Renaissance der Atomenergie für eine beschleunigte KI ?
Seit der Software-Konzern OpenAI im Winter 2022 mit der Veröffentlichung des „großen Sprachmodells“ ChatGPT den aktuellen Hype um die sogenannte künstliche Intelligenz (KI) auslöste, steigt bei den Tech-Giganten der Strombedarf stark an. So stark, dass unter anderen die Branchenriesen Microsoft und Google ihre noch 2020 selbstgesteckten CO2-Einsparziele auf unbestimmt nach hinten schieben.
Microsoft verkündete im Pandemiejahr 2020 selbstbewusst, dass das Unternehmen ab 2030 einen „negativen C02-Fußabdruck“ vorweisen werde – also mehr CO2 ‚ausgleichen‘ als emittieren werde. Ab 2050 wolle es gar „den gesamten Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen, den das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 1975 entweder direkt oder durch seinen Stromverbrauch emittiert hat.“ Wie wenig fundiert das Versprechen von Microsofts CEO Satya Nadella war, beweist sein Zusatz auf eben jener Konferenz: „Die Lösung des C02-Problems wird Technologien erfordern, die heute noch nicht existieren“. Microsoft macht dazu zumindest Andeutungen. Nadella verweist auf die Prototypen gigantischer CO2-Staubsauger der ETH Zürich, die leider selbst wiederum extrem viel Strom verbrauchen um CO2 aus der Umgebungsluft zu filtern und später unterirdisch zu lagern. Zum anderen setzen Microsoft, aber auch Google, Amazon, Meta und Oracle unverhohlen auf einen alten Dinosaurier – die vermeintlich saubere Atomenergie.
Schauen wir uns die (2024 veröffentlichten) Unternehmenszahlen für das Jahr 2023 an. Im Vergleich zum Jahr 2020 hat Microsoft 30% mehr CO2 ausgestoßen und 86% mehr Wasser verbraucht. 1 Bei Google sieht es nicht anders aus. Dessen Jahresbilanz weist 66% mehr CO2 und 70% mehr Wasser im gleichen Zeitraum aus.2 Der Energieverbrauch der US-Rechenzentren ist im Jahr 2023 auf insgesamt 176 Terawattstunden angestiegen. Er macht damit mittlerweile 4,4 Prozent des landesweiten Gesamtstromverbrauchs aus – Tendenz stark steigend: Der Finanzdienstleister Goldman Sachs prognostiziert, dass sich der CO2-Ausstoß der stromhungrigen IT-Branche aufgrund der vielen geplanten zusätzlichen Rechenzentren bis 2030 (verglichen mit 2023) nochmals verdoppeln wird.3
Das deckt sich mit Microsofts aktuellem Kurs: das Unternehmen teilt im Januar 2025 mit, 80 Mrd. US-Dollar in den Ausbau von KI-Rechenzentren weltweit zu stecken.4 Damit aber wird Microsoft seine Emissions-Ziele mit Ansage um mehr als „ums Ganze“ verfehlen. Das Ringen um die technologische Vorherrschaft bei den neuen KI-Sprachmodellen als Schlüsseltechnologie von geopolitischer Bedeutung verschiebt allein den Versuch zur Entschärfung der beschleunigten Klimakrise um mindestens ein weiteres Jahrzehnt nach hinten (und das ist bereits sehr konservativ geschätzt). Und das, obwohl die IT-Branche „immer effizientere“ Hardware für eben diese Rechenzentren und einen wachsenden Anteil regenerativer Energien zur Deckung ihrer Strombedarfe in Aussicht stellt. Das Festhalten an diesem erneut leeren Technologieversprechen ist strukturell – seit mehr als 250 Jahren laufen wir Esel der technokratischen Karotte hinterher.
Falsches Versprechen technokratischer Innovation
Der derzeitige „Sommer der künstlichen Intelligenz“ speist sich aus der Erzählung dass die großen Sprachmodelle à la ChatGPT als Allzweck-Werkzeug für Probleme sämtlicher Lebensbereiche herhalten werden. Obwohl diese Modelle als stochastischer Papagei echtes Verständnis nur imitieren, werden sie weite Teile kognitiver Arbeit automatisieren. Wir müssen von einer exzessiven Ökonomisierung dieser Technologie weit über dieses Jahrzehnt hinaus ausgehen.
Weder die Infrastruktur des Internet, noch die weiterhin exponentiell wachsende Datenhaltung in der vermeintlich abstrakten cloud und schon gar nicht die immer rechenintensiveren Modelle künstlicher Intelligenz sind entmaterialisiert. Im Gegenteil; ihr Ressourcenverbrauch (Strom, Wasser, Metalle, Salze und seltene Erden) wächst stetig und mit wachsender Geschwindigkeit.
Das Technologieversprechen, eine höhere Effizienz (immer leistungsfähigere und stromsparende Prozessoren) könne das Wachstum des Ressourcenverbrauchs im Zaum halten, bewahrheitet sich (wieder einmal) nicht. Die Nutzung der Technologie (hier die ‚Verdatung‘ der Gesellschaft) wächst schneller als die Effektivität ihrer Infrastruktur. Das galt bereits für die Dampfmaschine von James Watt 1769, die den Verbrennungsprozess effektivierte, aber damit erst für ihren massiv ausgeweiteten Einsatz sorgte. Mit dem Ergebnis, dass der absolute Ressourcenverbrauch dieses Wachstums exponentiell anstieg, statt konstant zu bleiben. Die Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch im Kapitalismus ist ein folgenschweres Fake-Versprechen. Die Konsequenz: eine fortgeführte und sogar ausgeweitete Ausbeutung von Rohstoffvorkommen und billiger Arbeitskräfte zu Lasten ärmerer Länder – und das nach Jahrhunderten kolonialer Geschichte. Das unbegrenzte Wachstum führt unausweichlich in eine beschleunigte Klimakatastrophe. Es gibt derzeit keinen ernstzunehmenden Hinweis darauf, dass die generative KI der großen Sprachmodelle bei der Lösung des Klimaproblems behilflich sein könnten. Im Gegenteil – das Klima braucht dringend einen erneuten KI-Winter.
Viel hilft viel? – Stargate
Es mehren sich bereits ernstzunehmende Anzeichen für einen kommenden KI-Winter. Die wissenschaftliche Weiterentwicklung der großen Sprachmodelle tritt in eine Phase der Stagnation. Der massive Führungswechsel beim ChatGPT-Betreiber OpenAI im September 2024 war vielleicht das erste offensichtliche Zeugnis einer Neuausrichtung: Training, Betrieb und Feinjustierung des Outputs von ChatGPT sollten statt täglich etwa 700.000 US-Dollar zu verschlingen, endlich Geld erwirtschaften. Ökonomisch verwertbare Anwendungen und Einbindungen z.B in die Produktpalette von Microsoft stehen nun im Fokus. Jetzt beginnt das Abschöpfen der ungeheuren Automatisierungsdividende dieser Technologie.
Ihre technologische Vorrangstellung versuchen die Unternehmen über die schiere Größe ihrer Modelle absichern zu wollen. Je größer das Modell, desto rechen- und trainingsdaten-intensiver wird es. So ist es zu erklären, dass Amazon 100 Mrd., Microsoft 80 Mrd., Google und Amazon je 75 Mrd. und Meta 65 Mrd. US-Dollar allein im laufenden Geschäftsjahr 2025 in neue Rechenzentren stecken wollen – vornehmlich um mehr Rechenkraft für ihre KI-Modelle zur Verfügung zu stellen. An diesem Überbietungswettbewerb des „viel hilft viel“ wollen sie festhalten trotz (oder gerade weil) dem chinesischen Sprachmodell DeepSeek im Januar 2025 ein Achtungserfolg mit deutlich geringerem Rechenaufwand gelungen ist.
Da erscheint die 500 Mrd. schwere Investition in den größten bisher geplanten Rechen-Komplex Stargate von OpenAI, Oracle, der japanischen Softbank und den Chip-Herstellern ARM und Nvidia (innerhalb der nächsten vier Jahre) gar nicht mehr so außergewöhnlich hoch. Im Gegenteil, wir werden uns an einen enormen Zuwachs von (immer größeren) KI-Rechnezentren gewöhnen – inklusive ihres exponentiell wachsenden Energie- und Ressourcenhungers. Welcome back to the year 1769.
