G20-Gipfel Hamburg 2017: Nach acht Jahren Verfolgungseifer gibt die Staatsanwaltschaft Hamburg klein bei
Pressemitteilung der Roten Hilfe:
Eines lässt sich aus der Retrospektive in aller Klarheit sagen: Unter dem Gesichtspunkt der geopolitischen Entwicklungen der letzten zehn Jahre waren Proteste selten so eindeutig gerechtfertigt wie die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg 2017. Damals hatte Trump seine erste Präsidentschaft gerade angetreten und Olaf Scholz war Oberbürgermeister der Hansestadt. Auch heute noch stehen beide für den Abbau von Demokratie und für die Straffreiheit der Mächtigen.
Was wir damals in Hamburg erleben durften, war ein Festival der Polizeigewalt. Was uns als moderne Polizeiarbeit verkauft wurde, war ein rabiates Experimentierfeld des autoritären Umbau des Staates, der seither vorangetrieben wird.
Exemplarisch dafür stehen die Ereignisse auf der Straße Rondenbarg in Hamburg-Bahrenfeld am Morgen des 7. Juli 2017. Ohne Ankündigung und mit massiver Polizeigewalt wurde eine Demonstration zerschlagen und die Teilnehmer*innen gegen einen Zaun gedrängt, der nachließ und mehrere teils schwer verletzte Aktivist*innen zur Folge hatte. Daraufhin ist die Staatsanwaltschaft angetreten, ein Exempel an den Beschuldigten zu statuieren. Gegen 86 Personen, aufgeteilt in acht Verfahrensgruppen, wurde Anklage erhoben. Die Marschrichtung war klar: Die Staatsanwaltschaft wollte Haftstrafen sehen.
Wie wackelig und konstruiert die Anklage war, konnte man im Laufe des ersten und einzigen Prozesses sehen, bei dem es zu einer Verurteilung kam: 90 Tagessätze für zwei Angeklagte, von denen 40 bereits als abgegolten galten. Das ganze Tamtam der Repressionsbehörden wirkt bei diesem Ergebnis geradezu lächerlich.
Was dieser Prozess aber auch war: ein Frontalangriff auf die Versammlungsfreiheit.
Alleine die Teilnahme an einer Demonstration reichte aus, um unliebsame Aktivist*innen zu verurteilen. Das Tragen schwarzer Kleidung sollte als Beleg für die Beihilfe zu versuchter Körperverletzung dienen — geradezu absurd.
Diese Konstrukte sehen wir allerdings immer häufiger, sei es im Zusammenhang mit Demonstrationen zum 1.-Mai, zum Tag X in Leipzig oder bei den „Widersetzen“-Protesten gegen die Neugründung eines faschistischen AfD-Jugendverbandes: Die Handlungsspielräume einer widerständigen Zivilbevölkerung werden weiter und weiter eingeschränkt.
Hartmut Brückner von der Roten Hilfe e. V. sagt dazu:
„Inzwischen haben alle Angeklagten Einstellungen angeboten bekommen. Alle Genoss*innen, die betroffen oder in der Solidaritätsarbeit involviert waren, können ein Lied davon singen, wie zäh und frustrierend der gesamte Verfahrenskomplex war. Die Dimensionen waren extrem herausfordernd, sei es die lange Zeit, die seit den Vorfällen vergangen ist, seien es die weiten Strecken, die es zu überwinden galt, um überhaupt Solidaritätsarbeit zu leisten. Aber auch wenn nicht alle Schlachten gewonnen werden konnten, ist es gelungen, trotz alledem die Angeklagten hinter einer gemeinsamen Idee zu versammeln und Einstellungen an die Bedingung zu knüpfen, dass sie für alle gelten und somit keine einzelnen Genoss*innen als angebliche Übeltäter*innen herausgepickt wurden. Schritt für Schritt ist man einer gemeinsamen, solidarischen Strategie näher gekommen und hat so eine Hürde nach der anderen überwunden.“
Hier gehts zu dem Statement der Soligruppen: https://rondenbarg-prozess.rote-hilfe.de/2026/03/10/g20-rondenbarg-das-letzte-kapitel/
KI Claude im militärischen Einsatz
28 März 2026
Am 14. Februar 2026 ging weltweit durch die Medien, dass die Entführung Nicolás Maduros aus Venezuela mit Hilfe des KI-Chatbots Claude der US-Firma Anthropic gelang.
Nun ist diese generative KI Claude in der Lage, Texte zu verstehen und zu generieren. Sie kann Dokumente analysieren und wie andere Chatbots auf Fragen antworten und auch selbst programmieren. Technisch gefüttert wurde sie mit einer unglaublich großen Anzahl an Texten, um zu trainieren, Muster zu erkennen und Fragen zu beantworten. Die Firma Anthropic hat sich selbst ethische Richtlinien gegeben, die schädliche oder gefährliche Anwendungen verhindern sollen. Die Nutzungsrichtlinien verbieten den Einsatz der KI für Gewalt, Waffentechnik oder Überwachung. Der Zweck ihrer KI soll offiziell zum Problemlösen und „Denken“ beitragen. Wie erklärt sich
dann die Anwendung durch die US-Militärführung bei der Maduro-Entführung aus Venezuela?
Die US-Militärführung konnte sich der KI Claude bedienen, weil es von Anthropic eine technische Partnerschaft mit Peter Thiels Firma Palantir Technologies gibt. Da das US-Militär Palantir nutzt, wurde die KI Claude „mitgenutzt“. Im Nachhinein scheint es nun Streit zwischen Anthropic und dem Pentagon zu geben, genauere Informationen wurden aber von beiden Seiten anfangs unter Verschluss gehalten. Später stellte der US-Kriegsminister Peter Hegseth der Firma Anthropic eine Frist, die Nutzungseinschränkungen für militärische Einsätze abzuschaffen. Er werde, so Hegseth im O-Ton: „keinem Unternehmen erlauben, die Bedingungen für operative Entscheidungen des Pentagons zu diktieren oder gegen einzelne Anwendungsfälle Einspruch zu erheben“.
Als Anthropic nicht darauf einging, wurde der Firma „Verrat“ vorgeworfen und sie wurde als „supply chain risk“ (Risiko für die militärische Lieferkette) auf den Index gesetzt.
Unklar blieb, wie ausgiebig die KI Claude für die Entführung Maduros benutzt wurde. Erklären lässt es sich jedoch mit der Frage: Was kann die KI Claude leisten, was Palantir Technologies nicht kann?
Wenn die Anthropic Claude KI Sprache verstehen und generieren kann, Palantir Technologies Datenanalyse betreibt und eine Plattform schafft für komplexe Datenerfassung, verspricht eine Kombination beider Systeme eine deutlich genauere Nutzbarkeit, das betrifft alle Datenbereiche und, wenn sie zur Verfügung stehen, natürlich auch die militärischen.
Palantir kann diese Unmenge an militärischen Daten analysieren, Tabellen erstellen, Logs auswerten, also z. B. Ursachen für Abstürze oder Fehlermeldungen ermitteln, Login-Zugriffe oder Zugriffsversuche erfassen, Nutzungsmuster erstellen, die Systemlast auswerten, Benutzeraktionen in diversen Softwares analysieren, IP-Adressen feststellen etc.
Die KI Claude kann unstrukturierte Texte wie E-Mails oder Berichte analysieren, Inhalte zusammenfassen, Bedeutungen herausarbeiten und auch Absichten interpretieren. Sie kann Zahlen mit Texten verknüpfen, eine Geschichte der Daten aufnehmen und Absichten mit den Daten oder Unklarheiten und Widersprüche herausfiltern. Wenn also Palantir eine Unmenge an Daten protokolliert in die KI Claude einspeist, kann die KI Claude die Inhalte zusammenfassen und Muster herausarbeiten.
Palantir kann Dashboards liefern, also komplexe Daten visuell dargestellt in Graphiken, Tabellen oder Diagrammen, die KI Claude kann die Szenarien vergleichen, Ergebnisse in verständlicher Sprache ausdrücken und Entscheidungsoptionen formulieren, bis hin zu Optionen, also „was wäre wenn“-Antworten. Das Pentagon konnte sich deshalb direkt mit den Szenarien beschäftigen, die es zu entscheiden galt.
Palantir kann Datenbeziehungen vorlegen. Die KI Claude kann Texte, Dokumente und Zahlen gemeinsam auswerten, die Widersprüche in verschiedenen Aussagen erkennen und Hypothesen oder Handlungsoptionen formulieren. Das beinhaltet auch die Bereitstellung von alternativen Strategien. Dazu kann sie das Für und Wider der Argumente strukturieren. Sie kann Annahmen prüfen und bei Widersprüchen von Palantir weitere Datensätze zur Klärung anfordern. Palantir kann die Optionen der KI wiederum für das Pentagon berechnen.
Palantir hat die Einsatzgenehmigung in Behörden und militärischen Systemen, die Sicherheitskontrolle, den Zugriff auf operative Datenbanken und die Echtzeit-Datenintegration.
Ein Zusammenschalten dieser beiden Systeme brachte dem Pentagon deshalb nicht nur eine Vielzahl von Datensätzen zur Analyse (Palantir), sondern eine konkrete Vorlage von den wahrscheinlichsten Szenarien mit jeweils einer angehängten Risikoanalyse (Palantir und KI Claude).
Aus den Stärken von Palantir in der Datenstrukturierung, den Sicherheitsaspekten und einer Echtzeitverarbeitung, d.h. einer Analyse von Daten sofort nach deren Erfassung, den Stärken der KI Claude in der Bedeutung von Sprache und in der umfänglichen Argumentation entsteht Data Intelligence und Cognitive Layer. Also das Verstehen der Bedeutung der Daten, einschließlich der Interpretation von Zusammenhängen und der Möglichkeit, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Damit erhielt das Pentagon nicht nur Daten zur Auswertung, sondern eine Analyse der Bedeutung der Daten. Dazu wurden in verständlicher Sprache Aussagen beigesteuert, die für eine Entscheidung über den Einsatz der Militärs relevant waren.
Der Begriff des Agentic Layers taucht in diesem Zusammenhang auf, damit ist gemeint, dass noch ein dritter KI-Part eine Rolle spielt. Wenn Palantir für die Datenplattform, KI Claude für die Sprachanalyse zuständig ist, dann gibt es noch (z. B. im Pentagon) eine Software, die plant und vorhandene Tools nutzt. Die Entscheidung bleibt deshalb zunächst noch bei der Behörde oder einer Organisation, sprich ganz oder teilweise bei menschlichen Akteuren. In der Entwicklung des Decision Layers, also weitergehender KI, die eine verbindliche Auswahl für die Handlungen aus der Analyse von Cognitive und Agentic Layern trifft, liegt die zukünftige Möglichkeit und Gefahr, dass eine Entscheidung auch ohne menschliche Mitverantwortung getroffen werden kann.
Welche Firmen arbeiten an der Entwicklung der Decision Layer?
Sehr viele, je nach ihren „Arbeitsfeldern“.
Die großen Konzerne wie Microsoft, OpenAI, Google DeepMind, Meta und auch Anthropic arbeiten für ihre Firmenziele daran.
Im Sicherheits- und militärischen Bereich arbeiten das US-Kriegsministerium, DARPA, die Forschungsbehörde des US-Kriegsministeriums für neuartige Hochtechnologien, Palantir Technologies und das Rüstungsunternehmen Anduril Industries, das spezielle unbemannte autonome Waffensysteme und Überwachungslösungen entwickelt, wie z. B. Sensor- und KI gesteuerte Überwachungstürme zur Grenzüberwachung.
Quelle: Graswurzel.net
Dr. Guido Arnold nach der rechten Medienhetze
Wegducken ist keine Option- Plädoyer für antifaschistische und feministische Gegenwehr!
Im Januar fand im schweizerischen Basel eine Veranstaltung unter dem Titel „BIG TECH GOES MAGA - Eine faschistoide Allianz“ statt. Der Referent Dr. Guido Arnold sprach unter anderem darüber, wie durch künstliche Intelligenz und algorithmisch verstärkte Polarisierung ,Hass, Hetze und Fake nicht nur immer mehr um sich greifen, sondern viel, viel mehr zerstören als ‚nur‘ eine gemeinsame Debattenkultur.
Im Anschluss an die Veranstaltung gab es eine massive Kampagne in rechten Portalen gegen den Referenten Guido Arnold, die so weit ging, dass NIUS, das einflussreiche rechte Medium des ehemaligen BILD-Chefredakteur Reichelt, mit einer Kamera vor Arnolds Wohnung auftauchte sowie Bewohnende die das Haus betraten, filmte, bzw. auch namentlich benannte. Arnold wurde vorgeworfen zu Anschlägen aufgerufen zu haben.
Seitens der rechtsextremen AfD wurde im Bundestag in einer Pressemitteilung gefordert, es müsse Schluss sein „mit staatlicher Förderung von Extremisten an Hochschulen“, denn Arnold ist als Dozent tätig.
Radio Dreyeckland sprach mit Dr. Guido Arnold über dessen Vortrag in Basel sowie die Folgen. Aber auch über die Gefahren die von Big Tech ausgehen und was es braucht, um alledem etwas wirkungsvolles entgegen zu setzen.
Vom 10.-12. April 2026 findet genau zu diesem Themenkomplex eine Bewegungskonferenz in Berlin, unter dem Titel „Cabels of resistance“, statt.
Hier gehts zu dem Interview mit Dr. Arnold.
eine linke Kampagne gegen rechte Hetze im Netz und gegen das rechte Hetzportal "NIUS" in Berlin Kreuzberg
das vollständige Interview mit Dr. Arnold, mit schriftlichen Antworten auf die Fragen von RDL:
Du bist theoretischer Physiker und Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung. Dort geht es viel um Diskurse und Macht. Was heißt das konkret: Wie kann Sprache im Alltag dazu beitragen, dass bestimmte Gruppen benachteiligt oder ausgegrenzt werden?
Wer hat die Deutungshoheit über Begriffe? Und wie speist sich die Bedeutung von Begrifflichkeiten aus dem gesamten Bündel der parallel laufenden und unterschiedlich verknüpften politischen Debatten?
