Für Fatma
Sebastian Lotzer 14. Dezember 2025

Vor einigen Tagen ist ein alter Genosse zufällig auf eine improvisierte Gedenkstätte mit Blumen, Kerzen und Fotos von dir in der Adalbertstraße gestoßen und hat mir sofort geschrieben. Auf diesem Weg habe ich erfahren, dass ich dich nicht wiedersehen werde. In den letzten Jahren sind wir uns kaum noch über den Weg gelaufen, es heisst, dir sei es emotional nicht gut gegangen, ich weiß aber nichts genaueres und letztendlich spielt es auch keine Rolle ob die Seele oder der Körper diese Barbarei, die sie Zivilisation nennen, nicht mehr ausgehalten hat. Es gibt bestimmt Menschen, die dich viel besser kannten und berufener wären, von dir zu erzählen, aber da ich bisher nichts zu deinem Tod gelesen habe, werde ich versuchen, mit meinen bescheidenen Mitteln an dich zu erinnern.
Früher haben wir uns häufig zufällig getroffen, meistens am Rande von Demos oder Actions, und bei all diesen Gelegenheiten hast du mich angelacht und von ganzem Herzen umarmt. Auch wenn die Umstände häufig eigentlich nicht zum Lachen waren. Aber in meinem Kopf ist da dieses strahlende Lächeln, das den ganzen Heinrichplatz erhellt hat, fest eingebrannt. Aber fangen wir damit an, was dich auch in deinem Beitrag zum Antifa Ost Verfahren, zur Frage von Aussagen und Einlassungen, beschäftigt hat, der erst vor wenigen Wochen im Oktober veröffentlicht wurde und den ich weiter unten noch einmal in voller Länge anhängen werde.
1992 – heute sprechen sie von den ‘Baseballschläger-Jahren’, was ich eine Untertreibung finde, denn zu Dutzenden haben die Nazis und Rassisten damals Menschen umgebracht, vorwiegend Migranten, aber auch Obdachlose, Punks und andere, die schon die alten Nazis als minderwertige Menschen markiert hatten. Und in dieser Situation gab es auch migrantische, organisierte Gegenwehr, und Antifaşist Gençlik war wohl der wichtigste Faktor darin. Wichtig nicht nur wegen der notwendigen Militanz, sondern vor allem weil es ein organisierter, politischer Ausdruck der Wut derer war, die man heute als migrantisches Surplus Proletariat bezeichnet. Der Staat und seine Verfolgungsorgane haben das sehr gut begriffen, und deshalb auch diese massive Repression um diesen Organisierungsansatz zu zerschlagen.
Da kam die Aktion gegen ein Treffen von führenden West-Berliner Nazis in einem Restaurant am Kottbusser Damm gerade recht. Durch Zufall war dieses Treffen entdeckt worden und bei der folgenden Auseinandersetzung ist einer der Nazi Kader tot liegen geblieben. Was folgte, war jenseits der staatlichen Repression eine Distanzierungswelle von großen Teilen der West-Berliner Szene und darüber hinaus auch von weiten Teilen der autonomen Strukturen in Westdeutschland. Von vielen wurde eingefordert, dass man sich erst einmal von der Tötung eines Nazis (die keine geplante Hinrichtung war, sondern sich in der Hitze der gewaltvollen Auseinandersetzung ereignete) distanzieren müsse, und dann käme die Frage der Solidarität mit den verfolgten Antifas. Leider gab es belastende Aussagen von Beteiligten und so sind ein paar Leute im Knast gelandet, darunter du, andere führte der Weg in die kurdischen Berge.
Wie du in deinem Text, der unten zu lesen ist, schon richtig geschrieben hast, begann die Spaltung schon vor der Aktion gegen die Nazis in Kreuzberg. Die unsägliche Demo in Hoyerswerda als Reaktion auf das Pogrom im September 1991, die im wesentlichen von Berliner Zusammenhängen organisiert wurde, und auf der dann die “Orga” Zusammenhänge Front gegen die “eigenen Leute” machten, mit dem Rücken zu den Bullenketten. Die folgende Vollversammlung im Mehringhof, die die ganze Zeit am Rande einer Massenschlägerei war, viele politische Beziehungen sind daran zerbrochen, ich selber habe danach mit etlichen Leuten kein Wort mehr gewechselt. Diese arrogante Haltung der weißen autonomen Linken, die denen, die tagtäglich um ihr Leben oder das Leben der Leute ihrer Community fürchten mussten, vorzuschreiben meinen zu können, was denn ein “angemessenes” Niveau des militanten Selbstschutzes zu sein habe. Ich meine, “wir” mussten uns nur andere Klamotten zulegen, und dann konnten wir uns überall, selbst in den übelsten Nazi Käffern ohne Probleme bewegen.
Man muss wirklich an die Brutalität der Verhältnisse erinnern, praktisch jedes Wochenende sind wir und andere mit ein paar Autos in irgendeinen Ort oder einen Landstrich (fast ausschließlich im “Osten”) gefahren, von dem wir vorher teilweise nicht mal gehört hatten, weil dort Jagd auf Migranten und die wenige “linken” Subkulturen gemacht wurde. Oder wir sind mit hunderten von türkischen und kurdischen Jugendlichen von Kreuzberg bis zum Alex marschiert, weil das damals ein beliebter Treffpunkt der Nazis war. Meistens eine wilde Hatz, mit Bullenwannen, die aus dem Nichts auftauchen und versuchten, unsere Gegenwehr zu zerschlagen. Aber am Ende hat der Alex nicht mehr den Nazis gehört. Und niemand, wirklich niemand, konnte wissen, wie weit diese Konfrontationen gehen würden. Solche Geschichten haben immer ihre Eigendynamik. Nun ja, zum Glück bist du nach dem Prozeß wieder aus dem Knast gekommen, ohne dass du dich an den ganzen Dealereien im Hintergrund beteiligt hättest (s.u.).
Aber ab da gab es Trennungslinien und ich glaube, einer der Gründe, warum wir einander so schätzen, obwohl wir uns nicht besonders gut kannten, war die geteilte Abneigung gegen diese ganzen taktischen Spielchen von großen Teilen der “Szene”. Das war dir einfach fremd, du hast immer dein Herz auf der Zunge getragen und deshalb hast du auch so gut nach Berlin gepasst. Und deshalb hast du dich wohl auch so gut als Frau in diesen ganzen männlich dominierten Zusammenhängen behaupten können, deine Authentizität hat dem, was du gesagt und getan hast, ein großes Gewicht verliehen. Nun wirst du nicht mehr das Wort führen oder irgendwas organisieren, wir werden uns nicht mehr zufällig über den Weg laufen, nicht in Kreuzberg, dass für uns beide, trotz aller schmerzlichen Veränderungen, immer so etwas wie “Heimat” war, und auch nicht an einem anderen Ort. Du fehlst jetzt. Für immer. Sei umarmt.
Sebastian Lotzer, 13. Dezember 2025
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Es folgt der Text von Fatma (Devran), der im Oktober 2025 auf indymedia veröffentlicht wurde:
Meine Geschichte zu Aussagen und Einlassungen im Kaindl-Verfahren 1994 in Berlin
Seit den Aussagen eines Verräters im Frühjahr 2022 im Zusammenhang mit dem Antifa Ost- Verfahren sind inzwischen mehrere Genoss*innen verhaftet worden und mit Vorwürfen wie „versuchter Mord“ usw…konfrontiert. Einige sitzen und warten auf ihren Prozess. Mein Herz schlägt mit allen Betroffenen, in Berlin, Budapest, Athen und vielen anderen Städten und Ländern, die von einem System verfolgt, angegriffen und in Knäste gesteckt werden, wo sie vielleicht die nächsten Jahre verbringen werden. Einige Worte über die Gefangenen und Betroffenen aus dem „Antifa Ost -erfahren und Budapest“, Respekt und Solidarität.
Ich wurde gefragt, ob ich über die Zeit im Knast und der Entscheidung im Kaindl-Verfahren 1994, keine Einlassungen zu machen, berichten möchte. Denn seit dem genannten Kaindl-Verfahren, gab es in Deutschland wohl kein Verfahren, in dem Antifaschist*innen mit Anklagen wie Mord und versuchter Mord vor Gericht standen und weitere gesucht wurden. Auch hier sind mehrere Antifaschist*innen betroffen und die sitzen in verschiedenen Städten, in verschiedenen Knästen oder einige werden noch gesucht.
Kurzer Abriss zu der Antifaschistischen Aktion von April 1992, in der bekannt wurde, dass einige Parteifunktionäre wie Carsten Pagel (ehemaliger Landesvorsitzender der Partei Die Republikaner und Ex-Redakteur der neofaschistischen Zeitung Junge Freiheit) und andere in Kreuzberg/Neukölln in einem Restaurant aßen und erkannt wurden. So dass Antifaschistinnen sich auf den Weg machten um ihnen den Spaß zu verderben, jedoch überlebte der Neonazi Kader Gerhard Kaindl (Deutsche Liga für Volk und Heimat) nicht und mehrere Nazis wie Thorsten Thaler (ehemaliges Mitglied von Die Republikaner, Deutsche Liga für Volk und Heimat, heute stellvertretender Chefredakteur für die Junge Freiheit) wurden schwer verletzt. Für den Repressionsapparat war sofort klar, dass es nur die Gruppe Antifaşist Gençlik (Antifaschistische Jugend) sein kann und sie observierten uns durchgehend und auch offen. Schließlich schafften sie es, dass Erkan, laut Akte der Bullen, sich selbst vor dem Restaurant gestellt haben und von dort die Bullen angerufen und um „Hilfe“ gebeten haben soll. Was ich bis heute bezweifele, und ihn gut kannte und auch sehr mochte.