Trumps vermeintlich geringfügiger Beitrag zum Projekt Stargate: Neben der Zusicherung, die KI-Regulierung der Biden-Administration per Dekret auszuhebeln (bereits unmittelbar nach Amtsantritt im Januar 2025 erfolgt), soll er genug Wasser und Strom für Stargate bereitstellen. Keine triviale Aufgabe, wie sich im Folgenden zeigt.
Microsoft, Google, Amazon, Meta und Oracle setzen auf Atomenergie
Wo steckt eigentlich Elon Musk bei diesem KI-Wettrüsten der Superlative? Musk wollte den größten KI-Rechner der Welt bauen. Und eine seiner unzähligen Firmen namens xAI baut auch weiterhin am sogenannten Colossus mit mittlerweile 200.000 Höchstleistungs-Prozessoren des Chipdesigners Nvidia. Zum Stromverbrauch macht Elon Musk keine Angaben – inklusive aller Speicher- und Netzwerkkomponenten sowie Kühlung dürfte dieser bei über 500 MW liegen. Den Strombedarf von Oracles neuesten KI-Rechenzentren beziffert Technikchef Lawrence Ellison mit je 800 MW bzw. gar 1 GW.5
Solche Rechenzentren übersteigen immer öfter die maximalen Lieferkapazitäten der Stromanbieter vor Ort. Daher hat sich Oracle die Genehmigung für den Bau von drei nuklearen Kleinkraftwerken, sogenannte SMR (Small Modular Reactors) gesichert.6 Sie sollen in sogenannten Microgrids betrieben werden, die nicht am öffentlichen Stromnetz hängen, sondern nur den Unternehmen als Energieversorgung dienen.
Oracle geht diesen Schritt obwohl ein Pilotprojekt in Idaho (USA) 2023 aus Kostengründen gescheitert war. Der SMR-Entwickler NuScale Power Corporation und der Energieversorger Utah Associated Municipal Power Systems hatten die Pläne für das erste Mini-AKW in den USA trotz Genehmigung begraben. Trotz Kostenbeteiligung durch das US-Energieministerium in Höhe von 1,3 Mrd US-Dollar musste der Kraftwerksbetreiber NuScale die Kosten pro MWh von zuvor 58 auf 89 Dollar je MWh korrigieren. Zu diesen Konditionen fanden sich schlicht zu wenig gesicherte Abnehmer des Stroms.7
Der World Nuclear Industry Status Report 2024 konstatiert: „Die SMR-Technik ist nichts Neues, aber bis heute ist sie bis auf einzelne historische Demonstrationskraftwerke trotzdem nicht im Einsatz. Aktuell laufende Prototypen gibt es bisher nur in China und Russland.“ und weiter: „Zwischen dem Hype um kleine modulare Reaktoren und der Realität klafft eine große Lücke.“8 Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaft bezeichnet die neuen modularen Reaktoren als „reine Powerpoint-Technologien“ – weder ausreichend erforscht noch in den nächsten zehn Jahren einsetzbar. „Man träumt scheinbar lieber von einer extrem teuren Fata Morgana“, so Kemfert, „statt die einsatzfähige, sichere und preiswertere Energiewende mit erneuerbaren Energien entschlossen umzusetzen.“9
Microsoft geht einen anderen Weg und hat einen 20 Jahre laufenden Stromliefervertrag mit Constellation Energy geschlossen. Der Versorger soll einen Block des bereits stillgelegten Atomkraftwerk Three Miles Island in Harrisburg (Pennsylvania) wieder ans Netz nehmen. Zur Erinnerung: Im Nachbarblock hatte sich 1979 mit einer Kernschmelze der größte atomare Unfall der US-Geschichte ereignet.
Ende November 2024 sagte Joe Kaeser, Aufsichtsratschef von Siemens Energy: „Es gibt kein einziges Atomkraftwerk auf dieser Welt, das sich ökonomisch rechnet.“ Und das obwohl Siemens Energy selbst Bauteile für Atomkraftwerke liefert. Tatsächlich wird Atomkraft überall „massiv von Regierungen subventioniert“.10
Aber Siemens Energy verdient auch an der temporären Ausweichstrategie der Tech-Oligarchen – den Gasturbinen. Bereits zwanzig große Turbinen hat sich Elon Musk nach Memphis (Tennessee) liefern lassen. Für eine eigene Stromversorgung per Erdgasverstromung direkt neben seinem KI-Supercomputer Colossus. Musk sagt, nur so könne sein Rechenzentrum so schnell expandieren wie er es wolle. Die Stromversorgung in den USA sei zu schwach und zu unflexibel. Auch OpenAI baut in Abilene (Texas) eine eigene Stromversorgung per Gasturbinen mit einer Leistung von 300 MW allein für ein KI-Rechenzentrum auf.11
Und in Deutschland?
Man könnte den rückwärtsgewandten Pragmatismus der KI-Branche hinsichtlich der Energiefrage als „Technologieoffenheit“ bezeichnen. Daher dürfte das in Deutschland zumindest bei AfD, CDU und FDP auf Gegenliebe stoßen. Der derzeitige politische Rechtsruck wird massive Konsequenzen auf die zukünftige Energiefrage haben. Das völlige Ausklammern der Klimafrage zugunsten der Dominanz einer menschenverachtend und nationalistisch geführten Migrationsdebatte im aktuellen Bundestags-Wahlkampf macht deutlich, dass sowohl der Kohle- und langfristig auch der Atomausstieg hierzulande keine politischen Konstanten sind.
Auf dem IT-Sektor schreibt aktuell Microsofts Investitionspaket mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro (Zukunfts-)Geschichte in Deutschland. Der Strombedarf der geplanten KI-Daten- und Rechenzentren von Microsoft in Bedburg und Bergheim (in der Nähe des Hambacher Forst zwischen Aachen und Köln) ist so hoch, dass RWE bereits angekündigt hat, nicht genug Strom liefern zu können. Dass sich Microsoft im unmittelbar benachbarten Belgien um Atomstrom (Verlängerung der Laufzeit des AKW Tihange 3 bis 2035) bemühen wird, ist eher unwahrscheinlich. Wir sollten eher davon ausgehen, dass die CDU in NRW für eine Verlängerung der Braunkohleverstromung plädieren wird, um den „Wirtschaftsstandort im Umbruch“ nicht zu gefährden. Na, und wer wird trotz „ökologischer Bedenken“ zustimmen? Richtig: die Grünen – vielleicht diesmal mit einer neuen, ‚zeitgemäßen‘ Begründung: „um den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht zu gefährden“ – das klingt doch wunderbar unideologisch und verantwortlich.
Anfang Februar 2025 besuchte Sam Altman (CEO des KI-Branchenführers OpenAI) die TU Berlin für eine Debatte um die Zukunft der KI auch in Deutschland. Kritische Nachfragen hinsichtlich der massiven ökologischen Zerstörung durch deren Ressourcenbedarf wurden mit dem nächsten, noch diffuseren Technologieversprechen abgespeist: Die KI werde helfen (völlig unklar, wie?) die Kernfusion hinzubekommen. Und die Kernfusion soll im Zirkelschluss helfen, die stromhungrige KI in den Griff zu bekommen – eine gleichermaßen machtvolle wie bescheuerte Wette auf die Zukunft. Die Anerkennung und Bekämpfung des ökologischen Problems wird von der mittlerweile ideologisch rechts-verwurzelten Tech-Oligarchie nicht nur ignorant vertagt sondern destruktiv zugespitzt.
1https://query.prod.cms.rt.microsoft.com/cms/api/am/binary/RW1lmju
2https://www.gstatic.com/gumdrop/sustainability/google-2024-environmental-report.pdf
3https://www.goldmansachs.com/intelligence/pages/AI-poised-to-drive-160-increase-in-power-demand.html
4https://blogs.microsoft.com/on-the-issues/2025/01/03/the-golden-opportunity-for-american-ai/
5https://seekingalpha.com/article/4720052-oracle-corporation-orcl-q1-2025-earnings-call-transcript
6https://www.datacenterdynamics.com/en/news/oracle-to-build-nuclear-smr-powered-gigawatt-data-center/
7https://www.heise.de/news/Atomkraft-Nuscale-beerdigt-SMR-Projekt-in-Idaho-9358472.html
8https://www.worldnuclearreport.org/World-Nuclear-Industry-Status-Report-2024
9https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/bundestagswahl-wahlprogramme-klima-energie-e488437/
10Financial Times: https://www.ft.com/content/6d371375-b7be-4228-a3d5-2ad74f91454a
11https://www.theinformation.com/articles/ai-power-demand-spurs-make-your-own-electricity-effort-for-data-centers

Kein Frieden mit der NATO! Gemeinsam an die Protesten gegen den NATO-Gipfel
Krieg dominiert den politischen Diskurs und die politischen Entscheidungen der Herrschenden. Aufrüstung und Militarisierung werden uns von ihnen als Garanten für Sicherheit und Frieden präsentiert.