Nehmen wir die derzeit machtvoll geführte Debatte um die Legitimität des Antifaschismus, bzw. ‚der Antifa‘. Gehen wir kurz zurück in den sogenannten
Antifa-Sommer 2000. Zwei Wochen nach dem rassistischen und antisemitischen Rohrbomben-Anschlag in Düsseldorf findet das „antirassistische Grenzcamp“ in Forst (Brandenburg) statt. Die kollektiv gefühlte Notwendigkeit eines deutlichen, antifaschistisch-antirassistischen Signals (damals noch unweigerlich zusammen gedacht) führt zu einer bemerkenswert offensiven Aktion gegen den als ‚Menschenjäger‘ identifizierten Bundesgrenzschutz (BGS): Am helllichten Tag fährt ein Autokonvoi von Aktivist:innen zur BGS-Kaserne und nimmt diese außer Betrieb, um „ die Hetzjagd gegen Geflüchtete für ein paar Tage zu unterbinden“. Die Zufahrtsstraße zur Kaserne wird aufgehackt, und untegraben. Daneben verunmöglicht eine über zwei Meter hohe Barrikade aus Baumstämmen und Aushub jeglichen Verkehr der Einsatzfahrzeuge. Das Internet in der Kaserne fällt aus. Der Konvoi von Aktivist:innen fährt danach ungehindert wieder zurück zum Camp.
Noch bemerkenswerter ist: Der zu erwartende Überfall der Polizei auf das nur wenige Kilometer entfernte Camp während der nächsten Tage blieb aus! Eine Entscheidung des Landesinnenministeriums weist die Polizei an, nicht tätig zu werden. Diese Entscheidung war das Ergebnis einer politischen Abwägungen über die diskursiv geprägte gesellschaftliche Stimmung zur Legitimität antifaschistischen Handelns und die Frage wie verhält sich der Staat zu faschistischer Gewalt.
Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejerano wiederholte mehrfach: „Wer gegen Nazis kämpft kann sich auf den Staat nicht verlassen“. Und wer das Glück hatte, mit Esther live zu sprechen, weiß, dass das Zitat an dieser Stelle nicht endete…
Wenn ich diese Erkenntnis heute in der gleichen Selbstverständlichkeit hier im Interview propagiere, wollen mir die heutigen Weimers mit ihrem Kulturkampf im Hetzjagdmodus die Kultur-/ Wissenschaftsförderung entziehen. Trump stuft „die Antifa“ als Terrororganisation ein, der Roten Hilfe werden dadurch (wegen Unterstützung eben „dieser Antifa“) die Konten entzogen, Buchläden erhalten keine kulturpolitischen Förderpreis, weil der Verfassungsschutz sie als linksextremistisch einstuft. Antifaschismus wird in diesem breit angelegten Kulturkampf von rechts komplett diskreditiert.
Das ist politisch gewichtiges Streiten um die Bedeutung von Begriffen im Kontext gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.
Physik untersucht naturgesetzliche aber damit auch beobachterunabhängige Prozesse. Im Dusiburger Institut analysiert Ihr hingegen sozial konstruierte Wahrheit. Dort sind Bedeutung, Kontext und Perspektive zentral. Wie bist Du als theoretischer Physiker zu dieser Auseinandersetzung mit Sprache gekommen?
Also die Beobachterunabhängigkeit hat uns die klassische Mechanik als Wahrheit verkauft, entspricht aber mit dem Verständnis der Quantenmechanik nicht mehr der Wirklichkeit. Wir sehen also Wahrheit ist konstruiert und versucht allenfalls der Wirklichkeit nahe zu kommen. Unser Job ist es, die machtvollen Konstruktionen von Wahrheit zu dekonstruieren, also herrschafts- und wissenschaftskritisch herauszuarbeiten, wer welches Motiv hat, eine bestimmte Erzählung als Wahrheit zu verkaufen. Und dabei gibt es echte Probleme, denn viele nutzen die Kompliziertheit sozial konstruierter Wahrheiten für den Kurzschluss – dann gibt es halt keine Wahrheit, sondern „Alles sind gleichwertige Meinungsäußerungen, abhängig von Standpunkt und Blickwinkel der Betrachter:in.“
Dieser Perspektivismus, also das gleichwertige Nebeneinander von irgendwelchen Erzählungen, befördert leider die von den Rechten angestrebte Zersetzung öffentlicher Debatte. Steve Bannon hatte als ultrarechter Berater von Trump in dessen erster Amtszeit den klassischen Medien mit genau dieser Taktik den Kampf angesagt. Das „mediale Feld mit Scheiße fluten“ also soviel Bullshit zu produzieren (Erzählungen, bei denen egal ist, ob sie wahr oder unwahr sind), dass niemand mehr in der Lage ist, wahr von unwahr zu unterscheiden. Dieses bullshitting ist in der politischen Debatte wirkmächtiger als die klassische Lüge, die ja zumindest die Unterscheidbarkeit von wahr und unwahr respektiert um sich selbst zur neuen ‚Wahrheit‘ zu erklären.
Wenn aus Ermüdung einer solchen Bullshit-Flut im Internet niemand mehr den Anspruch hat, Wahrheiten von Fake zu unterscheiden, dann erzeugt das maximale Verunsicherung und soziale Fragmentierung – jede glaubt an etwas anderes, hat also ihre eigene Wahrheit, die nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben muss. Eine gemeinsame Diskussion darüber, z.B. wie wir dem Klimawandel begegnen, wird unmöglich. Die „Klimaleugner:innen“ haben leichtes Spiel.
Und jetzt kommen die neuen KI-Technolgien ins Spiel. Die Sprachmodelle à la ChatGPT sind waschechte Bullshitgeneratoren, da sie keine Idee von wahr oder falsch haben – sie würfeln Worte statistisch nach Häufigkeiten in den Trainigsdaten und ohne zu verstehen. Sie produzieren unausweichlich Bullshit. Da diese Sprachmodelle mittlerweile die Rolle der klassischen, wissensbasierten Internetsuche einnehmen, erleben wir eine wachsende Produktion von Bullshit, der in die ‚sozialen‘ Medien gespült und dort sogar rechtslastig verstärkt wird und wieder als Trainingsdaten für die nächste Generation der Sprachmodelle genutzt wird.
Die Wahrheitsproduktion wird beliebig und entfernt sich zunehmend von der Wirklichkeit. Gesellschaftlicher Zusammenhalt über geteilte Ideen und Werte zerbröselt. Politische Öffentlichkeit geht in diesem Perspektivismus kaputt. Die Verunsicherung befördert den Einfluss rechter Diskurse.
Daher kommen wir nicht umhin, weiter diskursiv um Wahrheit zu kämpfen, das Bullshitting und damit KI-Sprachmodelle zu bekämpfen.
Anlass unseres Gesprächs sind die massiven medialen Angriffe aus dem rechten politischen Spektrum, nachdem Du hast Anfang Januar in Basel einen Vortrag gehalten hast. Was war der zentrale Inhalt deines Vortrags?
Die autoritären bis faschistoiden politischen Ambitionen der Big Tech Industrie seit der zweiten Amtszeit von Trump.
NIUS tut so als hätte sich hier auf einem konspirativen Treffen eine verschwörerische Gemeinde von Militanten getroffen, die Anschläge plant. Das ist natürlich ganz schön verrückt, denn das war eine offene Veranstaltung.
Da kann man natürlich behaupten, da wurde offen zur Sabotage aufgerufen. Und das ist auch richtig, aber ich rufe in Basel und anderswo zur Sabotage von faschistoiden Zukunftsideologien auf, die aus einer gefährlichen Allianz von BigTech und MAGA-Bewegung resultieren. Damit muss nicht das in Flammen stehende Rechenzentrum gemeint sein, sondern genauso gut eine gesellschaftlich breite Bewegung, die den Tech-Konzernen die Datengefolgschaft verweigert und die transhumanen Gesellschaftsentwürfe politisch angreift – also als technokratisch totalitär entlarvt und ins Abseits stellt. Genau das ist übrigens der Ansatz, der vom 10.-12. April in Berlin stattfindenden Bewegungskonferenz „Cables of Resistance“.
Nochmal (zur unzulässigen Vereindeutigung begrifflicher Unschärfe): Wenn mir auf dem Elternabend eine Lehrerin erzählt, mein Sohn sabotiere den Unterricht, dann meint sie in aller Regel nicht den Brandsatz unter dem Lehrer:innen-Pult.
Hier auf einen etwaigen Aufruf zur Sabotage abzuzielen, ist eine machtvolle Engführung von Sprachgebrauch in binären Diskursen zum Zwecke der Diskreditierung.
Lass und noch ein bisschen bei Deinem Vortrag bleiben: wie hängen Männlichkeit, Antifeminismus und rechte Strömungen Deiner Ansicht nach zusammen?
In den USA wirkt ein massiver Antifeminismus quasi als Bindemittel einer wirklich total heterogenen (fast schon widersprüchlichen) ultrarechten MAGA-Bewegung. Da sind Elon Musk, führende Neonazis und sogenannte tradwives (Frauen, die dem stereotypen Rollenbild der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nacheifern) zusammen vereint in einem wirkmächtigen Teil von MAGA, der Pronatalismus-Bewegung. Das ist so etwas wie die Lebensschützer:innen in Deutschland nur um Größenordnungen bedeutsamer. Sie kämpfen für die Erhöhung der westlichen Geburtenrate. Wie geht das zusammen? Elon Musk arbeitet an künstlichen Gebärmüttern, um mit massiv paralleler Invitro-Fertilisation gewünschte genetische Eigenschaften einiger Menschen zu ermöglichen. Das ist der feuchte Traum eines jeden Technokraten (männliche Form): gezielte Reproduktion ohne die lästige Notwendigkeit der Frau. Das ist nichts, was eine tradwive politisch wollen könnte. Und mit Waffengewalt-bereiten Neonazis möchte sie auch nicht in einen Topf gerührt werden.
Aber die Bewegung hält (noch). Der patriarchale Entwurf einer dominanten Männlichkeit, die Queerfeindlichkeit und der Antifeminismus als Bewegungskitt bewahren sie vor dem Auseinanderdriften. Hier kann (queer-)feministische und antifaschistische Arbeit wirksam ansetzen.
In welchem Verhältnis stehen die gesellschaftliche Krisenlage und rechte Narrative?
Die aktuelle Multikrise (Kriege, ökonomische Krise, sich zuspitzende ökologische Krise, unaufgearbeitete Pandemie) führt zu einer gesellschaftlichen Stagnation, in der die Verunsicherung zunimmt. Solch eine Krisenverunsicherung verändert tatsächlich das soziale Verhalten. Insbesondere nimmt der Selbsteinschluss zu. Mensch stellt seine Ideen und Meinungen nicht mehr selbstbewusst einer breiten Öffentlichkeit vor, sondern bevorzugt die Debatte widerspruchsarm in sogenannten Echokammern unter vermeintlich Gleichgesinnten in zunehmend geschlossenen Diskssionsräumen. Diese Tendenz lässt sich am ‚social‘ media Verhalten signifikant nachweisen. Eine derartige Fragmentierung von Debattenräumen begünstigt die zu Anfang bereits diskutierte Zersetzung von Wahrheit. Denn ein beliebig absurd herbeigeführter Konsens in der Meinungseinfalt einer selektiv-homogenen Echokammer ist noch lange keine Wahrheit. Die in der Regel vereinfachenden rechten Verschwörungserzählungen und Zukunftsvisionen haben leichtes Spiel.
Das Erstarken ziemlich verrückter rechter Zukunftserzählungen rund um den Transhumanismus erinnert an den italienischen Futurismus vor 100 Jahren. Ein verklärender Rückgriff auf Vergangenes bei gleichzeitiger Überhöhung der Großartigkeit einer technologisch kompromisslosen Vision des Zukünftigen – eine avantgardistische Kunstbewegung prägte eine gesellschaftliche Strömung des beginnenden 20.Jahrhunderts. Der italienische Schriftsteller Filippo Marinetti feierte und forderte in seinem futuristischen Manifest 1909 die Gewaltförmigkeit des Rechts des Stärkeren, das Patriarchat und den ungebremsten technologischen Fortschritt. Demokratische Konventionen galt es zu brechen, wenn sie dem Diktat des Fortschritts im Wege standen. Mussolinis Faschismus profitierte von diesem sozialdarwinistischen Aufbruch der Gesellschaft und dem dadurch möglichen Schub für die Technokratie. Diesen Geist des Futurismus atmet ein Bündel von derzeit wirkmächtigen ‚Ideologien‘ der Tech-Branche rund um die Entwicklung einer vermeintlichen Superintelligenz.
Im Rahmen deiner Arbeit interpretieren Du und andere Akteur:innen dabei die großen Technologiekonzerne nicht primär als neutrale Wirtschaftsunternehmen, sondern Ihr verortet in diesen eine zentrale strukturelle Ursache ökologischer, sozialer und politischer Krisen. Ist hier eine Reform überhaupt möglich, sind die Big-Tech-Konzerne überhaupt refomierbar, oder bedarf es weiterführender Strategien?
Das capulcu-Kollektiv verwendet dazu das Analysekonzept des technologischen Angriffs: Technologie ist nicht neutral, war es nie und wird es auch nie sein.
Der reine Werkzeugcharakter erzählt zu wenig über die Machtverhältnisse und die techno-sozialen Implikationen von Technologie. Ein Beispiel: Das sozialistische AKW bleibt scheiße und ist nicht auf einmal gut, nur weil es nicht mehr kapitalistisch betrieben wird.
Wir nehmen insbesondere die Konsequenzen von technologischer Entwicklung auf das Soziale in den Blick. Nehmen wir das Beispiel KI: Künstliche Intelligenz verstärkt programmatisch gesellschaftliche Ungleichheit. Die in Trainingsdaten angelegten gesellschaftlichen Muster werden nicht nur reproduziert sondern amplifiziert – also verstärkt und das ist kein Fehler in der Umsetzung, sondern das Funktionsprinzip von KI.
KI-Rechenzentren hinterlassen zudem eine breite Spur der Verwüstung: Sie verschwenden Energie und Wasser, betreiben neokolonialen Raubbau seltener Erden und Metalle und entsorgen ihren giftigen Elektroschrott außerhalb der kapitalistischen Zentren.