Am 15. November 1993 wurden dann insgesamt, glaube ich, mehrere Wohnungen zur gleichen Zeit und mit Haftbefehlen ausgestattet gestürmt, jedoch konnten sie nur mich und M. festnehmen. Betonen möchte ich auch, dass es nicht nur um Mitglieder von Antifaşist Gençlik ging, sondern auch deutsche Genoss*innen betroffen waren. Einige Tage später stellte sich auch A. von Gençlik. Später wusste ich, dass mehr als 10 Personen gesucht werden und davon 5 Mitglieder von Antifaşist Gençlik sind, 3 von uns waren im Knast und zwei wurden gesucht, einer von ihnen war Cengiz.
Bevor ich mich über das Thema Aussagen oder Einlassungen äußern werde, möchte ich hier noch mal etwas über Antifaşist Gençlik sagen. Ich kenne weder ihre Entstehungsgeschichte noch war ich die ersten Jahre dabei, weil ich einfach noch sehr jung war. Aber ich finde es unglaublich, wie verschiedene Intellektuelle/Linke später versucht haben, die Geschichte von Antifaşist Gençlik zu erzählen, und einige Bücher wurden auch veröffentlicht. Jedoch hat mich ein Buch „Glut und Asche – Reflexionen zur Politik der autonomen Bewegung“ stark getroffen. Denn in diesem Buch, widmet der Autor auch einen Teil Antifaşist Gençlik und setzt sie mit Gangs gleich, beschreibt sie als Schläger ohne politische Inhalte oder ähnliches. Leider hatten viele Gençlik-Mitglieder nicht die Zeit, sich so intensiv über Militanz und ähnliches auseinanderzusetzen oder stundenlang auszutauschen, wie eingegriffen werden kann. Wenn irgendwelche Wohnheime angezündet wurden und sofort losgefahren werden musste.
Sein Satz auf einer VV im Mehringhof („Wir brauchen euren Mut und unsere Schlauheit, das muss zusammenkommen.“) hat ihn berühmt gemacht, denn es ging um die Auseinandersetzungen die innerhalb der Linken während der Demo in Hoyerswerda am 27.September 1991 stattfand. Sein eurozentrischer Blick und wissen zu wollen, wie Militanz auszusehen hat und umgesetzt wird, ist beeindruckend. Denn genau diese offene VV hat auch dazu geführt, dass der Verfassungsschutz 1991 in seinem Bericht auf die Gefährlichkeit von Antifaşist Gençlik hinwies. Zeitnah nach dem Progrom in Hoyerswerda (17.-23-September 1991) sollte eine Demo in Hoyerswerda stattfinden und die Bullen verlangten, dass die Demo aufgelöst wird, was jedoch einige Gruppen und auch Antifaşist Gençlik nicht akzeptieren wollten. So dass sie die Demo selbst durchsetzten und dabei einige Nazis auch zur Rechenschaft gezogen wurden. Antifaşist Gençlik war ein Teil der politischen Bewegung hier in Deutschland, die sehr wohl politisch diskutierte und in vielen antiimperialistischen, antikapitalistischen und autonomen Kämpfen einen Platz einnahm und mit vielen deutschen Gruppen in enger Zusammenarbeit war.
Viele von ihnen hatten schon in der Türkei ihre politische Geschichte und waren gezwungen, vor oder nach dem Putsch vom 12.September 1980 nach Deutschland zu fliehen. Das waren wunderbare Menschen, und ich hatte das Glück mit ihnen zusammen zu sein, sie waren sicherlich nicht perfekt, wie viele gerne es sich gewünscht hätten, aber sie waren Konsequent und hatten eine Haltung, bei der Mann und Frau mitgehen kann oder nicht.
Leider war ich bei der genannten VV nicht dabei und kann nur aus den Erzählungen wiedergeben, aber ich konnte immer wieder durch Sprüche, wie „es sind alles Macker“ oft alles spüren und hören. Jedoch kann ich sagen, dass oft genau diese Gruppe und einige andere Gruppen die eng mit Antifaşist Gençlik zusammen waren, sehr erfolgreich Angriffe auf Wohnheime verhindern konnten.
Am 15. November 1993 wurde ich in meiner Wohnung verhaftet. Sie stürmten die Wohnung und schrien mit gezogenen Waffen, wo Cengiz sei, und ich verstand nichts und dachte nur, er ist doch los um Geld zu besorgen und mir Medikamente zu kaufen, denn ich war krank und hatte Fieber. Heute und auch damals habe ich mich oft gefragt, ob Cengiz das alles überlebt hätte. Denn sie waren außer sich und wüteten in dieser winzigen Wohnung wie verrückt, und er hätte sich mit allen Mitteln gewehrt, wie es ausgegangen wäre, kann ich bis heute nicht sagen. Danach kamen irgendwelche Bullen hoch, mir wurde der Haftbefehl vorgelesen, und ich wusste sofort, dass es erst mal kein zurück gab, aber das Ausmaß des Ganzen war mir noch nicht bewusst. Der einzige Gedanke war für mich, er wird gleich kommen und sie werden ihn festnehmen. So richtig hörte ich auch nicht zu, was die Bullen zu mir sagten, ich hoffte nur, dass er entkommt, was er auch schaffte. Er stand nämlich drüben auf der anderen Straßenseite und konnte sehen, das die mich mit einer Tüte auf dem Kopf abführten. Die Bullen hatten sich entschieden, in der Wohnung zu warten, mit der Hoffnung, er würde doch noch kommen!
Mein Anwalt kam und berichtete mir, was der Vorwurf war und was es bedeutete! Im Haftbefehl stand „einmal Mord und 11 mal versuchter Mord“, gemeinschaftlich organisiert und aus politisch motivierten Gründen durchgeführt zu haben. Ich war sehr jung und das deutsche Rechtssystem war mir fremd, denn ich war bis Februar 1991 in Istanbul. Mein Anwalt erklärte mir in Ruhe was jetzt passieren würde und besprach alles mit mir. M. und ich waren die ersten, die verhaftet werden konnten, alle anderen waren abgetaucht und wurden mit Internationalen Haftbefehlen gesucht. Ein Gençlik – Mitglied stellte sich, glaube ich nach 4 Tagen und dies mit der Absicht, später im Prozess aufzuzeigen, dass es sich hier um ein Konstrukt seitens der Bullen handelte, denn er hätte sofort nachweisen können, dass er sich am genannten Zeitpunkt gar nicht in Berlin aufhielt.
Mir wurde der Haftbefehl vorgelesen und ich kam in den Knast Plötzensee und dort begann auch schon die erste Konfrontation, denn sie bestanden darauf, dass ich mich ausziehen und Knast Klamotten anziehen sollte. Da ich mich dagegen wehrte, wurde es mit Gewalt durchgezogen. Ich wurde in ein Haus und in eine Zelle gebracht, wo nichts von Mitgefangenen zu hören war, ich konnte keine Gefangene sehen und erfuhr, dass ich mit Sicherheitsverwahrung in totaler Isolation war. Der Hofgang fand in einem Extra-Hof statt und das nur mit der Bedingung, dass mehrere Schließer zur Verfügung stehen müssten oder Zeit haben müssen – und oft fiel der Hofgang wegen Personalmangel aus. Da ich mich weigerte, die Knast Klamotten anzuziehen, lief ich mit irgendwelchen Decken umwickelt im Hof herum, bis sie aufgeben mussten und mir meine eigenen Sachen wiedergaben.
Viele der Frauen versuchten mir etwas bei den Hofgängen zuzurufen und wurden sofort ermahnt, dass jeglicher Kontakt mit mir verboten war. Eine Sozialarbeiterin kam rein und ich schmiss sie raus, weigerte mich mit irgendeinem, der für dieses System arbeitete, zu reden.
Der einzige Kontakt war zu einem Pfarrer, der immer wieder mal sporadisch reinschaute, dann mein Anwalt, denn Besuche bekam ich erst nach einem Monat glaube ich. Dafür hatte ich sehr viel Besuch von den Bullen, die immer wieder kamen, mich in ein Auto packten und zum Staatsschutz Gebäude brachten, unter Druck setzten und wissen wollten, wo Cengiz sein könnte. Dabei war ihnen jedes Mittel recht, so wie auch meinen Vater mit rein zu ziehen und ihn in den Knast zu bringen. Er solle mich überreden zu reden, sie hatten ihm vorher erzählt, dass sie mich den türkischen Bullen übergeben werden und diese dann alles mit mir machen könnten, eine türkisch sprechende Bullenfrau übersetzte und mein Vater weinte, so dass ich ihn anschrie und aufforderte zu gehen, sie übersetzte und sagte, ich würde ihn beschimpfen, so dass ich auf alle im Raum losging. Meine Wut war unbeschreiblich.
Anfang Dezember, ich hatte kein Zeitgefühl mehr, kam die erste große Demo zum Knast, und ich konnte sie aus der Ferne durch ein kleines Fenster hören. Ich weinte das erste Mal. Dann stürmten die Schließer meine Zelle und verlangten, dass ich mit ihnen rausgehen sollte, ich wehrte mich, und es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung und ich landete im Bunker. All das dient denen dazu, uns klein zu kriegen und Angst zu machen, um uns zum Verrat oder zu Aussagen zu bewegen. Und diese Zeit ist schwer und auch hart. Margit Schiller beschreibt in ihrem ersten Buch als RAF Gefangene sehr authentisch und sehr schön, wie es einem unter all den Bedingungen gehen kann, denn keine/r von uns ist in so einer Situation frei von Emotionen.
