Die Lehre aus Aleppo: Die schonungslose Realität einer neuen Epoche
HÜSEYIN SALIH DURMUŞ

Es gibt keine Welt, die uns schützen wird. Und es ist eine gefährliche Illusion, auf solchen Schutz weiterhin zu hoffen.
Der jüngste Kriegsschub in Aleppo stellt für die Kurd:innen nicht lediglich ein militärisches oder taktisches Ereignis dar. Vielmehr ist er ein unmissverständlicher Weckruf, der die nackten Realitäten einer neuen geopolitischen Epoche offenlegt. Die hieraus zu ziehenden Lehren lassen sich nicht aus theoretischen Modellen oder abstrakten politischen Wunschvorstellungen ableiten, sondern müssen direkt aus den konkreten Erfahrungen vor Ort erschlossen werden.
Trump hat den letzten Sargnagel eingeschlagen
Zunächst hat sich erneut gezeigt, dass das internationale System den Kurd:innen keinen Schutz mehr bietet, weder als stabilisierender noch als bindender Rahmen. Die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Ordnung aus Völkerrecht, multilateralen Institutionen und Bündnissen ist faktisch außer Kraft gesetzt. Dieser Zusammenbruch normalisiert nicht nur die willkürlichen Angriffe regionaler Akteure, sondern auch das Schweigen der Großmächte, die Gleichgültigkeit und die Straffreiheit. Alle Akteur:innen müssen sich nun einer zentralen Realität stellen: Die auf Recht, Allianzen und westliche Werte gegründete Nachkriegsordnung ist zusammengebrochen. Und Donald Trump hat mit seiner Politik den letzten Nagel in ihren Sarg geschlagen.
Die Ereignisse in Aleppo verdeutlichen zudem den Wandel in der Art des Krieges, der gegen die Kurd:innen geführt wird. Es handelt sich nicht mehr um einen klassischen bewaffneten Konflikt. Vielmehr ist eine neue Kriegslogik in Kraft, die bewusst mit den Unterscheidungen zwischen Front und Hinterland, Zivilist:innen und Kämpfenden, Legalität und Gesetzlosigkeit bricht. Krankenhäuser, Wohnviertel, Wasserinfrastruktur und Frauenkörper sind nicht länger militärische Ziele im engeren Sinne, sondern werden gezielt als Instrumente psychologischer Zermürbung eingesetzt. Ziel ist es nicht allein, Territorium zu erobern, sondern kollektives Gedächtnis zu verletzen, symbolische Bedeutungen zu entwerten und den Willen zum Widerstand dauerhaft zu brechen.
Bedrohungen kommen nicht nur von den Frontlinien
Am Beispiel Aleppos zeigt sich deutlich: Kurdische Siedlungsgebiete können jederzeit ins Visier geraten. Diese Bedrohung geht nicht allein von militärischen Fronten aus, sondern ebenso von politischen Verhandlungstischen. Was sich in Şêxmeqsûd und Eşrefiyê ereignet hat, ist nicht als lokaler Vorfall zu begreifen, sondern als Vorbote einer umfassenderen Strategie der Verdrängung und Repression gegenüber ganz Rojava. Die Vorgänge als „lokalen Konflikt“ zu interpretieren, greift daher zu kurz und führt in die Irre.
Ein zentrales Merkmal der neuen Kriegsführung ist die offene Legitimierung von Gewalt durch Stellvertreterakteure. Staaten verfolgen ihre geopolitischen Ziele zunehmend über dschihadistische oder paramilitärische Gruppen, ohne selbst formell Verantwortung zu übernehmen. Damit wird nicht nur das Ausmaß der Gewalt vor Ort verschärft, sondern auch die politische Verantwortung bewusst verschleiert.
Die in Aleppo verübte Barbarei gegenüber kurdischen Kämpferinnen ist kein Ausnahmefall, sondern Ausdruck einer historischen Kontinuität. Zwischen der hundertjährigen Verfolgungspolitik der Republik Türkei gegenüber Kurd:innen und den Praktiken von Gruppen wie dem sogenannten IS, Hayat Tahrir al-Sham (HTS) und vergleichbaren dschihadistischen Formationen besteht keine zufällige Verbindung – sondern eine ideologische Verwandtschaft.
Ziyad Helebs Tod markiert den Moment, in dem die Welt sich abgewendet hat
Der Bruch, den dieser Prozess ausgelöst hat, ist nicht auf physische Zerstörung beschränkt. Der Aufschrei, der nach dem Tod von Ziyad Heleb¹ laut wurde, fand keinen Widerhall und keine dokumentierende Instanz – und doch markiert er einen historischen Wendepunkt in der modernen Geschichte der Kurd:innen. Es handelt sich nicht um einen bloßen Hilferuf oder Ausdruck der Trauer, sondern um ein Zeugnis dessen, dass die Welt aufgehört hat, ein Gegenüber zu sein.
Der Ausruf „Bila alem giş bimire“ – „Möge die Welt doch untergehen“² – steht nicht für Resignation oder Todessehnsucht. Er bedeutet vielmehr eine bewusste Abkehr von trügerischen Sicherheiten, von Illusionen eines rettenden Eingreifens von außen und von politischer Heuchelei. Es ist kein emotionaler Ausbruch, sondern eine nüchterne Analyse der Realität: Die Hoffnung auf internationale Solidarität ist zur Selbsttäuschung geworden.
Eine der zentralen Erkenntnisse aus diesem Geschehen lautet: Verteidigung ist keine rein militärische Angelegenheit. In Aleppo war der Widerstand der lokalen Bevölkerung – ihre kollektive Entschlossenheit und soziale Widerstandskraft – ein entscheidender Faktor. Dies zeigt, dass gesellschaftliche Organisation, lokale Legitimität und zivile Resilienz ebenso lebenswichtig sind wie militärische Kapazitäten. Verteidigung bedeutet: Waffen, Gesellschaft, Gesundheit, Kommunikation und kollektives Gedächtnis als integriertes Ganzes zu begreifen.
Eine tiefgreifende Reorganisation ist unausweichlich
Gleichzeitig hat dieser Prozess auch die strukturelle Unvorbereitetheit der kurdischen Politik schonungslos offengelegt. Was hier zutage tritt, ist kein rein militärisches oder diplomatisches Defizit, sondern ein umfassender Mangel an geistiger, politischer und organisatorischer Vorbereitung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reorganisation. Entscheidend ist dabei nicht allein der Wille, sondern das richtige Timing. Aus kurdischer Perspektive liegt das größte Risiko nicht im falschen Schritt, sondern im verspäteten richtigen Schritt. Jede Entscheidung, die zu spät getroffen wird, bedeutet in diesem Kontext, dass andere sie bereits anstelle der Betroffenen gefällt haben.
An dieser Stelle muss eine Tatsache mit Nachdruck hervorgehoben werden: Nach dem 1.-April-Abkommen wurden in den betroffenen Gebieten lediglich Sicherheitskräfte mit begrenzter Bewaffnung zurückgelassen, die nicht über eine eigenständige Verteidigungsfunktion verfügen. Gleichzeitig rückten die Regime in Damaskus und Ankara in koordinierter Weise mit über 40.000 Dschihadisten, Hunderten Panzern und modernen Kriegsgeräten vor. Dieses Szenario ist kein Zufallsprodukt oder kurzfristiges militärisches Manöver. Es ist Teil eines strategisch angelegten Plans, der darauf abzielt, die kurdische Bevölkerung politisch, gesellschaftlich und psychologisch zu brechen – und sie durch diesen Bruch in eine tiefgreifende, vielschichtige Krise zu stürzen. Es geht nicht allein um territoriale Kontrolle, sondern darum, eine entwaffnete Gesellschaft in einem Zustand aus Ausweglosigkeit, Ohnmacht und Kapitulation zu halten.
