Adbusting-Protest gegen den Veteranentag in 13 Städten

von antimil-netzwerk
So hatten die Militärs sich ihren allerersten Veteranentag nicht vorgestellt: Aktivist*innen haben in 13 Städten in 10 Bundesländern Innenstädten Werbevitrinen gekapert und unerlaubt gefälschte Bundeswehr-Plakate darin aufgehangen. Zu lesen ist auf dem im Tarnfleck-Design der Bundeswehr gestalteten Adbusting-Postern: “Mit Nazi-Preppern abhängen?” und “Deutscher Mix: Nazis, Patronen, Einzelfälle.” Dies kombinierten die Aktivist*innen mit einem pinken Störer und dem Slogan “Nein zum Veterenantag!” Initiiert hat die Aktion das Antimilitaristische Aktionsnetzwerk in der DFG-VK. „Die Sprüche sind Anspielungen auf eine Reihe rechter Skandale rund um die Bundeswehr und die Veteranenverbände” sagt Kai N. Krieger, Sprecher*in des Netzwerkes: “Deshalb wollen wir mit den gefälschten Adbusting-Plakaten irritieren und Menschen zum Nachdenken bringen.”
Aktionen bundesweit in den InnenstädtenDem Ehrentag für die Naziprepper aus den Veteranenverbänden setzten die Aktivist*innen die größte bundesweite Adbusting-Aktion seit langem entgegen. Die Aktivist*innen kaperten bundesweit mehrere Hundert Werbevitrinen. Sie öffneten mit simplen Rohrsteckschlüsseln aus dem Baumarkt die Werbevitrinen und tauschten hunderte Plakate aus. Betroffen von den Aktionen sind mindestens Berlin, Frankfurt/Main, Stuttgart, Dresden, Leipzig, Freiburg, Schwerin, Halle, Tübingen, Braunschweig und Stralsund. In Flensburg bestickerten Aktivist*innen die Werbeplakate des Veteranentages. In den beteiligten Städten liegt die Zahl der ausgetauschten Plakate je nach Größe der Stadt zwischen 5 und 50, in Berlin sind es mehr. Eine Zusammenstellung der Aktionen inklusive Bilder aus den beteiligten Städten gibts hier: https://jugend.dfg-vk.de Adbusting-Alarm in BerlinAllein in Berlin schafften es Aktivist*innen, die Adbusting-Plakate in über 100 Werbevitrinen zu platzieren. Die dafür verantwortlichen Aktivist*innen aus der Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2a) berichteten von überraschend viel Positiv-Feedback von Passant*innen. Gegen Nachmittag entfernte die Polizei die Plakate in der Nähe der Festveranstaltung. Bilder von der Aktion gibt es auf dem Blog der Werkstatt für Antifaschistische Aktionen:https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2025/06/14/adbusting-alarm-in-berlin-ueber-100-gefaelschte-bundeswehr-plakate/ Auf Social-Media gibts ein Bild, das Cops zeigt, die am Hauptbahnhof eines unserer Poster klauen. Es stammt von Montecruz Foto. Bitte fragt da, ob und wie ihr das Bild benutzen dürft:https://bsky.app/profile/montecruzfoto.bsky.social/post/3lrkvaiimgs2n
Aufregung in StralsundBereits am Donnerstag kaperten Mitglieder der Linksjugend/ Solid Stralsund Werbevitrinen in ihrer Stadt. Vier Stück reichten, um die dortige Polizei in helle Aufregung zu versetzen: “(…) keineswegs ein satirischer Witz…”), “…es könnte sich bei der Aktion um “Adbusting” handeln” paniken die Cops in einer Pressemitteilung. Auch die Ostseezeitung nahm sich des Themas dankbar an und hat heraus gefunden: “Ein Link auf den Fake-Plakaten führt zur Website einer Gruppe, die sich „Antimilitaristisches Aktionsnetzwerk“ nennt”: Pressemitteilung der Cops aus Stralsund:https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/108767/6054960 Artikel in der Ostseezeitung:https://archive.is/Bkx5h#selection-1663.0-1663.117
Plakat-Schock in DresdenAuch in Dresden ist man aus allen Wolken gefallen: “Plakat-Schock in Dresden: Neonazi-Vorwürfe gegen Veteranentag” schreibt Tag24.de. Verantwortlich für die Aktion war die “Antimilitaristische Plakatguerilla Dresden”. Unerlaubt haben sie 30 Plakate unter anderem in die Werbevitrinen vor dem Militärhistorischen Museum, der Stauffenberg-Kaserne und dem Bundeswehr-Dienstleistungszentrum gehängt. Artikel und Bilder aus Dresden auf tag24.de:https://www.tag24.de/dresden/lokales/politisch-motivierte-straftat-dresdner-polizei-entfernt-bundeswehr-fake-plakate-3394882 Aktionsbericht der Antimilitaristische Plakatguerilla Dresden (APD) auf Indymedia:https://de.indymedia.org/node/518423 Mobilmachung in PotsdamAus Potsdam berichtet die Märkische Allgemeine Zeitung: “Aktivisten machen mit einer Adbusting-Aktion gegen den Gedenktag mobil”. Die Adbusting-Poster platzierten sie unter anderem im Holländischen Viertel, am Nauener Tor und am Platz der Einheit. „ Die Nähe zum Deserteurs-Denkmal fanden wir hoch symbolisch“ erklärt Kim, eine der beteiligten Aktivist*innen: „Wir sollten Deserteure ehren, statt Soldaten, die in Afghanistan Leute abgeknallt, weg gebommt oder dabei geholfen haben!