die Yuppifizierung der Region unter dem Vorwand von Ökologie. Wir stehen gegen die autoritäre Weltordnung im Allgemeinen, das heißt auch gegen die Denkweise, ein Wald könne überhaupt „besessen“ werden. Lasst euch nicht täuschen, der Hambi gehöre RWE. Alles, was sie haben, ist ein Stück Papier, auf dem ihr Name mit etwas verbunden ist, über das sie schon lange die Kontrolle verloren haben. Der Wald gehört allen und niemandem. Vergesst das, was sie „öffentliches Eigentum“ nennen – der Hambi steht bereits allen offen, die ihn und seine Bewohner*innen respektieren.
Staat und RWE würden tatsächlich soweit gehen, den Rhein zu entwässern für ihre unsinnigen Pläne für das rheinische Braunkohlerevier. Viel Glück mit eurem giftigen See! Vorher müsstet ihr uns erst einmal loswerden! Und ihr wisst aus Erfahrung, dass wir nicht ohne Kampf zu Boden gehen.
IMMER NOCH WILD, IMMER NOCH FREI!!!
einige Wald-verteidiger*innen
—————————————————————-
AGAINST THE NATURE RESERVE AND ITS WORLD
Recently a bunch of bureaucrats got together to try and decide the future of the Hambi. And they talk of establishing a nature reserve here! Clearly these people have been spending too much time in their stuffy offices, talking authoritatively of things they don’t know about. Didn’t you hear? The Hambi is ALREADY a nature reserve. In 2012 it was occupied to stop it getting destroyed by Europe’s largest toxic pit. For the last 14 years, we have been protecting the place: from RWE, forestry, hunters, you name it. But we don’t speak the language of the state and we don’t want to. So the bureaucrats like to pretend we’re not even here.
Did you hear them say they want the Hambi free of human interference? That’s the sound of them lying to you. Make no mistake, it isn’t a choice between whether or not humans will be involved here. It is a question of WHICH humans will be involved. Either you can have the humans who have been living here through the seasons, who love and respect it, and continue to fight with everything they have to defend the place. Or else you can have a bunch of officials who know little or nothing of this forest, only of their abstract world of statistics and textbooks.
We will never trust the state to implement their “nature reserve”. Will they cut down healthy trees, on the basis that they are classified as non-native to the region? Will they exterminate the deer and the wild boar who roam here? Will they remove the gravel paths which RWE dumped here, and the forest has since reclaimed? Will they build tarmac roads through the forest for their cycle route? To give up the occupation is to make ourselves powerless on all of these issues and more.
What the state calls a “nature reserve” is a codeword for two things. Firstly, further exploitation of this already ravaged forest by making it the centrepoint of an eco-tourist resort, under the direction of Neuland Hambach (which is anyway a puppet of RWE). Secondly, trying to establish legitimacy for yet another eviction of the forest-defenders. After all, the bureacrats have BIG PLANS for this region. Data centers, a solar park, and a yacht harbour, not to mention a lakeside haven for neocolonial tech firms in Morschenich-Alt.
The recent news amounts to a statement of intent (which takes every opportunity to affirm the supremacy of RWE) to establish a nature reserve here by 2035. But what worth is such an agreement, when issued by the institution which makes the laws? The fact politicians are discussing reinstating nuclear power at the moment answers that question. All it would take is a change in government, or another military conflict or energy crisis, for the supposed coal-exit to be extended again or else completely renounced. Sitting on top of massive reserves of fossil fuels, the Hambi will never be safe for as long as capitalism continues.
We are not only fighting against a coal mine. Nor against the yuppification of the region in the name of ecology. We take issue with the authoritarian world-order generally, including the mentality that a forest can be “owned” in the first place. Don’t be fooled into thinking the Hambi belongs to RWE. All they have to their name is a scrap of paper with their name linked to something they lost control of long ago. The forest belongs to everyone and no one. Forget about what they call “public ownership”, the Hambi is already open to all who respect it and its inhabitants.
The state and RWE will go so far as draining the Rhine to realise their nonsense plans for the region. Good luck with your toxic lake! You will have to get rid of us first. And you know from past experience that we won’t go down without a fight.
STILL WILD, STILL FREE!!!
some forest defenders
- 22.06.26 Lebensgefährlicher Angriff auf Antifaschisten in Göttingen – tausende Teilnehmer:innen bei Spontandemonstrationen
- »Das war von Anfang an die Marschrichtung«: Über die Plädoyers und das Urteil im RAF-Verfahren gegen Daniela Klette wegen der Post-RAF-Raubüberfälle
- Die Odyssee [Part ll] – Mythen und Befreiung
- „Sicherheit ohne Überwachung“ – Hunderte bei Demonstration in Berlin gegen geplantes Sicherheitspaket