Daher handelt es sich bei den aktuellen Vorgängen nicht um eine Sicherheitsoperation, sondern um den bewussten Versuch, einen politischen Willen zu brechen und eine Gesellschaft in eine interne Krise zu treiben. Dass dieser Angriff in einer Phase erfolgt, in der Kurd:innen und Kurdistan sich zu einem zunehmend entscheidenden Faktor im geopolitischen Gleichgewicht des Nahen Ostens entwickeln, unterstreicht die strategische Tragweite der Eskalation.
Das Ende der Illusionen: Warten, Hoffen und Anlehnen ist keine Option mehr
Schließlich hat die Aleppo-Erfahrung deutlich gemacht: Für die Kurd:innen ist die Zeit des Wartens, des Hoffens und der Orientierung an äußeren Machtbalancen vorbei. Ebenso hat sich gezeigt, dass die von feindlichen Kräften bestimmten Modelle strategischer Integration, die Kurd:innen zu passiven Akteuren degradieren und letztlich in politische Fallen führen, nicht länger tragbar sind. Die kommende Phase erfordert eine neue Form der politischen Nüchternheit: eine realistische Herangehensweise, die sich auf die eigene Kraft stützt, Risiken antizipiert, Bedrohungen auf mehreren Ebenen ernst nimmt und die Gesellschaft als zentrales Subjekt begreift.
Diese Realismusforderung ist kein Ausdruck von Pessimismus, sondern die Voraussetzung für das Überleben – und letztlich für den politischen Erfolg. Die kurdische Bevölkerung hat in allen entscheidenden Momenten der jüngeren Geschichte nicht nur mit der Politik Schritt gehalten, sondern ihr die Richtung gewiesen. Daraus ergibt sich eine Verpflichtung: Das Vertrauen, das sie ihren politischen Repräsentant:innen entgegengebracht hat, darf nicht enttäuscht werden.
Daher dürfen die Ereignisse von Aleppo nicht als bloßer „Bruch“ verstanden werden, sondern müssen als Zäsur begriffen werden. Die internationale Ordnung, gegründet auf Völkerrecht, westliche Werte, Multilateralismus und Bündnissysteme, ist für die Kurd:innen nicht mehr lediglich dysfunktional – sie ist obsolet. Und der letzte Nagel in ihrem Sarg war keine Person und kein einzelner historischer Moment. Es war das kollektive Schweigen der Weltgemeinschaft, als in Aleppo Krankenhäuser zerbombt, die Körper von Kämpferinnen entwürdigt und Zivilist:innen gezielt angegriffen wurden. In jenem Moment hörte die Welt auf, zu existieren – durch ihr Schweigen.
Mit vorsichtigen Erwartungen lässt sich keine Zukunft gestalten
An diesem Punkt ist eines klar: Halbherzige Formulierungen und vorsichtige Erwartungen führen nicht mehr weiter. Die Kurd:innen müssen in vollem Bewusstsein aller denkbaren Szenarien eine radikale Erklärung ihres politischen Willens abgeben, die ihre Gegner in eine strategische Krise stürzt. Kein einziger der bestehenden staatlichen Akteure – weder die Republik Türkei, noch die Syrisch-Arabische Republik, noch die schiitisch-arabischen Machtstrukturen im Irak oder das Mullah-Regime in Iran – verfolgt das Ziel, eine gerechte, tragfähige oder gleichberechtigte Lösung für die Kurd:innen zu ermöglichen. Diese Kräfte bedienen sich unterschiedlicher Mittel, verfolgen jedoch ein gemeinsames Ziel: Die Kurd:innen als kontrollierbare, teilbare und wenn notwendig eliminierbare politische Größe zu behandeln.
Diese Realität zu ignorieren ist kein politischer Fehler mehr, sondern ein existenzielles Risiko. Die Befreiung kann nicht an das Wohlwollen dieser Mächte, an ihre inneren Machtverhältnisse oder an kurzfristige Interessen geknüpft sein. Im Gegenteil: Es bedarf eines radikalen Bruchs – eines politischen Akts, der ihre strategischen Kalkulationen durchkreuzt, ihre Berechenbarkeit untergräbt und das Spielfeld, auf dem sie sich bewegen, entwertet. Diese Radikalität bedeutet nicht Pathos, sondern den Mut, das Recht auf Selbstbestimmung offen und unmissverständlich zu erklären.
Wir sind eine Gesellschaft, die sich selbst tragen kann
Ein weiteres Mal ist kollektives Bewusstsein gefragt, um zu verhindern, dass unsere Gegner unsere Schwächen gegen uns verwenden. Denn ihre Stärke speist sich weniger aus eigener Macht als aus unseren inneren Schwächen. Deshalb sind interne Zerwürfnisse, strukturelle Defizite, Verzögerungen und Unentschlossenheit keine Nebensächlichkeiten mehr. Sie stellen unmittelbare existenzielle Gefahren dar.
Die Zeit, in der sich Kurd:innen in fremde Integrationsszenarien einfügen ließen, ist vorbei. Es geht nicht darum, bessere Verhandlungspositionen zu erzielen sondern darum, das Spiel selbst zu verweigern. Diese Realität lässt sich auf einen einzigen Grundsatz zuspitzen: Wir müssen unser Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Das ist kein Rückzug in Isolation, sondern die Bekundung eines entschlossenen politischen Willens.
Es gibt keine Welt, die uns schützen wird. Und es ist eine gefährliche Illusion, auf solchen Schutz weiterhin zu hoffen. Doch es gibt eine Gesellschaft, die sich selbst tragen kann. Und diese Gesellschaft hat – inmitten der Trümmer von Aleppo – erklärt, dass sie nicht weichen und sich niemals ergeben wird. Das ist die Lehre von Aleppo.
Die Welt hat sich verändert. Und auch die Kurd:innen müssen dieser Veränderung mit Nüchternheit begegnen. Nicht mit Romantik, sondern mit klarem Verstand, realistischer Analyse und kollektiver Entschlossenheit.
[1] Ziyad Heleb war verantwortlicher Kommandant der Asayîş in Aleppo. Im Widerstand um Şêxmeqsûd ist er am 10. Januar 2026 gefallen.
[2] Eine Frau in Şêxmeqsûd drückte ihre Gefühle nach dem Tod von Ziyad Heleb mit den Worten aus: „Genosse Ziyad wurde zum Gefallenen. Möge die Welt doch untergehen.“
Hausbesuch beim Leiter vom Verfassungsschutz in Bremen
von Umzugsservice Landlust anonym Dokumentation

Vergangene Nacht haben wir Thorge Köhler an seiner Privatadresse in der Moselstraße 28 28199 Bremen einen Besuch abgestattet.
Das Haus haben wir mit Farbe markiert und an seinen PKW – grauer VW Golf HB EL 477 - demolierten wir Fenster und Reifen.