“ Über unser Antimilitaristisches Aktionsnetzwerk in der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsgegner*innen. schreibt die MAZ sehr schmeichelhaft: „Das Netzwerk eint die Ablehnung des Militärs, die Lust auf wilde kreative Aktionen und ein rotzfrecher Umgang mit Autoritäten“. Der Artikel aus der MAZ:https://www.maz-online.de/lokales/potsdam/potsdam-erster-nationaler-veteranentag-kundgebung-und-plakataktion-gegen-wehrpflicht-in-potsdam-F26JJGTYZZA6PIDBEGXWPRGZPI.html Bilder der Aktion aus Potsdam:https://de.indymedia.org/node/518137 Halle“Für Faschos ist die Bundeswehr ein riesiger Selbstbedienungsladen um ihre rassistischen Umsturzfantasien vorzubereiten” Das sind die Worte der Pressesprecher:in Diana von der Adbusting Aktion in Halle:https://de.indymedia.org/node/518400 Das Online-Magazin Du bist Halle berichtet.Die Kommentare lesen sich wie Satire: Von “(…) Schutzhaft!” bis “Unter Bismarck hätte es das nicht gegeben!” ist alles dabei:https://dubisthalle.de/plakataktion-zum-veteranentag-adbustings-in-halle-prangern-bundeswehr-als-braunes-heer-an
Stuttgart: Abgesperrte WerbevitrinenDie Stuttgarter Adbusting-Szene stellt sich dem Veteranentag entgegen: 45 Werbevitrinen haben Aktivistinnen dort gekapert oder bestickert. Die Stuttgarter Polizei hatte sich in der Vergangenhaeit bereits festgelegt, dass das Kapern von Werbevitrinen nicht strafbar sei. Damit trotzdem nichts schief geht, bewachten am Samstagvormittag zwei Polizist*innen eine der gekaperten Werbevitrine und versahen sie später noch mit einem rot-leuchtenden Polizei-Absperrband.Bilder von dem Kunstwerk gibts hier:https://jugend.dfg-vk.de/stuttgarter-adbustingszene-stellt-sich-dem-veteranentag-entgegen/ “Nicht strafbar”, sagt die Polizei Stuttgart:https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.adbusting-in-stuttgart-plakat-aktion-gegen-polizei.22abfcda-af5c-4aef-af8d-c88b858c7be6.html
Frankfurt: Adbustings an Oper und HauptwacheAuch aus Frankfürt/Main gibt es schöne Bilder. Eine anonyme Aktionsgruppe kaperte hier Werbevitrinen an der Hauptwache, der Oper und weiteren Orten:https://jugend.dfg-vk.de/bilder-aus-frankfurt-main/
BraunschweigIn Braunscheig kaperten die Aktivist*innen Werbevitrinen mit passenden Bedeutung: Die Poster hängen neben einer alten Bundeswehr-Kaserne, neben einem von den Nazis erbauten Gebäude in dem Lehrkräfte ausgebildet worden sind, in Nähe vom Garnisonfriedhof wo SS-Soldaten begraben sind, neben der VW Halle, vor der Bundeswehr Straßenbahn und neben einer Burschenschaft: https://jugend.dfg-vk.de/bundeswehr-adbustings-auch-in-braunschweig/ Freiburg/BreisgauIn der Nähe von Freiburg finden die Feierlichkeiten zum Nazipreppertag in Breisach am Kaiserstuhl statt. Deshalb haben Aktivist*innen in der Freiburger Innenstadt etwa 20 gefälschte Bundeswehr-Plakate darin aufgehangen. „Denn auch wenn in Freiburg selbst keine Veranstaltung zum Veteranentag stattfindet, werden doch in unmittelbarer Nähe in Breisach Leute verehrt, die beruflich Menschen töten. Das können wir nicht tatenlos anschauen!“, so Anna, Aktivist*in in Freiburg:https://jugend.dfg-vk.de/freiburg-adbusting-gegen-den-nazinahen-veteranentag/ TübingenAuch in Tübingen wurden Plakate gegen den Veteranentag gesichtet: https://jugend.dfg-vk.de/tuebingen-bundeswehr-adbusting-gesichtet/ FlensburgMit großen weißen Postern wird der „Nationale Veterenantag“ in Flensburg beworben. Doch das fanden nicht alle gut: In der Innenstadt wurden mit einer gezielten konzentrierten Aktion sämtliche Werbevitrinen, die diese Poster enthalten, mit Stickern mit dem Slogan „Nazi-naher Veteranentag“ beklebt:https://jugend.dfg-vk.de/flensburg-bundeswehrplakate-mit-stickern-verschoenert/ LeipzigDie Gruppe NoWarLE protestierte am Freitag mit Postern im Bundeswehrlook in der Innenstadt Leipzigs gegen den Veteranentag der Bundeswehr. Die Antimilitarist*innen hängten knapp 40 Poster in Werbevitrinen im Stadtzentrum.Die Aktivist*innen berichteten uns folgende Anekdote: Ein Ticketkontrolleur-Team hat ein Team beim Aufhängen euphorisch gegrüßt und sie waren sehr überfordert damit und haben Schluss endlich zurückgegrüßt und danach ihre Außenwirkung begriffen und genossen. Bilder aus Leipzig gibt es hier:https://jugend.dfg-vk.de/adbustings-gegen-veteranentag-in-leipziger-innenstadt/ SchwerinIn der mecklenburgischen Landeshauptstadtt Schwerin konzentrierte sich die Adbusting-Aktionen rund um den Pfaffenteich. Denn dort findet der Festakt statt. Die Aktivistis schreiben: “Wir hatten schon ein bisschen Spass heut…” Bilder von den Adbustings aus Schwerin:https://jugend.dfg-vk.de/bilder-aus-schwerin/ Der Bundeswehr die Deutungshoheit streitig machenDie Aktiven des Antimilitaristischen Aktionsnetzwerk sind mit der Aktion sehr zufrieden. “So einfach kann man mit vielen kleinen Aktionen den Militärs die Deutungshoheit über ihr Auftreten streitig machen” freut sich Kai N. Krieger: “Wir bedanken uns bei allen Aktivist:innen und Gruppen, die unsere Aktion mitgetragen haben!” Was sind Veteranenverbände?Den Lobbyismus für den Veteranentag haben der Reservistenverband und die Veteranenverbände betrieben.Die Vetranenverbände sind zwar sehr darum bemüht, sich einen seriösen Anstrich zu geben. Doch schaut man