Die ersten Briefe und Telegramme trafen ein und ich freute mich, denn das erleichterte die totale Isolation, und es waren tolle Briefe, besonders die Briefe von Norbert Hofmeier, einem ehemaligen Gefangenen aus dem anti-imperalistischen Zusammenhängen, der sich in der Zeit auch noch im Knast befand, gab mir viel Kraft und zeigten, wie ich meinen Alltag auch in der Isolation gestalten konnte, und ich fing an, all die tollen Ratschläge und Erfahrungen umzusetzen. Meine totale Isolationshaft dauerte 3 Monate und nicht wie in Broschüren, die später erschienen nur 2 Monate, und das ohne jeglichen Kontakt zu Mitgefangenen, nur durch den öffentlichen Druck wurde mir erlaubt, und das in den letzten 3 Wochen, mit einer Frau aus Chile den Hofgang zusammen zu machen, und die konnte kein Deutsch.
Ich hatte nie die Möglichkeit mich bei allen zu bedanken, allen die mir hunderte von Briefe schrieben, draußen unglaubliche Soli-Arbeit leisteten und die vielen Besuche. Besonders bei meinem Vater, der sich durch nichts einschüchtern ließ und immer hinter mir stand, stolz war und bis heute vieles nicht verarbeiten konnte. Besonders die Isolationshaft konnte er nicht verstehen, denn in den türkischen Knästen wurden die politischen Gefangenen zusammen gelegt, aber einer der Schließer oder Bulle hatte meine Haftbedingungen ausführlich vor dem Besuch meinem Vater erklärt und er weinte. Meinem Vater wurde extra Besuch eingeräumt und das nur mit Übersetzung und Berühren war verboten; irgendwann platzte er und beschimpfte die Bullen am Tisch, verlangte, das es übersetzt wird und der Dolmetscher wollte nicht, und das werde ich nie vergessen, weil mein Vater ihn aufforderte dies zu tun und er würde ihn bezahlen. Dann legte er selbst los und ich wusste wie er sein konnte.
Mein erster Anwalt, mit dem ich schon ein Verfahren gemacht hatte und auch sehr mochte, klärte mich auf und erzählte dass es erst mal nicht gut aussah, Erkan hatte geredet und umfangreiche Aussagen gemacht. Auch dass die Bullen einen weiteren Jugendlichen suchten und auch von ihm sich Aussagen erhofften, was dann auch geschah! Es ging um 10 Jahre für uns Jugendliche, das waren ich und die beiden Kronzeugen, und für alle anderen um Lebenslänglich. Der zweite Anwalt, der dazu kam, versuchte recht schnell mir deutlich zu machen, dass ich etwas sagen müsste, sonst wäre es aussichtslos, und dass er nicht wüsste, was er hier tun sollte. Es war ein langer Prozess mit dem zweiten Anwalt und im Laufe der Zeit hatten wir doch auch einen guten Umgang miteinander.
Oft fragte ich, ob Cengiz und natürlich auch alle anderen in Sicherheit wären und es wurde immer wieder gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Cengiz wäre in Sicherheit und würde auf mich warten. Erst als ich mit meinem Anwalt die Anklageschrift besprach, sagte er mir, das Cengiz sich entschieden hatte, nach Kurdistan zu gehen und dort seine politische Arbeit fortsetzen würde. Dies sollte vor mir verheimlicht werden, denn sonst könnte ich eventuell umkippen oder ähnliches. Wer diese Entscheidung getroffen hatte, will ich hier nicht ausführen, aber ich war wütend und fragte mich, wie weit wollen die noch gehen und für mich Entscheidungen treffen.
Nach 6 Monaten kam die Anklageschrift, inzwischen hatten sich einige gestellt und wir waren insgesamt 7 Gefangene, einer war Erkan und der zweite Sahin. Erkan war psychisch krank und in seinen Aussagen konnte ich gut erkennen, wie die Bullen seine Situation für sich ausnutzten und versuchten, viele politisch Aktive auch in den Knast bringen zu wollen. Auch versuchten sie, Erkan davon zu überzeugen, dass diese Aktion im Vorfeld geplant sein muss und er versuchte dies immer wieder zu dementieren – es waren über 20 Akten Ordner und tausende von Seiten. Deutlich war in der Anklageschrift zu erkennen, dass ich 10 Jahre bekommen und im Anschluss abgeschoben werden sollte, und die Älteren mit lebenslänglich rechnen müssten.
So begann dann der Austausch zwischen uns Gefangenen über Einlassungen, denn klar war, dass keiner aussagen würde, aber über Einlassungen nachgedacht wurde. Da ich fast nichts von dem verstand, fragte ich meinen ersten Anwalt und er erklärte mir den angeblichen Unterschied zwischen Aussagen und Einlassungen, jedoch gab es für mich keinen Unterschied, und das Argument, dass jeder nur für sich sprechen würde, konnte mich nicht überzeugen und bewegen. Denn mein Anwalt erklärte, das Einlassungen immer bedeuten, dass man über die „Tat“ und sich erzählen muss und kein Argument konnte mich ab dem Zeitpunkt überzeugen, darüber nachzudenken und meine Entscheidung stand fest.
In den vielen Auseinandersetzungen wurde ich heftig angegriffen und auch von gewissen Anwälten, dass ich mit 10 Jahren gut davon käme, oder mir wurde meine politische Identität abgesprochen, ich wäre die Geliebte von Cengiz und würde diese Entscheidung nur für ihn treffen.
Für alle Typen: Endlich kann ich mich mal diesbezüglich äußern – meine Entscheidung so und nicht anders zu handeln, war eine politische Entscheidung, und ich würde auch heute nicht anders handeln. In meiner Familie waren sehr viele in der Türkei politisch aktiv und verbrachten ihr halbes Leben im Knast oder starben im Kampf um ein befreites Kurdistan. Ein Brief von einem mir nahestehenden Verwandten, der mit Sakine Cansız, 2013 in Paris vom türkischen Geheimdienst MIT ermordet, zusammen die schlimmsten Jahre in Diyarbakir verbracht hatte und selbst unter Folter Aussagen gemacht hatte, konnte mich beeindrucken.
In seinem Brief berichtete er über die Folterungen und die Stärke, die Sakine Cansız gezeigt hatte, nicht nur für sich, sondern auch alle anderen ermutigte, nicht aufzugeben. Es war ein langer Brief und zum Ende des Briefes überließ er mir die Entscheidung 10 Jahre abzusitzen und mit „Stolz“ raus zukommen. Das kann ich leider nicht übersetzen und kann schwer erklärt werden. Eigentlich war ich vom ersten Tag meiner Festnahme davon ausgegangen, dass wir alle uns zu nichts äußern werden, aber durch den Druck war ich bereit, mit allen in die Diskussion zu gehen und wollte verstehen, was sie mit Einlassungen meinten. Auch wurde mir geraten, mich doch nicht andauernd mit den Schließern anzulegen und etwas netter und bedachter mit allem umzugehen. Denn in Deutschland würde es dafür (also “gutes Benehmen“) Straferlass geben und ich könnte früher raus. Ich verstand nichts. Mir wurde auch erklärt, dass ich vor irgendwelchen Leuten so was wie „Reue“ zeigen müsste, was für mich niemals in Frage kam. Es waren einige männliche Schließer dabei, die sich wie Bullen im Umgang mit mir aufführten und ich wehrte mich, denn das Wehren war wichtig und nicht ihren Anweisungen oder Befehlen zu gehorchen. Es gestaltete sich wie ein Machtkampf und ich hatte nichts zu verlieren und mir blieb nur noch meine Würde, dass wollte ich mir nicht wegnehmen lassen.
Draußen gab es hunderte von Veranstaltungen, Diskussionen und sehr viel Unterstützung, auch die Frage „Mord“ wurde diskutiert und ich klinkte mich aus allem raus, denn ich konnte diese Diskussionen nicht verstehen. Cengiz war lange dabei gewesen und hatte mir viel von Hoyerswerda erzählt und die Wut, das wir als Linke Bewegung nicht eingreifen und die Pogrome in Hoyerswerda nicht verhindern konnten – wir redeten viel. Wenn ich an ihn denke und die Zeit mit ihm, kann ich nur sagen, dass sein Umgang und seine Konsequente Haltung gegen Nazis und Bullen nicht zu diskutieren war und auch von vielen stark kritisiert wurde. Viele fragten mich nach der Entlassung ob Cengiz mir gegenüber auch so hart gewesen war und ich war nur erstaunt und konnte nicht antworten. Cengiz war ein wunderbarer Mensch und liebevoll im Umgang mit Menschen, aber er war auch sehr entschlossen und klar gegenüber seinen politischen Gegnern. Später und gesondert mehr über Cengiz.
Die Diskussionen wurden immer heftiger und die Staatsanwälte erlaubten mir und M., uns im Beisein unserer Anwälte zu sehen und auszutauschen, dass ging voll nach hinten los, denn sowohl sein Anwalt (Nur einer), als auch er selbst versuchten mich, unter Druck zu setzen und erwarteten auch von mir, Einlassungen zu machen. Denn sie hatten sich alle schon entschieden Einlassungen zu machen, und diskutierten wie diese aussehen könnten. Ich wollte sofort raus aus diesem Raum, und dann kam der Bruch zwischen mir und meinen damaligen Genoss*innen, außer A. der sich freiwillig gestellt hatte. Zwischen den anderen und mir brach der Kontakt komplett ab.