Beides werten wir als einen technologischer Angriff auf unsere ökologischen, materiellen und sozialen Lebensgrundlagen, den es im Detail zu verstehen gilt, um ihn wirkungsvoll zu sabotieren können. Da ist sie schon wieder, die Sabotage und meint hier die gesellschaftliche Zersetzungswirkung des technologischen Angriffs zu unterlaufen.
Ich zitier hier mal aus dem lesenswerten Manifest der Anti-BigTech-Bewegungs-Konferenz 10.-12. April in Berlin:
„Wir wollen Big-Tech verweigern, hacken, herunterfahren, zerschlagen, vergesellschaften und umbauen. Manche digitale Technologien müssen wir dabei tatsächlich abschaffen – sie stehen in einem unlösbaren Widerspruch zu dem, was es aufzubauen gilt: eine radikaldemokratische, sozial- und klimagerechte Gesellschaft.“
Aber zurück nach Basel, zu Deinem Vortrag. Im Anschluss an diesen wurde seitens verschiedener Medien behauptet, du hättest zu Gewalt aufgerufen oder angeblich linksextreme Positionen verteidigt. Wenig überraschend brachte sich auch die AfD im Bundestag in die Kampagne ein.
Sich selbst zu beobachten ist gar nicht so einfach, manche würden sagen: es ist unmöglich. Trotzdem, lass es uns versuchen, gerade weil Du dich so intensiv mit Sprache und Macht auseinandersetzt. Du untersuchst, wie Sprache unsere Sicht auf die Welt prägt, und deshalb interessiert mich, wie hast du diese medialen Angriffe auf Deine Person, und Dein Umfeld, wahrgenommen?
Es geht um offene Einschüchterung zusätzlich zur Diskreditierung deiner Person. Nach einem Angriff der NIUS-Presse lassen Morddrohungen nicht lange auf sich warten – ob sie direkt mitorchestriert werden, wissen wir nicht.
Das schließt natürlich nahtlos an den breiten Kulturkampf von Rechts an. Die Personalisierung soll den ansonsten inhaltlich sehr dünnen Bullshit wirksam werden lassen. Die übliche Funktionsweise der ‚Schlammpresse‘ geht wie folgt: Möglichst viel belanglosen ‚Dreck‘ von rechten Influencer:innen hochspülen und für die bürgerliche Presse verwertbar machen.
In meinem Fall gab es als Initialzündung eine Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit der WELT. Diese hat ihre tendenziösen ‚Erkenntnisse‘ an NIUS runtergereicht. Der über den dort aufbereiteten Schlamm konnte mit Unterstützung der AfD genügend politischen Druck aufbauen. Jetzt sah sich sogar der SPIEGEL genötigt, die Erzählung der WELT zu reproduzieren und eine bemerkenswerte Darstellung von Zusammenhängen zu wagen, ohne jegliche Konjunktive. Die politische Haltung der SPIEGEL-Redaktion ist bemerkenswert. Hier lediglich fehlende journalistische Sorgfalt zu bemängeln, unterschätzt das Problem bei weitem.
Wie haben deine Freund:innen und Kolleg:innen reagiert, hast du Solidarität erfahren?
Yes – massive Solidarität und die war sauwichtig!
– Wenn Dir das Antifa-Kneipenkollektiv aus deinem Viertel unter die Arme greift, damit Dein Wohnzusammenhang etwaigen Fascho-Besuch abwehren kann.
– Wenn die anderen Lehrbeauftragten deiner Hochschule zu Deinem Vortrag kommen und dir volle politische Unterstützung (auch bei hartem Gegenwind des Ministeriums) zusichern.
– wenn die eine gute Freundin einen fetten Umschlag rüberschiebt mit den Worten: Du brauchst gute Anwält:innen und dir auch weitergehende konkrete Hilfe anbietet.
– Wenn Dir stabile Antifazusammenhänge von sich aus anbieten, auf den Vorträgen, die ich natürlich weiterhin mache, Schutz gegen etwaige Nazitrottel auch in entlegenen Städten zu machen, dann fühlt sich das nicht nur persönlich gut an, dann fühlst du dich in deiner politischen Arbeit ernst genommen und supportet.
– Wenn Dir eine Freundin, die in deinem Themenfeld eine enrstzunehmende politisch-wissenschaftliche Reputation hat, anbietet, genau jetzt mit dir zusammen zu publizieren, oder gemeinsam aufzutreten, um ein klares Zeichen gegen die Androhung von Isolation zu setzen, dann ist das fett solidarisch und das Gegenteil von Wegducken.
Zur Wahrheit gehört auch, dass es natürlich auch eingeschüchterte und zweifelnde Menschen in meinem Berufsumfeld gab und gibt.
Abschließend: Welche Botschaft möchtest du anderen linken Aktivist*innen und solidarischen Menschen mit auf den Weg geben, die ebenfalls Ziel medialer Angriffskampagnen werden könnten? Was braucht linker Diskurs heute, um sich durch solche Angriffe nicht einschüchtern zu lassen?
Erste Welle informationell aushungern / die Trolle nicht weiter füttern / innehalten und Gegenangriff vorbereiten und damit raus aus der Opferrolle.
Es ist nicht die Zeit des Wegduckens. Wir sind nicht nur honorige Wissenschaftler:innen, wir sind notwendigerweise auch Feminist:innen, Antifas, Technologiekritiker:innen und Hacktivist:innen. Es reicht nicht, das noch nicht Angegriffene zu konsolidieren und zu schützen.
Wir müssen die so agierende Schlammpresse politisch angreifen. Jede einzelne, die angegriffen wird, empfindet das als monströse Attacke und manche sehen sich danach in ihrer Arbeit ruiniert. Vereinzelt darauf zu reagieren bringt gar nichts.
Also kollektiv reagieren: Wer soll das denn sonst machen, wenn nicht wir als organisierte Linke, wir, die wir auf viel Bewegungserfahrung zurückgreifen können? Wir, die wir über unsere politische Arbeit in der Wissenschaft, in den Verlagen durch aus eine Scharnierfunktion in bürgerlichere Kreise haben.
Am 24.4. lädt die Kampagne „NeinzuNius“ zu einer größeren Veranstaltung nach Berlin-Kreuzberg ein. Hier soll sowohl die politische Wirkung der ‚Schlammpresse‘ analysiert werden, als auch der politisch streitbare Zusammenschluss unterschiedlicher ‚Opfer‘ von NIUS ermöglicht werden. Hier ist die Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Akteur:innen von Bedeutung, um auch die volle Breite einer aufzubauenden Gegenoffensive zu nutzen.
Eine solche antifaschistische Bewegung kann sich bei der (Selbst-)Organisierung allerdings NICHT auf die Infrastruktur ihrer BigTech-Gegner verlassen. Eine sich selbst engführende und sich ihrer vielfältigen Optionen beraubende Insta-X-TikTok-Antifa macht sich vorhersagbar angreifbar und nimmt ihren eigenen Widerstand nicht ernst. Der 'Debanking-Angriff' (Kündigung sämtlicher Vereinskonten bei der GLS-Bank) gegen politische Solidaritätsstrukturen wie die Rote Hilfe mit Verweis auf eine angebliche Unterstützung der von Trump als Terrororganisation eingestuften 'Antifa-Ost' hat uns in der autoritären / protofaschistischen Realität ankommen lassen. Warum sollten unsere social-media-Konten bei eben jenen ultrarachten Plattformbetreibern im zugespitzten Widerstandsmoment weiterhin nutzbar sein bzw. eine ernstzunehmende Reichweite zugestanden bekommen?
Wir benötigen eine feministische und antifaschistische Gegenoffensive auf der Höhe des technologischen Angriffs.
Massiver Einschüchterungsversuch nach Stromausfall in Berlin

25 März 2026
Pressemitteilung Rote Hilfe e.V. – 24.03.2026
Am Vormittag kam es in Berlin und an anderen Orten zu Razzien durch Hundertschaften der Polizei. Dabei waren vor allem anarchistisch geprägte Infoläden sowie mehrere Wohnungen betroffen. Neben dem Zerstören und Eindringen in politisch und privat genutzte Räume entwendete die Berliner Polizei Datenträger und machte penible Aufnahmen in Infoläden und einem linken Späti, wie der Kiosk in Berlin genannt wird.
Laut Durchsuchungsbeschlüssen sucht die Polizei nach vier namentlich genannten Personen, diese sind laut Tageschau im Alter von 28 bis 35 Jahren. Der Durchsuchungsbeschluss liegt bereits seit Dezember 2025 vor. Die Vorwürfe sind verfassungsfeindliche Sabotage (§88), gemeinschaftliche Sachbeschädigung (§304), Brandstiftung (§306) und das Ganze unter dem Deckmantel eines 129er Verfahrens. Es ist nach anwaltlichen Einschätzungen davon auszugehen, dass es sich hierbei um einen Anfangsverdacht handelt, den die so genannte „Ermittlungsgruppe Spannung“ des LKA Berlin ermittelt haben will. Dies erklärt auch warum gegen die vier Gesuchten kein Haftbefehl vorlag und stellt den Angriff in ein fragwürdiges Licht.
„Der massive Einsatz und gezielte Angriff auf linke Strukturen heute zeigt wie die seit Wochen aufgebaute Stimmungsmache gegen linken Aktivismus sich durch die Polizei entlädt,“ so Hartmut Brückner. „In diese Stimmung mischen sich Töne, die Anschluss an nationalsozialistischen Sprachgebrauch finden, wenn etwa der Sprecher der GdP-Berlin Benjamin Jendro heute in der BZ von einen „Linksextremismus als demokratiegefährdendes Krebsgeschwür, das sich durch unsere Gesellschaft frisst“ spricht.“
Nicht nur die erst jetzt vollstreckten Razzien zeugen davon, dass erhebliche Zweifel an der Darstellung und Bewertung des Geschehens gibt. Zumal dies zu einem Zeitpunkt geschieht, in dem die Verfahren gegen das Magazin Zündlumpen, dem in der Stellungnahme des GDP Sprechers eine zentrale Rolle zugeschrieben wird, auf der Kippe steht. Der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung ist dort schon vom Tisch.
Auch in anderen Zusammenhang ist der Sprecher der GDP schon mit fragwürdigen Äußerungen aufgefallen: in dem Versuch einen gewalttätigen Polizeieinsatz im Zugang zur Ostkurve am 17. Januar 2026 zu rechtfertigen, in denen er unter anderem die Integrität sowie die innerdemokratische Verfasstheit von Hertha BSC massiv angriff. Die Fanhilfe Hertha BSC sah den GdP-Berlin Sprecher der Falschaussage überführt.
Die Rote Hilfe steht an der Seite der Betroffenen der heutigen Razzien und verurteilt die Versuche eine ganze Szene zu kriminalisieren, während eine ausbeuterische, klimafeindliche und kriegstreiberische Politik mit allen Mitteln der Staatsgewalt durchgesetzt werden soll.
Was das eigentliche Ziel der Polizeiaktion zu sein scheint, tritt in einem anderen Absatz der Stellungnahme des GDP Sprechers zu Tage: „Dabei profitieren sie weiterhin von fehlenden rechtlichen Anpassungen wie der überfälligen Ausweitung der Quellen-TKÜ, IP-Mindestspeicherfristen oder Nutzung KI-basierter Technik“, und meint damit die Linken, und legt damit offen, worauf er hinaus will.
„Eine Gesellschaft, die über die Willkür der Staatsgewalt beherrscht werden soll und in der sich Überwachung und Kontrollsucht breit macht, sollte sich dringend fragen ob sie sich noch als demokratisch verstehen kann,“ so Brückner abschließend.
Rote Hilfe e.V. – 24.03.2026
-----------------------------------------------------------------------------------------
Über die Welle an Hausdurchsuchungen in Berlin und darüber hinaus
solidarity 26. März 2026 
Am Dienstag den 24.3.26 haben gleichzeitig an mehreren Orten in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und in Kyritz (Brandenburg) Hausdurchsuchungen stattgefunden. Zwischen 5.45 und 6 Uhr brachen Bullen in mehrere Wohnungen, wie auch in die anarchistische Bibliothek Kalabal!k in Kreuzberg, den Infoladen Scherer8 in Wedding und den „L5“ Späti in Neukölln ein. Die Bullen dursuchten auch Autos und Fahrräder.
In den Durchsuchungsgbeschlüssen wird die Gründung einer kriminellen Organisation vorgeworfen, die mindesten 4 Mitglieder haben und seit Anfang 2025 bestehen soll. Ziel der Vereinigung sei die Begehung „verfassungsfeindlicher Sabotage“ gewesen, konkret die Brandstiftung an einem Strommast am 9.9.25, was zu einem Stromausfall im Technologiepark Adlershof führte. Die Duchsuchungsbeschlüsse sind auf verschiedene Tage datiert, von Ende letzten Jahres bis hin zu letzter Woche. Durchsucht wurde bei den vier Beschuldigten, einigen Familienangehörigen und „Zeugen“. Warum diese vier Personen beschuldigt werden und was die Verbindung zwischen Ihnen sein soll, ist aus den Beschlüssen nicht ersichtlich.
Das Vorgehen war von mutwilliger Zerstörung geprägt. Eingangstüren, Schlösser und Fenster wurden zerstört. Die Bullen nahmen Kleidung, elektronische Geräte und Router mit, sowie alles Handgeschriebene, Broschüren und Bücher. Besonders interessiert waren sie an Veröffentlichungen mit den Themen: Öko, anti-tech, Antimilitarismus und Internationalismus. In fast allen Durchsuchungen kamen Datenträgerspürhunde zum Einsatz.
Außergewöhnlich für den berliner Kontext war, dass die Bullen Mobiltelephone, Computer und Festplatten von Familienangehörigen mittnahmen.
Nach den Durchsuchungen wurden die beschuldigten Personen auf die Gefangenensammelstelle gebracht, wo sie einer ED Behandlung unterzogen wurden und ihnen DNA Proben abgenommen wurden. Eine der Personen wurde von den Cops dabei gewürgt und brutal zusammengeschlagen, weil diese sich weigerte Fingerabdrücke abzugeben. Dann gab es eine Gegenüberstellung mit einem Spürhund in einer sehr dubiosen Verfahrenweise.