sich auf deren Webseiten um, findet man sehr merkwürdige Unterstützer*innen und Untergruppen, wo sich bestenfalls ein sehr skurriles Heldentum und Totenkult zusammen brodelt. “Das Militär bietet eine strenge Hierarchie und den bewaffneten Einsatz für die Nation: Natürlich gehen Nazis da voll drauf ab” erklärt die Aktivist*innen Verena. Vererna lebt in Dresden und hat die dort stattgefundene Adbusting-Aktion mit organisiert. Mehr Infos zu dem Nazikram bei den Veteranenverbänden gibts in der Studie “Saufen, Schießen, Abhitlern – Die Veteranenvereine hinter dem Veteranentag”:https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2025/05/09/schiessen-saufen-abhitlern-die-veteranen-vereine-hinter-dem-veteranentag/ Mit Nazipreppern abhängen?Entsprechend fallen Veteranen aus Veteranenverbänden, Reservistenverband und Bundeswehr regelmäßig mit Nazikram, Waffen klauen und horten, Terrorismus- und Putschplänen auf. Das bekannteste Nazi-Prepper-Netzwerk ist das Hannibal-Netzwerk. Unter dem Vereinsnamen “Uniter” trat es dezidiert als Veteranenverband auf. Die Mitglieder rekrutierten sich aus dem Reservistenverband, Bundeswehr-Einheiten wie dem KSK und den Polizeien. Mit Schießübungen haben sie sich auf einen “Tag X” vorbereitet. An diesem Tag wollten sie politische Gegner*innen umbringen. Nazis, Patronen, Einzelfälle?Für die Bundeswehr sind die rechtsextremistischen Skandalen nur Einzelfälle. Dabei meldete im Jahr 2020 sogar der Militärische Abschirmdienst (MAD) 477 neue rechtsextreme Verdachtsfälle. Fürs Jahr 2022 sind der Bundeswehr allein 216 Fälle von Rechtsextremismus in den eigenen Reihen bekannt. Fürs nachfolgende Jahr 2023 auch wieder 205 Fälle:https://dserver.bundestag.de/btd/20/140/2014002.pdf“Das sind nur die bekannt gewordenen Fälle. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher”, erklärt Kai N. Krieger. Nazis bleiben in der Bundeswehr meistens unerkanntDas eigentliche Problem ist aber, dass die Bundeswehr und die dazugehörigen Veteranen und Reservistenverbände immer wieder auffallen, weil sie Nazis in den eigenen Reihen nicht erkennen. “Das zeigen die Skandale um die Rechtsterroristen Franco A. und Phillip S.” erklärt Kai N. Krieger. Auch die Ausreden von Ober-Veteran Marcel Bohnert nach seinen Auftritten bei Nazis würden dies zeigen: “Was Nazis reden, ist für Soldat*innen vom Smalltalk in der Kaserne kaum zu unterscheiden” sagt Kai. N. Krieger. “Kein Wunder, das rechte Anschlagspläne in der Bundeswehr meistens unerkannt bleiben!” Verboten?Das Kapern von Werbevitrinen und das Hineinhängen von eigenen Postern ist nicht nicht strafbar, wenn man nichts klaut oder beschädigt. Findet die Staatsanwaltschaft Berlin, die Polizei Stuttgart und viele weitere Strafverfolgungsbehörden der Republik. Das Bundesverfassungsgericht erklärte außerdem eine Hausdurchsuchung wegen Adbusting für illegal.„Trotzdem musst Du mit Stress rechnen“ sagt Kai N.Krieger: „Denn Rechtsstaat bedeutet, dass den wichtigen Leuten Recht recht schnell legal, illegal: scheißegal ist, wenn man sie erfolgreich ärgert.“ Genau erklären tut das hier die Kampagne „Kein Tag der Bundeswehr 2021″. Polizei Stuttgart findet Adbusting ok:https://deutschepozilei.wordpress.com/imk-in-berlin-gefalschte-polizeiplakate-kritisieren-rassismus/rechtliches/ Mitteilung des Bundesverfassungsgerichtes zu Adbusting:https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2023/bvg23-121.html Wer ist das Antimilitaristische Aktionsnetzwerk in der DFG-VK?Das Antimilitaristische Aktionsnetzwerk ist eine Vernetzung von Engagierten in der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsgegner*innen. Es ist aus dem Jugend-Netzwerk der DFG-VK hervorgegangen. Das Netzwerk eint die Ablehnung des Militärs und die Lust auf kreative Aktionen. Das Engagement des Netzwerkes gegen den russischen Angriffskrieg und die selbstkritische Thematisierung von Antisemitismus, Rassismus und Sexismus in der Friedensbewegung stößt leider in dieser auch immer wieder auf Ablehnung. Mehr Infos: Alle Adbusting-Aktionen zum Naziprepper-Tag auf einen Blick: https://jugend.dfg-vk.de/ Hintergründe zu den Nazipreppern aus den Veteranenverbänden:https://antifawerkstatt.noblogs.org/post/2025/05/09/schiessen-saufen-abhitlern-die-veteranen-vereine-hinter-dem-veteranentag/ Aktionsaufruf: Den Veteranentag enttarnen!https://jugend.dfg-vk.de/aktionsaufruf-den-veteranentag-als-naziprepper-tag-enttarnen/ Wie gehen Werbetrinen auf?https://de.indymedia.org/tutorial/27605 https://adbustingschluesseldienst.noblogs.org/
„Antifa bleibt notwendig“ – Tausende Antifaschist:innen in Jena
15.06.2025 um 15:30
von Perspektive Online
Am Samstag fanden sich über 6.000 Personen in Jena zusammen um in Solidarität mit den inhaftierten und verfolgten Antifaschist:innen zu demonstrieren. Thematischer Schwerpunkt war dabei vor allem Antifaschist:in Maja – Maja befindet sich seit dem 5. Juni im Hungerstreik in ungarischer Isolationshaft.