Vor kurzem enttarnte die IL Bremen einen Spitzel in ihren Reihen. Dilan S. berichtete dem Verfassungsschutz über 8 Jahre über alle politischen und privaten Vorkommnisse in seiner Gruppe. Er bespitzelte zusätzlich zur IL auch andere Gruppen in denen er aktiv war. Für Geld hat er alle verraten die ihm verbunden waren und nun muss er sich vor seinen ehemaligen Leuten verstecken. Der Ratte gegenüber empfinden wir vor allem Verachtung. Unser Hass gilt dem Verfassungsschutz.
Die IL betont in ihrem Statement die Unrechtmäßigkeit des Einsatzes von Dilan und nennt verschiedene Gesetze die gebrochen wurden. Dies interessiert uns nicht. Wir wollen den Verfassungsschutz abschaffen unabhängig davon ob er sich an seine eigenen Regeln hält. Spätestens seit dem NSU Komplex muss allen klar sein dass der Verfassungsschutz an sich das Problem ist. Er schützt keine demokratischen Werte und keine Menschen. Er schützt die kapitalistischen Verhältnisse. Deshalb späht er antifaschistische, kommunistische und anarchistische Strukturen aus und überwacht die Menschen bis in die intimsten Winkel ihres Lebens. Köhler arbeitet seit 2018 beim VS in Bremen und leitet die Behörde seit 2023. Er trägt die Verantwortung für die aktuellen Spitzeleien.
Köhler nicht nur du hast viele Informationen. Fühl dich niemals sicher.
Kriminelle Vereinigung Verfassungsschutz - Bremer Spitzel enttarnt!
Anfang Januar haben wir einen Spitzel des Verfassungsschutzes (VS) in der Interventionistischen Linken enttarnt, der jahrelang Informationen über die Strukturen und Aktionen linker Gruppen und Personen in Bremen gesammelt und weitergegeben hat. Sein Name ist Dîlan S. [1]. Hauptziel seiner Bespitzelung war ab Anfang 2018 die Interventionistische Linke. Bereits ab 2017 hatte er sich in verschiedenen anderen Gruppen der Bremer Linken Szene eingeschlichen. Damit ist das eine der längsten und intensivsten Bespitzelungen, die in den letzten Jahrzehnten in der BRD aufgedeckt wurden.
Bevor wir diese Zeilen geschrieben haben, haben wir zuerst die direkt Betroffenen informiert und danach eine Email an alle uns bekannten Gruppen, Bündnisse und Organisationen geschickt, in denen Dîlan sich bewegt hat. Mit diesem öffentlichen Text schließen wir diese Informationsphase ab und konzentrieren uns auf die Aufarbeitung und weitere politische Auseinandersetzung.
Chronologie eines Lügenlebens
Im Herbst 2017 ist Dîlan bei einem offenen Treffen für Klimapolitik an der Universität Bremen zum ersten Mal mit uns in Kontakt getreten. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits für den VS gearbeitet. 2018 wurde er zu einem Teil unserer IL-Ortsgruppe in Bremen. Er war über die Zeit in allen unseren politischen Bereichen aktiv, machte mit uns Klimapolitik, war Teil unserer antifaschistischen Aktionen und antimilitaristischen Kampagnen. Er fuhr auf überregionale Treffen und engagierte sich gleichzeitig auch in anderen politischen Gruppen in Bremen.
In seiner Zeit in der IL Bremen war er während eines Auslandssemesters und durch längere Krankheit auch mehrmals inaktiv. Währenddessen stand er trotzdem in stetigem persönlichen und politischen Austausch mit uns. Seiner Aussage nach hat sich der VS, nach jeder Phase der Abwesenheit, erneut gemeldet und Dîlan hat sich jedes Mal wieder für die Bespitzelung gegen Bezahlung entschieden.
Im Vergleich zu ähnlichen Fällen aus den letzten Jahren ist auffällig, dass Dîlan die Menschen, die er an den Geheimdienst verraten hat, für beinahe ein Jahrzehnt zu seinen engsten Freund*innen machte: Persönliche und politische Krisen half er aufzufangen, er war für politische Bestärkung genauso zu haben, wie für das Besprechen von Zweifeln und Ängsten. Er forderte offensiv, und im Nachhinein betrachtet höchst zynisch, eine enge Genoss*innenschaftlichkeit ein. Dîlans Leben war mit unserem tief verwoben. Wir feierten Geburtstage und andere Feste und übernahmen Sorgetätigkeiten als er krank wurde. Wir gingen gemeinsam auf Demos und Aktionen, stritten leidenschaftlich über politische Überzeugungen und reflektierten unsere Lebensentscheidungen. Er führte während der letzten acht Jahre auch sexuelle und Liebesbeziehungen in unserer Gruppe und wohnte in WGs, während er diese Personen gleichzeitig ausspähte.
Verfassungsschutz abschaffen!
Der Einsatz von Spitzeln soll politische Aktivist*innen einschüchtern, Misstrauen streuen und uns als "Extremist*innen" brandmarken. Der Verfassungsschutz setzt ohne Kontrolle fest, wer "Extremist*in" sein soll. Diese Behörde ist ein politischer Akteur und versucht seit ihrer Gründung linke Bewegungen zu zermürben und zu zerschlagen. Der Verfassungsschutz ist der Geheimdienst eines Staates, der uns immer wieder mit Gewalt begegnet. Indem der VS behauptet, wir seien gewaltorientiert, versucht er uns aus der Zivilgesellschaft auszuschließen. Das ist antidemokratische Propaganda, die eine grundlegende Kritik an den Verhältnissen verunmöglichen soll. Für sogenannte Extremist*innen sollen Grundrechte, wie der Schutz der Privats- und Intimsphäre, offenbar nicht gelten. Gerade weil wir in Bündnissen mit vielen verschiedenen Menschen und Gruppen zusammenarbeiten, sind wir für den VS ein besonders interessantes Ziel: Dem VS ist es so möglich, einen Teil der Zivilgesellschaft zu überwachen, die nicht als sogenannte "Verdachtsfälle" unter "Extremismusverdacht" stehen. Das ist ein kalkulierter Übertritt der Befugnisse dieses zutiefst undemokratischen Geheimdienstes.