Seit 6 Uhr morgens waren auch Presseteams an vielen der durchsuchten Orten, um ihre großen Stories und eindrücklichen Fotos zu fabrizieren. Auch die faschistische Webseite „Nius“ wurde von der Polizei im Voraus benachrichtigt und filmte den Einbruch der Bullen ins Kalabal!k.
Journalist:innen veröffentlichten auch verschiedene Falschnachrichten und schrieben sie gegenseitig ab, so wurde behaubtet das Manuel, ein Anarchist aus München, der letztes Jahr für 7 Monate eingesperrt war, sei unter den Beschuldigten. Das ist Bullshit und zeigt wiedermal, wie wichtig es ist, dass wir es vermeiden Lügen und Gossip aus den Medien zu verbreiten.
Was gestern passierte macht klar, dass die Cops durch die Durchsuchung von möglichst vielen Orten, Druck aufbauen, soziale Beziehungen durchleuchten und Daten sammeln will. Der Chef der Polizei-„Gewerkschaft“ GdP hat dann auch in seinen Kommentaren an die Ursrpünge der heutigen deutschen Polizei angeknüpf, als er Goebbels paraphrasiered sagte: „Linksextreminsmus ist ein demokratiegefährdendes Krebsgeschwür, dass sich durch die Gesellschaft frisst (…)“.
Die Durchsuchungen waren ein harter Schlag für die Betroffenen und ihre Umfelder, aber dank der riesigen Solidarität die von so vielen geübt wurde, bleiben unsere Ideen unerschüttlich.
Solidarität zu üben, heißt den Kampf weiterzuführen!
Und wie immer gilt Anna und Arthur halten’s Maul
Long live Anarchy!
------------------------------------------------------------------------------------------------------
Jetzt schlägt der Staat zurück. Ein bisschen
zeit.de 25. März 2026 Presseartikel zeit.de

Am Dienstagvormittag zückt die Polizei also ihr „großes Besteck“, wie Einsatzführer sagen. 500 Beamtinnen und Beamte rücken zur Razzia aus, allein in Berlin fahren an 14 Adressen die Mannschaftswagen vor, in Mitte, in Neukölln, in Treptow-Köpenick, in Kreuzberg. Im Reichenberger Kiez liegt eines der Hauptziele, das Kalabal!k, nach eigenen Angaben eine „anarchistische Bibliothek“. Für die Ermittler: ein Nest mutmaßlicher Schwerkrimineller.
Zwischen Büchern und politischen Pamphleten, so lautet der Verdacht, sollen sich hier öfter die Mitglieder einer Gruppe von Linksextremisten getroffen und abgesprochen haben. Vier Personen im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren, zwei Frauen und zwei Männer. Am 9. September 2025 dann, das glauben die Ermittler zu wissen, waren sie es, die ein Feuer an zwei Strommasten in Berlin-Johannisthal legten, um die großen Unternehmen im nahen Technologiepark Adlershof zu treffen. Doch dabei blieb es nicht.
„Wir schlagen zurück“, kündigte der Bundesinnenminister an
Auch in 50.000 Privathaushalten gingen die Lichter aus, einige Wohnungen blieben zweieinhalb Tage lang dunkel. Der Schaden im Technologiepark soll sich auf 30 bis 70 Millionen Euro belaufen haben. Bald tauchte beim linken Szeneportal indymedia ein Bekennerschreiben auf, das sich wie folgt zusammenfassen lässt: Das kapitalistische System muss brennen, und wenn dabei Unbeteiligte zu Schaden kommen, ist das eben so.
Am 3. Januar folgte ein noch längerer Blackout, als eine Kabelbrücke im Südwesten Berlins brannte. Auch dahinter sollen Anarchisten gesteckt haben. Das Bundeskriminalamt setzte eine Belohnung von bis zu einer Million Euro für Hinweise aus. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) richtete danach eine Botschaft an die Linksextremisten: „Wir schlagen zurück.“
So soll auch die nun erfolgte Großrazzia verstanden werden. Mehrere mit den Ermittlungen vertraute Beamte sagten der ZEIT, man durchdringe die „enorm professionellen Netzwerke“ von gefährlichen Linksextremen, die sich nicht nur durch die Hauptstadt spannten, sondern quer durch die Republik. Auch in Hamburg, wo einer der Verdächtigen offenbar in die linke Szene fand, in Düsseldorf und in Brandenburg gab es am Dienstag Durchsuchungen.
Viele Spuren der Berliner Gruppe führen nach Bayern
Besonders viele Spuren führen demnach zu einer bereits berüchtigten anarchistischen Gruppe in Bayern, die das Magazin Zündlappen herausgab. Nach Recherchen der ZEIT wurde einer der Beschuldigten aus Berlin zuvor auch in Süddeutschland wegen politisch motivierter Brandanschläge beschuldigt, konnte aber bislang nicht belangt werden. Auch bei der nun erfolgten Großrazzia wurden keine Haftbefehle vollstreckt.
Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, Benjamin Jendro, hält es für sehr löblich, „was unser LKA da auf die Beine gestellt hat, um die heutigen Durchsuchungsbeschlüsse zu erwirken“. Gleichwohl bleibe es „unheimlich schwer“, Extremisten ihre mutmaßlichen Taten auch nachzuweisen. Kann es überhaupt gelingen?
Anarchisten benutzen Papierzettel und treffen sich im Wald
An der Fassade des Kalabal!k hängt ein Spruchband: „Der Görli bleibt auf“. Im Kampf für den Görlitzer Park steht praktisch die gesamte linke Szene solidarisch. Die Bibliothek wiederum ist offenbar ein Treffpunkt verschiedener Arten von Radikalen, besonders aber für sogenannte anarchistisch-primitivistische Gruppen, die jede staatliche Ordnung beseitigen wollen, damit die Menschen in einer Art Urzustand zusammenleben können.
Bereits im Herbst, nach dem ersten Blackout, begannen die Berliner Polizei und Generalstaatsanwaltschaft mit intensiven Ermittlungen. Einer der Durchsuchungsbeschlüsse stammt bereits aus dem Dezember. Auch der Bundesverfassungsschutz und sogar der Bundesnachrichtendienst sollen mit den Stromausfällen befasst sein, weil eine Beteiligung ausländischer Geheimdienste denkbar erschien.
Die Anarchisten machten aber offenbar wenig Fehler. Menschen aus dem Dunstkreis der Verdächtigen hätten schon damit gerechnet, dass sie observiert werden. Sie trafen sich scheinbar konspirativ „im Wald“, wie es in Berliner Polizeikreisen heißt, besprachen da aber gerade nichts Bemerkenswertes, sondern wollten wohl nur die Ermittler auf Trab halten.
Polizeigewerkschafter: „Bei Messengerdiensten sind wir meistens blind“
Zudem bemühten sich die mutmaßlichen Extremisten, kaum elektronische Spuren zu hinterlassen – da laufe „viel handschriftlich auf Papier“, manche Botschaften würden offenbar bald verbrannt. Und wenn sich die Anarchisten doch digitaler Hilfsmittel bedienten, so sagt es der Berliner Gewerkschafter Benjamin Jendro, fehlten die rechtlichen und technischen Mittel, um mitlesen zu können: „Bei Messengerdiensten sind wir meistens blind.“
Weil sich ihre Mitglieder genauso vorsichtig verhielten, scheiterten auch die Ermittler in Bayern an der Gruppe Zündlappen. Dort ereigneten sich seit 2019 rund 50 Brandanschläge auf die Infrastruktur. Bei dem mutmaßlichen Extremisten, der nun zu den Verdächtigen in dem Berliner Fall zählt, kam es bereits im April 2022 zu einer Hausdurchsuchung.
Aber die Indizien reichten nicht aus, um ihn auch vor Gericht zu bringen. Kürzlich wurde Anklage gegen einen anderen, 32 Jahre alten Beschuldigten erhoben, wegen drei mutmaßlicher Taten. Er hatte bereits bis Ende September in U-Haft gesessen, musste dann aber freigelassen werden. Zwischenzeitlich hielt er sich wohl ebenfalls in Berlin auf. Ob es diesmal zum Prozess kommt, ist noch offen.
Verteidiger legt Beschwerde gegen die Durchsuchung ein
Und die Mitglieder der sogenannten Vulkangruppe, die für den noch schwereren Blackout im Januar in Berlin verantwortlich gewesen sein soll, sind bislang offenbar nicht einmal identifiziert worden. Die Berliner Ermittler gehen davon aus, dass sich die Tätergruppen mindestens lose kennen. Aber sie wissen nicht, ob sie auch Know-how ausgetauscht haben könnten.
Ein Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft sagte, bei der Durchsuchung am Dienstag seien Handy, Laptops und andere Datenträger sichergestellt worden. Diese würden nun ausgewertet, auf mögliche Beweismittel durchsucht.
Der Verteidiger einer der vier Beschuldigten sagte der ZEIT, er zweifle allerdings an, dass alle rechtsstaatlichen Standards eingehalten worden seien. Er habe „aus fadenscheinigen Gründen“ erst nach Stunden mit seiner Mandantin sprechen dürfen.
Auf ihn wirke es so, als wollte der Staat nur Härte demonstrieren, um jeden Preis. Er habe bereits eine Beschwerde eingelegt.
Technologie gegen die Klimakrise? Geoengineering als Herrschaftstechnologie
von: capulcu

Die Konsequenzen des Klimawandels sind jetzt schon deutlich spürbar: Lebensfeindliche Hitze, Dürre, Waldbrände, Auftauen des Permafrost und der Gletscher, mehr und heftigere Winde, heftigerer Niederschlag, Überschwemmung von Landmassen, insbesondere Inseln, Aufheizen der Meere, Korallensterben und das Zusammenbrechen von Ökosystemen. Globale Meeresströmungen werden langsamer und auch der Jet-Stream in 10 km Höhe verliert an Kraft. Unerwartet ist dieses Verhalten nicht. Seit gut 200 Jahren wird der anthropogene Klimawandel erforscht; bereits 1965 wurde vor den Auswirkungen gewarnt, obwohl noch nicht alle Details vorkommen verstanden waren. Jetzt ist die Situation klarer, die Krise weniger abstrakt. Doch anstatt mit sozialer Revolution reagiert die Weltgemeinschaft auf die Klimakrise durch ein Aufrechterhalten des Status Quo. Besonders autoritäre, technokratische und solutionistische Bestrebungen finden Resonanz.
Technologie gegen die Klimakrise?
Geoengineering als Herrschaftstechnologie
Die Konsequenzen des Klimawandels sind jetzt schon deutlich spürbar: Lebensfeindliche Hitze, Dürre, Waldbrände, Auftauen des Permafrost und der Gletscher, mehr und heftigere Winde, heftigerer Niederschlag, Überschwemmung von Landmassen, insbesondere Inseln, Aufheizen der Meere, Korallensterben und das Zusammenbrechen von Ökosystemen. Globale Meeresströmungen werden langsamer und auch der Jet-Stream in 10 km Höhe verliert an Kraft. Unerwartet ist dieses Verhalten nicht. Seit gut 200 Jahren wird der anthropogene Klimawandel erforscht; bereits 1965 wurde vor den Auswirkungen gewarnt, obwohl noch nicht alle Details vorkommen verstanden waren. Jetzt ist die Situation klarer, die Krise weniger abstrakt. Doch anstatt mit sozialer Revolution reagiert die Weltgemeinschaft auf die Klimakrise durch ein Aufrechterhalten des Status Quo. Besonders autoritäre, technokratische und solutionistische Bestrebungen finden Resonanz.
Globaler Energieverbrauch
Seit der ersten industriellen Revolution sind Energiefragen wesentlich für Wachstum und haben bekanntermaßen auch zu enormen Energieausbeuten geführt. Gesteigerte Effizienz wurde dabei nie losgelöst von kapitalistischem Wachstum. Stattdessen tritt der Rebound-Effekt ein und der globale Energieverbrauch steigt kontinuierlich1. Aktuell liegt er bei etwa 180.000 TWh. In den letzten 50 Jahren hat er sich etwa verdoppelt. In den letzten Jahren wurden regenerative Energien vermehrt ausgebaut, das ist klar. Gleichzeitig stieg aber auch der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas. So bleiben regenerative Energien zusammen mit Atomkraft weit hinter fossilen Energiequellen zurück. Folglich steigen die CO2-Emissionen kontinuierlich und erreichen jährlich einen neuen Höchstwert. 2024 betrug die Konzentration von Kohlendioxid (CO2) etwa 425 ppm. Im Vergleich: 1850 waren es nur 280 ppm. Die Bandbreite der CO2-Konzentration, projiziert auf das Jahr 2100, reicht von einem optimistischen leichten Anstieg bis hin zu einer Verdoppelung, falls fossile Energieträger ungebremst weiter verfeuert werden.
Jene, die daraus Profit schlagen oder versunkenes Kapital in fossilen Energien haben (Raffinerien, Bohrinseln, Kohleminen, etc.), haben kein Interesse daran, fossile Energiequellen aufzugeben. Mehr noch: Wenn die Profit-Marge sinkt, ist die kapitalistische Konsequenz, mehr zu produzieren. Des Weiteren haben wir es mit globalen Märkten zu tun. Wenn in Deutschland beispielsweise weniger fossile Energien verbrannt werden, werden diese woanders verfügbar und dort verbrannt. Der Ausbau der erneuerbaren Energien bedeutet bisher lediglich, dass diese zu den bestehenden fossilen noch dazu kommen. Bemerkenswert ist auch, dass die Subventionen für fossile Energien immer weiter steigen. Laut IMF betragen die Subventionen weltweit mittlerweile 7 Billionen USD2. Regierungen und Reiche sind sich sehr sicher, dass es sich auch in Zukunft lohnen wird, in fossile Energie zu investieren. Die grünen Märkte kommen lediglich noch obendrauf, aber ersetzen nichts.