Im Rahmen der der letzten Jahre, gab es eine Reihe an Verhaftungen und Repressionen gegenüber Antifaschist:innen, sei dies im Rahmen des Antifa-Ost-Verfahrens oder dem sogenannten Budapest-Komplex. Der deutsche Staat reagierte selbst auf vermeintliche Angriffe der Antifaschist:innen auf Faschist:innen mit starker Repression. Beispielhaft wären hierbei Maja und Lina zu nennen.
Lina wurde im Rahmen des Antifa Ost Verfahrens wegen vermeintlicher Angriffe auf Faschist:innen zu 5 Jahren Haft verurteilt. Maja auf der anderen Seite trifft es hierbei sogar noch härter. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde Maja von den deutschen Repressionsbehörden nach Ungarn ausgeliefert, dabei wurde auch aktiv die Entscheidungsgewalt des Bundesverfassungsgerichts umgangen um Solidaritätsaktionen und rechtliche Verfahren zu umgehen. Dies passierte in so einem Eiltempo, dass Maja schon in Ungarn angekommen war nachdem das Bundesverfassungsgericht dies für rechtswidrig erklärte.
Seit 28. Juni sitzt die nicht-binäre antifaschistische Person nun in Ungarn in Haft und ist aufgrund der schwierigen Haftbedingungen seit dem 5. Juni in einem Hungerstreik. Erst vergangenen Freitag meldete sich Maja in einer emotionalen Videobotschaft und richtete solidarische Grüße an die Teilnehmer:innen der Demo in Jena: „Herzliche Grüße und eine kraftvolle Demo“.
Großer Antifaschistischer Protest in Jena
Aufgrund all dieser Entwicklungen entschieden sich am 14. Juni über 6.000 Antifaschist:innen nach Jena zu reisen für eine bundesweit organisierte antifaschistische Demonstration. Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage stand hierbei besonders der der Hungerstreik von Maja mitsamt den Forderungen im Vordergrund. Auch die im Antifa-Ost-Verfahren beschuldigte Lina E. sendete aus ihrer Haft Grußworte der Solidarität in Richtung Maja.
Sie beschreibt dabei die Situation der Antifaschist:innen in den deutschen Gefängnissen als Harsch und dennoch zeigt sie auch auf, das Maja aktuell in Ungarn in einer viel schwierigeren Situation ist. Auch Lina hofft, dass Maja bald wieder nach Deutschland zurückkehren kann.
Majas Vater spricht – Pyro und Rauch in der Demo
Redebeiträge in Solidarität mit Maja und den verurteilten und untergetauchten Antifaschist:innen gab es dabei noch weitere. Einer der vielleicht interessantesten Redebeiträge kam dabei von Majas Vater selber. Dieser beschrieb die Haftbedingungen von Maja nochmal genauer: Der Hungerstreik macht Maja sehr zu schaffen und könnte dabei auch langfristigste Gesundheitsschäden verursachen. Obendrein wurde von ihm die Folter der Isolationshaft angeprangert, welche die betroffenen Personen dazu zwingen über Tage und Wochen hinweg ohne soziale Interaktionen auszukommen und „dazu zwingen 24 Stunden am Tag nur die Wände und die Decke anzustarren“.
Die Demonstration selbst fand trotz 32 Grad Hitze ohne größere Komplikationen statt. So war vermutlich auch die eher schwach aufgestellte Polizei überwältigt von dem Angebot von mehreren tausend Antifaschist:innen. Somit wurde die Demonstration sehr kämpferisch durchgeführt. Dies wurde vor allem von kämpferischen Parolen, Bannern und Pyrotechnik innerhalb und außerhalb der Demo zu schau gestellt.
Auch nach Jena der Kampf geht weiter
Aufgrund des Hungerstreiks von Maja wurde von verschiedenen Organisationen für das kommende Wochenende vom 20.-22. zu bundesweiten Aktionstagen aufgerufen. Andere Organisation haben darüber hinaus einen Hungerstreik in Solidarität mit Maja und anderen Antifaschist:innen in der Türkei angekündigt.
In Ungarn geht der Prozess von Maja derweil weiter, der Richter stellt dabei offen den Hungerstreik von Maja in Frage, auch Gefängniswärter und weiteres Personal machen sich lustig über die Situation der gefangenen Person. Maja drohen dabei bis zu 24 Jahre Haft in Ungarn. Deshalb ist abzusehen, dass nach Jena und den Aktionstagen der Kampf in Solidarität mit Maja und allen Antifaschist:innen in Haft weitergehen wird.
Frankreich: Antifaschistische Organisation Jeune Garde verboten
von Perspektive Online
Ende April hat der französische Innenminister ein Verbotsverfahren gegen die Jeune Garde eingeleitet. Nun wurde die antifaschistische Organisation verboten. Die Jeune Garde erklärt, dass „der antifaschistische Kampf weiter geht“.
Nach einer Sitzung des französischen Ministerrats am Donnerstagvormittag verkündete der französische Innenminister Bruno Retailleau die Auflösung der antifaschistischen Organisation Jeune Garde. Zugleich wurde auch die faschistische Gruppe Lyon Populaire verboten.
In einem Statement der Organisation heißt es, die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit einer „Faschisierung der Gesellschaft“. Rassistische Argumentationen, insbesondere gegen Muslime, würden normalisiert, täglich gebe es Angriffe gegen sie, linke Aktivist:innen oder sexuelle Minderheiten. Die Regierung nehme daran aktiv teil.