Es ist auffällig, wie weit über unsere Gruppe hinaus Dîlan Informationen gesammelt hat. Weil Dîlan dem VS so lange Informationen weitergegeben hat, gehen wir davon aus, dass nicht nur jede Information über unser intimstes Leben weitergegeben wurde, sondern auch über viele andere Bremer Gruppen und Engagierte gesprochen wurde. Das betrifft direkt Ende Gelände, Defend Kurdistan und eine migrantisierte, antirassistische Gruppe in Bremen, die sich seit Jahren für die Belange, Rechte und Sichtbarmachung von marginalisierten Personengruppen einsetzt. Soweit wir rekonstruieren können, betrifft das indirekt den Bremer Flüchtlingsrat, die Partei die Linke, die Zionsgemeinde, das feministische Streikbündnis (f*streik), das Bremer Bündnis gegen Rechts und Laut gegen Rechts Bremen. Dîlan hat sich im Winter 2024/2025 auch in die Aktionen zur Verteidigung des Kirchenasyls in Bremen eingebracht und damit einen Zusammenhang für den Verfassungsschutz bespitzelt, der aus der solidarischen Selbstorganisation der Bremer Stadtgemeinschaft entstanden ist und dessen Überwachung weit jenseits der Aufgaben dieser Repressionsbehörde liegt. Das breite Spektrum dieser Liste zeigt klar: Der VS hat Dîlan benutzt, um einen großen Teil der bremischen Zivilgesellschaft auszuspionieren. Wir halten das für Geheimdienstalltag und leider nicht überraschend.Die Bespitzelung durch Dîlan zeigt, dass die demokratische Kontrolle eines geheim operierenden Nachrichtendienstes ein Ding der Unmöglichkeit ist. Ein Einsatz von V-Personen in politischen Bewegungen, der sich an rechtliche Vorgaben hält, ist vollkommen realitätsfern. Wie in anderen bekannten Fällen auch, brach Dîlans Bespitzelung zahlreiche Vorschriften und Gesetze. Der Verfassungsschutz hält sich nicht an die ihm vom "Rechtsstaat" auferlegten Gesetze und wirft uns gleichzeitig vor kriminell zu handeln. (lol)
Über die genannten Gesetzesverletzungen hinaus wurden weitere Gesetze und Vorschriften, die den Verfassungsschutz demokratisch einhegen sollen, gebrochen. V-Leute wie Dîlan dürfen, laut dem Bremischen Verfassungsschutzgesetz, "weder die Zielsetzung noch die Tätigkeit des Beobachtungsobjektes entscheidend mitbestimmen" [2]. In der Interventionistischen Linken treffen wir alle Entscheidungen gemeinsam. Dîlan hat über viele Jahre an den Diskussionen über Ziele und Aktionen aktiv teilgenommen und so, wie wir alle, die Tätigkeiten und Zielsetzungen der Interventionistischen Linken Bremen entscheidend mitbestimmt. Dîlan litt außerdem unter Depressionen und einer Angststörung und befand sich deshalb in therapeutischer Behandlung. Nach den VS-eigenen "Qualitätsstandards in der Quellenführung" müssen V-Personen ein "psychisch stabiler und einschätzbarer Charakter" sein [3]. Wir gehen außerdem davon aus, dass Dîlan über Jahre einen wesentlichen Teil seines Lebensunterhalts durch die Bezahlung des VS bestritt - was ebenfalls gegen das Verfassungsschutzgesetz verstößt. Dîlans Einsatz als Spitzel war also nicht nur widerlich und unmoralisch, sondern auch illegal.Dass die parlamentarische Kontrolle hier versagt hat, ist kein Zufall. Denn das Problem beim Verfassungsschutz sind nicht die vielen einzelnen Skandale, sondern der Verfassungsschutz selbst. Er ist ein politischer Geheimdienst, der Menschen wegen ihrer politischen Einstellung überwacht und gehört abgeschafft. Die bis heute unaufgeklärte Mitwirkung des VS an den rechtsextremistischen Morden des NSU und die Sympathien des damaligen Verfassungsschutzchefs Hans-Georg Maaßen für rechtsextremistische Menschenjagten in Chemnitz 2018 zeigen außerdem, dass dort, wo Menschenleben tatsächlich bedroht sind, der Verfassungsschutz keine Hilfe darstellt, sondern mitwirkt.
Die Enttarnung Dîlans ist für den VS vielleicht etwas ärgerlich, aber tatsächlich zweckdienlich. Allgemeines Misstrauen kann sich traumatisch festsetzen und politische Gruppen zerbrechen. Der VS kalkuliert nicht nur mit der Überwachung und den so gewonnenen Informationen, sondern versucht uns damit aktiv in die Paranoia zu treiben und die soziale Kraft unserer Genoss*innenschaft zu brechen. Diese Strategie wird nicht aufgehen, wir werden einander auch weiter vertrauen und solidarisch handeln. Die Gewalt des VerratsDer Einsatz von V-Personen zählt zu den grausamsten Überwachungsmethoden, die dieser Staat gegen uns einsetzt: Dîlan redete mit uns über die intimsten Dinge im Leben. Er suchte immer wieder den emotionalen Austausch und festigte so auch gleichzeitig seine soziale Stellung in unserer Gruppe. Wir müssen nun mit dem Gefühl leben, dass nichts von dem, was wir unserem Freund und Genossen anvertraut haben, vertraulich war. Dass wir nicht wissen, was mit den Informationen über unser Leben geschehen ist. Wer sie wo sammelte oder auswertete, ist ein unbeschreibliches Gefühl des Verrates. Durch Dîlan hat uns der Staat psychische Gewalt angetan. Wir sind traurig und stinksauer, weil jemand, den wir für einen Freund und Genossen gehalten haben, unsere Nähe und Verwundbarkeit missbraucht hat, um uns zu schaden.
Die Bremer Innensenatorin Eva Högl verlangt von uns, dass wir euch und all unsere Genoss*innen nicht vor Dîlan warnen, weil wir ihn damit in Gefahr bringen würden [4]. An dieser Stelle müssen wir eins in aller Deutlichkeit sagen: Dîlans Leben wird nicht jetzt mit dieser Enttarnung zerstört, sondern das wurde es 2017, als der VS ihn - auch unter Druck - zu einem Informanten gemacht hat. Die Verantwortung hierfür tragen der ehemalige Innensenator Ulrich Mäurer, der Leiter des VS Bremen Thorge Köhler, der ehemalige Leiter Dierk Schittkowski und der Geheimdienst selbst, der Dîlan angeworben und ihn benutzt hat. Selbst als Dîlan bereits merklich unter den psychischen Folgen seines falschen Doppellebens litt und in den letzten Jahren regelmäßige Panikattacken und eine Angststörung entwickelte. Dass er fast alle seine engen Freund*innen an den Geheimdienst verriet, und dass er eine einzige große Lüge gelebt hat, hat diese Panikattacken sicher nicht besser gemacht. Dîlan führte sie im Konfrontationsgespräch selbst auf seine Tätigkeit als V-Mann zurück. Seine Gesundheit, "Leib und Leben" [4], sind daher seitens des VS bedroht, der auch hier keine Grenzen kennt.
Wir werden nicht an der Repression gegen uns mitwirken und warnen vor diesem Verfassungsschutz, der vulnerable Menschen sucht, um sie zum Verrat an deren Freund*innen und Genoss*innen auszunutzen. Der VS wird seine Informationslücke bald schließen wollen. Sprecht offen über alle Anquatschversuche mit euren Genoss*innen und der Roten Hilfe. Redet nicht mit Polizei und Verfassungsschutz! Auch wenn der VS euch unter Druck setzt und ihr im ersten Moment etwas erzählt habt - gemeinsam findet sich eine Lösung, um euch aus der Situation zu holen. Lasst euch euer Leben vom VS nicht zerstören!
Wir lassen uns vom Staat nicht von unserem Weg abbringen. Wir werden weiter tun, was wir für richtig halten. Wir werden weiter für das Gute Leben für Alle kämpfen.
stay safe, keep fightingeure IL Bremen und die gesamte Interventionistische Linke
[1] Wir gehen davon aus, dass Dîlan vom VS geschützt wird und dieser ggf. auch seinen Nachnamen verändern kann, sodass wir diesen weniger relevant finden. Auch wenn Dîlan die volle Veranwortung für seine Taten trägt, wollen wir nicht, dass seine Familie diese tragen muss. Wir haben uns deshalb dafür entschieden, Dîlans Nachname abzukürzen, obwohl er uns bekannt ist.
[2]https://www.transparenz.bremen.de/metainformationen/gesetz-ueber-den-verfassungsschutz-im-lande-bremen-bremisches-verfassungsschutzgesetz-bremverfschg-vom-17-dezember-2013-296586asl=bremen203_tpgesetz.c.55340.de&template=20_gp_ifg_meta_detail_d#jlr-VerfScHGBR2014V5P8b[3] https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/Ueberschrift,pressemeldungndr23096.html
[4] https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/linksetremismus-bremen-informant-enttarnung-100.html
Hinweis: Dîlan S. (*1995) hat sehr auffällige Tattoos auf seiner rechten Hand.
Rojavas Krieg um die Existenz – Eine Zusammenfassung der Ereignisse

20 Januar 2026 — Von Lower Class Magazine
Militärkonvois. Knattern zerschneidet die Stille der Nacht. Schreie unter dem dunklen Himmel, der die Leuchtspurmunition schluckt. Was sich seit über einem Jahr abgezeichnet hat und was man doch nicht so ganz wahrhaben wollte, bleibt auch mit einem neuen Morgen und einem neuen Aufwachen Gewissheit: Die Revolution im Nord-Osten Syriens steht zum jetzigen Zeitpunkt vor einer ungewissen Zukunft. Das, was in den vergangenen Tagen passiert ist, dürften die wenigsten erahnt haben. Und doch darf dies keinen Anlass für Resignation stiften. Trotz des angekündigten Waffenstillstandes hält der Krieg im Nordosten Syriens an allen Fronten an.
Eine vorsichtige Chronik der Ereignisse
Seit den Angriffen auf die kurdischen Stadtteile Eshrefiyeh und Sheikh Maqsoud vor zwei Wochen in Aleppo hat sich das politische Klima in Syrien deutlich verändert. Vorausgegangen waren den Angriffen Verhandlungen zwischen der syrischen Übergangsregierung, Israel und wahrscheinlich den USA in Paris am 6. Januar. Kurz darauf folgte die Kriegserklärung und es stellte sich heraus, dass die Verhandlungen, die zwischen der Selbstverwaltung und der Regierung Jolanis geführt wurden, von den Kräften, die im Hintergrund die Fäden ziehen, torpediert wurden.
Eine Reaktion auf die Angriffe auf die beiden Stadtteile blieb aus und die wenigen hundert Kämpferinnen, die dort nach dem Abzug der YPG und YPJ Einheiten im April (?) verblieben waren, leisteten erbitterten Widerstand. Damit wurde zeitgleich die Spekulationen darüber entkräftet, dass abermals, wie Ende 2024, ein Korridor zwischen der eroberten Landzunge von Deir Hafir bis nach Aleppo freigekämpft werden würde. Viel mehr dürfte nämlich die Möglichkeit überwogen haben, dass sich zumindest vorübergehend die zukünftigen Grenzen der Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens auf die natürliche Grenze des Euphrat-Flusses verlegen würde. Unmittelbar nach dem Fall Sheikh Maqsoud und Eshrefiyehs folgten die Ankündigungen der Jolani-Regierung auf den Fuß, nun auf Deir Hafir vorzustoßen. Nach mehreren Tagen gegenseitigen Beschusses und der Vereitelung von Durchbrüchen wurde am Freitag durch Druck der USA der Rückzug aus Deir Hafir und Maskana in Richtung der weiter östlich gelegenen Stadt Tabqa verkündet. An den Rückzug war ein Waffenstillstand zwischen der SDF und der Übergangsregierung geknüpft, jedoch dauerte es nicht lange, bis der Rückzug von Regimetruppen flankiert und unter Beschuss genommen wurde.
Am vergangenen Wochenende überholten sich dann die Ereignisse. Ziemlich schnell wurde ersichtlich, dass die Truppen der Übergangsregierung nicht stoppen würden und Ambitionen, nun die Städte Tabqa, südlich vom Assad Stausee und die etwas weiter östlich gelegene Millionenstadt Raqqa anzugreifen, wurden geäußert. Zeitgleich mit den Erklärungen begannen in beiden Städten Aktivitäten von bewaffneten, an des Regime gebundenen Zellen, deren Aufgabe es war, mit Angriffen im Inneren der Städte Chaos zu stiften und die Situation zu destabilisieren. Bis zum Samstagabend konnten die Angriffe erfolgreich bekämpft werden, während die Medien des Regimes bereits verkündigten beide Städte zu kontrollieren. Wurden bereits am Samstag, dem 17. Januar die ersten Vorstöße auf Raqqa durchgeführt und Stellungen der SDF über den Euphrat beschossen, so folgte am Sonntagmorgen der Generalangriff. Im Süden des Landes in Deir ez-Zor, einer Region, die erst 2019 endgültig vom IS befreit wurde und in der auch in den letzten Jahren Angriffe von Resten der Al Nusra Front, dem IS, iranischen Milizen oder dem ehemaligen Assad Regime zum Alltag gehörten, wurden große Teile der Region, mitsamt des größten Ölfeld des Landes, unter die Kontrolle von Damaskus-loyalen arabischen Stämmen gebracht.
Auch in Raqqa spitzte sich die Situation am Sonntag zunehmend zu, da neben den Angriffen von außen, arabische Stämme, die auch zuvor aktiver Teil der Selbstverwaltung waren, sich zu der Regierung Jolanis bekannten. Hinzu kam, dass ein militärisches Eingreifen der USA ausblieb, während die Regierungstruppen zu immer größeren Zahlen über den Euphrat übersetzten und aus Deir ez-Zor im Süden und Tabqa im Westen vorstießen.
Mit Raqqa, Tabqa und Deir ez-Zor sind Gebiete gefallen, die unter größten Opfern zwischen 2016 und 2019 vom Islamischen Staat befreit wurden. In diesen Gebieten, die sich nur teilweise auch durch die eigene Bevölkerung vom Islamischen Staat befreit haben, wurde den Menschen die Möglichkeit der politischen Teilhabe an der Demokratischen Selbstverwaltung geboten. Mit Fug und Recht kann man davon sprechen, dass die Mehrheit der größten arabischen Stämme die Selbstverwaltung unterstützte und darin ihre politische Repräsentanz hatten. Was sich jedoch mit dem Sturz des Assad-Regimes geändert hatte war, dass mit der Präsidentschaft Jolanis nun eine neue Option für diejenigen auf dem Tisch lag, welche die Opposition zu Assad an die Seite der Selbstverwaltung führte. Bereits bei dem Angriff der islamistischen Syrischen Nationalarmee (SNA), die Teil der syrischen Armee ist, im Dezember 2024, wurde die opportunistische Haltung einiger Mitglieder des Militärrats von Minbic dadurch klar, dass sie während des Angriffs zur SNA überliefen, und Zugänge in die Stadt für die Islamisten öffneten und somit die Verteidigungslinien kollabieren ließen. Kurze Zeit später folgten Bilder eines unterirdischen Militärkrankenhauses, dessen Position von Überläufern verraten wurde und in dem die Kämpfer:innen des Militärrats von Minbic zu Dutzenden hingerichtet wurden.
An einer ganz anderen Front tobt gerade auch der Krieg, nämlich der um die Deutungshoheit und Informationen. Seit den Angriffen auf Aleppo werden den SDF am laufenden Bande Massaker an Zivilist:innen unterstellt. Während der fünf Tage andauernden Belagerung der Stadtteile Sheikh Maqsoud und Eshrefiyeh hieß es durchgängig, dass alle Verteidiger bereits geflohen wären oder die Waffen gestreckt hätten. Sender, wie das in Qatar ansässige Al Jazeera, waren sich nicht zu schade, Lügen von nie geschehenen zivilen Massakern der SDF, sowie Falschmeldungen über den Verlauf der Kämpfe herauszugeben, um damit direkt die Moral der Verteidiger:innen anzugreifen.
Den ganzen Sonntag über dauern die Gefechte über die gesamte Frontlinie an. Der Süden von Deir ez-Zor ist mittlerweile komplett in die Kontrolle aufsässiger Stämme und der Regierungstruppen übergegangen. In dieser Situation wurde bereits am frühen Nachmittag von Kanälen der syrischen Übergangsregierung verlautbart, dass ein Abkommen mit der Führung der SDF geschlossen wurde und die Vereinbarungen wurden über die Kanäle der syrischen Übergangsregierung verbreitet. Ein direktes Gespräch zwischen al-Jolani und dem Generalkommandanten der SDF, Mazlum Abdi, habe es zwar nicht gegeben, dafür aber ein Telefonat. Um 21:30 deutscher Zeit wurde dann das Statement Mazlum Abdis ausgestrahlt, der bekräftigte, dass ein Abkommen geschlossen und ein Rückzug aus Der ez-Zor und Raqqa befehligt wurde, die Kämpfe aber unvermittelt in aller Härte weitergehen und zahlreiche Falschdarstellungen über das Abkommen kursieren würden.
Am Montag, dem 19. Januar solle es, so Abdi, zu einem Treffen mit al-Jolani kommen, nach dem ausführlicher über das Abkommen berichtet werden soll. An dieser Stelle werden wir keine Prognosen vornehmen, weil es dafür schlichtweg zu früh ist. Was stattdessen klar ist, ist, dass die Kämpfe mit aller Härte fortgeführt werden und an den Orten, die von den Truppen der neuen Machtaber genommen werden, es unter Garantie zu Kriegsverbrechen, Verschleppungen und zu systematischen Morden an Kurd:innen kommen wird. Ebenso klar ist die internationale Dimension, die dieser Angriff in sich trägt, da er den Stempel internationaler Mächte wie den USA und Israel trägt und ebenso durch die Türkei vorangetrieben wurde.
Doch sollten wir jetzt von Verrat sprechen?
Klar ist, dass vorausgegangene Bündnisse immer nur taktischer Natur waren und zu den Zeitpunkten, an denen sich ein besserer Deal für die Hegemonialmächte anboten, dieser zum Leidwesen der Menschen gewählt wird, wie bei den türkischen Invasionen 2018 und 2019. Am Ende ist es doch immer die gleiche Logik. Der altbekannte Spruch „No Friends but the Mountans“ gilt auch heute wieder. Egal ob USA, Israel, Türkei – die Jihadisten sind immer die bessere, die beliebtere Option. Dafür werden das Projekt der Selbstverwaltung, die Friedliche Koexistenz der Völker und die demokratische Vision für Syrien sofort fallen gelassen.
Der Widerstand ist alles andere als gebrochen. Gleichzeitig müssen wir feststellen, dass sich beim Kampf der gerade geführt wird, um einen grundsätzlich existenziellen Kampf für all diejenigen handelt, welche keinen Platz im neuen Syrien unter dem Islamisten Jolani finden. Diejenigen die seit Jahren eine Selbtverwaltung verteidigen, ganz gleich welcher Feind gegenüberstand. Auf die Gewissheit dass Rojava weiterhin verteidigt wird, lässt sich auch hier in Europla anschließen. Unlängst haben Kampagen wie RiseUp4Rojava Aufrufe gestartet die Revolution von Rojava auch in Europa und Deutschland zu verteidigen. Dies sollte bei allen Unklarheiten und Unsicherheiten für alle Sozialist:innen und Internationalist:innen keine Frage sein.
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„Erhebt eure Stimme für Rojava: Verteidigt Frauen, Freiheit und Menschlichkeit!“

20 Januar 2026 — Von Women Defend Rojava
Trotz der anhaltenden Bemühungen der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, einen Dialog zu führen und eine friedliche Lösung zu finden, hat die Übergangsregierung der HTS in Syrien einen brutalen Angriff auf unser Volk und die Werte, für die wir stehen, gestartet. Dieser Angriff richtet sich nicht nur gegen die kurdische Existenz, sondern auch gegen die Errungenschaften und Hoffnungen, die wir gemeinsam aufgebaut haben.
Im vergangenen Jahr kam es zu Massakern an den Gemeinschaften der Alawiten und Drusen. Zu Beginn dieses Jahres eskalierte die Gewalt erneut und richtete sich gegen die kurdische Bevölkerung und die Errungenschaften der Rojava-Revolution. Viele Menschen wurden getötet, Zehntausende vertrieben oder entführt, und Kämpfer wurden brutal gefoltert. Statuen und Symbole unseres Volkes, insbesondere von Frauen, wurden gezielt angegriffen – ein Versuch, Würde, Erinnerung und Widerstand zu zerstören.
Die Angriffe gehen von der HTS und verbündeten Gruppen aus, die aus den Strukturen des sogenannten „Islamischen Staates” hervorgegangen sind. Viele ihrer Kämpfer und Anführer stammen direkt aus den Reihen des IS. Die Organisation, Unterstützung und politische Rückendeckung dieser dschihadistischen Kräfte erfolgt durch den türkischen Staat. Dieser Angriff ist Teil eines systematischen Plans, der darauf abzielt, Einheit, Solidarität und Brüderlichkeit zu zerstören und gleichzeitig Spaltung, Angst und Nationalismus zu fördern.
Dieser Plan zielt direkt auf die Errungenschaften der Rojava-Revolution und der Frauenrevolution ab. Die Welt weiß, dass die Menschen während des Arabischen Frühlings, in Rojava und heute im Iran für Freiheit, Gleichheit und Demokratie gekämpft haben. Doch in Ländern wie Afghanistan und Syrien wurden Kräfte wie die Taliban und HTS wieder gestärkt – Feinde der Frauen, der Völker und aller demokratischen Werte.
Bei diesen Angriffen sind Kinder, ältere Menschen, Frauen und Männer gleichermaßen betroffen. Die HTS greift an, um den Willen der Völker und den Widerstand der Frauen zu brechen. Sie lehnen die Errungenschaften von Rojava ab und attackieren aus Rache Völker, Frauen und Religionsgemeinschaften in der Region.
Wir sagen klar und deutlich: Die Verteidigung Nord- und Ostsyriens ist die Verteidigung der Menschheit und der Frauenrevolution. Wir rufen alle internationalen Organisationen dazu auf, klar gegen die Verbrechen der HTS Stellung zu beziehen. Seit Jahren verteidigen ganze Gesellschaften und die Frauen die Errungenschaften der Rojava-Revolution; heute können diese Angriffe nur durch Solidarität, kollektive Organisation und gemeinsamen Widerstand abgewehrt werden.
Frauenorganisationen kennen die Verbrechen des IS aus eigener Erfahrung. Der gemeinsame Kampf muss intensiviert werden – der einzige Weg, diese Angriffe zu besiegen, ist die Einheit der Völker, Frauen und Nationen.
Jede Beteiligung der HTS oder Jolanis an einer zukünftigen syrischen Regierung ist inakzeptabel.
Diese dschihadistische Kraft bedroht die Zukunft eines freien, demokratischen und säkularen Syriens. Wir rufen die Welt dazu auf, ihre Stimme gegen diese dunkle und zerstörerische Kraft zu erheben und den Forderungen der Völker und Frauen Gehör zu schenken.
Schließlich muss unser Volk seinen Kampf zum Schutz der Errungenschaften der Revolution fortsetzen. Rojava ist Kurdistan – ein Ort des Stolzes und der kollektiven Würde. Alle Frauen und Völker müssen sich an diesem Widerstand beteiligen, um ihre Rechte auf Freiheit, Gleichheit und Demokratie zu sichern und zu verwirklichen.
Kongra Star Koordination
18.01.2026
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Nach dem Vulkanausbruch in Berlin - Gegen die Desorientierung
von: anonym am: 20.01.2026 - 13:29
Auch wenn der große Wirbel um den Sabotageakt und Stromausfall in Berlin schon wieder abgeflaut ist, wollen wir ein paar Gedanken in Form dieses Textes teilen. Wir sind keine Vulkangruppe, lediglich ein paar Menschen, die die Diskussion verfolgt haben. Wenn wir als linke, progressive oder anarchistische Kräfte verwirrt im Kreis springen, uns mit Debatten und Spekulationen über Fakten aufhalten, die wir nicht wissen können, stellen wir uns selbst ein Bein. Dann verlieren wir unsere Handlungsfähigkeit, während unsere Gegner die Welt nach ihren Vorstellungen gestalten. Gefangen in unlösbaren Fragen halten wir uns beschäftigt und vergessen uns auf das zu fokussieren, was wir beeinflussen können.
Gegen die Desorientierung
Auch wenn der große Wirbel um den Sabotageakt und Stromausfall in Berlin schon wieder abgeflaut ist, wollen wir ein paar Gedanken in Form dieses Textes teilen. Wir sind keine Vulkangruppe, lediglich ein paar Menschen, die die Diskussion verfolgt haben.
Für diejenigen, die es aus irgendwelchen Gründen nicht mitbekommen haben, hier eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse: am 3. Januar fiel in Folge von Sabotage in weiten Teilen des Berliner Südwestens der Strom aus. Auf indymedia sowie im Posteingang einiger Zeitungen erschien ein Bekennerschreiben einer "Vulkangruppe : Den Herrschenden den Saft abdrehen". Nachdem zunächst öffentlich darüber diskutiert und spekuliert wurde, ob hinter der Aktion tatsächlich eine Vulkan Gruppe steckt, oder es eine false flag Aktion Russlands war, tauchten in den Tagen danach unzählige Schreiber unterschiedlicher Gruppen auf indymedia auf. Alle behaupten von der echten, oder einer der vielen echten Vulkan Gruppen zu sein und nehmen unterschiedliche Haltungen zur Aktion ein, sodass niemand mehr durchblickt. Fast täglich kam ein neuer Text dazu, alle waren oder sind verwirrt und es wird immer unklarer, wer die Vulkan Gruppe ist, wer hinter der Sabotage steckte und was die Motivationen hinter den einzelnen Texten sind.
Aber die Frage ist doch. Warum wollen wir all das überhaupt so dringend wissen?
Klar, im ersten Moment erscheint es wichtig, die Wahrheit über die Urheberschaft der Aktion zu wissen. Wir denken, es wäre einfacher, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und Hass gegen Linke zu verhindern, wenn wir beweisen können, dass hinter allem Russland oder der Staatsschutz stecken. Auf der anderen Seite wird die bürgerliche Mitte sowieso glauben was sie glauben wollen und Bild&Co. werden ihre Hetze gegen Links nicht zurückfahren, auch wenn wir noch so gut beweisen könnten, dass es eine false flag Aktion war.
Wir suchen die Gewissheit und die klaren Erklärungen in erster Linie für uns selbst. Sie haben eine psychologische Funktion, denn sie helfen dem eigenen Kopf und beruhigen den Geist. Aber das Problem ist: es gibt eine große Chance, dass wir erst in ferner Zukunft oder sogar nie erfahren werden, wer wirklich hinter der Aktion steckte. Wahrscheinlicher ist, dass es verschiedene Versionen der Wahrheit geben wird: das, was die Polizei jetzt sagt und was sie nach langen Ermittlungen sagen werden. Das, was Politiker*innen öffentlich als Spekulationen oder Erklärungen hinausposaunen. Das, was verschiedene Texte auf indymedia als Wahrheit behaupten.
Die Frage ist also nicht, was die eine, ultimative Wahrheit ist, sondern unter welchen Umständen wir etwas als Wahrheit akzeptieren. Welche Bedingung muss eine Aussage erfüllen, damit wir sie zu unserer Wahrheit machen? Glauben wir der Polizei, weil es die Polizei ist? Einem indymedia-Schreiben, weil uns der Tonfall passt? Oder einer anderen Theorie, weil sie in unser Weltbild passt?
Sowohl false flag Aktionen (jemand anderes macht etwas und tut so als wären es "die Linken" gewesen) als auch falsche Behauptungen über Provokateure ("die Linken" machen etwas und Politiker*innen oder Medien behaupten, es seien verdeckte Ermittler, agents provocateur oder ein ausländischer Geheimdienst gewesen) lassen sich in der Geschichte finden und sind eine gegewärtige Möglichkeit. Beides kann Nutzen haben, um subversive Kräfte zu delegitimieren. Im ersten Fall wird der Ruf der Linken zerstört, indem ihnen die Verantwortung für etwas zugeschoben wird, das die Öffentlichkeit negativ auffasst. Im zweiten Fall wird die Legitimität der Aktion und die Handlungsfähigkeit radikaler Gruppen heruntergespielt, indem suggeriert wird, nur professionalisierte und unehrliche Akteure wären in der Lage zu einem solchen Angriff.
Während wir heute und wahrscheinlich für immer nicht wissen können, was die Wahrheit ist, gibt es eine beruhigende Botschaft: Das ist gar nicht so wichtig. Vielleicht ist die Suche danach sogar völlig unnötig und Zeitverschwendung. Anstatt uns davon beschäftigen und verwirren zu lassen, können wir uns auf die Dinge fokussieren, die gelten, egal wer oder was hinter der Aktion steckt. Und das sind einige.
Egal, wer es wirklich war, die Rechten können und werden Vorfälle solcher Art nutzen, um ihren Propgandafeldzug gegen alles Linke voranzutreiben. Sie werden alles nutzen, um diesen Kampf voranzutreiben. Wir bekämpfen diese Propaganda-Maschinerie nicht durch interne Diskussionen, sondern nur, indem wir eine handlungsfähige und effektive Strategie entgegengesetzten, um den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen und anschlussfähige antifaschistische Narrative zu verbreiten. Wenn etwas viel Aufmerksamkeit kriegt, müssen wir das nutzen und uns proaktiv in den Diskurs einmischen. Nicht auf indymedia, sondern da, wo es auch Leute außerhalb der Szene mitkriegen. Warum nicht dieses Ereignissen nutzen, um über fehlende Katastrophenvorsorge, besonders für die Schwächsten in der Gesellschaft zu sprechen und darüber, dass die "kritische Infrastruktur" verletzlich ist, weil sie kaputtgespart wurde, weil im deutschen Staat das Geld vor allem für Aufrüstung eingesetzt wird und um Reiche noch reicher zu machen?
Egal, wer es wirklich war, konservative und Rechte Politiker werden Vorfälle solcher Art nutzen, um den Überwachungsstaat auszubauen und zu rechtfertigen, dass die Repressionen gegen subversive Kräfte immer heftiger werden. Polizeigesetze werden am laufenden Band verschärft und Bürger*innenrechte zurückgeschraubt. Vorfälle wie die Sabotage in Berlin sind dafür ein willkommener Anlass, aber nicht die Ursache. Auch diese Dynamik müssen wir auf anderem Wege bekämpfen und nicht, indem wir verzweifelt versuchen, zu beweisen, dass "wir Linken doch gar nicht so böse sind".
Egal, wer es wirklich war, sollten wir so schnell wie möglich mutual aid Netzwerke aufbauen, wenn Infrastruktur versagt und Menschen in Not sind. Das gebietet nicht nur die Moral und unsere solidarischen Grundwerte, sondern ist auch strategisch das richtige. Durch effektive Hilfe vor Ort zeigen wir besser, dass wir auf Seite der Menschen und für eine solidarische Gesellschaft stehen, als durch irgendwelche Texte auf indymedia oder Distanzierungen von der Aktion auf X.
Du kannst sogar entscheiden, ob du die Aktion gut findest oder nicht, ohne zu wissen, wer es war. Denn für ein solches Urteil ist in erster Linie wichtig, was passiert und welche Konsequenzen das hat und nicht, wer dahintersteckt. Findest du es gut, wenn Infrastruktur angegriffen wird? Findest du es gut, wenn die Normalität unterbrochen wird? Findest du es gut, wenn zehntausende Menschen im Winter mehrere Tage ohen Strom sind? Ändert sich das, wenn es sich um Reiche handelt? Oder um alte und hilflose Menschen in einem Seniorenheim? All das sollten wir mit Hilfe unseres eigenen moralischen Kompasses in der Lage sein zu beantworten, egal wer es wirklich war.
Uns erinnert das, was hier passiert, an die Art, wie in der Szene manchmal über Spitzel und Sicherheitskultur gesprochen wird.
In unzähligen Gesprächen fragen sich Menschen immer wieder: könnte es in unserer Szene Spitzel, Informanten oder verdeckte Ermittler*innen (VE) geben? Ist diese und jene Person vielleicht einer? Manchmal fliegen aus Glück oder Zufall tatsächlich verdeckte Ermittler*innen auf, wie dieses Jahr beim Rheinmetall Entwaffnen Camp. Aber wir können davon ausgehen, dass es viele gibt, die wir nie enttarnen werden und genauso viele Spekulationen, die sich nie als wahr oder falsch herausstellen werden.
Gleichzeitig wissen wir eigentlich ziemlich genau, was VE tun würden, um unserer Szene zu schaden. Einerseits würden sie versuchen, an sensible Informationen zu gelangen, die sie nichts angehen. Andererseits, und das ist vermutlich noch viel wichtiger, versuchen sie Prozesse ineffektiv zu machen, Streit zu säen, Spaltung hervorzurufen oder Projekte voranzutreiben, die strategisch destruktiv sind. Die CIA hat im zweiten Weltkrieg das berühmt-berüchtigtes simple sabotage field manual herausgegeben voller Ideen und Anleitungen, um Organisationen simpel und effektiv von innen heraus zu zersetzen. Damals war die Idee, die Nationalsozialisten zu sabotieren, doch die Taktiken werden bis heute eingesetzt, um feindlichen Organisationen zu schaden. Vermutlich auch von Repressionsbehörden gegen soziale Bewegung. Und selbst wenn nicht, dann haben wir mit dem sabotage field manual trotzdem ein hilfreiches Handbuch, um Verhalten zu identifizieren, das der Effektivität unserer Strukturen schadet, egal wer es einsetzt. (vom ständigen Hinauszögern von Entscheidungsprozessen, über Korrespondenz vergessen, falsch ablegen und „verlieren“ bis hin zu Versuche, bis hin zum Erfragen von Informationen, die die Person nichts angeht).
Warum fokussieren wir uns also immer darauf, wer jemand ist, anstatt darauf, was jemand tut?
Statt uns ständig zu fragen, wer Spitzel ist - eine Frage, die wir nie eindeutig beantworten können - sollten wir uns fragen, wo Verhalten ist, das schädlich ist - eine Frage, die wir sehr eindeutig beantworten können - und dieses bekämpfen, egal von wem es ausgeht.
Und damit zurück zu den Ereignissen in Berlin, die spannend sind, weil Situationen wie diese uns zukünfitg immer öfter erwarten werden: komplexe und verwirrende Umstände, die nicht leicht als eindeutig gut oder eindeutig schlecht zu identifizieren sind, bei denen sich die unterschiedlichsten potenziellen Akteure mögliche Erklärungen vermischen und sich nichts eindeutig beweisen oder ausschließen lässt. Zumal KI uns gleichzeitig skeptischer und leichter täuschbar macht. Dafür muss sie noch nicht einmal eingesetzt werden. Das bloße Wissen, dass ihr Einsatz eine Möglichkeit ist, lässt uns an Texten oder Bildern zweifeln, den wir früher geglaubt hätten.
Auf eine solche Zukunft sind wir nur vorbereitet, wenn es uns gelingt, trotz allem die Orientierung zu bewahren. Wie schon vor tausenden Jahren in "Die Kunst des Krieges" geschrieben wurde: the whole secret lies in confusing the enemy. Desorientierung und Verwirrung sind nicht ohne Grund ein mächtiges Mittel in jedem Krieg. Wenn wir als linke, progressive oder anarchistische Kräfte verwirrt im Kreis springen, uns mit Debatten und Spekulationen über Fakten aufhalten, die wir nicht wissen können, stellen wir uns selbst ein Bein. Dann verlieren wir unsere Handlungsfähigkeit, während unsere Gegner die Welt nach ihren Vorstellungen gestalten. Gefangen in unlösbaren Fragen halten wir uns beschäftigt und vergessen uns auf das zu fokussieren, was wir beeinflussen können. Wenn wir wasserdichte Erklärungen brauchen, um uns orientieren zu können, heißt das im Umkehrschluss, dass wir sehr anfällig für Desorientierung sind. Wir müssen lernen, ohne eindeutiges Wissen zu leben und zu handeln.
Das gelingt, indem wir uns auf das fokussieren, was in jedem Fall feststeht und was wir beeinflussen können.
Lasst uns heute und in Zukunft genau analysieren, was passiert. Lasst uns akzeptieren, was wir nicht wissen können und uns da einmischen, wo wir gebraucht werden. Und zwar in der Praxis, indem wir mutual aid Strukturen aufbauen, um solidarisch reagieren zu können, wenn Menschen in Not sind. Und indem wir uns in Diskurse einmischen.
Wir schließen diesen Text mit einem Zitat der Zapatista: spaltet euch nicht in der Theorie, vereint euch in der Praxis.
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