Dies zeigte sich auch offen auf den Weltklimakonferenzen der letzten Jahre. Die Notwendigkeit der Reduzierung von Treibhausgasen bleibt ein Streitpunkt ohne Beschluss und diverse Staaten nutzten die Gipfel, um Export/Import-Verträge von fossilen Energieträgern zu schließen. Eine Deckelung der Erderwärmung ist immer unwahrscheinlicher.
All das ist systemisch. Die Erderwärmung ist ein Nebenprodukt der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise. Entsprechend fallen die Bestrebungen aus, sie im Rahmen dieser zu bekämpfen.
Prognostizierter Temperaturanstieg und die Konsequenz
Jedes Jahr lesen wir erneut, dass das Vorjahr das Wärmste seit Beginn der Messungen gewesen sei. Mittlerweile verzeichnet das Erdklima im Durchschnitt eine Erwärmung von 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. In den 2010er Jahren wurden 1,5 Grad als kritischer Schwellenwert ermittelt, der nicht überschritten werden sollte. Das wurde 2015 auch in den Pariser Klimaabkommen als Ziel festgehalten. Das Einhalten dieses Ziels erweist sich mittlerweile als bloßes Wunschdenken.
Der Guardian hat im Mai 2024 unter den Klimawissenschaftler:innen des IPCC eine Umfrage durchgeführt3. 380 von 843 antworteten. Die Frage war: Wie hoch über das vorindustrielle Level wird die globale Temperatur im Durchschnitt bis 2100 steigen? Die Antworten sind ernüchternd: 77% erwarten einen Anstieg von mindestens 2,5 Grad Celsius. Fast die Hälfte erwartet mindestens eine Erwärmung von 3 Grad Celsius.
Diverse Kipppunkte (tipping points) treten bereits bei 1,5 bis 2 Grad Erwärmung sehr wahrscheinlich ein. Beispielsweise das Abschmelzen des Grönländischen und des Westantarktischen Eisschilds, der Kollaps der Strömung bei Grönland, das Auftauen des Permafrost in Nordamerika, das Korallensterben im Pazifik. Bei 2,0 bis 3.,7 Grad kommen noch das Absterben des Amazonas Regenwaldes, sowie das Abschmelzen extrapolarer Gletscher in Südamerika und der Gletscher in der Ost-Antarktis dazu. Wenn die Kipppunkte eintreten, sind diese Ökosysteme nicht mehr zu retten.
Das Zeitfenster für das 1,5 Grad-Ziel ist schon lange zu. Das Zeitfenster für 2 Grad ist quasi zu. Wenn alle Staaten ihre bisherigen Zugeständnisse einhalten würden, dann erwärmt sich das Klima auf 2,7 Grad. Das passiert aber nicht, und wenn wir so weiter machen wie jetzt, landen wir spätestens im Jahr 2070 bei einer Erwärmung von 3,5 Grad Celsius.3,5 Grad Erwärmung wird lebensgefährlich für mindestens 3,3 Milliarden Menschen. Halb Afrika, weite Teile Asiens, der ganze Mittlere Osten, aber auch Teile von Nordamerika, Indien und Brasilien werden wegen der Hitze unbewohnbar.
Das ist allen Regierungen bewusst und es ist nicht verwunderlich, dass die Staaten, die besonders viel CO2 emittieren, diejenigen sind, die nach innen und außen massiv hochrüsten. Doch ein gesellschaftliches Umdenken ist nicht erkennbar. Stattdessen soll die Klimakrise vermeintlich technologisch überwunden werden.
Technologie gegen die Klimakrise: Technologieversprechen, Technologiegläubigkeit und Technokratie
Zur „technologischen Überwindung“ der Klimakrise werden unterschiedliche Ansätze verfolgt:
- Ausbau von Atom- und regenerativen Energiequellen; grüner Wasserstoff und Elektrifizierung
- Wettermodifikation und Geoengineering, um Effekte abzumildern.
Um in Punkt 1 aufgeführte Aspekte soll es hier nicht gehen. Dazu wurde schon viel geschrieben. Wir wollen Punkt 2 (Wettermodifikation und Geoengineering) genauer betrachten.
Wettermodifikation: Der Kampf um Wasser
Probleme um Wasser spitzen sich mit zunehmender Klimakatastrophe zu und Wasserverlagerung von Land ins Meer ist noch drastischer wahrzunehmen. Jetzt ist die Situation schon vielerorts katastrophal: Verseuchung durch chemische Industrie, Wasserprivatisierung, Wasserknappheit wegen Dürre oder Staudämmen, etc.
Staudamm-Projekte wie der türkische Ilisu-Staudamm4 oder der indische Indus-Staudamm5 zeigen, dass der Zugang zu Wasser bzw. die Restriktion als Waffe eingesetzt werden kann, bzw., dass sich Konflikte wegen Wasserfragen zuspitzen können. Im ersten Fall gegen die kurdische und im zweiten Fall gegen die pakistanische Bevölkerung. Als Indien ankündigte, einen Staudamm im Indus auszubauen, hat Pakistan das entsprechend als Kriegserklärung begriffen, da es sich um die zentrale Wasserader Pakistans handelt.
Staudamm-Projekte sind gravierend, aber lokal relativ begrenzt. Anders verhält es sich beim Wettermachen, also der Manipulation der Wolkenbildung und ihres Verhaltens, welches seit den 1930er Jahren erforscht wird.
In den 1930er Jahren wurde die Theorie erörtert. Rasch folgten Experimente: Im Labor wurde Silberiodid und Trockeneis in Wolken aus gekühltem Wasserdampf gesprüht. Dieses erzeugte Schneeflocken. Damit wurde nachgewiesen, dass die Wassermoleküle an den eingebrachten Kondensationskeimen gefrieren und in Form von Schnee oder Regen zu Boden fallen können. Eine neue Technik, hygroskopisches Seeding genannt, verwendet Salzpartikel zur Tropfenbildung. Sie kommt vorwiegend in wärmeren Regionen oder im Sommer zum Einsatz. An dieser Methode forschen derzeit die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Indien verstärkt.
Ein recht bekanntes Projekt aus den Anfängen ist Stormfury (1962 – 83), bei dem das US-Militär Cloud-Seeding einsetzte, um Wirbelstürme (Huricane) zu schwächen. In den 60er und 70er Jahren wurden Cloud-Seeding-Techniken vom US-Militär im Vietnamkrieg eingesetzt (Operation Popeye)6. Mittlerweile sind „umweltverändernde Techniken“ als Waffen von den Vereinten Nationen verboten (ENMOD-Konvention).
Weltweit wird diese Technologie zivil eingesetzt, teilweise seit Jahrzehnten7. Brisantes Beispiel: Russland setzte 1986 nach der Kernschmelze in Tschernobyl diese Technik ein, um verstrahlte Wolken abregnen zu lassen, damit diese nicht Moskau erreichten. Weniger brisant sind die seit Jahren stattfindenden Wettermodifikationen zur Hagelabwehr oder Wasserversorgung. In Süddeutschland (z.B. in Rosenheim (Bayern) oder im Rems-Murr-Kreis (Baden-Würtemberg)) wird seit ca. 50 Jahren Hagelabwehr durch Flugzeuge betrieben. Auch in den USA betreiben mindestens neun Bundesstaaten Projekte zur Wettermodifikation, teilweise seit Jahrzehnten8: „Einige Flusseinzugsgebiete in der Sierra Nevada werden seit mehr als einem halben Jahrhundert jeden Winter geimpft.“ In den Bergen im Binnenland Kaliforniens versprühen Brenndüsen vom Boden aus Silberiodid in den Himmel. Die Partikel sollen den Schneefall anregen, eine wichtige Quelle für die Wasserkraft und die Wasserversorgung im Westen der USA. China hat derzeit mit Abstand das größte Wettermodifikationsprogramm weltweit9. Einzelne Provinzen sowie die Zentralregierung gaben zwischen 2014 und 2020 rund zwei Milliarden US-Dollar für Wettermodifikationen aus, rund 47000 Menschen arbeiten in dem Bereich. Den Behörden sollen dafür 44 Flugzeuge zur Verfügung stehen, zusätzlich gibt es auch 400 Düsen am Boden (vergleichbar mit jenen in der Sierra Nevada), sowie 7600 Raketenwerfer. Mittlerweile kommen auch mit Silberiodidbrennern ausgerüstete Drohnenschwärme zum Einsatz10. Durch den Klimawandel kommt es immer öfter zu Extremwetterereignissen. Immer häufiger setzen Staaten Wettermodifikationstechniken ein, um dem entgegenzuwirken. Weltweit gibt es große Bestrebungen, die Kapazitäten und Fähigkeiten auszubauen. Mindestens 39 Länder haben in jüngster Zeit Programme zur Wettermodifikation verfolgt. Die Luftwaffe der Philippinen verkündete bereits, Waldbrände mithilfe von Cloud Seeding zu bekämpfen11. Als Anfang März 2025 verheerende Regenfälle Jakarta überschwemmt hatten, ließ der indonesische Katastrophenschutz Wolken über dem Meer abregnen, um weitere Fluten zu verhindern12. In Indien versuchen Forscher, mit gezielten Regengüssen den Smog über der Hauptstadt Delhi wegzuwaschen13. Die nationale Wetterbehörde Chinas erklärte kürzlich, dass Wolkenimpfungen die Niederschläge in der für ihre Trockenheit bekannten Region Xinjiang gesteigert hätten14.
Selbstverständlich wird versucht, diese Technologie zu vermarkten. Manche Firmen machen entsprechend großen Versprechungen. So behauptet das kalifornische Start-up Rainmaker auf seiner Webseite, seine Technologie sei „die einzige sofortige, skalierbare Lösung, um reichlich Süßwasser zu erzeugen“. Man könne auch Stürme abschwächen und Nebel vertreiben. Ein Ziel der Firma ist es, mit Drohnen Wolken zu impfen. Kürzlich sammelte Rainmaker 25 Millionen US-Dollar von Investoren ein15, Gründer Augustus Doricko wurde vom neoreaktionären Milliardär und Trump-Anhänger Peter Thiel gefördert.
Geoengineering
Geoengineering ist eine Manifestation der technokratischen Ideologie, dass Menschheitsprobleme (wie der Klimawandel) durch Technologie gelöst werden können.
Geoengineering, auch Climate-Engineering genannt, ist eine breite Palette von Methoden und Technologien, die darauf abzielen, das Klimasystem gezielt zu verändern, um die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern.16 Es gibt nicht die eine Geoengineering-Technologie, sondern viele unterschiedliche Technologien mit unterschiedlichen Risiken, im Wesentlichen aufgeteilt in zwei Familien: Greenhouse Gas Removal, also das Entfernen von Treibhausgasen aus der Luft, und Solar Radiation Modification, also die Manipulation von Sonneneinstrahlung.
Die Technologien sind überwiegend Low-Tech. Trotzdem sind die Auswirkungen schwer kalkulierbar. Nichtsdestotrotz wird Geoengineering in den Szenarien der IPCC-Reports mittlerweile fest eingeplant. Das Argument ist, dass, selbst wenn jetzt starke Reduktionen von CO2-Emissionen einträten, diese nicht ausreichen würden, um die Auswirkungen der bisherigen Emissionen gering zu halten. Bereits 2018 waren es bei einem pessimistischen Szenario für das 1,5 Grad-Ziel eine CO2-Abscheidung und Speicherung von ca. 1200 Gigatonnen CO2 bis 2100. Wegen des geringen Wirkungsgrades müssen die Vorhaben entsprechend groß skaliert sein, um Effekte zu erzielen.
Das Thema ist nicht nur theoretisch, sondern wird auch praktisch erprobt. Die Website geoengineeringmonitor.orgversucht, Aktivitäten zu dokumentieren. Auf der Website sind ca. 2000 Projekte verzeichnet, die in den letzten 25 Jahren durchgeführt wurden (ca. 1000 Greenhouse Gas Removal, 33 Solar Radiation Modification, ca. 300 Weather Modification, ca. 600 other).
Geoengineering bietet das verlockende Versprechen einer Lösung für die Klimakatastrophe, die es der Menschheit ermöglichen würde, diese kapitalistische Produktions- und Lebensweise auf unbestimmte Zeit fortzusetzen. Das besonders Perfide daran ist, dass zwar anerkannt ist, dass diese Gesellschaft enormen Schäden anrichtet. Gleichzeitig wird aber genau dieser Tatbestand einfach als gegeben bzw. praktisch unveränderlich hingenommen. Beim IPCC werden etwa nur Maßnahmen in Betracht gezogen, die in der aktuellen marktliberalen Welt umsetzbar sind. Und auch wenn momentan manche Technologien zu teuer oder unzureichend erforscht sind, so nehmen die IPCC-berechneten Modelle an, dass die Technologien über die Zeit günstiger werden (Diskontierungsrate, discount rate). Dadurch werden Möglichkeit und Notwendigkeit zu handeln schon bei der Modellierung strukturell in die Zukunft verlegt.
Viel gravierender ist allerdings das Problem des Eingriffs in nicht-lineare globale Systeme und die trotz ihrer Modellierung bestehende Ungewissheit über die Auswirkungen eingesetzten Geoengeneerings. Trotz jahrzehntelanger Forschung und Modellierung gibt es noch immer ein großes Unverständnis, wie einige Systeme sich verhalten und globale Prozesse zusammenhängen. Viele menschliche Großprojekte haben weitreichende, dennoch lokale Auswirkungen, z.B. Stauseen. Bei Geoengineering werden dynamische und globale Prozesse beeinflusst. Das ist ein großer Unterschied.
Die Unterwerfung und Steuerung von natürlichen Prozessen ist nicht neu, sondern reicht mindestens 12000 Jahre zurück, als Menschen sesshaft wurden und anfingen, Viehzucht und Ackerbau zu betreiben. Dies war die Zeit, in der das Patriarchat entstand. Im Zeitalter der Aufklärung (etwa 1650 bis 1800) wurden mittelalterliche Naturvorstellungen (geprägt durch das ganzheitliche Naturverständnis der griechischen Philosophie) von neuzeitlichen abgelöst, die von Naturbeherrschung geprägt sind. Mit fortschreitender Industrialisierung wurden die Eingriffe in natürliche Prozesse, aber auch das Verständnis von ihnen immer größer. Unser Zeitalter geht einher mit massive Umweltzerstörung, Extraktivismus, Ausbeutung von Mensch und Natur mit dem Ziel die kapitalistische Produktions- und Lebensweise so lange wie möglich aufrecht zu halten und natürliche Grenzen zu überwinden. Geoengineering muss als technokratisches Instrument zum Beherrschen der Natur verstanden werden.