Im Zeitalter der Bedrohung durch den Imperialismus des russischen Regimes müssten sich die westlichen Demokratien verteidigen können. Das sei alternativlos.
Märchenstunde
Wir fallen nicht auf ihre Märchenstunde herein. Wir wissen, dass Rekordbudgets für Waffen keine Sicherheit schaffen und erst recht keinen Frieden. Die Aufrüstung ist der Auftakt und die Voraussetzung für die weitere Eskalation des Konflikts. Um das neue Paradigma der Kriegstüchtigkeit durchsetzen zu können, mobilisieren die herrschenden politischen Klassen Ängste und Ressentiments in der Bevölkerung. Es scheint fast so, als würde sich Politik heutzutage weitestgehend auf diesen Modus beschränken. Wogegen kaum jemand Bedenken zu haben scheint: Mal wieder gibt es eine massive Aufrüstung in Deutschland. Wie gefährlich mag das deutsche Vaterland dieses Mal werden?
Weder Putin noch NATO
Putin ist ein reaktionärer Autokrat. Wir verachten ihn und unterstützen den Widerstand gegen sein Regime, wo es uns möglich ist. Aber auch wenn das russische Regime die Ukraine angegriffen hat, stehen wir damit nicht auf der Seite der NATO. Wir haben nicht vergessen: Die Regimechange-Strategien der NATO sind verantwortlich für unzählige Verbrechen, völkerrechtswidrige Angriffskriege, Millionen von Todesopfern, gestürzte Volksregierungen und die Machtergreifung autoritär-faschistischer Regime. Sie ist die größte Kriegsverbrecher-Organisation seit dem Zweiten Weltkrieg, vom Irak bis Guantanamo, von Chile bis nach Afghanistan. Wie man es auch dreht und wendet und bei allen unterschiedlichen politischen Perspektiven auf den Krieg um die Ukraine lässt sich eines sicher nicht über die NATO behaupten: dass sie deeskaliert hätte. Diese Organisation hat uns nichts zu bieten - keine Sicherheit, keine Freiheit, keine Solidarität. Ihr „Frieden“ ist nicht unser Frieden. Sie ist und bleibt ein Kriegsbündnis. Sie ist konstitutiver Teil des aufkommenden globalen Kriegsregimes.
„Gut“ gegen „Böse“
Der demokratische Westen müsse sich gegen den autoritären Osten verteidigen: Dieses Postulat ist ein Ablenkungsmanöver. Denn die Vertreter:innen der westlichen Demokratie sind die Melonis, Trumps, Orbáns, Erdoğans und dutzende weitere reaktionäre und rechte Regierungen, die Bürgerrechte abbauen, sich gegen Migrant:innen abschotten und mit Ordnungspolitik und Disziplinierung gegen die mühsam errungenen sozialen Rechte der arbeitenden und nicht-arbeitenden Bevölkerung vorgehen. Wer glaubt, die Konfliktlinie zwischen West und Ost ziehen zu müssen, täuscht sich nicht nur über die eigenen Abgründe hinweg, sondern wird eins mit dem Narrativ der NATO, die bessere aller möglichen Welten zu sein.
Kriegsverbrecher nach Den Haag
Die Kriegsverbrecher-NATO trifft sich in Den Haag, dem Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs. Wie passend! Allerdings werden die Kriegstreiber leider nicht vor Gericht gestellt, sondern halten ihren jährlichen NATO-Gipfel ab. Dabei ist die Komplizenschaft vor allem der USA und Deutschlands bei den israelischen Kriegsverbrechen in Gaza für alle, die die Augen nicht verschließen oder sich abwenden, klar zu erkennen. Das betrifft sowohl die materielle Unterstützung durch Waffenexporte an Israel als auch die politische Rückendeckung und die fast alle Medien durchziehende Missachtung und Geringschätzung palästinensischen Lebens und der an ihnen verübten Verbrechen.
Am 11. Mai ist der neue deutsche Außenminister Wadephul in Israel. Fast zeitgleich empfängt Präsident Steinmeier den israelischen Staatspräsidenten Herzog in Berlin. Beide deutsche Staatsmänner loben die Partnerschaft mit Israel. Keiner von ihnen spricht über den Völkermord in Gaza. Keiner von ihnen spricht über den Haftbefehl gegen Netanjahu oder Ex-Verteidigungsminister Gallant. Die neue deutsche Regierung bedankt sich für das Geschenk der Freundschaft eines rechtsextremen Regimes und beerdigt das internationale Straf- und Völkerrecht, dem es sich vermeintlich verpflichtet hat, auf dem Müllhaufen der Geschichte. So selbstzufrieden war Mittäter:innenschaft schon lange nicht mehr.
Von Den Haag nach Köln
Den Haag wird eine wichtige Station im sich formierenden Widerstand gegen das globale Kriegsregime. Auch wir werden dort sein. Wir laden unsere internationalen Genoss:innen und Freund:innen ein, mit uns zu kommen. Die politischen Klassen unserer Länder bereiten
den Krieg vor. Ihr zentrales Anliegen ist es, unsere Gesellschaften kriegstüchtig zu machen. Wir widersetzen und verweigern uns diesem, ihrem Vorhaben. Der Widerstand gegen Krieg ist zu einem zentralen Moment geworden, unsere unterschiedlichen politischen Subjektivitäten zusammenzubringen und unseren internationalistischen Widerstand zu verbinden. Nach den Protesten in Den Haag werden wir Ende August in Köln ein weiteres Mal für ein Camp und Diskussionen zusammenkommen und unseren gemeinsamen Widerstand auf die Straße tragen.
Kommt mit uns nach Den Haag! Kommt zur Aktionswoche von Rheinmetall Entwaffnen in Köln! Stoppt den Genozid in Gaza! Stoppt den Krieg in Rojava! Keine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa! Gegen ihre Kriege und gegen ihren Frieden!
20. - 26. Juni 2025: Anti-NATO-Camp in Den Haag
26. - 31. August 2025: Rheinmetall-Entwaffnen-Camp und Aktionswoche in Köln
Interventionistische Linke, Mai 2025
https://interventionistische-linke.org/beitrag/kein-frieden-mit-der-nato
von: Provisorischer anarchistischer Antikriegsrat Berlin am: 28.05.2025 - 03:14
In über 50 Veranstaltungen in Deutschland macht die Bundeswehr mobil für den Veteranentag.
Beschlossen hat diesen Feiertag das deutsche Parlament.
Die Zentralveranstaltung findet am 15.6. rund um den Reichstag in Berlin statt (Siehe weiter unten) .
Kein*e Antimilitarist*in sollte sich dieses großartige Fest entgehen lassen! Kreativität ist angesagt!
Wir geben darum einen Überblick über ein paar dieser Veranstaltungen in Berlin und anderen Städten. Die Auswahl ist unvollständig, aber aufschlussreich.
Am Ende unserer Aufzählung noch ein paar brauchbare Links und Infos.
Und unser neuster Mobiclip. Lohnt sich!
Gegen jeden Krieg - Gegen jedes Militär - Disarm patriarchy !
Vernetzungs- und Infoveranstaltung für Berlin am 2.Juni (!) um 19.00 Uhr im Mehringhof, Versammlungsraum, 2 HH, Gneisenau Str. 2a, Berlin-Kreuzberg
Kundgebung und Anlaufpunkt mit uns und Euch am 15.Juni ab 13.00 Uhr Ebertstr Ecke Scheidemannstr-Dorotheenstr. mit Reden, Theater, Mucke (Reichstag) - aktuelle Ankündigungen beachten!