Die Jeune Garde habe sieben Jahre lang Siege über die „extreme Rechte“ errungen: „Die Schließung rechter Lokale, die Auflösung rassistischer Organisationen, politische Kampagnen und offensichtliche Siege auf der Straße und an den Urnen.“ Die Auflösung der Organisation war vom Rassemblement National, der Partei von Marine Le Pen, im Parlament gefordert und angestoßen worden. Deren Politiker:innen waren im Internet voller Häme über das Verbot der Jugendorganisation, die sich ihren Schlägertrupps in Lyon vielfach in den Weg gestellt hatte.
Nun sei das erste Mal seit 1945 die Organisation eines Abgeordneten verboten worden. Gemeint ist damit Raphael Arnault, der ehemalige Sprecher der Gruppe, der weiterhin Mitglied ist und in der Fraktion der Partei La France Insoumise (vergleichbar mit der deutschen Linkspartei) von Jean-Luc Mélenchon im französischen Parlament sitzt.
Auch er meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort: „Sie haben versucht, uns auf der Straße und in den Medien zu besiegen, sie haben verloren.“
Breite Solidarität mit Jeune Garde
Bereits nach der Ankündigung des Verbotsverfahrens gegen Jeune Garde Ende April hatte es in der linken Bewegung in Frankreich und Europa breite Solidaritätsbekundungen gegeben. In Lyon etwa prägten die Gruppe und der Kampf gegen ihr Verbot deutlich sichtbar die Demonstration am 1. Mai.
Zahlreiche Organisationen der politischen Linken solidarisierten sich mit Stellungnahmen und auf der Straße. Auch in Deutschland hatte es Solidaritätsbekundungen von antifaschistischen und klassenkämpferischen Organisationen gegeben.
Auch am Donnerstagabend bedankte sich die Jeune Garde noch einmal auf Instagram für die Unterstützung, die sie aktuell erfährt. „Die antifaschistische Jugend lässt sich nicht auflösen. Der Kampf geht weiter“, heißt es in einem Post.
Der Kampf geht weiter
Grund für die Auflösung war für den französischen Staat wohl vor allem, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen. Verbote von politischen Organisationen sind dabei immer mehr Mittel der politischen Auseinandersetzung. Aktuell laufen auch ähnliche Verfahren gegen verschiedene Gruppen der französischen Ultrabewegung. Die Jeune Garde hatte sich nämlich in ihrer Gründungsstadt Lyon, die als Hochburg der faschistischen Bewegung gilt, vielfach gewaltbereiten Faschisten in den Weg gestellt. Diese greifen Demos, linke Aktivist:innen und Migrant:innen an, ohne dafür bestraft zu werden oder Konsequenzen befürchten zu müssen.
Die erfolgreiche Politik der Jeune Garde hat vor allem gezeigt, dass es möglich ist, den Faschisten selbst Grenzen aufzuzeigen, das eigene Viertel und die eigene Stadt zu verändern. Bereits in ihrem ersten Statement Ende April hatte die Organisation vertreten, dass der Staat das „Recht auf Selbstverteidigung“ angreifen wolle.
Die Organisation hat nun angekündigt, vor dem französischen Staatsrat, dem obersten Verwaltungsgerichtshof, in Berufung zu gehen. „Was auch immer das Ergebnis dieses Rechtsstreits sein mag, der antifaschistische Kampf geht weiter“, so die Jeune Garde.
Das Herzstück der Megamaschine abschalten – Feuer der Mikrochipproduktion
Dokumentation:
Anarchistischer Haufen M.R.M.D (micro resist – mega damage) 12. Juni 2025

Wir haben gestern Nacht auf dem Gelände des Innovationspark Wuhlheide Sicherungskästen, Versorgungskabel und eine Lüftungsanlage der Firma Micro Resist Technology in Brand gesetzt. Während in Deutschland mit Zeitenwende, Sondervermögen und Wehrpflicht wieder hemmungslos für militärische Stärke und Kriegstüchtigkeit mobilisiert wird, zielen wir mit unserer Sabotage auf das Herzstück der technologischen Megamaschine und treffen mit der Mikrochipproduktion auch eine der empfindlichsten Stellen zivil-militärischer Zusammenarbeit. Dieser Angriff versteht sich als Beitrag zu den Protesten gegen den nationalen Veteranentag am kommenden Sonntag – Feuer und Flamme statt Ruhm und Ehre für Militarismus, Soldatentum und Vaterland!
Winzige Riesen an der Schnittstelle von Technologie und Krieg
Das Netz der kapitalistischen Herrschaft spannt sich immer enger um uns. Dabei ist der technologische Fortschritt der Motor, der die zerstörerische Megamaschine antreibt und immer weiter in die intimsten Bereiche unserer Existenz vordringen lässt. Leblose Dinge aus Kunststoff und Metall, welche sich, ausgestattet mit Sensoren, Mikrophonen, Linsen, Mikrochips etc. je länger desto mehr zu Prothesen sozialer Interaktion herausbilden, ersetzen echte, einfühlsame Beziehungen und lassen unsere kognitive Fähigkeiten zunehmend verkümmern. Gleichzeitig werden wir durch Social Media, Sprachassistenten, Künstliche Intelligenz, „smarte“ Geräte, Gesichtserkennung und vielen weiteren Überwachungsinstrumenten auf Schritt und Tritt verfolgt, wodurch all unser Tun immer umfangreicher durch die kapitalistische Wertschöpfungskette einverleibt wird. Aus Big Data wird Big Money. Die Implementierung solcher Technologien in unserem Alltag formen unser Sein und daraus hergeleitete algorithmische Berechnungen entscheiden und bestimmen immer häufiger auch über unsere Zukunft. Haben wir uns erst einmal daran gewöhnt, wirken diese Mechanismen derart allumfassend, dass es für die meisten Menschen heute kaum noch vorstellbar ist, sich dem digitalen Zugriff zu entziehen. Bei Vielen löst schon der Gedanke daran Angstzustände aus. Was bleibt ist ein Heer von Sklav:innen der Maschine, abhängig, kontrolliert, fremdbestimmt und sich diesem Verhältnis meinst nicht mal bewusst.