Um weniger Abstrakt über diese Technologien zu schreiben, wollen wir im Folgenden genauer auf diese eingehen.
Greenhouse Gas Removal
Greenhouse-Gas-Removal-Technologien sind Technologien, die darauf abzielen, Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen (und langfristig zu speichern). Der größte Teil der Verfahren konzentriert sich auf das Entfernen von Kohlendioxid (CO2), sogenanntes Carbon Dioxid Removal (CDR). Es gibt aber auch Verfahren zu anderen Treibhausgasen wie Methan. Im Gegensatz zur Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologie, die darauf abzielt, CO2-Emissionen an der Quelle abzuscheiden, zielen CDR-Technologien darauf ab, bereits in der Atmosphäre vorhandenes CO2 zu entfernen. Es gibt verschiedene Ansätze und Technologien. Sie sollen im Folgenden kurz diskutiert werden. Anschließend wollen wir kurz auf CCS, insbesondere Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung, eingehen.
Ozeanische Kohlenstoffsenken
Ozeane haben ca. 30% des bisher emittierten CO2 aufgenommen. CO2 reagiert mit Wasser und Carbonat (Salze) zu Hydrogenkarbonat. So wird Kohlenstoff gebunden. Die Aufnahme von Kohlenstoff im Wasser führt allerdings zu dessen Versauerung. Das ist schlecht für Ökosysteme und macht deutlich, dass das nur sehr begrenzt geht. Es gibt aber noch die Möglichkeit, durch Organismen Kohlenstoff im Meer zu speichern. Pflanzliches Meeresplankton bindet Kohlenstoff. Durch Organismen, die es fressen, sinkt so Kohlenstoff auf den Meeresboden, wo ein Teil im Sediment begraben wird.
Zu den ozeanische Kohlenstoffsenken gehören Maßnahmen wie Auftrieb erzeugen oder das Düngen von Ozeanen mit Nährstoffen, um das Wachstum von Phytoplankton zu fördern, das CO2 aus der Atmosphäre absorbiert. Es gibt jedoch kontroverse Diskussionen über die potenziellen Umweltauswirkungen solcher Maßnahmen.
Natural Upwelling
Die tieferen Schichten des Ozeans sind nährstoffreicher als die höheren. Große Tiere wie Wale spielten einmal eine bedeutende Rolle beim Transport von Nährstoffen. Sie brachten große Mengen nach oben und ließen sie oberflächennahen Organismen zukommen. Leider hat der Mensch Wale fast ausgerottet. Walpopulationen sind um 66-99% zurückgegangen. Mit einfacher Technik lassen sich aber Nährstoffe im Wasser hunderte von Meter nach oben pumpen. Um klimarelevante Effekte zu erreichen, würde man allerdings weltweit mehrere Millionen Pumpen benötigen. Auf ca. 50% der Meeresoberfläche müsste künstlich Auftrieb erzeugt werden.
Ocean Fertilization
Eisen gilt als Mikronährstoff für Plankton. Es wurde überlegt, dass die Zuführung von Eisen die Bioproduktion in den Meeren steigern könnte, um große Mengen Kohlenstoff zu speichern. Dieses wurde auch durch Experimente belegt, allerdings ist der Wirkungsgrad deutlich geringer als theoretisch angenommen. Es müsste also sehr viel Eisen zugeführt werden. Bei großskalierter Meeresdüngung im industriellen Maßstab besteht die Gefahr, dass sich toxische Algenblüten bilden und so Todeszonen für Lebewesen entstehen. Außerdem steigern Algen in den Oberflächen die Absorption des Sonnenlichts und damit die Erwärmung der Meere. Dadurch verringert sich die CO2-Löslichkeit und hat so einen der intendierten Wirkung entgegengesetzten Effekt.
Mineralisierung/Verwitterung
Eine weitere Idee ist, durch Gesteinspartikel Kohlenstoff zu binden. Bei der sogenannten Mineralisierung reagiert CO2 chemisch mit bestimmten Gesteinen oder Mineralien, um dauerhaft in Form von Karbonaten oder Bicarbonaten gebunden zu werden.
Die chemischen Grundlagen der verstärkten Mineralisierung sind gut bekannt und die Technologie zum Abbau, zur Zerkleinerung und zur Dispersion von Gestein ist breit verfügbar. Die Forschung zur verstärkten Mineralisierung als eine Form der Kohlenstoffentfernung befindet sich jedoch noch in einem vergleichsweise frühen Stadium.
Die Verbesserung oder Beschleunigung dieses Verwitterungsprozesses würde mit dem Abbau bestimmter Gesteinsarten wie Olivin oder Basalt beginnen. Ein prominenter Umsetzungsvorschlag sieht vor, diese Gesteine zu Pulver zu zermahlen und das Pulver auf den Boden zu streuen, wo es mit der Luft reagiert und Karbonatminerale bildet, die eine zuverlässige, langfristige Kohlenstoffspeicherung ermöglichen. Andere Vorschläge sehen vor, das pulverisierte Gestein dem Meerwasser oder Strömen von reinem CO2 aus Kraftwerken oder Anlagen zur direkten Abscheidung von Luft auszusetzen.
Eine verwandte Option, die Alkalisierung der Ozeane, sieht vor, dass alkalische Substanzen wie Kalk über den Ozean verteilt werden, wo sie CO2 absorbieren würden. Dies wird oft als eine Art der verstärkten Mineralisierung eingestuft mit dem Nebeneffekt, dass es der Versauerung der Ozeane direkt entgegenwirkt, indem es den pH-Wert des Meerwassers erhöht.
Bedenken an dieser Technologie gibt es vor allem im Zusammenhang mit dem Bergbau. Es sind große Mengen der bestimmten Gesteinsarten nötig, um signifikante Effekte zu erzielen (die Größenordnung ist etwa 6x die Masse des Matterhorns). Die meisten verstärkten Mineralisierungen erfordern umfangreichen Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen, was eine Reihe von lokalen Umwelt- und Gesundheitsbedenken aufwirft. Ein großes Problem besteht aber auch in der Boden- und Wasserkontamination, denn je nach Art des verwendeten Gesteins werden Schwermetalle aus pulverisiertem Gestein in den Boden oder das Wasser sickern.
Direkte Luftabscheidung (Direct Air Capture, DAC)
Um den Effekt der CO2-Reduktion direkt zu erzielen, kann das CO2 auch direkt aus der Luft gezogen werden. Das Funktionsprinzip ist simpel: CO2-haltige Luft wird durch Filter gesogen. Die Filter werden dann erhitzt, um das CO2 zu lösen. Mit Wasser wird das konzentrierte CO2 dann in Basaltgesteinsformationen gepumpt. Dort wird es innerhalb von zwei Jahren zu Stein.
Das Unternehmen Climeworks hat diese Technik entwickelt und ist damit relativ erfolgreich, wobei sehr fraglich ist, ob es entsprechend skaliert. Adaptionen dieser Technik gibt es einige. Denn das abgeschiedene CO2 kann dann gespeichert oder verwendet werden, Die Adaption des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ist bemerkenswert, da sie die Technik für die Synthetisierung von Kraftstoff aus der Luft genutzt wird.
Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung
Große Mengen CO2 können an Land gespeichert werden. Bäume, Böden, Feuchtgebiete sind insbesondere CO2-Senken. Allerdings sind große Landflächen kultiviert und nehmen entsprechend wenig CO2 auf. Feuchtgebiete wurden trockengelegt. Und seit Beginn der Zivilisation ist fast die Hälfte der Bäume verschwunden. In den Tropen werden derzeit jedes Jahr durch die Abholzung und Brandrodung 1,5 Gigatonnen Kohlenstoff frei. Der Regenwald im Amazonas gibt inzwischen mehr CO2 ab, als er aufnimmt. Große Wälder gehen durch Trockenheit und verstärkt auftretende Schädlinge ein. Das Aufforsten, Renaturieren und Vernässen von Mooren bindet viel CO2. Das fällt aber nicht unbedingt unter Geoengineering. Nur dann, wenn es unnatürlich ist. Also z.B. die Schaffung eines Waldes durch Bepflanzung, Bewässerung und Düngung an Stellen, wo sonst derzeit kein Wald wachsen würde, wie die künstliche Schaffung eines riesigen Waldes in der Sahara. Die meisten der landbasierten Geoengineering-Maßnahmen basieren auf Photosynthese von Kohlendioxid zu Kohlenstoff. Wegen des geringen Wirkungsgrads braucht es für spürbare Effekte eine extrem große Fläche. Des Weiteren handelt es sich um ziemlich unsichere CO2-Speicher: Einen Wald zu schaffen und am Leben zu halten ist nicht einfach. Projekte in Südafrika oder auch Chinas Grüne Mauer sind nach ein paar Jahren eingegangen.
Um die Zeit zu verkürzen, wurde sich Bio-Energy with Carbon Capture and Storage (kurz BECCS) überlegt. Dieser Ansatz kombiniert Bioenergieproduktion mit CCS. Während Pflanzen wachsen, binden sie CO2. Dann werden sie geerntet und industriell verarbeitet. In der Regel wird die Biomasse verbrannt, um Energie zu erzeugen, und das dabei entstehende CO2 wird abgeschieden und gespeichert. Je nach Verarbeitungsverfahren kann die Biomasse unterschiedlich sein, z.B. Pflanzenreste von Ernten, aber auch Bäume oder Ernten, die extra für Biomasse gepflanzt wurden. Meistens handelt es sich um schnell wachsende Monokulturen, um möglichst schnell CO2 zu binden. Um signifikante Mengen CO2 zu binden, braucht es wieder unglaublich große Flächen Land. Klar ist auch, wenn Agrarflächen anstatt für Lebensmittel für Bioenergiepflanzen verwendet werden, hat das Folgen für Ernährung und Nahrungsmittelpreise.
Kohlenstoffabscheidung ist in weiten Teilen ein Projekt der Ölindustrie, z.B., um CO2 in Bohrlöcher zu pumpen, um Öl zu fördern oder Brennstoffe zu produzieren. Hinter dem Begriff Enhanced Oil Recovery steckt das Verwenden von CCS (BECCS oder ähnlichen Verfahren), um Ölreserven anzuzapfen, die sonst schwerer zugänglich wären. Anstatt das CO2 unterirdisch zu lagern, wird das CO2 in Ölvorkommen gepumpt. So geben sich die Ölkonzerne einen grünen Anstrich und können noch länger Öl extrahieren.
Ausblick CDR
Diese CDR-Technologien werden als mögliche Instrumente zur Erzeugung negativer Emissionen angepriesen, bei denen mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt als freigesetzt wird. Viele CDR-Technologien sind oft noch in der Entwicklungsphase und mit Herausforderungen wie hohen Kosten, begrenzter Skalierbarkeit und potenziellen Umweltauswirkungen verbunden.
Ein grundsätzliches Problem des CDR ist ein Rückkopplungseffekt: Wenn sich weniger CO2 in der Luft befindet, dann entweicht mehr CO2 aus den Ozeanen. Es muss also noch viel mehr CO2 gebunden werden.
Grundpfeiler des Kapitalismus ist das in Wert setzen von Ressourcen, jetzt der Atmosphäre. Momentan sehen wir den unsinnigen Handel von Emissionszertifikaten. CO2-Emissionen werden einfach durch virtuelle Kohlenstoffsenken wie unrentable Wälder kompensiert. In einer Welt des Kohlenstoffhandels kann ein System zur Bindung von Kohlenstoff eine Geldmaschine sein. Das gilt insbesondere für Systeme, die das Potenzial haben, massiv ausgeweitet zu werden, wie es bei den Ozeanprojekten der Fall ist. Des Weiteren ist aus kapitalistischer Perspektive klar: Niemals die Ursache bekämpfen, wenn man eine Industrie schaffen kann, die die Symptome behandelt. CO2 ist dann kein Abfallprodukt, sondern eine Ressource. Geträumt wird von einem Markt für die Entsorgung wie bei der normalen Abfallwirtschaft. Unter dieser Perspektive sind auch die Vorhaben der Bundesregierung zu sehen, ein Transportnetz für CO2 zu bauen. Enhanced Oil Recovery oder die KIT-Adaption von Climeworks-Technik treibt CDR ad absurdum.
Ein Aspekt, der noch nicht zur Sprache kam, ist, wer eigentlich für die Kosten des Geoengineering aufkommen soll. Es ist zu bezweifeln, dass es die sein werden, die zur Zeit Profite mit fossilen Energieträgern machen. Viel wahrscheinlicher reiht sich Geoengineering ein in die Mechanismen, die gesellschaftlichen Reichtum von unten nach oben umverteilen.
Solar Radiation Modification
Treibhausgase bewirken, dass Sonnenstrahlen zurück auf die Erde reflektiert werden (Treibhauseffekt). Eine hohe Konzentration von Treibhausgasen bewirkt, dass sich die Erde aufheizt. Die zweiten Geoengineering-Familie umfasst eine Reihe von Technologien, die dem anthropogenen Klimawandel durch eine Verringerung der Sonneneinstrahlung in das Klimasystem der Erde entgegenwirken sollen. Indem sie die Albedo (Rückstrahlkraft) der Erde erhöhen, könnten sie die Energiemenge im Klimasystem begrenzen und so zu einer geringeren Erwärmung führen.
Die Debatten über SRM-Technologien sind vielfältig und kontrovers. Während die einen für die weitere Erforschung von SRM als potenzielle klimapolitische Strategie plädieren, warnen andere aufgrund der ungewissen und potenziell schädlichen Folgen eingehend vor ihrer Entwicklung.