ZUR POLITISCHEN EINORDNUNG
Der Veteranentag als neuer nationaler Feiertag ist Teil der aktuell stattfindenden gesellschaftlichen und geistigen Mobilmachung mit dem Ziel eine breite Kriegsbereitschaft in der Bevölkerung zu etablieren. Mental bereit zu sein für Krieg bedeutet der Überzeugung zu folgen: Auf jeden Fall für die richtige Sache zu kämpfen, mit der Waffe in der Hand Menschen auf Befehl zu vernichten, die als Feinde definiert werden. Diese Feinde sind natürlich immer auf der jeweiligen anderen Seite zu suchen.
Unsere Haltung als Anarchist*innen hingegen ist: Keine Waffe wird bedient, solange niemand mental dazu bereit ist. Damit unterlaufen wir jede Kriegslogik, denn Militär ist überall der Feind der Menschen und der Freiheit. Wer Menschen in Uniformen steckt, damit sie zu Mördern und Vergewaltigern werden, hat keine Legitimation auch nur ansatzweise von Freiheit und Frieden zu reden. Unser Kampf sollte sich international mit anderen antimilitaristischen Kämpfen, Initiativen und Ansätzen verbinden, wollen wir vor die Krieg kommen. Das Kanonenfutter, mehrheitlich Männer, sollte von einer echten Antikriegsbewegung ermuntert werden, den Waffendienst in jedem Land zu verweigern, sich dem Morden allseitig zu entziehen und von allen Fronten abzuhauen. Das ist leichter gesagt als getan, vor allem für jene, die schon in der Uniform stecken und im Schützengraben liegen. An uns ist es, dass es immer schwieriger wird, Menschen zu Mördern auszubilden und aufeinander los zu jagen.
Der realen Militarisierung und damit wachsenden Kriegsgefahr begegnen wir jedoch nicht mit noch mehr Militarisierung, sondern mit einer sozialen antimilitaristischen Bewegung in allen Ländern.
Als Anarchist*innen stehen wir für eine soziale Revolution, die der weltweiten Herrschaft und Unterdrückung ein Ende setzen will. Die Zerstörung der Waffen, das Verbrennen jeder Uniform, das Zerreißen jeder Befehlskette und Hierarchie und die Entmilitarisierung unserer Köpfe gehören dazu.
Aber jetzt geht es erst einmal darum, den Veteranentag zu einem Rohrkrepierer werden zu lassen. Das wäre ein internationales Signal eines wachsenden antimilitaristischen Selbstbewusstseins.
Mit Kreativität könnt Ihr im hinterletzten Kaff die Militarisierungsbemühungen hintertreiben. Denkmäler gibt es zuhauf, die den Krieg rühmen. Institutionen und Waffenfabriken gibt es überall. Und toxische Männlichkeit, in ihrer Herstellung eine Voraussetzung für eine militarisierte Männlichkeit, hat tausende Anknüpfungspunkte.
Bitte schaut nach, ob Euer Ort vielleicht auch im Visier der Bundeswehr ist. Und macht deren Event vor Ort zu einem politischen „Rohrkrepierer“. Das heißt, das der propagandistische Schuss, der auf unsere Köpfe und Herzen, auf die Gesellschaft abzielt, im Rohr stecken bleibt und die Waffe unbrauchbar wird. Ein „Rohrkrepierer“ wird im Militär allgemein gefürchtet, denn die Kugel kann im Lauf so großen Schaden anrichten, das sie dem Benutzer um die Ohren fliegt.
Wir freuen uns auf Euch.
Unter : https://www.bundeswehr.de/de/veteranentag-2025-5876194 könnt Ihr weitere Orte ausfindig machen, die sie heimsuchen wollen. Die das wären zum Beispiel: Umland Frankfurt, Schwerin, München, Bremerhaven, Kiel etc.
BERLIN
Das Veteranenbüro in Berlin, mit ungefähr zehn unmittelbar abkommandierten Soldat*innen, organisiert und koordiniert den nationalen Feiertag. Ihr Chef ist der Oberstleutnant Michael Krause. Oberstleutnant Sylvia Mehl ist die stellvertretende Leiterin im Veteranenbüro.
Das Büro liegt in einem hässlichen und sündhafte teuren Neubaukomplex in der Nähe des Hauptbahnhofs. Ihr könnt dort auch vorbeischauen und Euch informieren (Mo-Do von 8.00 bis 16.00 Uhr, Freitags von 8.00 bis 12.00 Uhr). Im Erdgeschoss in der Jean-Monnet-Str. 4, (10557 Berlin) erwarten Euch die Kameraden zum Gespräch in Uniform.
Durch Deutschland tingelt ab 1. Juni ein niederländisches „Militär- und Veteranenteam“. Zur Info: Der Veteranentag in Deutschland orientiert sich an dem niederländischen Modell.
Die Niederländer wollen einen 2000 km langen „Speedmarsch“ von Den Haag nach Kiew machen. Als „Vollpfosten“ beschreiben sie ihr Anliegen so: „Bewusstsein für PTBS (Posttraumatische Belastungsstörungen) zu stärken, Solidarität mit den Veteraninnen und Veteranen der Ukraine zu symbolisieren und medizinische Hilfe an die ukrainische Front zu bringen. Mit einem Nonstop-Staffelformat werden 120 km pro Tag zurückgelegt. Nach der Route durch Deutschland über unter anderem Petershagen, Gifhorn und Tangermünde, wird die Gruppe voraussichtlich am 8. Juni Brandenburger Tor (Pariser Platz) ankommen.“
Statt sich dafür stark zu machen, das es keinen Krieg mehr gibt, der zu PTBS auf allen Seiten führt, setzen sie noch einen obendrauf und marschieren wie die Blöden für Krieg, Militarismus und noch mehr traumatisierte Soldaten.
Nennt sich „Mission Kyiv“ wird voraussichtlich zwischen 6. und 8. Juni Brandenburger Tor (Pariser Platz) ankommen, falls sie nicht unterwegs aufgehalten werden (siehe unten). Mehr Infos unter: www.nl4ua.org/missionkyiv
ZENTRALVERANSTALTUNG REICHSTAG
In Berlin findet außerdem die Zentralveranstaltung zum Veteranentag statt. In Ihren Worten: „Neben einer großen Bühne, auf der ein durchgängiges buntes Bühnenprogramm stattfindet, steht die Begegnung und Information im sog. Veteranendorf im Vordergrund. Hier präsentieren sich in 30 Zelten vielfältige Vereine, Verbände und Stiftungen, die in der Veteranenarbeit tätig sind. Weitere Highlights: Fotoausstellung, versch. Foodtrucks und Familienbereich inkl. Kinderbetreuung geben. Eintritt frei.“
Da der Eintritt frei ist, haben auch kritische Geister selbstverständlich Zutritt. Es ist eine öffentliche Veranstaltung des Parlaments. Falls militärische Kleingeister oder Polizei ihn verwehren wollen, besteht lautstark auf den Einlass. Der Bereich ist insgesamt gesichert und über drei kontrollierte Eingänge zugänglich. Besucher*innen müssen von Sicherheitschecks ausgehen. Erwartet werden um die 4000 Gäste. Mediale und staatspolitische Begleitung des Spektakels ist garantiert – es gibt einen zusätzlichen Promotiontruck. Dieser steht im südlichen Teil des Veteranendorf (Paul Löbbe Alle) und empfängt alle Besucher*innen aus Richtung HBF. Kiel wird übrigens auf der großen Bühne 13.27 -13.37 Uhr zugeschaltet.
Eine Waffenshow wird nicht stattfinden. Man versucht sich in einer Mischung aus Zivilist*innen (Angehörige, Interessierte) und ehemalige Soldaten (organisiert in zweifelhaften Veterenanenverbänden). Beiläufig wird das Hochlied auf die Kameradschaft geflötet und auf „soldatische Tugenden“. Natürlich dabei: aktive Soldaten aller Dienstgarde, von überzeugtem Kanonenfutter, mittlerer Befehlsebene auch jede Menge hoher Offiziere. Ihr erkennt die aktuellen Soldaten an ihren Uniformen. Tragen sie goldene Sterne auf der Schulterklappe handelt es sich um Generäle. Silberne Sterne sind Offiziere. Ehemaligen Soldaten ist das Tragen einer eindeutigen Uniform verboten. Trotzdem werdet Ihr auch Menschen sehen, die einzelne Uniformteile tragen, wie z.B. ehemalige Soldaten, die in den Veteranenverbänden organisiert sind. Das propagandistische Medienereignis beginnt ab 13.00 Uhr und endet 20.00 Uhr.
Infos dazu: www.bundeswehr.de/de/betreuung-fuersorge/veteranenbuero oder über uns:
BERLIN – Vorglühen für den Veteranentag am 8.6.
Ein Bonbon ist der „Run 4 Veterans“
Am Schlachtensee 68 (14129 Berlin) wollen die Veteranen am 8.6. um 10.00 Uhr loshoppeln und rund um den See laufen. Wer den See kennt, weiß das er ein Ausflugsziel vieler Menschen ist. Auch vieler Antimilitarist*innen.
Wir rufen zur Unterstützung unserer Pressekonferenz vor Ort auf!
Militärs, die in Gestalt von Veteranen um den See rennen, sind eine Unverschämtheit und nicht zu akzeptierende Provokation. Da der Ort öffentlich ist, kann die Öffentlichkeit dort ein antimilitaristisches Korrektiv herstellen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Veteranen-Lauf zu einem Hindernislauf würde. Naheliegender wäre es, den Run4Veterns besser abzublasen.
Sie selber beschreiben ihre schräge Idee so: „Ob Sprint, Jogging oder gemütliches Walking, das „Wild Cat Laufteam“ führt die rund 5,4 Kilometer um den wunderschönen Schlachtensee in Berlin- Zehlendorf. Anmeldung erbeten. Weitere Informationen über den Veranstalter. 0173 6320210 oder www.recondovets.de/ . Der Motorradclub der Veteranen hat seine Stützpunkt in Kreuzberg in der Zossener Straße.
Die gleiche Truppe macht auch einmal im Monat einen „Veteranen Talk“, so auch am 12.06.2025, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr. Aber vermutlich ist das nichts für Euch, haha. Ziel sei es, einen Ort der Begegnung zu schaffen, „an dem Veteranen über ihre (Einsatz-) Erfahrungen und Erlebnisse sprechen können.“ Auf diese Weise will die Bundeswehr die Veteranen an sich binden, damit sie kein Eigenleben entwickeln oder sich die falschen Fragen stellen. Die Fragen ob es statt Militär auch noch eine zivile, vielleicht sogar sozial-revolutionäre Antwort auf die Missstände geben könnte. Der ganze Mist in der Jean-Monnet-Str. 4 im Büro der Bundeswehr.
Wer sich mit dieser Truppe Biker schon mal warmlaufen will, kann am 31.05.2025 um 11:00 Uhr am Platz der Luftbrücke 1-6 an der „Motorrad-Gedenkfahrt für gefallene Kameraden“ teilnehmen. Mit einer Fahrraddemo zum Gedenken aller zivilen Opfer von Krieg kann dem trüben Haufen der Spaß an dieser als Gedenkfahrt aufgeladenen Veranstaltung nehmen. Denn es entspricht der Kriegslogik, der eigenen Soldaten zu gedenken, nicht der Verbrechen die, die eigene Armee angerichtet hat. In Afghanistan hat beispielsweise der Oberst Klein (ein Veteran) einen Bombenabwurf veranlasst, der eine große Anzahl ziviler Opfer forderte. Die afghanischen Unterstützungskräfte der Bundeswehr hat man bei der Flucht vor den Taliban einfach zurückgelassen. Ihr erkennt diese Vollpfosten an den Symbolen: „Pflicht: Das Symbol der gelben Schleife am Motorrad. Sammeln ab 11:00 Uhr am Flughafen Tempelhof (Eagle Square); Abfahrt 12:00 Uhr zum Ehrenmal der Bundeswehr am BMVg; gegen 13:15 Uhr Kundgebung, Kranzniederlegung und christliche Andacht; Rückfahrt ca. 15:00 Uhr.“
www.recondovets.de/memorial-run-berlin.html oder 0173 6320210
STRAUSSBERG (Bei Berlin)
Wer am 15.6. am Veteranentag noch nicht genug hat, kann zu den „Spätzündern“ am 18.06.2025, (14:00 - 20:00 Uhr) nach Brandenburg gehen: Am Landhausstraße 16-18, 15344 Straussberg lädt die „Straussberg Kameradschaft ehem. Reservisten, Hinterbliebenen“ etc. „ein zu einem "Volksfest" mit Podiumsdiskussion, dem Promotiontruck des Veteranenbüros der Bundeswehr, Buchlesung "Gesichter des Lebens" bei Speis und Trank und vielem mehr.“ Mit VOLKsfest in Brandenburg ist eigentlich alles gesagt. Geschlechtsmerkmal: Deutsch. Weiß. Soldatisch. Männlich. Patriarchal. Mit einem Hauch des Völkischen.
HANNOVER
In Hannover kommt zuvor schon die „Mission Kyiv“ mit ihrem Speedmarsch“ vorbei. Am 03.06.2025 in Hannover in dem Doris-Krammling-Jöhrens-Weg, Dornröschenbrücke 30167. „Ab dem 2. Juni geht die Route quer durch Deutschland und wird am 3. Juni in Petershagen kurz vor Hannover stoppen, um am nächsten Tag die Dornröschenbrücke in Hannover zu passieren.“
LEHRTE
15.06.2025
Rathausplatz 1 in 31275 Lehrte
Die Stadt Lehrte wird zwei Flaggen am Rathausgebäude hissen. Anschließend werden Veteranenabzeichen übergeben. Weitere Informationen über den Veranstalter.
BONN
„Würdigung und Wertschätzung für den Dienst in Uniform“
15.06.2025, Beginn: 11:00 Uhr Ende: 15:00 Uhr
Gutenbergstraße 10 53123 Bonn
www.kas.de/de/web/bundesstadt-bonn/veranstaltungen/detail/-/content/vete...
Die Konrad-Adenauer-Stiftung und der Bund Deutscher Einsatzveteranen veranstalten einen Gottesdienst und eine anschließende Buchlesung mit dem Autor Wolf Gregis "Das Karfreitagsgefecht. Deutsche Soldaten im Feuer der Taliban". Begleitet wird die Veranstaltung durch Informationsstände und dem Demokratiebus der Konrad-Adenauer-Stiftung. Weitere Informationen über den Veranstalter.
MERZENICH
„Rathausempfang zur Würdigung des ersten deutschen Veteranentages“
Veranstaltungsdatum: 15.06.2025, Beginn: 10:00 Uhr Ende: 12:00 Uhr
Valdersweg 1 52399 Merzenich Nordrhein-Westfalen Deutschland
Der Rat der Gemeinde Merzenich hat dieses wichtige gesellschaftliche Zeichen aufgenommen und einstimmig beschlossen, an dem ersten deutschen Veteranentag mit einem Empfang im Rathaus teilzunehmen. Das Ziel ist es, Anerkennung und Wertschätzung für diejenigen auszudrücken, die in der Bundeswehr dienen bzw. gedient haben. Im Rahmen eines Gastvortrages wird Oberstleutnant a.D. Jürgen Pöppelmann das Thema "Der Veteranentag, ein Tag der Besinnung und Wertschätzung" einordnen. Weitere Informationen über den Veranstalter.
TÜBINGEN
„Vortrag zum Veteranentag“
Veranstaltungsdatum: 14.06.2025, Beginn: 12:30 Uhr Ende: 17:00 Uhr
Österbergstraße 3 Alte Anatomie 72072 Tübingen
www.reservistenverband.de/baden-wuerttemberg/tuebingen-rut/termine/vortr...
Die Reservistenkameradschaft in Tübingen hält zum Veteranentag einen informativen Vortrag rund um das Thema Veteranen. Weitere Informationen über den Veranstalter.
FREIBURG
„Veteranentag in Breisach“
Veranstaltungsdatum: 15.06.2025; Beginn: 11:00 Uhr Ende: 15:00 Uhr
Marktplatz 79206 Breisach Baden-Württemberg Deutschland
„Anlässlich des Veteranentages ist eine Ausstellung von Bundeswehrfahrzeugen der deutsch- französischen Brigade sowie des Jägerbataillons 291 mit Infoständen bundeswehrnaher (sic!) Vereinigungen wie z.B. einem Feldpostamt, AMICALE, LaHe, VdRBw e.V., Combat Vets u.v.m. mit einem bunten Programm z.B. mit Dosenwurfstand und Verpflegung mit einem Eintopf nach "Bundeswehrart" geplant. Weitere Informationen über den Veranstalter.“ 017615317867
NÜNRBERG
„Öffentliche Präsentation“
Veranstaltungsdatum: 15.06.2025, Nähere Informationen folgen
Kirchplatz 4 91154 Roth Bayern Deutschland
Pot. künstlerische Gestaltung des Kreisverkehrs vor der Otto- Lilienthal- Kaserne. Weitere Informationen über die Gemeinde.
Dresden
„Veteranentag“
15.06.2025, Beginn: 10:00 Uhr Ende: 18:00 Uhr
Olbrichtplatz 2 01099 Dresden
Im Militärhistorischen Museum finden Sonderführungen anlässlich des Veteranentages statt. Eintritt frei. Weitere Informationen über den Veranstalter. 0351 823 2850
ROTHENBURG WÜMME
„Veteranentag 2025“
Veranstaltungsdatum: 15.06.2025, Beginn: 10:00 Uhr Ende: 14:00 Uhr
Zum Flugplatz 11 27356 Rotenburg (Wümme) Niedersachsen Deutschland
Kombiveranstaltung mit Feldgottesdienst, Grußworten und Möglichkeiten zum Networking bei Musik und Gegrilltem. Weitere Informationen über den Veranstalter. 0160 4759118
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Provisorischer anarchistischer Antikriegsrat Berlin
Super Mobiclip zum Veteranentag und gegen Wehrpflicht, bitte posten: https://archive.org/details/vtag_B
Kontakt:
WebseiteSCHWÄCHELT: Https://antikrieg.blackblogs.org
NEUE WEBSEITE IM AUFBAU: https://antikrieg.noblogs.org
oder de.indymedia.org
Mobimaterial: Plakat auf der Webseite zum herunterladen
Flyer: Buchladen Schwarze Risse, Gneisenau Str 2a Berlin_Kreuzberg oder zum Ausdrucken unten als pdf
Veteranenplan vom Reichstag im Anhang oder webseite
Artikel in der Graswurzelrevolution: Anhang
Bundeswehrfilm: archive.org/details/alex-und-die-bw
Datei:
GWR 499_Veteranentag_Seite15_16.pdf
„Kommunikationsinfrastrukturen waren schon immer Werkzeuge der Kontrolle“
Die Künstlerin Esther Mwema erforscht verborgene digitale Machtstrukturen. Auf der re:publica in Berlin sprach sie über die Parallelen zwischen kolonialen Infrastrukturen und den modernen Kabel- und Satellitenprojekten von Big Tech. Wir haben sie zu ihren Recherchen und ihrer Kunst befragt.
28.05.2025 um 16:27 Uhr - Ingo Dachwitz - netzpolitik.org
Telegrafenleitungen wurden im 19. Jahrhundert mit geradezu mystischer Bedeutung aufgeladen. – Alle Rechte vorbehalten Screenshot: re:publica
Esther Mwema ist mehrfach ausgezeichnete Künstlerin und Expertin für digitale Ungleichheit aus Sambia. Sie arbeitet unter anderem zu versteckten Machtstrukturen, seien es physische wie Internetunterseekabel und Satelliten oder soziale wie digitaler Kolonialismus und Geschlechterungleicheit. Seit mehr als zehn Jahren setzt sie sich mit den NGOs Digital Grassroots und Safety First for Girls (SAFIGI) für digitale Inklusion ein.
Auf der diesjährigen re:publica sprach Esther über „The Cosmology of Internet Infrastructure“. Wir haben sie zu Parallelen zwischen damals und heute befragt und warum Kosmologie eine Rolle spielt.
Vermeintlich großzügige Tech-Geschenke

netzpolitik.org: Infrastruktur gilt ja eigentlich als trockenes und schwer zu greifendes Thema. Was reizt dich als Künstlerin daran?
Esther Mwema: Ich war schon immer daran interessiert, wie die Dinge funktionieren. Mein erster Job war in einem Internetcafé und da habe ich mich gefragt: Oh, wie funktioniert eigentlich das Internet? Also habe ich mich mit der Architektur des Netzes und den verschiedenen Schichten beschäftigt. Dabei habe ich gelernt, dass das Internet über den Meeresgrund fließt. 95 Prozent des weltweiten Datenverkehrs läuft durch Unterseekabel. Das war eine krasse Erkenntnis: Das Internet ist nicht in der Cloud, sondern hat eine total physische Materialität.
Dann gab es da diesen Internet Health Report von Mozilla, ich glaube der von 2019 [PDF], der die Eigentümerschaft von Internetinfrastrukturen zum Thema machte. Früher hatte Big Tech sich vor allem auf die Anwendungsschicht im Internet-Stack beschränkt und jetzt investierten sie plötzlich heftig in Unterseekabel. Also habe ich mir das genauer angeschaut. 2022 konnte ich dank des Mozilla Creative Media Awards über Kabel im afrikanischen Kontext recherchieren: Wem gehören sie? Wo liegen sie? Wohin führen sie?
Man gerät bei der Recherche leicht in Rabbitholes, weil so wenig öffentlich darüber bekannt ist. Aber genau zu dieser Zeit kündigte Meta ein Unterseekabel an, das als erstes den gesamten Kontinent umrunden sollte. Sie nannten es ernsthaft „Simba“, nach dem Disney-Charakter. Später benannten sie es in „2 Africa“ um, als wäre es ein Geschenk an Afrika. Da sieht man, welche Machtdynamiken hier am Werk sind.
netzpolitik.org: In deinem Vortrag hier auf der re:publica hast du über Parallelen zwischen kolonialen und heutigen Infrastrukturprojekten gesprochen. Unter anderem sagst du, dass Infrastrukturen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellen. Wie meinst du das?
Esther Mwema: Kommunikationsinfrastrukturen waren schon immer Werkzeuge der Kontrolle. Es ist kein Zufall, dass die frühen Telegrafenleitungen bald nach dem Ende der Sklaverei aufkamen. Es ging darum, die Kolonien besser beherrschen und wirtschaftlich ausnutzen zu können. Es gibt auch große Ähnlichkeiten zwischen den Routen der damaligen Telegraphenleitungen und heutigen Unterseekabeln. Sie waren übrigens auch damals schon häufig in privater Hand.
Viele Telegrafenleitungen gehörten dem britischen Unternehmer John Pender. Er war mit Textilfabriken reich geworden, in denen Baumwolle aus Sklavenarbeit von amerikanischen Plantagen verarbeitet wurde. Auch die kolonialen Vorstellungswelten von Infrastruktur ähneln sehr den Vorstellungen von Big Tech bei ihren Infrastrukturprojekten.
Kolonisation als „zivilisatorische Mission“
netzpolitik.org: Die Kolonisatoren damals haben einfach behauptet, dass sie unbeanspruchtes, leeres Land einnehmen. Die Tech-Milliardäre machen es heute genauso, sagst du.
Esther Mwema: Sie nannten das damals „Tabula Rasa“, oder schlicht „leeren Raum“. Das stimmte natürlich nicht. Da lebten Menschen mit eigenen Kosmologien, in denen Natur, Geister und die Struktur des Raumes heilig waren. Die Kolonisatoren kamen mit einer Kosmologie des Extraktivismus und mit einer hierarchischen, patriarchalen Weltordnung. Der weiße Mann ganz oben, die Kolonisierten darunter und die Natur noch weiter unten. Die Existenz von allem Spirituellen wurde komplett geleugnet, weshalb die Kolonisatoren heilige Orte nicht respektierten.
Gleichzeitig haben sie ihre Eroberungen als „zivilisatorische Mission“ geradezu mystisch aufgeladen. Ich arbeite zum Beispiel mit Plakaten aus dem 19. Jahrhundert, die den Telegrafen als Instrument des Friedens und der Religion preisen. Auf einem Plakat segnet Vater Neptun aus dem Meer Uncle Sam und Britannica, also die USA und Großbritannien, die durch Telegrafenleitungen verbunden waren.
Die gleiche Rhetorik erleben wir heute bei Big Tech und dem Digital Divide: Es gibt da diese noch-nicht-angeschlossenen Regionen und wir müssen Brücken zu ihnen bauen. Connecting the unconnected. Also: Wir müssen die Unvernetzen vernetzen. Wir müssen ihnen Technologie bringen, damit sie so wie wir werden. Es ist eine neue zivilisatorische Mission, aber am Ende geht es doch wieder nur um Eroberung. Mehr Land. Mehr Daten. Mehr Material, um ihre Rechenzentren zu befüllen und ihre KI zu trainieren. Am Ende geht natürlich auch um physische Rohstoffe, die man aus den Ländern extrahieren möchte, die man anschließt.
netzpolitik.org: Du hast auch in deinem Vortrag über die „Kosmologie von Internetinfrastrukturen“ gesprochen. Was meinst du damit?
Esther Mwema: Kosmologie meint im Grunde, das Universum zu studieren. Bei meiner Beschäftigung mit der Internetinfrastruktur bin ich immer wieder auf dieses Thema gestoßen: Das Weltall, das Universum. Vint Cerf, der das Internetprotokoll miterfunden hat und Vizepräsident und „Chief Internet Evangelist“ bei Google ist, arbeitet inzwischen an einem interplanetaren Kommunikationssystem. OpenAI will für 500 Milliarden Dollar den größten Verbund von Rechenzentren für KI bauen, den sie „Stargate“ nennen. Jeff Bezos hat seine Milliardengewinne aus der Ausbeutung von Amazon-Angestellten investiert, um zehnminütige Spritztouren ins All zu ermöglichen. Und natürlich Elon Musk, dem heute mehr als 60 Prozent aller aktiven Satelliten gehören.
Satelliten übrigens, von denen pro Tag drei bis fünf kaputtgehen und ersetzt werden müssen. Allein im Januar dieses Jahres sind 120 von Musks Satelliten verglüht. Neuere Satelliten verfügen auch über Überwachungskapazitäten, die die Privatsphäre und Demokratie gefährden. Deshalb glaube ich, dass wir die Kosmologie der Infrastruktur verstehen müssen, wenn wir die digitale Gesellschaft verstehen wollen, in der wir leben. Zur Kosmologie gehören der Ozean, das Land und das Weltall. Wir müssen die Auswirkungen unseres Handelns auf das Ganze betrachten.
Verfestigung ausbeuterischer Strukturen
netzpolitik.org: Mit dem Projekt Afrogrids versuchst du, andere Vorstellungswelten von Infrastruktur zu ermöglichen. Wie sieht das aus?
Esther Mwema: Afrogrids ist mein Kunstforschungsprojekt zur Internetinfrastruktur, das die vielfältigen Kosmologien anerkennen soll, die heute existieren und die auch lange vor dem Kolonialismus bestanden haben. Wir wollen diese Räume zurückerobern. Ich stelle den heutigen Vorstellungen von Infrastruktur zum Beispiel das BaKongo-Kosmogramm gegenüber. Es ist ein altes Symbol eines vorkolonialen kongolesischen Volkes, das eine Verbindung zwischen physischen und spirituellen Welten darstellt. Es beschreibt vier Aspekte des Seins: von der Geburt über das Aufwachsen zum Tod und zu dem, was nach dem Tod ist.
Das Kosmogramm erlaubt es uns, über Übergänge nachzudenken und steht im krassen Widerspruch zur kolonialen Wachstumlogik und dem Streben der Tech-Milliardäre nach Ewigkeit. In afrikanischen Kosmologien geht es sehr viel darum, den Dingen zu erlauben, ihre Zeit zu haben. Nach einer bestimmten Lebensspanne ist etwas Neues dran. Es geht um Respekt vor der Natur und die Fähigkeit, keine Spuren in der Landschaft zu hinterlassen. Heutige Internetinfrastrukturen aber müssen immer größer werden, dienen Monopolen und zerstören jede alternative Vorstellungswelt.
Nehmen wir als Beispiel das Konzept der rotierenden Unterkünfte, das es in einigen afrikanischen Gesellschaften lange gab. Die Menschen haben hier in provisorischen Unterkünften gelebt, das Land bearbeitet und sind dann an einen anderen Ort gezogen, damit sich das Land erholen konnte. Dies steht im Einklang mit der Philosophie des Cosmo-Ubuntu, die laut Forscher:innen auf maschinelles Lernen und KI angewendet werden kann. Stattdessen bauen wir heute Infrastrukturen, die permanent Ressourcen ausbeuten. Sie sind nicht regenerativ und werden so zu einer Art dauerhafter Strukturen, die das Land auslaugen und erschöpfen. Das trifft selbst auf einen immateriellen Rohstoff wie Daten zu: Es gibt nie genug Daten, es gibt immer eine Nachfrage nach mehr.
Das folgende Interview wurde von Genoss:innen der internationalistischen Anarchistischen Gruppe Československé anarchistické sdružení – Czechoslovak Anarchist Association (ČAS ), für die erste Ausgabe der Zeitschrift Ezerter, geführt.
Bitte stell dich den Leser:innen unseres Magazins kurz vor. Bist du aus der Ukraine, wo wurdest du geboren und wo hast du deine Jugend verbracht?
Hallo. Mein Name ist Vadym Yakovlev, ich bin ein:e ukrainische:r queerer Schriftsteller:in und Journalist:in und ich bin gegen den Krieg und den Nationalismus. Ich wurde in Odessa geboren, der größten südlichen multikulturellen Stadt der Ukraine, wenige Monate vor dem Zusammenbruch der UdSSR. Meine Mutter ist Ukrainerin
und mein Vater ist Russe. Ihre Väter waren beim Militär. Mein Vater arbeitete in einer Fabrik. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR wurde die Fabrik geschlossen und mein Vater verlor seine Arbeit. Das hatte Auswirkungen auf meine Familie und meine Kindheit. Ich wuchs in Odesa auf, aber ein Jahr bevor ich aus der Ukraine floh, lebte ich in Lviv, der größten Stadt im Westen der Ukraine. Zu Hause sprachen meine Verwandten Russisch und Ukrainisch, so dass ich mich nie mit Themen wie der nationalen Identität beschäftigte. Meine Familie war eine unglückliche internationale Familie, die mit dem Zusammenbruch des Staatskommunismus in der Ukraine viel verloren hat. Ich denke, all das hat mich stark beeinflusst bei der Suche nach meinen wahren politschen Ansichten und meinem Verlangen, etwas zu tun, das Einfluss auf die Gesellschaft haben kann.
Du hast die Ukraine verlassen, was hat dich zu dieser Entscheidung bewogen?
Einerseit konnte ich wegen meiner politischen Überzeugen nicht mehr in der Ukraine arbeiten. Die ukrainische Intelligenzia, Journalist:innen und Künster:innen als Community beschlossen mit Beginn des Krieges, priveligierte Elitepropagandist:innen im Dienste des Staats zu werden. Ich wollte kein:e Propagandist:innen im Dienste des Staates sein, also verlor ich die Möglichkeit, meine Artikel zu veröffentlichen. Und wenn man in der Ukraine öffentlich Ansichten vertritt wie ich, können die Behörden einen ins Gefängnis stecken. Andererseit wollte ich natürlich wegen meiner Haltung nicht an die Front in den Krieg ziehen. Deshalb bin ich geflohen.
Welche Haltung hast du zu Krieg und Antimilitarismus!
Ein Großteil meiner Arbeit in der Ukraine stand im Zusammenhang mit meinen antipatriotischen Überzeugungen. Meine Artikel und meine Teilnahme an Kunstprojekten waren sehr oft der Kritik am ukrainischen Patriotismus, am ukrainischen Nationalismus und an der privilegierten "pro-westlichen" und kriegsbefürwortenden zivilen und kulturellen ukrainischen Elite gewidment. Ich habe mich schon immer für Antikriegskunst und Antikriegsaktivismus interessiert. Seit 2022 musste ich damit beginnen, selbst um den Preis, dass ich die Möglichkeit verlor, in meinem Herkunftsland zu bleiben und zu arbeiten, und dass ich enge Freunde verlor, die mich verlassen haben wegen meiner Überzeugungen.
Der Krieg in der Ukraine hat viele Dinge verändert. Stehst du in Kontakt mit deinen Freund:innen in der Ukraine? Wie denken sie über den Krieg? Wie leben sie?
Wie ich bereits in meiner Antwort auf die vorhergende Frage sagte, habe ich die meisten meiner Freund:innen aus der privilegierten Kunstszene und der journalisitsch-aktivistischenGemeinschaft verloren. Fast alle von ihnen wurden zu Propagandist:innen, die von Staat und westlichen Stiftungen unterstützt werden. Ich habe auch den Kontakt zur Mehrheit der ukrainischen Linken verloren, die den Militarismus, den Nationalismus und die NATO unterstützen. Diese Art von Linken wird ebenfs vom Staat und von westlichen Stiftungen unterstützt. Aber ich habe immer noch Kontakt zu meinen Freund:innen, die nicht mit dem Staat zusammenarbeiten und nichts mit den privilegierten Klassen zu tun haben. Sie unterstützen mich meine Antikriegshaltung. Viele von ihnen sofern es sich um Männer handelt, führen jetzt ein schreckliches Leben, weil sie sich ständig in ihren Wohnungen verstecken müssen, wegen der Anst nach draußen zu gehen. Die ukrainische Armee entführt Menschen von der Straße und schickt sie ohne deren Einverständnis an die Front. Und die meisten Menschenmit einem männlichen Geschechtseintrag in den Dokumenten dürfen laut Gesetz das Land nicht verlassen.
Haben sich viele Menschen, auch Anarist:innen der Armee angeschlossen und sich von antimilitaristischen Positionen verabschiedet? Es ist nicht viel über die, die es nicht getan haben bekannt. Vielleicht haben sie Angst. Gibt es sie? Hast du Kontakt zu ihnen?
Was die Antikriegsanarchist:innen in der Ukraine betrifft, so haben wir ein Antikriegskollektiv namens Assembly. Sie kommen aus Charkiv und haben ihre eigen Website, auf der sie Antikriegs- und Anti-Kriegs-Texte veröffentlichen. Diese Gruppe von Anarchist:innen ist anonym und sie veröffentlichen keine Namen ihrer
Gruppenmitgleider. Dies ist die einzige Möglichkeit, in der Ukraine Antikriegsaktivitäten durchzuführen. Es gab nur eine einzige ukrainische Organisation, die die Namen ihrer Mitglieder nicht verbarg und sich offen gegen die Krieg ausspach - die Ukrainische Pazifistische Bewegung. Der ukrainische Sicherheitsdienst beschludigte sie der Unterstützung Russlands und schickte ihren Leiter vor Gericht. Daraufhin schwächte die Organisation ihre öffenltiche Position deutlich ab, da sie eine Gefängnisstrafe befürchtete. Viele ukrainische Linke haben sich aus Konformatitätsgründen auf die Seite des Krieges geschlagen, wie mir scheint. Sie haben Angst, ihre wirklcihe Position zum Ausdruck zu bringen, oder sie haben einfach keine, wie mir scheint, und folgen einfach dem Mainsteam-Trend. Aber das sind nur meine Annahmen. In der Ukraine, einem autoritäten, militarischen Land, ist es extrem unsicher, gegen den Krieg zu sein.
Was ist mit den Ukrainer:innen im Exil? Machen sie irgendwelche Antikriegsaktivitäten? Organisieren sie sich an den Arbeitsplätzen?
In letzter Zeit sind viel ukrainische Antikriegsinitiativen im Ausland aufgetreten. Zum Beispiel organisieren Ukrainer:innen jetzt Demonstrationen gegen die Mobiliserung und Menschrechtsverletzungen in der Ukraine. Die Demonstrationen finden in Deutschland, Italien und Frankreich statt. Oft werden diese Aktionen von ukrainsichen Linken organisiert, die nichts mit dem kriegsbefürwortenden ukrainischen linken Mainstream, wie die so genannten "ukrainischen Antiautoritären" oder Solidarity collectives, zu tun haben. Alle diese Gruppen der ukrainischen Linken, die sich gegen Krieg engarieren, werden von niemandem finanziert, sonder sind persönliche Initiativen von überzeugten und aktiven jungen Menschen. Es wird mehr solche Aktionen geben, und ich stehe in regem Austausch mit den Organisator:innen und Mitgliedern dieser Initiativen, das ist sehr inspirierend. Außerdem gibt es im Westen eine gewisse Anzahl von ukrainischen Wissenschaftler:innen und Künstler:innen, die gegen den Krieg sind und die hier im Westen konstant marginalisiert und zum schweigen gebracht werden. Aber wir wurden alle zu lange zum Schweigen gebracht, unsere Stimmen wurden zu lange ausgelöscht, und jetzt versuchen wir zunehmend, horizontale Verbindungen auf verschieden Ebenen aufzubauen und hier im Ausland eine Antikriegsfront gegen den Krieg und die Propagandist:innen zu organisieren. Wir sind viel mehr, als wir selbst denken.
Die Medien schweigen über die Zwangsmolisierung der ukrainischen Regierung. Es dringen selten Informationen über Deserteure nach außen. Was kannst uns darüber sagen?
Niemand kennt die genaue Zahl der Deserteure auf ukrainischer Seite, aber offiziellen und inoffiziellen Statistiken zufolge sind es etwa 150-200 Tausend Menschen! Das sind riesige Zahlen. Die offiziellen ukrainischen Medien werden vom Staat oder dem Geheimdienst der Ukraine kontrolliert. Die Ukrainer:innen konsumieren hauptsächlich Informationen von anonymen Nachrichtenkanälen auf Telegram oder TikTok. Dort werden auch immer wieder Videos von Gewalt gegen Zivilisten durch die ukrainische Armee veröffenlticht. Dese Videos, die schreckliche Szenen und Beweise für Menschenrechtsverletzungen zeigen, schaffen es nicht in die offiziellen Medien. Die ukrainischen Behörden versuchen ständig, die Autor:innen anonymer Telegram-Kanäle, die das Vorgehen der urkainischen Armee kritisieren oder sich für Frieden einsetzen, ausfindig zu machen und ins Gefängnis zu stecken. Manchmal haben die Behörden Erfolg. Die ukrainische Regierung, die Polizei und der ukrainische Sicherheitsdienst zögern nicht, alterative Stimmen mit allen Mitteln zum Schweigen zu bringen. So verhaftete die Polizei vor kurzem die Mutter eines Bloggers, der sich im Ausland aufhält und sich gegen die Zwangsmobilisierung ausspricht, weil sie seinen Beitrag veröffenlticht hatte! Es gibt inoffiziellle Methoden, um Anderesdenkende zum Schweigen zu bringen. Ich erinnenre mich an einen Teenager, der einen eigenen Kanal auf Telegram hatte, in dem er den ukrainischen Nationalismus und die Mobilisierung kritisierte. Er bezeichnet sich selbst als Anarchist. Faschisten kamen zu einem "Gespräch" zu ihm nach Hause, woraufhin er sich öffentlich von seinem Überzeugungen lossagte. Aber die kriegsbefürwortenden ukrainischen Linken, die Propagandisten und Komplizen all dieser Verbrechen die gegen die Ukrainer sind, werden nie über solche dinge berichten.
Hast du Bekannte, die desertiert sind oder sich dem Wehrdienst entzogen haben? Wie können wir in Tschechien ihne helfen?
Ich kenne Menschen, die illegal aus dem Land geflohen sind und ich habe viel Bekannte und Freund:innen in der Ukraine, die sich vor der Armee und der Einberufung verstecken. Vielleicht wird es im Laufe der Zeit notwendig sein, im Rahmen der ukrainischen anti-kriegs-Bewegung im Ausland, die gerade erst entstanden sind, Initiativen zu schaffen, die diesen Menschen helfen. Wenn soche Initiaven entstehen,hoffe ich, dass es in der Tschechischen Republik und der Slowakei Menschen gibt, die diesen Ukrainer:inne helfen wollen.
Welche Botschfat würdest du den ukrainischen und russischen Arbeitnehmern im In- und Ausland mitgeben?
Das Einzige, was ich denjenigen vermitteln möchte, die nicht zu den privllegierten Klassen gehören (und das ist nicht nur das Proletariat ), unabhängig von ihrer Nationalität und ihrem Wohnort: Vertraut niemals denen, die ihr Glück auf eurer Ausbeutung, Marginalisierung und systematische Diskriminierung aufbauen, und seid vor allem nicht dumm und beteilgit euch nicht an ihren Kriegen, das ist einfach dumm!
Wir danken dir für das Gespräch und freuen uns wenn Sie uns noch etwas sagen möchten.
Ich danke euch, Genoss:innen, für das Gespräch mit mir.
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