Der Prozess begann und es waren mehrere Tage und Monate für die Verhandlungstage angesetzt. Im Prozess Saal unsere Familien, viele von ihnen kurdische Frauen und Männer, sie weinten und beteten, vorne eine Hundertschaft von Bullen, mehrere prominente Prozessbeobachter*innen und hinten die vielen Genoss*innen und Unterstützer*innen. Diese sorgten ordentlich für Tumult im Saal, was mich sehr freute, besonders als Carsten Pagel oder der verletzte Nazi aussagen sollten und leider es nicht dazu kommen konnte, denn es kam zu Aktionen im Zuschauer Raum und die Verhandlung wurde abgebrochen.
Ich hatte Angst und viele Fragen im Kopf. Allein die Vorstellung, die nächsten 10 Jahre im Knast zu verbringen, machte mir Angst. Jedoch hatte ich mich auf die Vorstellung eingestellt, dass dies für die nächsten Jahre mein aufgezwungenes Zuhause sein würde. Ich verstand mich mit den anderen Frauen im Knast sehr gut und konnte auch viel bewegen, wie das Geld zusammenlegen und gemeinsam einkaufen, zusammen kochen, und auch politische Diskussionen fanden statt. Denn all diese Frauen hatten gar nicht das Glück wie ich, mir wurde Geld überwiesen, ich bekam täglich Besuch, Briefe und Pakete. Sie jedoch hatten teilweise nichts und mussten im Knast für eine Mark oder ähnliches 8 Stunden arbeiten, ich verweigerte die Arbeit und das nicht aus Faulheit oder Gemütlichkeit, sondern ich sah es nicht ein, für das Geld zu arbeiten und ich hätte auch mit allen Konsequenzen gelebt.
Im Prozess wurden die Aussagen von dem ersten Kronzeugen aufgrund seiner Erkrankung nicht anerkannt, aber es wurde deutlich erklärt, dass jede Aussage, die er jetzt im Prozess machen würde, anerkannt werden würde. Er stand auf und sagte nur, dass Cengiz zugestochen hätte und setzte sich wieder hin, und ich wusste, dass dies eine Abmachung war, die zuvor getroffen worden war, und meine Wut wuchs so sehr. Der andere Kronzeuge war zwar auch sehr jung und auch unpolitisch, denn das war immer wieder ein Argument, mit dem er in Schutz genommen oder entschuldigt wurde. Denn ich bezeichnete ihn als Verräter und viele sahen es nicht so. Jedoch hatte ich nichts als Hass für ihn übrig, denn er bezeichnete Cengiz als den „Mörder“ und hatte das große Bedürfnis, alle zu beeindrucken, seine tolle Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu zeigen. Indem er die angebliche „Tat“ von Cengiz wie eine Horror Geschichte erzählte und alle anderen Mitgefangenen nicht mal etwas sagten und ihn erzählen ließen. Das war für mich dann endgültig, und ich war nur noch enttäuscht.
Dann lese ich in einer Broschüre (Antifaschistisches Infoblatt, Nachbereitung zum Kaindl-Fall), in der einige der Gefangenen und Untergetauchten sich in einem Interview zu dem Verfahren äußern, und kann es nicht fassen. Natürlich wurde auch ich gefragt, ob ich bereit wäre, dabei zu sein und ich hatte deutlich gesagt, dass ich mich mit allen aus dem Verfahren nicht an einen Tisch setzen werde. Denn das Verhältnis zwischen uns war nur noch erhärtet und da ich auch die einzige Frau in dem Verfahren war und eine Entscheidung getroffen hatte, die sehr wohl unter uns sehr intensiv diskutiert wurde, war auch der Umgang nicht besonders freundlich mit mir und die verbalen Angriffe auch entsprechend.
Dieser Prozess interessierte mich dann nicht mehr und ich hörte auch nicht mehr zu. Ich machte meine politische Erklärung und dass ich ein Mitglied von Antifaşist Gençlik sei, mehr war für mich nicht mehr von Bedeutung.
Letztendlich kamen wir alle raus und das mit verschiedenen Urteilen. Obwohl meine Beteiligung nicht bewiesen werden konnte, weil sich Sahin nicht richtig an mich erinnern konnte, und er bemühte sich sehr, erinnern zu können, bekam ich aufgrund „Psychischer Beihilfe“ eine Bewährungsstrafe und alle anderen 3 Jahre im offenen Vollzug. Dies mit der Bedingung, dass wir alle mit dem Deal der Staatsanwälte einverstanden sein müssten, somit auf die ersehnten Aussagen der 20 Staatsschutz Bullen verzichten würden. Insgesamt 7 Gefangene und 14 Anwälte befanden sich im Gerichtssaal und ich wollte unbedingt, dass die Staatsschutz Bullen verhört werden sollten, sie hatten unsere Daten an die Nazis weitergereicht, unsere Familien durchgehend terrorisiert und über hunderte von Menschen befragt.
Der Saal wurde geräumt, nur wir und die Anwälte sollten das besprechen, und ich konnte es nicht fassen, dass ich nichts davon wusste, vor vollendeten Tatsachen stehen musste und nicht Zeit hatte, darüber nach zu denken. Das war auch nicht gewünscht und der besonders berühmte Anwalt Zieger ließ mich auch nicht zur Sprache kommen. Anwalt Matthias Zieger dominierte fast alleine dieses Verfahren und war vermutlich auch sehr gut, denn auch das Gericht zeigte ihm gegenüber sehr viel Respekt, aber zwischen ihm und mir war nichts möglich. Viele von euch werden sich jetzt mit all dem auseinandersetzen müssen und vielen steht der Prozess bevor, und ich möchte nicht einen von euch mit meiner Entscheidung beeinflussen wollen, aber für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Aussagen und Einlassungen. Ich habe diese Entscheidung für mich getroffen, denn wir begehen nicht nur Verrat an unseren Genoss*innen, die schon weg sind oder ähnliches, sondern ich hätte mich selbst als eine Politische Gefangene und in meiner Identität als Politische Gefangene verraten und ich wusste, ich hätte niemals damit leben können.
Egal wie die Entscheidung einzelner sein wird, letztendlich wird die Entscheidung von uns alleine getragen. Später konnte ich sehen und erleben, dass einige meiner Genoss*innen die Einlassungen gemacht hatten, an dem kaputt gingen und sich aus allem zurückzogen.
Umarmung an alle, die in den Knästen sitzen, von Repression betroffen sind, viel Kraft.
Mein Herz, Respekt und Unterstützung ist all Zeit da!
Cengiz an dich möchte ich mich ganz besonders erinnern und du hast mir so sehr in all den Jahren gefehlt, deine Entschlossenheit, dein Lächeln, wenn du gemerkt hast, dass ich Angst habe, die vielen tollen Diskussionen, die wir führten und uns auch stritten. Ich habe nie verstehen können, wie manche dich hier wahrgenommen haben, denn du hast nicht viel geredet, aber dass, weil du sehr viel nachgedacht hast und abgewogen hast. Deine innige Freundschaft zu Uli und eure Entschlossenheit gegen den Staat und Nazis hat mir oft auch Angst gemacht, aber auch viel Mut und Stärke verliehen.
Cengiz wurde 1996 erschossen und Uli verstarb an einem plötzlichen Herzinfarkt. Euch beide werde ich nie vergessen. Während wir in Haft saßen war Uli in Kurdistan und kam Anfang 1995 zurück nach Berlin, er hatte dort Cengiz gesehen und sie waren über 3 Wochen zusammen. Traurig war ich sehr, aber ich hatte mich auch sehr gefreut, denn beide liebten sich sehr und hatten die Möglichkeit, sich voneinander zu verabschieden.
Grüße und Umarmung an die Gefangenen in Athen, Budapest, Leipzig, Berlin und vielen anderen Ländern und Städten. Zeigt Solidarität, schreibt allen und bitte auch mit Adressen, damit sie zurück schreiben können, unterstützt sie mit Besuchen, es gibt viele Möglichkeiten, all die Gefangenen zu unterstützen.
Aus aktuellem Anlass möchte ich alle aus dem Ampelokipi – Verfahren Verhafteten, die sich in Athen im Knast befinden, grüßen und liebste Marianna – dein Brief an deinen gefallen Gefährten Kyriakos hat mich mit unglaublichen Gefühlen überrollt. Umarmung und Kraft an alle, die derzeit in Athen sitzen.
Liebe Grüße an Daniela Klette, die sich derzeit in Haft befindet und diesem System ins Gesicht lacht und ein wunderschönes Lächeln hat, die diese Staatspresse verrückt macht…..!
Domhöver, du Verräter, Dreck, dass du nie Ruhe findest und immer mit der Angst leben, erkannt zu werden.
Liebster Bernd vom Komitee, der leider nicht mehr zurückkommen konnte, hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Wir haben nach meiner Entlassung im gleichen Haus gelebt und du warst neben den vielen Frauen im Haus, eine große Unterstützung für mich.
Das Buch Zwischenwelten habe ich verschlungen und hoffe dass du in den Zwischenwelten auch vielen begegnen kannst und sie umarmen kannst.
Devran, September 2025
Widerstand gegen die technofaschistische Übernahme: Sind wir bereit für die Decomputerisierung?
Presseartikel von Berliner Gazette.de
Da unsere derzeitigen gesellschaftspolitischen Strukturen auf Zentralisierung und Abstraktion basieren, sind sie anfällig dafür, durch KI ersetzt zu werden. Dies zeigt sich nicht nur am Beispiel des von der zweiten Trump-Regierung ins Leben gerufenen Department of Government Efficiency (DOGE), sondern auch an vielen weniger bekannten Beispielen auf der ganzen Welt, darunter auch in Europa. Dan McQuillan erkennt, dass unsere Gesellschaften kurz vor einer technofaschistischen Übernahme stehen. Er bewertet die Risiken und bietet praktische Strategien für den Widerstand.
In den Maßnahmen der DOGE in den USA sehen wir die Art von technopolitischer Wende zum faschistischen Solutionismus, die in „Resisting AI“ beschrieben wird. Dieses Buch war ein Versuch, der weiteren Annäherung zwischen rechtsextremer Politik und dem Technologiesektor zuvorzukommen. Das Aufkommen der sogenannten generativen KI und die steigende Welle faschistischer Politik haben die Dinge jedoch tatsächlich beschleunigt. Widerstand ist dennoch möglich. Und dringender denn je. In diesem Artikel skizziere ich die Mechanismen, mit denen DOGE den Staat hacken konnte, und was das für den technopolitischen Widerstand in Großbritannien und Europa bedeutet.
Beschleunigung
Zwar sind die Einzelheiten dessen, was Technologien wie KI leisten können und was nicht, wichtig. Doch der umfassende Wandel, den wir derzeit erleben, wird nicht von der Technologie selbst angetrieben – so disruptiv sie auch sein mag –, sondern vom fortschreitenden Zusammenbruch bestehender Systeme, insbesondere der neoliberalen Weltordnung. Die Rhetorik rund um DOGE behauptet zwar, dass es sich dabei um eine Antwort auf diese Krise handelt, für die aufgeblähte und ‚woke‘ staatliche Institutionen verantwortlich gemacht werden. Doch diese Behauptung hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Die Entlassung von Mitarbeiter*innen und die Kündigung von Verträgen mögen zwar kurzfristig Geld sparen, doch die Rücksichtslosigkeit von DOGE beschleunigt eher das Chaos als die Effizienz.
Anstatt den Staat zu optimieren, haben sich technologischer Akzelerationismus und reaktionäre Politik zusammengeschlossen, um alle Formen des progressiven Wandels und der sozialen Inklusion zurückzudrängen. Die Errungenschaften im Bereich der Bürger*innenrechte in den USA waren zwar unvollkommen, aber hart erkämpft. Die Theorie der Verfassungsordnung besagt, dass wesentliche Veränderungen durch demokratische und rechtliche Kontrollmechanismen abgesichert werden sollten. Stattdessen scheint eine Gruppe junger Männer mit sechs Laptops pro Rucksack diesen Gesellschaftsvertrag mehr oder weniger über Nacht zunichte gemacht zu haben.
‚Privilegieneskalation‘
Es hat sich herausgestellt, dass die Zentralisierung, Bürokratisierung und Digitalisierung staatlicher Institutionen diese anfällig für eine Form von ‚Cyberangriffen von Innen‘ macht. Das Verlassen auf Befehlsgehorsam und sichere Passwörter funktioniert nicht, wenn die Befehle lauten, einem Praktikanten von Tesla mit mäßigen technischen Fähigkeiten und grenzenloser libertärer Überheblichkeit Root-Zugriff zu gewähren. Im Hacking wird diese Art der Übernahme als ‚Privilegieneskalation‘ bezeichnet. Sobald die Nerds Lese- und Schreibzugriff auf Personal- und Zahlungssysteme haben, zählt die Erfahrung sorgfältiger und gewissenhafter Beamter nur noch wenig.
An diesem Punkt kommt das techno-faschistische Bekenntnis zur KI wirklich zum Tragen. Sei es, um anhand von 5-Punkte-E-Mails zu beurteilen, welche Mitarbeitenden überflüssig sind, oder um empirisch unmögliche Aufgaben wie die Überprüfung aller 76.000 Verträge des Department of Veteran Affairs (VA) innerhalb von 30 Tagen zu bewältigen – Elon Musks Gefolgsleute griffen auf KI zurück, insbesondere auf Large Language Models (LLMs). Im VA-Department stand das Tool dafür bereits am zweiten Tag bereit. Dies war jedoch kein Triumph der Programmierung, sondern ein ganz gewöhnliches LLM, das über die Systemaufforderung (die unsichtbare Vorab-Anweisung) angewiesen wurde, dass „Infrastruktur, die direkt die Patientenversorgung unterstützt, als NICHT munchable klassifiziert werden soll“. Verträge im Zusammenhang mit Initiativen oder Dienstleistungen zu Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) […] sollten als ‚munchable‘ (etwa ‚zum wegknabbern‘) klassifiziert werden“ (wobei ‚munchable‘ für ‚zur Streichung vorgesehen‘ steht).
Das Verständnis der komplexen Zusammenhänge dieser Dienste erfordert natürlich Einblicke in die medizinische Versorgung, das institutionelle Management und die Ressourcenverteilung. Ein LLM ist aus vielen Gründen nicht für diese Aufgabe geeignet, nicht zuletzt, weil es buchstäblich nichts versteht und Kontext sowie Relationen aktiv ausblendet. Von außen ist schwer zu sagen, inwieweit die DOGE-Jungs an die These ‚AI ist fast AGI‘ glauben. Das ist aber auch nicht wirklich wichtig. Sie wissen bereits, dass der ‚woke‘ Leviathan zerstört werden muss und dass KI der beste Weg ist, um hart durchzugreifen, während sie gleichzeitig den Eindruck vermitteln, die Systeme würden verbessert und nicht einfach weggeworfen.
Was ihr Cyberangriff bewirkt hat und was gerichtliche Anordnungen offenbar nicht rückgängig machen können, ist die Zusammenführung riesiger, zuvor isolierter Datenmengen, um Machtmissbrauch zu verhindern. Natürlich waren diese Daten, wie jeder weiß, der unter dem neoliberalen Status quo zu leiden hat, schon lange vor dem Auftauchen von DOGE oder sogar Donald Trump durch bürokratische Grausamkeit gründlich instrumentalisiert worden, um Einwanderer*innen zu verfolgen oder Sozialleistungen zu streichen. Was heute in den USA anders ist, ist, dass die Maske gefallen ist und selbst die demokratische Rechenschaftspflicht über Bord geworfen wurde. Stattdessen saugen Unternehmen wie Palantir alle Daten auf und folgen dabei dem Slogan „build to dominate“.
Technopolitik
Es ist wichtig zu verstehen, dass DOGE nur ein Mittel zum Zweck war und dass es – ähnlich wie die Covid 19-Pandemie – noch lange nicht vorbei ist und sich schnell ausbreitet. In Großbritannien beispielsweise setzt die Labour-Regierung vieles davon selbst um: von der Datenweitergabe bis hin zur Auslagerung wichtiger Bereiche des staatlichen Gesundheitsdienstes an Palantir. Die Populist*innen fordern reines DOGE, während angeblich linksgerichtete Thinktanks für ‚fortschrittliche Effizienz‘ und ‚besseres DOGE‘ argumentieren. Überall beugen sich politische Parteien vor der KI, beschwichtigen die extreme Rechte und scheinen nicht bereit zu sein, das Notwendige zu tun, um eine techno-faschistische Machtübernahme zu verhindern. Es liegt an uns anderen, uns dagegen zu wehren.
Anhänger*innen der ‚souveränen KI‘, des aktuellen Lieblingskonzepts europäischer Staaten, die bei dem Gedanken an Trumps Finger auf einem KI-Kill-Schalter in Panik geraten, aber genauso süchtig nach KI für Wachstum und geopolitische Führungsmacht sind wie Großbritannien, sollten bedenken, dass dieses Konzept keines der hier beschriebenen Probleme löst. Wie überall sonst ist auch Europa in einer zusammenbrechenden neoliberalen Ordnung gefangen und steht vor mehreren sozialen Krisen, die es durch einen rasanten Schwenk nach rechts bewältigen will. Die EU ist genauso KI-verblendet wie Großbritannien, sodass sie nun einen Plan hat, Europa zu einem ‚KI-Kontinent‘ zu machen. Die Mechanismen der sozialen Ordnung innerhalb der EU umfassen genau die Arten von Zentralisierung, Bürokratisierung und Digitalisierung, die sie anfällig für eine techno-faschistische Übernahme machen. Unklar ist derzeit noch, ob dies durch einen offensichtlich destruktiven Vorstoß wie DOGE geschehen wird oder ob die extreme Rechte mittlerweile so mächtig ist, dass sie die EU einfach von innen heraus übernehmen wird. Sicher ist, dass der rechtsextreme Block Pläne für eine ‚europäische technologische Souveränität und digitale Infrastruktur‘ gerne unterstützt, da er weiß, dass diese eher seinem Ultranationalismus entsprechen als ihn zu untergraben.
Was wir hier beobachten, ist ein technopolitischer Kampf, in dem Technologie nicht als neutrales Werkzeug, sondern als Apparat betrachtet wird, der die Politik der Vergangenheit verdichtet und die Politik der Zukunft prägt. Zwar ist es nach wie vor schwierig, manche Menschen davon zu überzeugen, dass alle Politik Technopolitik ist, doch es gibt Bereiche, in denen dieses Argument nicht geführt werden muss. Die Bewegung der Personen mit Behinderung beispielsweise hat ein sehr ausgeprägtes Verständnis dafür, wie Werkzeuge das Sozialmodell von Behinderung konkretisieren und welche Umgestaltung im Sinne der Autonomie erforderlich ist. Auch die Klimabewegung hat erkannt, dass unsere Technologien die toxische Ideologie des unendlichen Wachstums verinnerlichen, welche unseren Planeten zu zerstören droht. Sie kann nachhaltige Alternativen formulieren. In meinem eigenen Bereich, der Hochschulbildung, entwickeln einige ein geschärftes Verständnis dafür, wie Technologien wie generative KI die Pädagogik, Institutionen und die Möglichkeit des kritischen Denkens untergraben. All diese Bereiche sind reif für technopolitischen Widerstand.