In der wissenschaftlichen Literatur werden verschiedene Technologien als potenzielle SRM-Methoden behandelt, wobei die Stratospheric Aerosol Injection (SAI) und das Marine Cloud Brightening (MCB) zu den bekanntesten Optionen gehören. Einige Techniken sollen im Folgenden kurz diskutiert werden. Trotz ihrer bereits langen Erforschung und des dadurch hervorgehenden Potenzials werden sie jedoch auch stark kritisiert, u. a. im Hinblick auf ihre Wirksamkeit, die ökologischen Risiken und die geopolitischen Auswirkungen (dazu später mehr). Es bestehen Bedenken hinsichtlich der möglichen negativen Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit, die Verfügbarkeit von Wasser, die Ökosysteme und die demokratischen Entscheidungsprozesse.17
Spiegelung des Sonnenlichts im Weltall
Es wird angenommen, dass durch Aufhalten von ca. 1% des Sonnenlichts die klimaerwärmende Wirkung der Treibhausgasemissionen von 1000 Gigatonnen Kohlenstoff (bzw. 3700 Gigatonnen CO2) ausgeglichen werden könnte. Die Installation eines gigantischen Spiegels würde die Erde erheblich abkühlen. Um Gravitationskräfte auszugleichen, muss so ein Spiegel sinnvollerweise an dem Ort zwischen Sonne und Erde platziert werden, an dem Sonne und Erde die gleiche Anziehungskraft ausüben. Dieser Punkt (Lagrange) ist 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Die Fläche müsste 4,5 Millionen Quadratkilometer betragen. Die Kosten wären ca. 6% des Welt-Bruttosozialprodukts, was ungefähr den weltweiten Militärausgaben entspricht. Wenn die CO2-Konzentration ansteigt, muss der Spiegel entsprechend erweitert werden. So eine Konstruktion würde hunderttausende von Raketenstarts bedeuten mit entsprechenden Transportkosten und erheblichen Umweltbelastungen. Der Aufwand wäre enorm, die Lebensdauer der Spiegel begrenzt. Trotzdem gibt es entsprechende Projekte. Sie sind allerdings nicht besonders weit fortgeschritten.
Künstliche Schaffung von Eis
Weiße Flächen auf der Erde reflektieren das Sonnenlicht. Leider schrumpfen die Schnee- und Eisflächen signifikant. Es dauert nicht mehr lange, bis das Grönlandeisschild abgeschmolzen ist und auch die Arktis ist bald üblicherweise im September eisfrei (<1 Mio. Quadratkilometer, laut Klimamodellen zum ersten Mal zwischen 2030 und 2050). Selbstverständlich wird versucht es kapitalistisch zu nutzen, denn es ermöglicht kürzere Transportwege und den Abbau von Ressourcen. Es gibt aber auch Bestrebungen dem entgegenzuwirken.
Ein Ansatz besteht darin, Pumpen zu installieren, die Wasser auf das Eis befördern, damit dieses dicker wird. Natürlich braucht es extrem viele davon, und es braucht sie nicht überall, sondern nur dort, wo das Eis nicht dick genug ist und im Sommer komplett abschmelzen würde.
Das britisches Startup Real ice hat es prototypisch getestet. Die Vision ist es, Unterwasservehikel zu nutzen, die GPS-gesteuert an die richtige Stelle navigieren, dort durch das Eis brechen und Wasser an die Oberfläche befördern. Das Wasser gefriert dann zu Eis. So soll das Auftauen der Arktis aufgehalten werden.
Marine Cloud Brightening (MCB, Aufhellung von Meereswolken)
Durch Spiegelung des Sonnenlichts durch Wolken wird die Erde um ca. 5 Grad gekühlt. Des Weiteren haben Messungen ergeben, dass Schiffsabgase die Sonneneinstrahlung verringert haben. Das lag vor allem an dem Schwefelgehalt im Treibstoff. Schwefel auszustoßen ist nicht die beste Idee. Experimente versuchen aktuell, Wolken durch das Ausstoßen von Meersalz-Aerosolen von Schiffen aus zu vergrößern. Selbst wenn es gelingt, braucht es extrem viele Schiffe und noch ist unklar, ob das überhaupt skaliert und welche Nebeneffekte es haben wird. Damit die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass bestehende Wolken angereichert werden, ist es wahrscheinlich, dass diese Technik in Regionen angewendet wird, wo eh schon viel Wolkenbildung herrscht. Diese Regionen liegen westlich von Nord- und Südamerika und westlich von Afrika. Damit scheint das Vorhaben regional. Doch das ist nicht der Fall. Das Abzukühlen einer Region hat Auswirkungen aufdie gesamte Zirkulation der Atmosphäre.
Im März 2020 führten australische Wissenschaftler:innen das Erste einer Reihe von MCB-Experimenten im Freien durch. Das australische MCB-Experiment ist Teil des Reef Restoration and Adaptation Program, einer Initiative zur Rettung des Great Barrier Reef, das durch die steigenden Meerestemperaturen zunehmend von Bleiche bedroht ist.
Sulfur Airosol Injection (SAI)
Bei dem Vulkanausbruch des Mount Pinatubo 1991 wurden 10 Milliarden Tonnen Magma und 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid ausgestoßen. Die Konsequenz war, dass sich im Folgejahr die globale Durchschnittstemperatur um 0,5 Grad Celsius verringerte. Ähnliche Beobachtungen machte man bei vergleichbar starken Vulkanausbrüchen. Der Effekt kam dadurch zustande, dass Schwefeldioxid in die Stratosphäre gelangte, dem Teil der Atmosphäre, der primär für das Abhalten von UV-Strahlen verantwortlich ist und 90% des Ozons enthält.
Ungefähr den selben Effekt sollte man also bekommen, wenn Flugzeuge 20 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Stratosphäre transportieren. Das müsste dann jährlich wiederholt werden, sodass hunderte von Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Stratosphäre gelangen. Die Maßnahme ist vergleichsweise einfach umzusetzen und kostengünstig.
Von Vulkanausbrüchen kann man mögliche Konsequenzen ableiten: Mögliche Zerstörung von stratosphärischen Ozon, Auswirkungen auf Großwetterlagen, Rückgang von Niederschlag (ganze Kontinente neigen dazu, nach Vulkanerruptionen auszutrocknen) und saurer Regen, das die Erde erreichende Sonnenlicht wird diffuser (Veränderung der Produktivität von Land- und Ökosystemen, Pflanzenproduktivität wird gestört), Meeresmuster und Windströmungen können sich verschieben. Selbst kleine Änderungen im durchschnittlichen Strahlungsantriebs des globalen Klimasystems können zu großen regionalen klimatischen Veränderungen führen.
SAI wurde bereits 1974 vorgeschlagen. Viele Jahrzehnte wurde der Technik dann allerdings wenig Beachtung geschenkt. Seit 2006 findet es deutlich mehr Zuspruch.
Ausblick SRM
SRM-Technologien sind drastischer als CDR-Technologien und sind Symptom- anstatt Ursachenbehandlung. Das führt zu einem Lock-in: Man kann nicht einfach den Einsatz dieser Technologien, wenn sie erst einmal eingesetzt werden, abrupt beenden, denn Abschalteffekte können die Situation verschlimmern. Besonders gravierend ist der Abschalteffekt bei Sulfur Airosol Injection. Da sorgt das Abschalten dafür, dass die Temperatur sprunghaft massiv steigt, und zwar so sehr, dass sich Ökosysteme nicht schnell genug daran gewöhnen können und kollabieren. Durch die Diskussion zweier Funktionskurven Erderwärmung/Zeit wird es klarer: Die zugrundeliegende Kurve ist die einer schnell wachsenden Funktion, die das Szenario zeigt, dass die Menschheit ungebremst CO2 emittiert. Nehmen wir als Beispiel eine Exponentialfunktion. Durch den Einsatz von solarem Geoengineering können die Effekte signifikant gemildert werden, ohne die Symptome zu behandeln. Die Kurve verläuft dann in dem Zeitraum nicht mehr exponentiell, sondern beispielsweise linear. Das Problem ist ein Lock-in: denn wenn das solare Geoengineering dann eingestellt wird, dann steigt die Temperatur viel schneller auf den eigentlichen exponentiellen Wert. Das hätte gravierende Folgen für Ökosysteme und Lebewesen. Dass schnell passierende Änderungen gravierende Auswirkungen haben können, zeigt eine Studie18, die sich mit den globalen Auswirkungen des Terminationsschocks im Jahr 2020 auseinandersetzt. Ausgelöst wurde er aus Versehen durch eine Änderung der Treibstoffvorschriften von internationalen Schiffsverkehr, wodurch sich der Ausstoß von Schwefeldioxid schlagartig um etwa 80% reduzierte.
Bezüglich asymmetrischer Abkühlung ist noch anzumerken, dass, wenn sich die Nordhalbkugel abkühlt, sich das tropische Gegenband südlich verschiebt, was beispielsweise dazu führen kann, dass die Sahelzone austrocknet.
Einige Wissenschaftler:innen argumentieren, dass der Einsatz von SRM notwendig sei, um die Effekte abzumildern. Um das Ganze mehr zu legitimieren, werden optimistische Szenarien herangezogen, bei dem die Menschheit global aufhört, Treibhausgase zu emittieren und Geoengineering nur vorübergehend eingesetzt wird, um die Zeit über das Extreme zu mildern. Szenarien, in denen die Menschheit ungebremst CO2 emittiert, sind weitaus realistischer.
Bisher gibt es nur wenige ernsthafte Investitionen in diese Technik und auch keine großen Unternehmen, die sich ihnen widmen. Bemerkenswert ist allerdings, dass die US National Accademy of Sciences SRM als letzten Ausweg befürwortet. Und auch die britische Regierung hat kürzlich neue Finanzmittel für Wissenschaftler:innen angekündigt, die „outdoor“-Experimente zum solaren Geoengineering durchführen. 56,8 Mio. GBP werden über die Advanced Research and Invention Agency (ARIA) an Forscher:innen vergeben. Es gibt aber auch Startups, die es bereits vermarkten. Darunter das US-Startup Make Sunsets, welches bereits ca. 200 Wetterballons in die Stratosphäre hat steigen lassen, um so SAI zu betreiben. Auch das US-Israelische Startup Stardust Solutions betreibt schon SAI, allerdings mit einem proprietären und weniger verstandenen Aerosol-Partikel, und hat für die Umsetzung bereits 15 Million USD Risikokapital akquiriert.
Ist Geoengineering ein technologischer Angriff?
Der technologische Angriff19 ist gefasst als “schöpferische Zerstörung”, als Zerstörung und Reorganisation der gesamten Gesellschaft, als Zertrümmerung der alten Arbeits- und Lebensbereiche im umfassenden Sinne mit dem Ziel der Unterwerfung unter ein neues technologisches Regime. Ein Prozess unter Zuhilfenahme neuer Technologien mit der Eigenschaft, dass er die Geschwindigkeit, die soziale Temperatur oder die soziale Ungleichheit einer Gesellschaft erhöht. Der historische Ursprung der Technologie ist entscheidend.
Historische Beispiele solcher Angriffe gibt es einige.Das Fließband und die IT-Revolution wurden von Capulcu ausreichend analysiert. Das Aufstellen von Kirchturmuhren stellte auch einen solchen Angriff dar, da es die Geschwindigkeit einer Gesellschaft erhöhte mit der Absicht der sozialen Disziplinierung. Auch die Dampfmaschine in Bezug auf mechanische Webstühle war so ein Angriff. Es folgte die Eisenbahn, wobei die koloniale Erschließung unmittelbar mit Sozialstrukturen verbunden ist. Klar ist, nicht jede Technologie ist ein technologischer Angriff, wie beispielsweise der Buchdruck zeigt, der eher die Ungleichheit der Verschriftlichungsbedingungen milderte. Es stellt sich die Frage: Ist Geoengineering ein technologischer Angriff?
Klar ist, dass wir aktuell Zeug:innendessen werden, dass durch massives Ausstoßen von CO2 seit dem industriellen Zeitalter und der späteren Erkenntnis der Auswirkungen, die Klimakatastrophe als Konsequenz von den Herrschenden und weiten Teilen der Weltbevölkerung akzeptiert wurde. Der anthropogene Klimawandel oder ein weltweiter Kollaps von Ökosystemen und Gesellschaften war kein Ziel der Herrschenden, aber Ergebnis einer Externalisierung von Kosten in Zeit und Raum. Kosten, weil die kapitalistische Produktion Schäden verursacht, die „repariert“ werden müssen. Diese Reparaturkosten werden aber von anderen beglichen als denen, die von den Unterlassungen profitieren. Zeit, weil der Schaden (üblicherweise) erst mit jahrelanger Verzögerung eintritt. Und Raum, weil der Schaden nicht beim Verursacher auftritt, sondern sich in einer anderen Weltregion manifestiert. Der Globale Süden ist stärker betroffen als der Globale Norden. Man kann sogar sagen, dass die Arbeit derjenigen, die die Schäden beseitigen, Teil der Mehrwertproduktion ist, den sich das Kapital aneignet.
Einhergehend mit der Anpassung an die neuen klimatischen Bedingungen geht die Zertrümmerung der Lebensbereiche, wie sie aktuell bestehen. Doch sind die Kriterien eines technologischen Angriffs erfüllt? Ist es ein intendierter, unmittelbar auf das Soziale gerichteter Angriff mit dem Ziel, die Lebens- und Arbeitsverhältnisse disruptiv (schöpferisch destruktiv) neuzugestalten? In Bezug auf Wettermodifikation lässt sich die Frage teilweise beantworten. Das Wolkenimpfen ist militärtechnologischen Ursprungs und wurde vom US-Militär gegen den Vietcong eingesetzt. Dadurch bekommt es eine historisch andere Dimension als andere Geoengineering-Technologien. Des Weiteren müssen wir zwischen den unterschiedlichen Technologien des Geoengineering differenzieren, denn einige sind gefährlicher und disruptiver als andere. Insgesamt passt Geoengineering nicht richtig in das Schema des technologischen Angriffs.