Das ist jedoch nur die eine Seite des technologischen Angriffs. Denn Technologie kann und soll nicht nur unser Denken und Handeln manipulieren, sondern sie soll auch töten. Fast alle relevanten Technologien sind auf militärische Forschung und Entwicklung zurückzuführen, um sich Vorteile auf dem Schlachtfeld zu verschaffen. Nicht nur gegenüber feindlichen Nationen, sondern auch im sozialen Krieg gegen die Ausgebeuteten, Überflüssigen und Prekarisierten der Bevölkerung. Von der Atomkraft bis zum Internet, von der Kybernetik bis zur Künstlichen Intelligenz –unser Alltag ist durchdrungen von Dingen, die im Kern einer militärischen Logik entstammen. Im Extremfall kann dies bedeuten, dass Apps, die uns heutespielerisch durch den Tag begleiten, die selben Maschinen füttern und trainieren, auf deren Grundlage morgen eine KI-gesteuerte Drohne ihr Ziel bestimmt und vernichtet. Eine Praxis, die bisweilen vor allem vom israelischen Militär durch KI-Programme wie „Lavender“ in ihrem entfesselten Vernichtungsfeldzug gegen die palästinensische Bevölkerung Gazas und mit freundlicher Unterstützung ihrer westlichen Komplizen, Anwendung findet. Was wie eine Episode aus einem dystopischen Sciencefiction-Film anmutet,ist die grauenvolle Wirklichkeit technologischer „Errungenschaften“, welche unter dem Begriff „Dual-use“ zusammengefasst werden und den meisten Technologien inhärent ist. Firmen wie Google, Amazon, Microsoft, IBM, Siemens, Telekom oder Tesla sind nur einige der bekanntesten Player, die an derSchnittstelle zivil-militärischer Anwendungen agieren. Weit weniger geläufig sind hierbei Unternehmen, die hochspezialisierte Schlüsseltechnologien wie Mikrochips/Halbleiter herstellen, ohne welche keines der modernen technischen Geräte funktionieren würde. Smartphone, Computer oder Auto genauso wenig wie Panzer, Lenkrakete oder Kriegsdrohne.
Lange Zeit mehr oder weniger unbeachtet, rückt diese Produktionssparte mit zunehmender geopolitischer Spannungen zwischen China und Taiwan immer mehr ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Denn in Taiwan werden über die Hälfte aller Mikrochips hergestellt und in manchen Bereichen der komplexen Fertigung von Hochleistungschips liegt der Anteil des taiwanischen Konzerns TSMC bei über 90%. Das wollen die EU und die USA schnellstmöglich ändern, denn der Zugriff auf hochwertige Mikrochips ist im Ernstfall kriegsentscheidend und die Weltwirtschaft unmittelbar abhängig davon. Zudem ist die Produktion wegen des hohen Spezialisierungsgrades sowie den fragilen globalen Lieferketten äußerst anfällig für Störungen und Unterbrechungen, was bereits während Corona zu Lieferengpässen führte, wobei weltweit hunderte Fabriken, vor allem der Autohersteller, zum Stillstand kamen. Deshalb werden derzeit mehrere Mikrochipfabriken in der EU und in den USA gebaut. Abhängigkeiten existieren aber in alle Richtungen und die Branche ist von gegenseitigen Sanktionsmaßnahmen und Protektionspolitik geprägt, weshalb auch von einem „Chipkrieg“ die Rede ist. Belichtungsanlagen für Hochleistungschips können bisher z.B. nur von dem niederländischen Unternehmen ASML hergestellt werden, welches ein beträchtlicher Teil ihrer Produktion inBerlin angesiedelt hat, was die Stadt zu einem bedeutenden Standort für die Chipindustrie macht. ASML, so wie alle anderen Produzenten der Halbleiterindustrie sind wiederum abhängig von einer Vielzahl spezialisierter Zulieferer. Einer dieser Zulieferer ist Micro Resist Technology, ein Forschungs- und High-Tech Unternehmen aus Köpenick, das für die Chipproduktion Spezialchemikalien fertigt und kontrolliert, auf deren Basis diese dann hergestellt werden. Da diese Technologie aus Gründen der wirtschaftlichen Potenz und militärischen Schlagkraft essentiell ist und Kriegstüchtigkeit sowieso die Maxime unserer Zeit zu sein scheint, erlebt die Mikrochipindustrie derzeit einen regelrechten Boom in Europa. Das von uns angegriffene Unternehmen gilt deshalb als „Hidden Champion“, was eigentlich schon alles sagt.
Die Chipproduktion ist aber in vielerlei Hinsicht auch eine ökologische Katastrophe. Für die Regionen, wo die Fabriken angesiedelt sind, genauso wie überall dort, wo die seltenen Rohstoffe zu ihrer Herstellung geplündert werden. Wenn, wie von der EU geplant, zukünftig 20 Prozent der weltweiten Mikrochips in Europa produziert werden sollen, könnten die Emissionen der Branche sogar die der europäischen Chemie- und Stahlindustrie übertreffen. Zusätzlich ist durch den gegenwärtigen KI-Hype von einem exponentiellen Wachstum des Bedarfs an Mikrochips auszugehen, was zwangsläufig auch den Umfang der Naturzerstörung im gleichen Maße steigern wird.
Aber auch viele andere Produkte, die das technologische Monster immer mächtiger werden lassen und deren Anwendung weitreichende Folgen auf unser aller Leben haben, kommen aus dem HauseMicro Resist. Diese finden Anwendung in allen möglichen Schlüsseltechnologien wie der Mikrosystemtechnik, Mikroelektronik, Optoelektronik, Mikro- und Nanophotonik, Mikro- und Nanotechnik sowie den Life Sciences. Darüber hinaus forscht und entwickelt Micro Resist derzeit in Kooperation mit Google an einer neuen Version der virtuellen Brille, die einem Daten und Informationen ins Sichtfeld liefern soll. Auch das eine Technologie, die ihren Ursprung im militärischen Bereich hat, um aus Soldat:innen mittels Mensch-Maschine-Interaktionen unfehlbare Cyborgs und Kampfroboter zu machen.Es bleibt abzuwarten, ob ein erneuter Feldversuch zur Normalisierung solcher Überwachungs- und Kontrollinstrumente im zivilen Bereich wieder an den handfesten Argumenten seiner Gegner:innen im Gesicht der Tech-Yuppies scheitern wird. Auch wenn wir in diesen Zeiten insgesamt wenig Hoffnung verspüren, bleibt es zu hoffen.
Für alles weitere halten wir die Sabotage mit ihrer jahrhundertenalten Tradition nach wie vor für eine zeitgemäße Antwort auf Kriegstüchtigkeit, technologischen Angriff und die Zerstörung des Planeten.
Die Megamaschine abschalten!
Feuer und Flamme statt Ruhm und Ehre für Militarismus, Soldatentum und Vaterland!
Kriegsprofiteure angreifen – Veteranentag sabotieren!
Glück und Kraft in Untergrund und Haft – Freiheit für alle!
Anarchistischer Haufen M.R.M.D (micro resist – mega damage)
KI-Ideologie: Wie digitaler Faschismus in den Mainstream vordringt
von netzpolitik.org von Esther Menhard
Sogenannte Künstliche Intelligenz und ihre Versprechungen sind allgegenwärtig. Die Technologie aber ist mit antidemokratischen, menschenverachtenden und faschistischen Ideologien aufgeladen, sagen Aline Blankertz und Rainer Mühlhoff. Und mit der KI dringen auch diese Weltanschauungen immer weiter in unseren Alltag vor.
Gedankenkontrolle, Transhumanismus, Superintelligenzen: Das ist eigentlich der Stoff aus Science-Fiction-Romanen und Verschwörungserzählungen. Und doch haben diese Zukunftsvorstellungen mehr mit unserer gegenwärtigen Welt gemein, als wir ahnen. Denn einflussreiche Unternehmer aus der Tech-Branche arbeiten daran, die damit verbundenen Ideologien zum Mainstream zu machen.
Auf der re:publica 25 schlugen Aline Blankertz und Rainer Mühlhoff in ihrem Vortrag „Digitaler Faschismus: Wie KI-Ideologie die Demokratie untergräbt und wie wir sie verteidigen können“ den großen Bogen von Tech-Ideologien über akademische KI-Philosophie bis zum faschistoiden Potenzial der Alt-Right-Bewegung, die Donald Trumps Politik bestimmt.
Ihr Fazit: Faschistische KI-Ideologien schleichen sich zunehmend in den Mainstream ein. Deswegen sollten wir wachsam verfolgen, wo sie bereits wirksam werden und welches Ziel sie verfolgen. Und wir sollten die Tech-Konzerne, insbesondere die KI-Branche, weitaus strenger regulieren und so ihren Einfluss auf Politik und Gesellschaft begrenzen.
Wie lässt sich Faschismus frühzeitig erkennen?
Aline Blankertz ist Tech Economy Lead beim Verein Rebalance Now, Rainer Mühlhoff lehrt als Professor für Ethik und Kritische Theorien der KI an der Universität Osnabrück. Beide verstehen Faschismus als „Lust an Gewalt als politischem Mittel“, um Rechtsstaat und Demokratie zu zerstören. Dabei spiele KI eine zentrale Rolle, denn sie bestimme die öffentliche Debatte um technologischen Fortschritt. Und die Branche verstehe es, KI als Lösung für gesamtgesellschaftliche Probleme zu vermarkten.
KI-Technologie führe nicht zwangsläufig zu digitalem Faschismus, so Blankertz und Mühlhoff. Doch die Logik, die KI als „Menschensortier-Technologie“ zugrundeliegt, sei mit menschenverachtenden, antidemokratischen und faschistischen Haltungen kompatibel. Schon heute entscheiden KI-Systeme etwa an den EU-Außengrenzen über das Schicksal von Migrant*innen. Wer KI also unkritisch als Meilenstein des technologischen Fortschritts verkaufe, spiele damit jenen in die Hände, die diese Technologie als politisches Machtinstrument betrachten.
Der CEO-Staat
Die radikalste Form der Alt-Right-Bewegung sehen Blankertz und Mühlhoff im politischen Spektrum des Dark Enlightenment, zu Deutsch: die dunkle Aufklärung. Ihre Anhänger*innen wollen Errungenschaften der politischen Moderne rückgängig machen. Das bedeutet etwa, Rechtsstaat, Demokratie und die Gleichheit vor dem Gesetz abzuschaffen.
Der Informatiker Curtis Yarvin und der Philosoph Nick Land würden darin einen Ausweg aus ihrem „Frust mit der Demokratie“ sehen, die ins „Menschheitsverderbnis“ führe. Ihr Ziel sei die Rückkehr zur Monarchie, an deren Spitze aber kein*e Erbkönig*in, sondern ein CEO stehen soll, der den Staat wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen führt. In dieser Staatsform soll es dann keinen demokratischen Souverän mehr geben, sondern nur noch Kunden. Ihr Recht besteht dann nurmehr darin, das Land zu verlassen, wenn sie mit der Staatsführung durch den CEO unzufrieden sind. Die Vision: Staaten sollen global wie Wirtschaftsunternehmen miteinander konkurrieren.
Einfluss gewinne die Ideologie des Dark Enlightenment auch durch Prominente aus dem Silicon Valley, so Blankertz und Mühlhoff. Unter ihnen ist der Tech-Milliardär und Palantir-Mitgründer Peter Thiel. Yarvins Philosophie stützten Thiels libertäre Ansichten und dessen Kampf gegen die Demokratie. Bereits in einem 2009 veröffentlichten Essay hält Thiel Freiheit und Demokratie für „nicht miteinander kompatibel“. Der Unternehmer gilt als Förderer von US-Vizepräsident J. D. Vance und verfügt so mutmaßlich über eine direkte Verbindung ins Weiße Haus.
Die Wurzeln des digitalen Faschismus
Die rechte Alt-Right-Bewegung in den USA verschmelze mit der Ideologie des Dark Enlightment und verwandten Philosophien mit faschistoiden Wurzeln. Dazu würden laut Blankertz und Mühlhoff unter anderem der Transhumanismus zählen. Der Ideologie zufolge sollten Menschen danach streben, ihre Schwächen mittels Technologie zu überwinden. Die Theorie stammt vom Evolutionsbiologen Julian Huxley aus den 1950er Jahren. Huxley gilt als einer der prominentesten Vertreter der Eugenik des vergangenen Jahrhunderts. Der Philosoph Nick Bostrom habe den Transhumanismus wieder populär gemacht, so Blankertz und Mühlhoff in ihrem Vortrag.
Darüber hinaus übe die Strömung des Effektiven Altruismus (EA) aus Oxford großen Einfluss in der Tech-Welt aus. Sie beschreibt eine Ethik, wonach Menschen nicht nur Gutes tun sollen, sondern ihre Mittel dazu möglichst effektiv und effizient einsetzen sollten. So müssten sie etwa nicht automatisch Menschen in akuter Not helfen, sondern könnten stattdessen gezielt begabte Menschen fördern, die dann später im Leben Großes bewirken.
Eine Weiterentwicklung des Effektiven Altruismus besteht laut Blankertz und Mühlhoff im sogenannten Longtermismus. Der Begriff steht für eine philosophische Theorie, die das Leben der Menschen in einer weit entfernten Zukunft ethisch als ebenso bedeutsam einschätzt wie das der derzeit lebenden Generationen.
Die Ideen des Longterminismus würden sich auch in den Debatten um sogenannte Künstliche Intelligenz wiederfinden. Ihre Vertreter*innen gehen davon aus, dass es in Zukunft eine Superintelligenz geben kann. Sie könnte die Menschheit dann entweder existenziell bedrohen oder ihr das Paradies auf Erden bescheren. Weil nur das Letztere anzustreben sei, sollten wir Systeme Künstlicher Intelligenz schon heute in Entscheidungsprozesse über den Fortlauf unserer Gesellschaft einbeziehen, so die Forderung der Longtermisten.
In Europa angekommen
Solche Debatten finden längst nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern mehr und mehr auch in Europa statt, wie Aline Blankertz und Rainer Mühlhoff auf der re:publica zeigten. So hat die EA-Bewegung einen eigenen gemeinnützigen Verein in Deutschland, der sich klar zum Longtermismus bekennt.
Außerdem seien sie unter anderem an den Universitäten Osnabrück, Mannheim oder Aachen mit eigenen Angeboten für Studierende vertreten. An mindestens zwei Unis könnten Studierende sich den Besuch entsprechender Veranstaltungen als Leistung für ihr Studium anrechnen lassen.
Auch sei das Future of Life Institute in Europa aktiv. Die Einrichtung steht der EA-Bewegung nahe und setzt sich laut Website für eine Technologie ein, die allen Menschen nutzt und existenzielle Risiken minimiert. Das Institut lädt regelmäßig Mitglieder der EU-Kommission oder des EU-Parlaments ein. Es werde unter anderem vom Unternehmer Elon Musk gefördert, so Blankertz und Mühlhoff. Und auch Vitalik Buterin, Softwareentwickler und Erfinder der Kryptowährung Ether, zähle zu den Unterstützer*innen.
Zwar halten KI-Forscher*innen wie Timnit Gebru eine Super-KI für ausgeschlossen. Doch einflussreiche Tech-Unternehmer wie Sam Altman vermarkten das KI-Narrativ von der Artifial General Intelligence (AGI) mit Erfolg, also eine allgemeine KI, deren kognitive Fähigkeiten dem menschlichen Gehirn entsprechen. In der longtermistischen Philosophie ist die AGI eine Stufe vor der Superintelligenz.
Für mehr KI-Regulierung
Das Rennen um die AGI, lässt auch in Europa die Sorge anwachsen, nicht mit der technologischen Entwicklung mithalten zu können. So führte etwa der EU-Politiker Axel Voss (CDU) auf der re:publica ein Streitgespräch mit dem ehemaligen Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber über Regulierung im KI-Zeitalter. Voss äußerte die Sorge vor Überregulierung: „Wollen wir den digitalen Fortschritt oder wollen wir ihn nicht?“ Dabei sagt Voss auch, dass KI nicht Entscheidungen über Menschen fällen darf.
Blankertz und Mühlhoff plädierten in ihrem Vortrag für eine strenge KI-Regulierung. Außerdem müssten wir dem Glauben widerstehen, dass wir der Technologie ausgeliefert seien. KI mit dem Ziel zu entwickeln um damit gesellschaftliche Disruption zu verfolgen – wie es Altman, Musk oder Thiel tun -, nütze am ehesten den mächtigen Unternehmern und letztlich auch den Faschist*innen. Als Gesellschaft sollten wir uns stattdessen die Frage stellen, welche Form der KI wir wollen. Keinesfalls aber dürften wir diese Entscheidung den KI-Unternehmen überlassen.