In „Resisting AI“ habe ich argumentiert, dass ein Ausgangspunkt die Bildung von Arbeiter*innen- und Volksräten zum Thema KI ist, und ich denke, dass dies nach wie vor gilt. Diese Strukturen kollektivieren die Ablehnung von KI und tun dies auf eine Weise, die die Relationalität, den Kontext und Sorge (Care) hervorhebt, welche KI selbst abstrahiert und auslöscht. Ich schlage vor, dass Volksräte zum Thema KI – ob sie nun aus Gewerkschaftsverbänden, Eltern-Lehrer-Vereinigungen oder Aktivistengruppen gebildet werden – ein Mittel sind, um einen wirksamen Widerstand gegen zukünftige Versuche des techno-faschistischen Systemhackings zu säen. Ich möchte hier zwei miteinander verbundene Konzepte hinzufügen, die aufzeigen, wie Volksräte die scheinbare Unvermeidbarkeit einer KI-getriebenen Faschisierung durchbrechen und die Dinge in eine andere Richtung lenken können. Diese Konzepte sind ‚Skalierbarkeit‘ und ‚Konvivialität‘.
Decomputerisierung
KI erfordert Skalierbarkeit und ist davon abhängig – sowohl in Bezug auf die benötigten Daten und den Umfang der erforderlichen Rechenressourcen als auch in Bezug auf den Energiebedarf der Rechenzentren. Die Branche selbst akzeptiert, dass Skalierung ihr einziger Weg nach vorne ist – eine Erkenntnis, die einigen als ‚bittere Lektion‘ bekannt ist. Gleichzeitig sind unsere aktuellen gesellschaftspolitischen Strukturen, die auf Zentralisierung und Abstraktion basieren und somit die Logik der Skalierung verkörpern, zutiefst anfällig dafür, durch KI ersetzt zu werden. Ein Beispiel für den Widerstand an beiden Fronten gleichzeitig ist der Widerstand gegen den Bau neuer Hyperscale-Rechenzentren.
Die Vervielfachung und Expansion von Rechenzentren bildet die materielle Grundlage für die techno-faschistischen Operationen der KI. Ihr Strom- und Wasserbedarf ist so enorm, dass es bei zukünftigen Stromausfällen oder Wasserknappheit zu einem Wettstreit zwischen den Rechenzentren und dem Rest der Gesellschaft kommen wird. Die Macht der Big-Tech-Unternehmen ist so groß, dass sie sich auf Regulierungsmaßnahmen und die Vereinnahmung des Staates verlassen können, um ihre Pläne durchzusetzen. Der Widerstand gegen den Ausbau von Rechenzentren in Form von kollektiven und direktdemokratischen Versammlungen bekämpft sowohl die Ausweitung der materiellen Infrastrukturen als auch die Entfremdung der Entscheidungsfindung, anstatt vergeblich an die bestehenden Behörden zu appellieren, die Regeln einzuhalten. Die Problematisierung dieser Größe wirft die Frage auf, wie wir stattdessen vorgehen sollten. Ich denke, hier überschneiden sich der Widerstand gegen KI und die Degrowth-Bewegung. Wie bei der Idee der Abschaffung von KI hört Degrowth nicht bei der Ablehnung auf, sondern verlagert den Fokus auf andere Organisations- und Handlungsweisen. Degrowth ist auch eine Forderung nach alternativen Gesellschaftsvisionen. Eine Technopolitik, die sich sowohl gegen KI als auch gegen die Wachstumsbesessenheit ihrer politischen und finanziellen Unterstützer*innen richtet, kann einen Rahmen für das weitere Vorgehen bieten. An dieser Stelle kommt das Konzept der Konvivialität ins Spiel.
Das von Denker*innen wie Ivan Illich entwickelte Konzept der Konvivialität liefert Kriterien für die Entwicklung einer alternativen Technopolitik. Illich plädierte für eine ‚Gegenforschung‘, die zwei Hauptaufgaben hat: „Leitlinien für die Erkennung der Anfangsstadien einer mörderischen Logik in einem Werkzeug zu liefern und Werkzeuge und Werkzeugsysteme zu entwickeln, die das Gleichgewicht des Lebens optimieren und damit die Freiheit für alle maximieren.“ Infolgedessen wurden Fragen formuliert, die wir jeder technologischen Innovation auf jeder Ebene stellen können, wie beispielsweise: Wie wirkt sie sich auf die Beziehungen zwischen Menschen aus? Oder: Wie interagiert sie mit lebenden Organismen und Ökosystemen?
Eine konsequente und militante Anwendung dieser Kriterien durch die oben genannten Volksräte am Arbeitsplatz, in der Gemeinde und als Teil bestehender sozialer Bewegungen ist ein Weg, um technopolitische Gegenmacht zu entwickeln. Vor allem aber ist die Forderung nach der sozialen Determinierung von Technologie ein Ansatz, um die durch Jahrzehnte des Neoliberalismus entstandene Einschränkung kollektiver Handlungsfähigkeit zu überwinden. Diese Kombination aus Degrowth und kritischer Technopolitik bezeichne ich als Decomputerisierung.
Remaking
In der heutigen Zeit müssen wir alle Antifaschist*innen sein. Aber Antifaschismus macht, wie alle Formen des Widerstands, nur als Vorläufer von etwas Besserem Sinn. Die italienischen Partisan*innen, die mit solcher Entschlossenheit gegen den Faschismus kämpften, waren nicht von der Rückkehr zu einem bürgerlichen Status quo motiviert, sondern von der Hoffnung auf eine bessere, gerechtere und solidarischere Gesellschaft. In ähnlicher Weise verfahren die kleinen Nischen transformativer Technopolitik der Gegenwart. Ein Beispiel ist die GKN-Fabrikbesetzung, die die Umstellung von der Herstellung von LKW-Achsen auf die Produktion von Lastenfahrrädern und Solarpaneelen sozialisiert hat – und dies ausdrücklich als Teil einer Graswurzelbewegung für einen gerechten Übergang (‚Insorgiamo!‘ oder ‚Erhebt euch!‘).
Widerstand gegen KI bedeutet, ihre Folgen abzulehnen, wie etwa das Wiederaufleben der Eugenik in Sozial- und Gesundheitssystemen. Es bedeutet auch, die Bedingungen abzulehnen, die es KI ermöglichen, so wichtig und einflussreich zu werden. Dazu zählen beispielsweise unsere wachstumsbesessenen, zentralisierten politischen Ökonomien. Derzeit hat die extreme Rechte Rückenwind. Sie projiziert ihre nihilistische Vision erfolgreich durch Technologien, die von Natur aus arbeiter*innenfeindlich, antidemokratisch und rassistisch sind. Ein Teil des ‚Aufbaus einer neuen Welt in der Hülle der alten‘, wie es die IWW formuliert, besteht darin, Formen technologischer Infrastruktur zu entwickeln, die mit einer Neugestaltung der Gesellschaft nach konvivialen, konföderalen und mutualistischen Prinzipien im Einklang stehen.
Bericht von meiner Zeugenvorladung am 10.12.25 in Hamburg
vonNetzwerk Freiheit für alle politische Gefangenen

Für mich war klar, ich werde nichts sagen. Also Aussageverweigerung.
Am Mittwoch, den 10.Dezember hatte ich eine Vorladung in einem Hamburger Polizeirevier in Billstedt:
Meine Zeugenvorladung lief über die Generalbundesanwaltschaft (GBA) wegen Volker Staub und “Mord”.
Dabei soll es sich wohl um die Aktion 1991 des Kommandos Ulrich Wessel der RAF gegen den Treuhandchef Rohwedder handeln. Durch diese Behörde haben viele Arbeiter:innen ihren Job in der ehemaligen DDR verloren.
Ich war in Begleitung meines Anwaltes Johannes Santen. Anwesend von der Gegenseite waren drei junge Beamte des BKA aus Meckenheim.
Für mich war klar, ich werde nichts sagen. Also Aussageverweigerung.
Was wollten sie denn wissen, fragte mein Anwalt?
Sie hatten daraufhin eine Menge Fragen und Fotos für mich parat.
Es ging dabei um eine Wohngemeinschaft 1978 in Hamburg, in der Volker und ich gelebt haben sollen:
Wie waren da die persönlichen und politische Verhältnisse untereinander ?
Dazu muss ich sagen, dass nur durch Aussagen 2 ehemaliger WG-Mitglieder, die Bullen auf uns beide gestoßen sind.
Später wurden diese Denunziationen im Münchener RAF-Prozess gegen Volker verwendet. Er wurde zu 4 Jahren Knast verurteilt und 1988 entlassen!
Eine weitere Frage war: Wie habe ich ihn kennengelernt?
Da ich Aussageverweigerung praktizierte, wurde die Befragung beendet .Die ganze Verhandlung wurde schriftlich von den Beamten festgehalten.
Wie geht es weiter?
Es droht evtl. weitere Vorladungen und Bußgelder und schlussendlich Beugehaft bis zu 6 Monaten.
Fazit
Schon 1984 nach der Verhaftung von Volker hatte ich eine Vorladung. Habe damals auch die Aussage verweigert.
Auch wenn die Fragen bald 50 Jahre zurückliegen:
Wie damals unsere politischen Beziehungen waren, geht der Klassenjustiz auch akut nichts an.
Die ganzen zirka bisher 40 Vorladungen wegen Daniela, Burkhard und Daniela dienen zu Abschreckung nicht nur für die älteren, sondern auch für alle jüngeren Kämpfer:innen: Wie sind alle akut von Repression, Vorladungen und Knast wegen unserer antifaschistischen, internationalistischen, antimilitaristischen und klassenkämpferischen Aktivitäten gegen das herrschende System betroffen.
Auch heute ist mir und hoffentlich auch allen anderen noch einmal klar geworden, wie wichtig es ist, nichts zu sagen: War schon 1984 so und heute ebenso!Aussageverweigerung ist immer ein notwendiger Widerstand!
Zusätzlicher Grund der Vorladungen: Die Klassenjustiz blickt nicht durch, will deshalb alles erfassen und erforschen, wie und warum sich immer wieder Widerstand - früher wie heute – gegen diese imperialistische Bestie BRD erhebt.
Anna und Arthur halten das Maul!
Freiheit für Daniela Klette!
Solidarität mit Volker, der seit über 30 Jahren gesucht wird und allen weiteren Untergetauchten!
Freiheit ist nur durch Widerstand möglich!
Wolfgang
Bin Mitglied des Netzwerks Freiheit für alle politische Gefangenen und im Januar werde ich Daniela besuchen.
FinTech und Datenschutz: PayPal sammelt die sexuellen Vorlieben von Kunden
PayPal ist im Frühjahr ins Werbegeschäft eingestiegen. Der Finanzdienstleister hortet umfangreiche persönliche Informationen über Menschen, die ihn nutzen, und stellt solche Daten Werbetreibenden zur Verfügung. Ein juristisches Gutachten zeigt nun, dass das illegal ist.
12.12.2025 von netzpolitik von - Martin Schwarzbeck -
Mit Paypal kann man jetzt auch in Geschäften zahlen – und sogar auf dem Flohmarkt, wie Schauspieler Will Ferrell in einer Werbekampagne zeigt. In der deutschen Version sagt er zu einem kleinen Jungen, der ihn beim Kauf einer Actionfigur über den Tisch zieht: „Wenigstens meine Daten sind sicher vor euch Abzockern.“ Doch die Aussage ist nicht wahr.
Die Finanztransaktionsplattform PayPal positioniert sich in einer Werbekampagne als Alternative zum Bargeld. Dabei gibt es einen drastischen Unterschied zwischen beiden Zahlungsmitteln. Bargeld wird zwar auch getrackt, aber die Daten, die Paypal erhebt – und an Werbetreibende verkauft – sind viel umfassender als nur die Info, welche Summe von wo nach wo wandert.
Das Netzwerk Datenschutzexpertise hat die Datenschutzpraxis von Paypal im Rahmen eines juristischen Gutachtens untersucht und kommt zu einem vernichtenden Ergebnis. Das Unternehmen erfasst, was du zu welchem Preis kaufst, von welchem Unternehmen du es erwirbst, und wohin du es liefern lässt. Es speichert Standortdaten, die Liste der Apps auf deinem Telefon, welches Gerät und welchen Browser du benutzt und welche Websites du besuchst.
PayPal speichert teils sogar die sexuelle Orientierung
Das Unternehmen erlaubt sich laut Datenschutzerklärung auch, deinen Fingerabdruck zu erfassen, dein Einkommen, deine Telefon- und Steuernummer, deinen Beruf, dein Alter, dein Geschlecht, deine Kreditwürdigkeit und deine finanzielle Situation. In dem Datensatz, den der Konzern über dich anlegt, sind – so die Datenschutzerklärung – womöglich auch religiöse Überzeugungen, politische oder philosophische Ansichten, Behinderungen und die sexuelle Orientierung vermerkt, sowie „Daten aus den von Ihnen verknüpften Drittkonten“.
PayPal kann laut dem Gutachten extrem sensible Informationen sammeln, weil auch Zahlungen an Gesundheitseinrichtungen oder Anwält*innen, sowie Spenden an politische Parteien und religiöse Institutionen über die Plattform abgewickelt werden. PayPal speichert die Daten, so lange das Konto existiert und zehn Jahre darüber hinaus.
Seit dem Frühjahr ist PayPal auch im Werbe-Business
Paypal ist im Internet das populärste Zahlungsmittel. Im Frühjahr 2025 – kurz vor dem Start der Webekampagne mit Will Ferrell – ist der Konzern auch ins Werbegeschäft eingestiegen. Er nutzt dabei Zahlungsdaten, um Werbung zu personalisieren.
Das Netzwerk Datenschutzexpertise schreibt in seinem Gutachten: „Die hohe Aussagekraft der Finanztransaktionsdaten begründet ein hohes Nutzungs- und auch ein hohes Missbrauchspotenzial“. So sei damit beispielsweise manipulative Werbung möglich und auch eine diskriminierende Preisgestaltung.
Dabei muss Zahlungsverkehr in Deutschland und Europa eigentlich anonym ablaufen. Ausnahmen von der Regel sind nur erlaubt, wenn sie eindeutig nötig und gut begründet sind.
PayPal speichert sensible Daten ohne explizite Einwilligung
Laut des Gutachtens informiert PayPal seine Kund*innen nicht hinreichend darüber, wofür, an wen und auf welcher Rechtsgrundlage Daten weitergegeben werden und speichert die Daten unerlaubt lange. Zudem geht das Unternehmen davon aus, dass Menschen mit der Nutzung des Dienstes in die Datenverarbeitung einwilligen. Dabei muss diese Einwilligung – spätestens, wenn es um sensitive Daten, Marketing- und Werbezwecke oder die Weitergabe von Daten geht – tatsächlich bewusst, informiert, genau definiert und unabhängig von der Verfügbarkeit des Dienstes gegeben werden, um rechtmäßig zu sein. Die Kund*innen müssen wissen, wozu sie da eigentlich zustimmen.
Der Konzern bietet Unternehmen die personenbezogenen Informationen laut dem Gutachten in aggregierter Form an. Die Firmen können dann über PayPal auf Webseiten, Apps und Smart-TVs Werbung platzieren, die angeblich die Zielgruppe sehr genau erreicht. Auch der direkte Verkauf der Daten an Werbefirmen war zumindest mal geplant. Über die aktuelle Umsetzung dieses Projekts in Europa ist dem Netzwerk Datenschutzexpertise nichts bekannt.
Einen Teil der Informationen sammelt PayPal angeblich, um betrügerische Kontozugriffe zu verhindern. Im August 2025 waren die Anmeldedaten zu 15 Millionen PayPal-Konten im Darknet aufgetaucht, woraufhin die Zahl der Betrugsversuche massiv in die Höhe ging.
Die Liste der Datenempfänger umfasst 600 Unternehmen
PayPal behält sich vor, die erfassten Daten weiterzugeben, beispielsweise an Behörden, andere Finanzinstitute, Inkassobüros, Auftragsverarbeiter und Partnerunternehmen. Eine Liste mit möglichen Datenempfängern umfasst 600 Firmen aus vielen Staaten der Welt.
Die Datenschutzerklärung, die 7.000 Wörter umfasst, lässt „nicht erkennen, mit welchen Daten auf welcher Rechtsgrundlage welche Zwecke verfolgt werden“, so das Netzwerk Datenschutzanalyse. Problematisch sei, dass sowohl die Kategorien der Daten als auch die Arten der Verarbeitung nur beispielhaft und nicht abschließend aufgeführt werden.
Auch die AGB seien ausgesprochen nutzerunfreundlich. Sie umfassen 17 Dokumente, wobei für Kund*innen nicht ersichtlich sei, welche für sie relevant sind. Hinzu kommen 20.000 Wörter Nutzungsbedingungen ohne Inhaltsverzeichnis. Mit der Eröffnung eines Kontos erklären sich Nutzer*innen mit all diesen Bedingungen einverstanden.
So widerspricht man der Datennutzung zu Werbezwecken
Die Nutzung der Daten zu Werbezwecken ist in PayPal-Konten voreingestellt. Wer das abschalten möchte, muss auf der Website erst auf „Daten und Datenschutz“ und dann auf „personalisierte Angebote und Werbung“ klicken. Dort lässt sich ein Regler zwischen einem grauen und einem schwarzen Feld hin- und herbewegen. Welche die datenschutzfreundliche Option ist, wird nicht erklärt. Der mögliche Opt-Out steht im Widerspruch zur Datenschutzgrundverordnung, wonach die Voreinstellung eine möglichst geringe Datenverarbeitung („Privacy by Default“) vorsehen muss.
Als besonders problematisch sieht das Netzwerk Datenschutzexpertise, dass die personenbezogenen Daten auch nach außerhalb der EU übermittelt werden. Der Hauptsitz von PayPal ist in den USA, dort sind die Daten deutlich schlechter geschützt als in Europa. Zudem ist das Unternehmen gezwungen, Daten an US-Behörden herauszugeben, wenn diese sie anfordern.
Die Datenschutzexpert*innen sehen ihre Analyse der Datenschutzpraxis von PayPal nur als exemplarischen Fall. „Es ist zu vermuten, dass die bei PayPal festgestellten Mängel in ähnlicher Form bei anderen Unternehmen in diesem Bereich bestehen“, schreiben sie. BigTech-Unternehmen würden zunehmend versuchen, auf Finanztransaktionsdaten zuzugreifen, um diese mit Daten aus anderen Anwendungen zu kombinieren und kommerziell zu nutzen. Deshalb fordern die Datenschutz-Expert*innen, die Nutzung von Finanzdaten für Werbezwecke generell zu verbieten.
Laut Heise Online prüft Paypal das Gutachten derzeit. Es lässt sich wie folgt zitieren: „Die Einhaltung der EU-Datenschutzanforderungen ist für uns sowohl für die Entwicklung als auch den Betrieb unserer Produkte von zentraler Bedeutung, um ein qualitativ hochwertiges Erlebnis und Sicherheit im Zahlungsverkehr für unsere Kund:innen sicherzustellen.“
Jahrzehntelange Einzelhaft in Deutschland – Eine notwendige sozialarbeiterische Untersuchung
von: Thomas am: 10.12.2025 -
Hauke Kröger hat im Rahmen seiner kürzlich an der Internationalen Hochschule eingereichten Bachelorarbeit über jahrzehntelange Einzelhaft in Deutschland ein seltenes Dokument in der deutschen Sozialarbeitslandschaft vorgelegt. Selten nicht, weil das Thema neu wäre, Isolationshaft gab es in der Bundesrepublik schon immer, und sie existiert bis heute, sondern weil Sozialarbeiter*innen in Deutschland darüber weitgehend schweigen. Während in den USA abolitionistische Netzwerke wie SWASC lautstark gegen Isolationshaft (Solitary Confinement) auftreten, bleibt die deutsche Soziale Arbeit erstaunlich stumm. Krögers Arbeit schließt diese Lücke: wissenschaftlich präzise, aber politisch klar: Einzelhaft ist kein Randphänomen, sondern strukturelle Gewalt.
Wie die Arbeit vorgeht
Die Studie basiert auf selten zugänglichem Material: Gerichtsakten, Vollzugsplänen, psychiatrischen Gutachten, Stellungnahmen und persönlichen Schreiben dreier Gefangener, die jeweils über ein Jahrzehnt, in einem Fall fast drei Jahrzehnte, isoliert festgehalten wurden. Einer der Gefangenen, Christian Bogner, sitzt, mittlerweile 70 Jahre alt, seit über 21 Jahren ununterbrochen in Isolationshaft.
Diese Dokumente werden mit den berufsethischen Kodizes der Sozialen Arbeit (DBSH, IFSW) abgeglichen. Der Autor bewegt sich dabei nicht im luftleeren Raum akademischer Begriffe, sondern stellt die Frage:Verstößt jahrzehntelange Einzelhaft gegen grundlegenden Werte der Sozialen Arbeit?
Sein Vorgehen: Die geringe Fallzahl wird nicht als Problem, sondern als Chance verstanden, Einzelfälle tiefergehend auszuwerten. Die qualitative Methodik erlaubt es ihm, die Lebensverläufe der Betroffenen zu rekonstruieren – und sie nicht als „gefährliche Täter“ zu betrachten, sondern als Menschen, die durch den Staat systematisch eines zentralen menschlichen Grundbedürfnisses beraubt wurden: der sozialen Beziehung.
Was Einzelhaft bedeutet
Die Arbeit macht unmissverständlich deutlich, was „unausgesetzte Absonderung“ in der Praxis bedeutet: mindestens 23 Stunden täglich allein in einer Zelle, keine Mitgefangenen, eingeschränkte Besuche, oft nur hinter Trennscheibe, kaum körperliche Nähe, kaum Stimuli. Das Gesetz mag das als „besondere Sicherungsmaßnahme“ definieren; in der Realität bedeutet es sensorische Verarmung, psychische Destabilisierung und im schlimmsten Fall den Verlust des Bezugs zur Realität.
Besonders eindringlich ist die Beschreibung, wie Isolation die „Lebenstüchtigkeit“ abbaut. In einem Fall attestieren Gutachten einen schleichenden Verlust des Realitätsbezugs nach Jahren ohne soziale Interaktion. In einem anderen Fall wird Isolation zur „Routine“ – nicht, weil sie erträglich ist, sondern weil der Mensch beginnt, sich an die Bedingungen der eigenen Deprivation anzupassen. Jenen denen diese Anpassungsleistung nicht gelingt, laufen Gefahr zu sterben. Dass das keine Übertreibung ist, wird bei einem Blick in die Rechtsprechung deutlich. Es finden sich nicht viele Fundstellen, denn kaum einem Gefangenen gelingt es, sich vor Gericht Gehör zu verschaffen, aber es gibt eine wichtige Entscheidung des Bundesverfassungsgericht aus dem Jahr 1999: ein seit Jahren in Isolation gehaltener Gefangener drohte an der Isolationshaft zu sterben. Der Gefängnisarzt, so beschreibt es das Bundesverfassungsgericht, habe bescheinigt: „dass erhebliche Bedenken bestünden, ob der Beschwerdeführer unter diesen Bedingungen noch weiter überleben könne. Es seien Zeichen einer tiefen Depression zu sehen. Eine Depression könne auch ohne Selbstmord zum Tode führen. Die Depression könne durch eine Gesprächstherapie oder durch Medikamente nicht behoben werden.“
Hauke Kröger gelingt es eindrücklich in seiner Arbeit aufzuzeigen, wie zynisch die staatliche Logik wird: Isolation erzeugt psychische Beeinträchtigungen, die anschließend als Begründung genutzt werden, um Isolation fortzusetzen.
Strukturelle Gewalt – gutachterlich legitimiert
Die Arbeit dokumentiert außerdem ein System, das institutionelle Gewalt durch Gutachten absichert. Die Gefährlichkeit der Gefangenen wird über Jahre nahezu unverändert behauptet, obwohl dieselben Akten von stabilen Verhaltensverläufen, positiven sozialen Kontakten oder Therapieerfolgen berichten. Besonders problematisch wirkt die Praxis der sogenannten Rotationsverlegungen: Gefangene werden immer wieder zwischen verschiedenen Sicherheitsstationen verschoben, was soziale Kontakte massiv erschwert. Die Bachelorarbeit analysiert dies als Form der strukturellen Bestrafung – und als Belastung, die gleichzeitig Angehörige trifft, die teils hunderte Kilometer reisen müssen. Wieder zeigt sich: Isolation trifft nie nur die Gefangenen.
Ethische Kritik: Was bedeutet Menschenwürde?
Ausgehend von den ethischen Leitlinien der Sozialen Arbeit zieht der Autor der Arbeit eine klare Bilanz:
- Menschenwürde wird verletzt, wenn ein Mensch unbefristet eingesperrt und gleichzeitig unbefristet isoliert wird. Hoffnungslosigkeit ist keine legitime staatliche Maßnahme.
- Soziale Beziehungen: laut DBSH zentral für ein gelingendes Leben, so werden diese systematisch von den Gefängnissen, jeweils mit Zustimmung der übergeordneten Justizministerien, unterbunden. Körperliche Nähe, gemeinsames Kochen, körperliche Berührung bei Besuchen – all das wurde in den untersuchten Fällen über viele Jahre verhindert.
- Partizipation: ein Kernprinzip der Sozialen Arbeit, ist praktisch ausgeschlossen. Der Tagesablauf, soziale Kontakte, Therapie, Bildung: Alles wird vollständig von außen bestimmt.
- Soziale Gerechtigkeit: wird unterlaufen, wenn Bildungsangebote nicht zugänglich sind, weil Gefangene isoliert sind.
- Ungerechtigkeit: wird sichtbar, wo Einschränkungen nicht verhältnismäßig oder nicht nachvollziehbar begründet sind, etwa bei Trennscheibenbesuchen oder der Weigerung, trotz jahrelangen tadellosen Vollzugsverlaufs, eine Rückverlegung in den Regelvollzug zu veranlassen.
Politische Einordnung
Der besondere Wert der Arbeit liegt darin, dass Hauke Kröger die Fälle nicht individualisiert. Es geht nicht um „gefährliche Täter“, sondern um die Frage, wie ein dieser Staat mit Menschen umgeht, denen er die Freiheit entzieht. Isolationshaft erscheint dabei nicht als ultima ratio, sondern als Routineinstrument. Der Befund ist deutlich: Einzelhaft, in Gestalt jahrelanger unausgesetzter Absonderung von anderen Gefangenen, erscheint dabei als ein blinder Fleck der deutschen Öffentlichkeit und ein aktives Versagen der Sozialen Arbeit, die sich viel zu oft in institutioneller Loyalität einrichtet, statt sich an Menschenwürde, Selbstbestimmung und sozialer Gerechtigkeit zu orientieren.
Fazit
Die Bachelorarbeit ist ein präzise recherchiertes, mutiges und politisch relevantes Stück Forschung. Sie zeigt, wie sehr Isolationshaft menschenfeindliche Strukturen reproduziert – und wie dringend eine sozialarbeiterische, menschenrechtlich fundierte Kritik notwendig ist. Die Studie ist kein rein akademisches Werk, sondern auch ein solidarischer Beitrag zur Sichtbarkeit derjenigen, die hinter Mauern jahrzehntelang isoliert werden und deren Stimmen so gut wie nie gehört werden.
Eine solche Arbeit erscheint mir nicht nur wissenschaftlich bedeutsam, sondern politisch notwendig. Sie erinnert daran, dass selbst im Gefängnis der Staat an Menschenrechte gebunden sein sollte- und dass Solidarität dort beginnen muss, wo Menschen nicht einmal mehr die Möglichkeit haben, eine Hand zu halten oder ein Gespräch ohne Glaswand zu führen.
Datei:
Jahrzehntelange Einzelhaft in Deutschland - BachelorArbeit(zensiert).pdf