Doch müssen wir begreifen, dass es sich bei Geoengineering um Herrschaftstechnologie handelt. Das bedeutet nicht, dass alle Wissenschaftler:innen, die an Geoengineering forschen, intendiert für die herrschaftlichen Verhältnisse agieren – die Motivation kann eine andere sein – aber durch inhärente Mechanismen des Kapitalismus und der Staatenkonkurrenz werden die erforschten und entwickelten Technologien zu Instrumenten der Mächtigen. Manchmal wird argumentiert, dass eine globale demokratische Gesellschaft gemeinsam über den Einsatz von Geoengineering entscheiden könnte oder sollte, um so die Auswirkungen zu mildern. Doch gibt es nicht die Weltgemeinschaft, die gemeinsam das Problem der Klimakrise lösen will. Solange Staaten existieren, wird die staatliche Konkurrenz dazu führen, dass nur jene gravierende Änderungen von den Staaten mit Macht vorgenommen werden, von denen sie sich Vorteile erhoffen. Aufgrund von Erwärmung und sich häufender Wetterextreme werden sich Staaten gezwungen fühlen, Geoengineering zu betreiben. Die Auswirkungen haben wir oben beschrieben. Vielen Staaten geht es jetzt darum, noch möglichst lange die eigene Position zu stärken. Noch ist sehr unklar, wie sich die Reorganisation der Lebensbereiche manifestiert. Wettermodifikation und Geoengineering zu betreiben ist wahrscheinlich ein wesentlicher Aspekt, um bestimmte Gebiete der Erde habitabel zu halten.
Ist Geoengineering ein hegemoniales Instrument?
Es scheint so, als gäbe es nur die Wahl zwischen zwei schlechten Alternativen: Entweder führt die aktuelle Klimapolitik in die Klimakatastrophe und zu Konflikten, oder Geoengineering wird betrieben ohne zu wissen, wie es weiter geht und welche Auswirkungen es hat. Das führt aber nicht zu weniger Konflikten. Es können erhebliche internationale Spannungen entstehen. Und es entstehen Fragen wie: Wer verfügt und entscheidet über das globale Thermostat? Wer hat die materiellen Mittel und kann die institutionellen Regelungen beeinflussen?Geopolitische Anspannungen und Konflikte können vor allem beim Verwenden von SRM-Technologien auftreten, weil diese grenzüberschreitend wirken. Verschiedene Staaten können unterschiedliche Temperaturen forcieren -- beispielsweisem um die eigene Ernte zu sichern -- wissend oder akzeptierend, dass damit anderswo eine Dürre produziert werden kann. SAI, Wolkenmodifikation und Eisendüngung der Ozeans haben die gravierendsten Auswirkungen. Der Nachweis von Verursachungsketten ist extrem schwer. Mittlerweile sind auch geopolitische Fragen des Counter-Geoengineering, also Techniken, um Geoengineering-Maßnahmen entgegenzuwirken, Gegenstand der Forschung.20Was passiert, wenn unterschiedliche Akteure unabgesprochen Geoengineering und Counter-Geoengineering einsetzen, ist völlig unklar.
Viele Jahre war Geoengineering vor allem ein wissenschaftliches Thema und es waren staatliche Akteure, die es finanziert haben. Doch viele Geoengineering-Technologien können von einzelnen finanzstarken Akteuren eingesetzt werden und in den letzten Jahren sind vermehrt privatwirtschaftliche Akteure aktiv. Während staatliche Akteure und Wissenschaftler:innen etwas vorsichtiger waren, erproben nichtstaatliche Akteure jetzt einfach.
Auch ärmere Staaten könnten in kurzer Zeit und zu geringen Kosten Geoengineering betreiben, weil sie die Folgen der Klimakrise zeitiger und drastischer erfahren und sie sich so eine Existenzsicherung erhoffen. Schon jetzt wird der Gedanke geäußert, Geoengineering als Druckmittel einzusetzen, also z.B. solares Geoengineering zu betreiben, wenn sie ihre Emissionsminderungsziele erreichen und andere Staaten dies nicht tun.21 Doch klar ist: Nicht alle Staaten sind gleich mächtig und können entsprechende Vorhaben im großen Maßstab umsetzen.
Die Klimakrise wird von vielen Staaten seit langem als große Gefahr für die künftige Sicherheitspolitik eingestuft. Mitte der 2000er Jahre begannen Geheimdienste, den Klimawandel und die nationalen Sicherheitsbedenken explizit zu verknüpfen. In den USA ist dieses in Teilen öffentlich nachvollziehbar22. 2007 veröffentlichte das Center for Naval Analyses (CNA) Military Advisory Board die „National Security and the Threat of Climate Change“. 2009 wurde das CIA Center on Climate Change and National Security gegründet. Die Folgen des Klimawandels bedrohen die eigenen Machtstellungen durch eine allgemeine gesellschaftliche und politische Destabilisierung. Die Folgen bieten aber auch neue Möglichkeiten, Einfluss und Macht in destabilisierten Gebieten zu erringen. Insbesondere Geoengineering bietet die Möglichkeit, Profit aus der Klimakrise zu schlagen und die eigene Machtposition zu stärken.
AusblickWiderstand
Widerstand gegen klimatische Zerstörung ist breit und weltweit wahrnehmbar. Auch der Widerstand gegen Geoengineering zeigt sich in unterschiedlichen Facetten. Ein Aspekt umfasst die Kritik von Klimawissenschaftlerinnen an Geoengineering. Insbesondere bei SRM gibt es große Bedenken. Auch von NGOs wird Kritik geübt. Öffentlicher Druck hat schon auch dazu geführt, SRM-Projekte zu verzögern oder abzusagen. Aber nicht nur gegen SRM-Projekte gibt es Widerstand: Die lokale Gemeinschaft um St. Ives Bay in Cornwall, Großbritannien, protestierte recht erfolgreich gegen Ocean-Alkalinity-Enhancement-Experimente von Planetary Technologies, und in der BRD haben sich Bürger:innen-Initiativen gegen CO2-Verklappung beispielsweise in der Altmark und Schleswig-Holstein gegründet. Die Beispiele sind allerdings gering. Das hat unterschiedliche Gründe. Externalisierung, Abstraktheit und schlicht die Tatsache, dass die meisten Geoengineering-Maßnahmen derzeit noch nicht im großen Stil eingesetzt werden. Für Widerstand gegen den Anbau von Bioenergiepflanzen in Monokultur gibt es viele Beispiele. In Guatemala und Mexiko z.B. gab es vor etwa 10 bis 15 Jahren viele Landbesetzungen und auch Angriffe auf Monokulturen, bei denen Bagger abgebrannt sind etc.23 Oft verzeichnet unter Landgrabbing und es geht um Bioethanol aus Zuckerrohr, Mais, Palmöl etc. Diese Pflanzen müssten für BECCS in klimarelevantem Maßstab in noch viel größerem Umfang angebaut werden als derzeit.
Ob eine breite Bewegung gegen Geoengineering entsteht, wird sich zeigen. Der starke Widerstand gegen Staudammprojekte belegt, dass existenzbedrohende Großprojekte sowohl lokal als auch international großes Mobilisierungpotential haben.
Startups sind ein möglicher Akteur, gegen den sich Widerstand gegen bestimmte Geoengineering-Vorhaben wirksam richten kann. Es gab schon erfolgreiche Proteste gegen einige Startups. Die Vorhaben kamen dann nicht über die Erprobungsphase hinaus und wurden entsprechend nicht umgesetzt.
Revolution und Kollaps
Unser Zeitalter geht einher mit massive Umweltzerstörung, Extraktivismus, Ausbeutung von Mensch und Natur mit dem Ziel, die kapitalistische Produktions- und Lebensweise so lange wie möglich aufrecht zu halten und natürliche Grenzen zu überwinden. Das gilt zum einen für planetare Grenzen. Es gilt zum anderen auch für die Überwindung des Menschen (Transhumansismus24). Bei der Umsetzung von Allmachtsphantasien ist man bereit, Risiko einzugehen und Real-Live-Experimente zu machen. Die Resultate zeigen sich später.
Geoengineering ist ein Festhalten am Status-Quo. Es geht aktuell in erster Linie um die Aufrechterhaltung des technokratischen Zustands der ökologischen Zerstörung. Geoengineering wird praktiziert, um Effekte abzumildern, die eigentlichen Ursachen aber nicht anzutastenund ohne absehbare Folgen. Allein deshalb ist es schon abzulehnen. Auch wenn es sich nicht um eine Basistechnologie handelt, die universell einsetzbar ist, hat sie das Potenzial, Instrument zu sein für die Unterwerfung unter ein neues technologisches Regime. Die Vision des Geoengineering ist die Subsumption klimatischer Prozesses unter die kapitalistische Verwertung. Es geht aber auch um die Etablierung neuer Machtstrukturen. Auf geostrategischer Ebene ist Geoengineering im höchsten Maße disruptiv.
Jetzt ist eine Fundamentaloposition angebracht. Vergleichbar ist das eventuell mit der Endlagerungsfrage der Anti-AKW-Bewegung. Es ist breiter Konsens, dass wir uns erst mit der Endlagerungsfrage auseinandersetzen, wenn es keine AKWs mehr gibt (erst abschalten, dann Fragen der Müllentsorgung klären). Jedes Zugeständnis für Geoengineering sorgt dafür, dass die Umsetzung der CO2-Reduktion noch unwahrscheinlicher ist.
Wenn wir aber als emanzipatorische Linke global daran scheitern, dass bei der Wurzel des Klimawandels etwas passiert, nämlich den Verbrauch fossiler Energie zu senken, warum glauben wir dann, dass wir erfolgreicher sein werden, wenn es darum geht, den Einsatz von Geoengineering auf sozial und ökologisch akzeptable Maßnahmen zu begrenzen? Warum sollten wir vermeintlich milde/natürliche Geoengineering-Maßnahmen erforschen/befürworten, wenn wir es nicht mal schaffen, die Abholzung der Regenwälder25 (als ein Beispiel für Umweltzerstörung mit krassen Folgen sozial und ökologisch) zu beenden?
Das mag zwar den realen Kräfteverhältnissen entsprechen, aber ist es nicht sinnvoller, daran zu arbeiten, diese Kräfteverhältnisse zu ändern, als an einer kleinen Auswahl an Symptomen herumzudoktern - und das auch noch mit völlig unklarem Ausgang? Es braucht keine technische, sondern eine soziale Revolution.
Damit würden wir immerhin die gesellschaftlichen Verhältnisse überwinden, allerdings ist das CO2 bereits in der Luft und braucht bei natürlichen Prozessen sehr lange für eine drastische Reduktion. Wie anfangs ausgeführt können jetzt schon diverse Kipppunkte von Ökosystemen eintreten. Und je nachdem, wie lange es dauert, bis sich die Verhältnisse ändern und in der Zwischenzeit die Emissionen weiter steigen wie bisher, dann sind wie eingangs eingeführt weite Teile der Welt unbewohnbar und 3,3 Milliarden Menschen auf der Flucht. Welches Verhältnis entwickeln wir als radikale Linke zu Geoengineering angesichts der Folgen des schon ausgestoßenen oder zu erwartenden CO2s?
Es ist eine unbeantwortete Frage, wie wir von einem kapitalistischen System mit unendlichem Wachstum zu einem System der Kreislaufwirtschaft und später zu einem System ohne Ausbeutung und Unterdrückung gelangen.
Endnoten:
1Ein paar Zahlen zur Entwicklung des fossilen bzw. allg. Verbrauchs:
https://ourworldindata.org/fossil-fuels
https://ourworldindata.org/energy-production-consumption
2https://www.imf.org/en/Blogs/Articles/2023/08/24/fossil-fuel-subsidies-surged-to-record-7-trillion
https://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.PETR.RT.ZS
https://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.NGAS.RT.ZS
3https://www.theguardian.com/environment/article/2024/may/08/world-scient...
4https://www.deutschlandfunk.de/der-ilisu-staudamm-in-der-tuerkei-antike-...
5https://www.dw.com/de/indien-pakistan-krieg-wasser-kaschmir-konflikt-chi...
6Seymour M. Hersh (3 July 1972). "Rainmaking Is Used As Weapon by U.S.; Cloud-Seeding in Indochina Is Said to Be Aimed at Hindering Troop Movements and Suppressing Antiaircraft Fire Rainmaking Used for Military Purposes by the U.S. in Indochina Since '63"
7Christoph von Eichhorn. Wettermodifikation: Wie Regierungen versuchen, die Wolken zu impfen. Süddeutsche Zeitung. 21. Mai 2025,
8Emily T. Yeh. 2025. Global geographies of weather modification in an era of climate change.” Annals of the American Association of Geographers. https://doi.org/10.1080/24694452.2025.2450200
9https://www.gov.cn/xinwen/site1/20150112/85091421054385123.pdf?sid_for_s...
10https://www.scmp.com/news/china/science/article/3308662/chinas-weather-m...
11https://www.pna.gov.ph/index.php/articles/1220686
12https://en.antaranews.com/news/347097/bnpb-uses-cloud-seeding-to-control...
13https://www.reuters.com/world/india/indian-scientists-hope-cloud-seeding...
14https://www.tagesanzeiger.ch/wetterexperiment-in-china-china-impft-wolke...
15https://labusinessjournal.com/technology/rainmaker-raises-a-25-million-s...
16Annette Schlemm: Climate Engineering. 2023
17https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/11850/publikat...
18Yuan, T., Song, H., Oreopoulos, L. et al. Abrupt reduction in shipping emission as an inadvertent geoengineering termination shock produces substantial radiative warming. Commun Earth Environ 5, 281 (2024). https://doi.org/10.1038
19Zur Geschichte vgl. IT, der technologische Angriff des 21. Jahrhunderts, in : Capulcu redaktionskollektiv, DISRUPT!, Münster 2017, S. 11; D. Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Band 2, Innovative Barbarei gegen soziale Revolution. Kapitalismus und Klassengewalt im 20. Jahrhundert, Berlin, Hamburg (AssoziationA) 2019.
20Dana Liebelson and Chris Mooney. Climate Intelligence Agency: The CIA is now funding research into manipulating the climate. July 17, 2013 https://slate.com/technology/2013/07/cia-funds-nas-study-into-geoenginee...
21Reynolds. Linking Solar Geoengineering and Emission Reductions: Strategically Resolving an International Climate Change Policy Dilemma. 2020
23z.b. im Polochic-Tal oder Peten.
24Max Schnetker. Transhumanistische Mythologie: Rechte Utopien einer technologischen Erlösung durch künstliche Intelligenz. Unrast Verlag. 2019
webadresse:







